Mechernich - Mechernichs stellvertretender Bürgermeister Peter Kronenberg eröffnete den Abend. Die Buchhandlung Schwinning vom Mechernicher Markt hatte einen Büchertisch aufgebaut, und die QuBi-Küche zeigte, dass man einen Krimiabend durchaus überleben kann, wenn wenigstens für ausreichende und köstliche Verpflegung gesorgt ist. Ein reichhaltiges Buffet stand bereit, bei dem die Gäste beherzt zugriffen; auch Getränke gab es gegen einen Obolus in die Spendenbox.

QuBi-Standortleiter Thomas Lenczyk bot den Gästen im Anschluss Führungen durch das Qualifizierungs- und Bildungszentrum an. Das erst 2024 offiziell eröffnete Zentrum, das die Gebrüder Hubert und Peter Schilles aus Floisdorf erbaut hatten, bündelt auf rund 3000 Quadratmetern Qualifizierung und berufliche Bildung der Nordeifel-Werkstätten und verfolgt besonders das Ziel, Menschen mit Handicaps auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vorzubereiten.
Für die Stadt Mechernich waren unter anderem Gabriele Schumacher vom Fachbereich Bildung, Kultur und Soziales sowie Kerstin Lehner gekommen, für die Nordeifel Tourismus GmbH Nicole Habrich, die das Kriminalfestival Nordeifel/Mordeifel auch an maßgeblicher Stelle organisiert hatte.
Kiehls „Frøhland“ kommt später
Literarisch teilten sich der Kölner Schriftsteller Thomas Kiehl und Lokalmatador Manfred „Manni“ Lang den Abend. Kiehl hatte ursprünglich auch seinen neuen, in Norwegen angesiedelten Roman „Frøhland“ vorstellen wollen. Weil das Buch noch nicht gedruckt vorlag, griff er stattdessen in den reichen Fundus seiner Kurzkrimis und las Beiträge aus den Anthologien „Nordeifel Mordeifel 2“ und „Nordeifel Mordeifel 3“ („Abstellgleis“ und „Verdammtes Recycling“).

Lang eröffnete seinen Teil mit der deutlich weniger ernst gemeinten Variante des Verbrechens. Sein Kurzkrimi „Pocahontas und die Diamanten“ aus der neuen Anthologie „Nordeifel Mordeifel 3“ spielt im Wildfreigehege Hellenthal. Dort erweist sich ausgerechnet ein Geierweibchen als kriminalistisch ausgesprochen brauchbar. Dass die Geschichte zum offiziellen Mechernicher Festivalprogramm gehörte, kam beim Publikum gut an.
Nach der Pause wechselte Lang das Register. Mit seinem erst wenige Tage vor Festivalstart erschienenen Thriller „Schattenwölfe“ führte er das Publikum an und in den Mechernicher Bleiberg des Jahres 1981. Statt tierischer Ermittler, Diamanten und schwarzem Humor geht es darin um einen Toten im stillgelegten Tagebau Virginia, alte Fotografien und Stollen, NS-Vergangenheit und Kalten Krieg – und um eine junge Stadtbeamtin und einen Lokalreporter, die nicht glauben wollen, dass ein vermeintlicher Unfall wirklich einer war.
Band „Kontraste“ räumte ab
Dass ein Krimifestival nicht nur vom gesprochenen Wort lebt, bewies die NE.W-Band „Kontraste“. Die inklusive Formation um Nicole Wollenweber und Simon Mertens gehört seit Jahren zum musikalischen Gesicht der Nordeifel-Werkstätten und hatte bereits die offizielle Eröffnung des QuBi musikalisch begleitet.

Beim Krimiabend legten die Musiker noch einmal kräftig nach. Zwischen den Leseblöcken sorgten sie für einen temperamentvollen Gegenpol zu Mord, Leichen und düsteren Stollen. Am Ende hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen: Standing Ovations für „Kontraste“ waren einer der emotionalen Höhepunkte eines Abends, an dem Literatur, Musik, Begegnung und Gastfreundschaft ungewöhnlich gut zusammenpassten.
Die städtische Beauftragte Gabriele Schumacher war begeistert: „Die Koordinatorin berufliche Bildung und Übergangsmanagement im „QuBi“, Christina Hölbling, war von Anfang an Feuer und Flamme für dieses Projekt, hatte super Ideen und hat uns alle Türen geöffnet.“

Mechernicher Beteiligung hatte es bereits zwei Tage zuvor an einem anderen bemerkenswerten Festivalabend gegeben. Im gerade einmal 42 rote Sessel zählenden „Kino 42“ in Nettersheim erinnerten Ralf Kramp und Manfred „Manni“ Lang, beide mit Mechernicher Wurzeln, an einen Mann, ohne den es das heutige Genre des Eifelkrimis in dieser Form vermutlich kaum gäbe: Jacques Berndorf, den 2022 verstorbenen Journalisten und Schriftsteller Michael Preute.
Berndorf wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. 1989 hatte er mit „Eifel-Blues“ seinen ersten Siggi-Baumeister-Krimi veröffentlicht; 22 weitere Romane mit dem Journalisten als Hauptfigur folgten. Damit machte er die Eifel zum Krimiland, lange bevor der Regionalkrimi zum bundesweiten literarischen Phänomen wurde.

