Roswitha und Lukas Latzke stellten dem Planungsausschuss der Stadt Mechernich ihr weiterentwickeltes Konzept für den Lerchenpfad in Kommern-Süd vor
Kommern-Süd – „Mikro“ klingt zunächst nach Verzicht und wenig Platz. Doch als Roswitha und Lukas Latzke im Mechernicher Planungsausschuss die Grundrisse ihrer zwei geplanten Mikrohäuser am Lerchenpfad in Kommern-Süd präsentierten, zeigte sich ein anderes Bild: acht Wohnungen, separate Haustüren, eigene Treppen, private Terrassen, großzügige Schlafzimmer, Bäder und Platz für Kinderzimmer oder Homeoffice.
„Wenn man die Grundrisse sieht, kann man sich vorstellen, dort gut zu leben“, betonte Lukas Latzke. Auch die eingezeichneten Möbel hätten ihre tatsächliche Größe: „Da ist nichts geschummelt.“ Mit detaillierten Plänen und einem liebevoll gestalteten Modell war das Mutter-Sohn-Gespann in den Ausschuss gekommen. Genau diese zusätzlichen Informationen hatte sich die Politik gewünscht, bevor sie über die notwendigen Befreiungen vom geltenden Bebauungsplan entscheiden wollte.
Wie acht kleine Häuser
Geplant sind auf dem bislang unbebauten, rund 1.680 Quadratmeter großen Wiesengrundstück zwei Wohngebäude mit jeweils vier eigenständigen Wohneinheiten. Vier davon sollen jeweils rund 63 Quadratmeter groß werden, vier weitere rund 85 Quadratmeter. Es handelt sich um Mietwohnungen.

Das Besondere: Jede Wohnung funktioniert wie ein eigenes kleines Haus. Es gibt einen eigenen Zugang, eine eigene Haustür und eine eigene Treppe ins Obergeschoss. Die kleineren Einheiten bieten neben Küche, Wohn- und Essbereich unter anderem ein Schlafzimmer sowie ein weiteres Zimmer, das beispielsweise als Kinderzimmer oder Homeoffice genutzt werden kann. In den größeren Einheiten stehen zwei zusätzliche Zimmer zur Verfügung. „Jeder geht auf dem Grundstück seinen Weg entlang, schließt seine Haustür auf und geht in sein Haus“, brachte Roswitha Latzke das Prinzip auf den Punkt. Auf diese Weise soll die Flächeneffizienz eines Mehrfamilienhauses mit dem Wohngefühl eines Einfamilienhauses verbunden werden.
Bereits im November 2024 hatte der Ausschuss einem Entwurf mit vier zweigeschossigen Doppelhaushälften zugestimmt. Der soll im weitestgehend unverändert bleiben: „Wir bauen nicht wesentlich größer und verschieben die Baukörper auch nicht auf dem Grundstück“, betonte Lukas Latzke. Neu ist vor allem, dass innerhalb derselben Gebäudehülle nun acht statt vier eigenständige Wohneinheiten entstehen sollen.
Drei Befreiungen
Der Bebauungsplan für das Grundstück ist rund 50 Jahre alt. Für die neue Planung benötigt der Bauherr deshalb drei Befreiungen: für die Überschreitung der Baufenster, für die zweigeschossige Bauweise sowie für vier Wohneinheiten je Gebäude. Die ersten beiden Abweichungen hatte der Ausschuss bereits beim früheren Doppelhauskonzept mitgetragen. Mit der Umplanung zu Mikrohäusern kam die höhere Zahl der Wohneinheiten als dritter Punkt hinzu.
Die kompakte Bebauung sei eine zeitgemäße Form der Nachverdichtung, argumentierte Lukas Latzke. „Dieses Mikrohauskonzept verbindet das Beste aus beiden Welten.“ Es nutze die Fläche ähnlich effizient wie ein Mehrfamilienhaus, bewahre aber in Dimension, Gestaltung und Wohngefühl den Charakter kleiner Häuser.
Peter Kronenberg von der CDU-Fraktion fragte: „Ist das ein Sparhaus, ist das nur ein Raum – oder wie sieht das aus?“ Nach der ausführlichen Präsentation war diese Frage beantwortet. Die CDU-Fraktion könne dem Vorhaben daher zustimmen. Auch UWV-Vertreter Michael Weiß begrüßte insbesondere die Wohnungsgrößen, weil sie beispielsweise jungen Paaren ein attraktives Zuhause bieten könnten. Auf seine Nachfrage erläuterte Lukas Latzke, dass es sich um Mietobjekte handeln werde.
