Nina und Dr. Ralph Metternich überlassen dem Bergbaumuseum Mechernich wertvolle Fachliteratur und aufwendig gestaltete Bildtafeln als Dauerleihgabe – Fördervereinsvorsitzender Günter Niessen will den Fundus mit seinen Mitstreitern sichten, archivieren und ausgewählte Stücke öffentlich zeigen
Mechernich-Voißel – Manchmal liegen Bodenschätze nicht unter der Erde, sondern in Bücherregalen. Günter Niessen, Vorsitzender des Fördervereins Bergbaumuseum Mechernich, machte diese Erfahrung ausgerechnet an jenem Tag, an dem ihm bereits Bruno Grobelny die historische Figur der „Schwarzen Barbara“ für das Museum überlassen hatte. Die zweite Station seiner kleinen bergbauhistorischen Schatzreise führte ihn nach Voißel – zu Nina und Dr. Ralph Metternich.
Die beiden haben dort ein außergewöhnliches Haus mitsamt einer noch außergewöhnlicheren Hinterlassenschaft übernommen. Es gehörte zuvor dem 1942 geborenen Juristen Hans-Henning Ottermann, der seit 1976 zunächst als Richter am Amtsgericht Bergheim und später am Oberlandesgericht Bonn Recht sprach, und Ende 2021 starb.

Mit dem Haus blieb eine mehrere tausend Bände umfassende Bibliothek erhalten: Kunstbände und deutsche Literatur, darunter ältere und wertvolle Ausgaben, Heimatliteratur – und ein bemerkenswerter Bestand zur Geschichte von Bergbau, Hüttenwesen und Industrie.
Gerade dieser Teil ließ Günter Niessen aufhorchen. Seine Herkunft erklärt sich vermutlich aus der Familiengeschichte der früheren Hauseigentümer: Ottermanns Vater Walter war nach Angaben der Familie Direktor im Metallhüttenwesen des Ruhrgebiets. Bücher zur Montangeschichte, berg- und hüttenmännische Fachliteratur und andere Zeugnisse dieser Arbeitswelt fanden deshalb über Jahrzehnte Eingang in die Privatbibliothek.
Knappen in großer Montur
Besonders ins Auge fallen großformatige, aufwendig gefertigte Bildtafeln, von denen Nina Metternich und Günter Niessen einige vor sich auf Ottermanns früherem Schreibtisch ausbreiteten. Sie zeigen historische Trachten und Uniformen von Berg- und Hüttenleuten aus verschiedenen Regionen des deutschen Sprachraums. Es sind nicht bloß dekorative Bilder: Kleidung, Farben, Abzeichen und Ausstattung erzählen von Rang, Tätigkeit, Herkunft und einer jahrhundertealten bergmännischen Standeskultur.
Nina und Dr. Ralph Metternich wollten diesen Teil des Nachlasses deshalb nicht einfach auseinanderreißen oder irgendwo verschwinden lassen. Sie übergaben dem Förderverein des Bergbaumuseums eine Auswahl der bergbau- und montanhistorisch bedeutsamen Bücher, Bildwerke und Dokumente als Dauerleihgabe. Damit bleiben die Stücke Eigentum der Familie, werden aber künftig dort bewahrt und wissenschaftlich beziehungsweise heimatgeschichtlich erschlossen, wo sie ihren besonderen Zusammenhang entfalten können.
Für Günter Niessen beginnt damit zunächst die Arbeit. Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Mitstreitern des Bergbaumuseums will er die Dauerleihgabe Stück für Stück sichten, bestimmen, ordnen und archivieren. Was sich für die Präsentation eignet, soll nach Möglichkeit auch Eingang in den oberirdischen Museumskomplex finden. Denn manches Stück, das jahrzehntelang in einer privaten Bibliothek schlummerte, kann dort künftig helfen, die Geschichte der Menschen hinter Erz, Gruben und Hütten zu erzählen.
Auch für die Metternichs schließt sich dabei gewissermaßen ein Kreis. Die Familie hat Wurzeln in Voißel; über die alte Voißeler Familie Krupp reichen sie nach Angaben der Familie weit in die Ortsgeschichte zurück. Nina und Ralph Metternich lebten mit ihren drei heute 16, 21 und 23 Jahre alten Kindern zunächst über viele Jahre zwischen Stadt und Eifel, ehe Voißel endgültig zum Lebensmittelpunkt wurde.
Und so wandert aus einem privaten Bücherschatz nun ein kleiner Teil ins kollektive Gedächtnis der alten Bergbaustadt Mechernich. Die Bücher verlassen zwar ihre Bibliothek – ihre Geschichte aber bleibt in Mechernich erhalten.
pp/Agentur ProfiPress
09/23/2026