Kramp und Lang gestalteten die Hommage nicht als konventionelle Gedenkveranstaltung, sondern als persönlichen, abwechslungsreichen und immer wieder humorvollen Erinnerungsabend. Kramp konnte dabei aus der besonderen Perspektive des Verlegers und Freundes erzählen, Lang aus eigenen Begegnungen mit dem Journalisten und Schriftsteller. So wurde aus dem Rückblick auf den großen alten Mann des Eifelkrimis zugleich eine kleine Reise durch die Entstehungsgeschichte jener literarischen Landschaft, auf der „Nordeifel Mordeifel“ heute gedeiht.
Festival mit eigenem „Krönchen“
Das verbindende Element vieler Lesungen war die neue Anthologie „Nordeifel Mordeifel 3“ aus dem KBV-Verlag. Ralf Kramp und Elke Pistor haben den Band herausgegeben; zahlreiche darin enthaltene Kurzkrimis wurden während des Festivals erstmals öffentlich gelesen.

Der Auftakt hatte bereits Maßstäbe gesetzt. Im ausverkauften S-Forum der Kreissparkasse Euskirchen waren Peter Godazgar, Ralf Kramp und Klaus Stickelbroeck mit der Jazz-Rock-Pop-Band des Landespolizeiorchesters Nordrhein-Westfalen aufgetreten. Moderatorin Susanne Edl von Radio Euskirchen führte durch den Abend. Danach zog der literarische Tross neun Tage lang von „Tatort“ zu „Tatort“.
Die abschließenden Zahlen sprechen für sich: 15 restlos ausverkaufte Veranstaltungen, mehr als 1100 Krimifans und 22 beteiligte Autorinnen und Autoren, resümierte NeT-Geschäftsführer Patrick Schmidder. Hauptsponsoren waren die Kultur- und Sportstiftung der Kreissparkasse und e-regio. Unterstützung kam außerdem vom Kreis Euskirchen, dem Autorenverband „Das Syndikat“, der RVK und Dzubiel-IT. Und so lässt sich die Bilanz dieses Festivals ausnahmsweise mit einer Erkenntnis ziehen, die außerhalb der Literatur höchst bedenklich wäre: Je mehr in der Nordeifel gemordet wurde, desto größer war der Publikumsandrang.

Insgesamt neun Tage lang mordeten, meuchelten, ermittelten, logen und fabulierten sich Ralf Kramp, Elke Pistor, Judith Merchant, Jo Adler, Christina Bacher, Christiane Dieckerhoff, Peter Godazgar, Thomas Kiehl, Ute Mainz, Klaus Stickelbroeck, Isabella Archan, Stefan Barz, Sabine Trinkaus, Rudi Jagusch, Andreas J. Schulte, Olaf Müller, Andrea Revers, Ralf Lano, Herbert Pelzer, Jutta Wilbertz, „Manni“ Lang und Carsten Sebastian Henn durch die Nordeifel.
Und weil selbst die schönste Tat mit Musik noch besser gelingt, mischten unter anderem die Jazz-Rock-Pop-Band des Landespolizeiorchesters NRW unter Leitung von Hans Steinmeier, Saxophonist Martin „Mäete“ Frings, Organist Erik Arndt, Gitarrist Thomas Wilbertz, die NE.W-Band „Kontraste“, Jutta Wilbertz mit ihrer Ukulele und schließlich die Schaustellerfamilie Schleifer mit Saxophon und Drehorgel kräftig mit.
Ein bemerkenswert großes Ensemble also, das aus einem Literaturfestival neun Tage lang ein Gesamtkunstwerk aus Spannung, schwarzem Humor, Musik, Kulinarik und ziemlich ungewöhnlichen Tatorten machte.

Und nach dem Mord ist in der Nordeifel bekanntlich vor dem nächsten Kulturfestival: 2027 soll zunächst wieder das Mundartfestival „Mir kalle Platt“ den Ton angeben, ehe „Nordeifel Mordeifel“ 2028 in die nächste Runde geht. Die Organisatoren planen beide Formate im zweijährigen Wechsel – Mundart in den ungeraden, Mord und Totschlag in den geraden Jahren.
„Bis dahin dürfen sich die Krimiautoren neue Todesarten ausdenken“, so Nicole Habrich von der NeT, die Cheforganisatorin beider Festivals. Und die Freunde des Eifeler Platt können schon einmal üben, wie man „Mord und Totschlag“ eigentlich richtisch op Platt säät…
pp/Agentur ProfiPress
09/18/2026