Daniel Decker begrüßte für seine Fraktion aus FDP/SPD/DIE LINKE grundsätzlich den sparsamen Umgang mit Bauland und die Schaffung zusätzlichen Wohnraums. Unter dem Begriff „Mikrohäuser“ habe er sich allerdings eher kleine, erschwingliche Eigenheime vorgestellt. Bei dem vorgestellten Projekt handele es sich letztlich um verdichteten Mietwohnungsbau. Diese Einordnung hätte aus seiner Sicht von Beginn an deutlicher sein können. Der Zustimmung zum Projekt tat dies jedoch keinen Abbruch.
Baumschutz, Stellplätze, ÖPNV
Auf dem Grundstück sollen private Rückzugsräume und gemeinschaftlich nutzbare Flächen miteinander verbunden werden. Jede Mietpartei erhält eine kleine Terrasse. Der übrige Garten soll offen, naturnah und ohne trennende Zäune gestaltet werden. Denkbar sei später auch eine gemeinschaftlich genutzte Grillhütte.
„Die Wiese soll in ihrem Charakter so weit wie möglich erhalten bleiben“, erklärte Lukas Latzke. Wege und andere befestigte Bereiche sollen deshalb nicht asphaltiert oder gepflastert, sondern mit wasserdurchlässigen, goldbraunen Wegedecken ausgeführt werden. Das Regenwasser könne dort versickern, wo es fällt.

Insgesamt sind auch 14 Auto-Stellplätze vorgesehen. Vier liegen in der Nähe der Wohngebäude, weitere sollen gebündelt am Becherhofer Weg angeordnet werden. Dort ist ein gemeinsamer Carport mit begrüntem Dach geplant. Punktfundamente sollen verhindern, dass die Wurzeln der angrenzenden Bäume durch lange Fundamente oder Mauern beschädigt werden.
Ortsbürgermeisterin Natalie Konias fragte auch nach dem Schutz des angrenzenden Baumbestands und möglichen Konflikten mit der vorhandenen Warnsirene. Thomas Hambach erläuterte außerdem für die Verwaltung, dass die benachbarte Bushaltestelle barrierefrei umgebaut werden soll. Vorgesehen seien unter anderem erhöhte Bordsteine, Leitmarkierungen, eine Wartehalle und eine angepasste Querungshilfe. Das Bauvorhaben am Lerchenpfad könne in diese Planung integriert werden.
Erdwärme, Solarstrom, Hochwasserschutz
Auch energetisch wollen Bauherr und Architekten hohe Maßstäbe setzen. Die Gebäude sollen in Holzbauweise mit heimischen Materialien und kurzen Transportwegen errichtet werden. Durch einen hohen Vorfertigungsgrad könnten die Wände innerhalb weniger Tage montiert werden. Angestrebt wird der KfW-40-Standard in Verbindung mit dem „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude“, kurz QNG. Dabei werden nicht allein der spätere Energieverbrauch, sondern auch Baustoffe, Transportwege, Wiederverwertbarkeit und die sogenannten grauen Emissionen über den gesamten Lebenszyklus betrachtet.
Eine zentrale Erdwärmepumpe soll alle acht Wohneinheiten versorgen. Gedämmte Leitungen führen zu kleinen Übergabestationen in den Häusern, sodass jede Einheit Heizung und Warmwasser individuell regeln kann. Die kompakte Bauform spare zusätzlich Energie, erklärte Roswitha Latzke.
Photovoltaikmodule seien ebenfalls eingeplant, stellte Lukas Latzke auf Nachfrage klar. Mindestens 30 Prozent der Dachflächen müssten ohnehin entsprechend genutzt werden. Möglich sei aber eine deutlich größere Anlage. Gründach und Photovoltaik ließen sich kombinieren. Der erzeugte Strom solle sowohl die Gebäude als auch eine öffentliche Schnellladestation versorgen, die einen eigenen Speicher erhalten soll.
Die begrünten Flachdächer der Wohngebäude und des Carports sollen Regenwasser zurückhalten und im Sommer klimaregulierend wirken. Genauso der naturnahe Garten, der mit standortgerechten Pflanzen ohne dauernde künstliche Bewässerung auskommen soll. Entscheidend sei dabei, möglichst viel Niederschlag direkt auf dem Grundstück zu halten. Wegen der leichten Hanglage könne die Versickerung dort zugleich einen Beitrag zum Hochwasserschutz für tiefer gelegene Gebäude leisten.
Noch befindet sich das Projekt im Stadium der Bauvoranfrage. Nach einem positiven Votum beginne für Planer und Bauherrn erst die eigentliche Detailarbeit, so Lukas Latzke. Dafür gab der Ausschuss schließlich grünes Licht: Die Zustimmung zu den drei erforderlichen Befreiungen vom Bebauungsplan erfolgte ohne Gegenstimme bei zwei Enthaltungen.
pp/Agentur ProfiPress
09/17/2026

