In der Mechernicher Peterheide steigt die RVK in eigene Produktion ein – Tankstelle soll auch für Pkw und Lkw zugänglich sein – Rund 15,1 Millionen Euro Fördermittel – Bürgermeister Michael Fingel sieht Investitionen, Arbeitsplätze und Zukunftstechnologien für die Region
Mechernich – Noch ist auf dem Gelände an der Peterheide vor allem viel Platz. Doch mit dem symbolischen Spatenstich ist dort jetzt ein Projekt gestartet, das für die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) ebenso wie für den Standort Mechernich einen wichtigen Schritt in Richtung klimaneutraler Mobilität bedeutet. Die RVK will hier künftig selbst grünen Wasserstoff produzieren und damit nicht nur ihre Busflotte versorgen. Auch private Nutzer sollen an der neuen Wasserstofftankstelle tanken können.

Entstehen soll die Anlage auf dem Gelände des künftigen Aus- und Weiterbildungszentrums für klimaneutrale und digitale Mobilität (AWM). Herzstück wird ein Elektrolyseur, der ausschließlich mit Strom aus regenerativen Quellen betrieben werden soll. Hinzu kommt eine öffentlich zugängliche Tankstelleneinheit, die dem späteren Gebäudekomplex vorgelagert wird.
Für das Vorhaben hat die RVK zwei Förderanträge gestellt, die laut Angaben des Unternehmens inzwischen bewilligt wurden. Insgesamt fließen rund 15,1 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Verkehr. Davon entfallen 7,9 Millionen Euro auf die Wasserstofftankstelle und 3,1 Millionen Euro auf den Elektrolyseur. Hinzu kommt eine Aufstockung um 4,1 Millionen Euro. Die Förderquote beträgt bei der Tankstelle 80 Prozent und beim Elektrolyseur 45 Prozent.
Zwei Busfüllungen pro Stunde
Die Dimensionen sind beachtlich: Der Elektrolyseur soll 36 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde produzieren können. Da ein Wasserstoffbus in der Regel rund 16 Kilogramm fasst, entspricht das etwas mehr als zwei kompletten Busfüllungen pro Stunde.

Für die Busse werden zwei Zapfsäulen mit 350 bar bereitstehen. Eine vollständige Betankung soll weniger als zehn Minuten dauern. Eine zusätzliche Säule mit 700 bar ist für Pkw und Lkw vorgesehen. Weil sich Wasserstoff beim Tankvorgang erwärmt, wird er in der Anlage auf bis zu minus 40 Grad Celsius heruntergekühlt. Gleichzeitig soll auch die bei der Produktion entstehende Wärme genutzt werden: Sie ist später als Nahwärme für die Gebäude des AWM vorgesehen.
Damit die eigene Busflotte möglichst zuverlässig versorgt werden kann, setzt die RVK zudem auf Redundanz. Wichtige Komponenten werden doppelt ausgeführt, sodass Wartungsarbeiten oder einzelne Ausfälle nicht gleich die komplette Produktion stilllegen sollen. Zusätzlich sind Tanks vorgesehen, in denen Wasserstoff bevorratet werden kann. Planung und Errichtung übernimmt im Auftrag der RVK die Ingenion GmbH, Betreiber der Anlage wird die RVK selbst.
Nur Strom aus Wind und Sonne
Entscheidend für die Klimabilanz ist die Herkunft des Stroms. Denn als „grün“ gilt der Wasserstoff nur, wenn für seine Herstellung regenerative Energien eingesetzt werden. Die RVK hat deshalb die Stromversorgung ausgeschrieben. Infrage kommen unter anderem Photovoltaik- und Windkraftanlagen. Später muss engmaschig nachgewiesen werden, dass zur Zeit der Wasserstoffproduktion tatsächlich regenerativ erzeugter Strom ins Netz eingespeist wird.

RVK-Geschäftsführer Dr. Marcel Frank sieht in der Eigenproduktion vor allem eine größere Versorgungssicherheit: „Mit der Eigenproduktion von grünem Wasserstoff sichert die RVK die Versorgung ihrer Wasserstoff-Busflotte ab. Wir werden dadurch unabhängig von Marktentwicklungen.“ Gleichzeitig trage die frei zugängliche Tankstelle die emissionsfreie Antriebsform über die Unternehmensgrenzen hinaus in die Region. Zusätzliche Erlöse verspricht sich die RVK durch die Beteiligung am Handel mit Treibhausgasminderungszertifikaten.
Auch Landrat Markus Ramers spricht von einem „echten Zukunftsbaustein“ für den Kreis Euskirchen. Mit der Anlage werde ein bedeutender Schritt auf dem Weg zu einer klimaneutralen Mobilitätsregion gemacht. Gleichzeitig schaffe sie für die RVK die Grundlage, ihre Wasserstoffbusflotte langfristig zuverlässig und nachhaltig zu betreiben.
„Ein Gewinn für die gesamte Region“
Für Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel reicht die Bedeutung des Projektes weit über die eigentliche Tankstelle hinaus: „Mit dem Spatenstich nimmt ein wichtiges Projekt für Mechernich konkrete Formen an. Wir sind stolz, dass die RVK Mechernich als Standort gewählt hat, und werden das Vorhaben nach Kräften unterstützen. Denn was hier auf der Peterheide entstehen soll, bringt Investitionen, Arbeitsplätze, Know-how und Zukunftstechnologien nach Mechernich und ist damit ein Gewinn für die gesamte Region.“
Die Anlage in Mechernich wird eine von zwei Produktionsstätten sein, mit denen die RVK künftig selbst grünen Wasserstoff herstellen will. Eine zweite entsteht am Grünen Mobilhof in Bergisch Gladbach. Beide Anlagen sollen nach derzeitiger Planung Ende 2026 in Betrieb gehen, teilt das Unternehmen mit.
Das wesentlich größere AWM-Projekt in Mechernich folgt danach. Vorgesehen sind dort unter anderem eine Akademie, eine Fahrtrainingsfläche und ein Kompetenzzentrum. Der Förderantrag für das insgesamt 114 Millionen Euro schwere Vorhaben wurde bei der Bezirksregierung eingereicht. Der Baubeginn ist für Mitte 2027 vorgesehen.
pp/Agentur ProfiPress
08/11/2026
