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Kerstin Rottland

08/05/2026

„Ein Wald ist kein Schlosspark“

Vier neue Schautafeln im Eickser Busch erklären, warum dort auch mal Stämme liegen bleiben dürfen – Schloss- und Waldbesitzer Achim Bacher setzt auf naturnahen Waldbau und die Selbstheilungskräfte der Natur

Vier neue Schautafeln im Eickser Busch erklären, warum dort auch mal Stämme liegen bleiben dürfen – Schloss- und Waldbesitzer Achim Bacher setzt auf naturnahen Waldbau und die Selbstheilungskräfte der Natur

Mechernich-Eicks – Warum sieht es im Eickser Busch an manchen Stellen eigentlich so „unordentlich“ aus? Diese Frage wurde Achim Bacher, Schlossherr auf Burg Eicks und Eigentümer des Waldgebietes, in der Vergangenheit immer wieder gestellt. Seine Antwort darauf ist nun entlang des Römerwegs zwischen Eicks und Hostel nachzulesen.

Dort hat Bacher kürzlich vier überdachte Schautafeln aufstellen lassen. Eingefasst sind sie in massive Rahmen aus Lärchenholz, wie man sie aus Nationalparks kennt. Die Tafeln informieren über die „Ziele und Aufgaben der Forstwirtschaft“, über „Naturgemäßen Waldbau“, über die Bedeutung von Totholz unter dem Titel „Hier tobt das Leben“ sowie über die „Biodiversität im Wald“.

Ökologie für Anfänger: Die Plakate sind extra anschaulich gestaltet, unter anderem mit Bildern von Tieren, so dass besonders kleine Waldbesucherinnen und Waldbesucher neugierig werden. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Ökologie für Anfänger: Die Plakate sind extra anschaulich gestaltet, unter anderem mit Bildern von Tieren, so dass besonders kleine Waldbesucherinnen und Waldbesucher neugierig werden. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Denn das vermeintliche Durcheinander aus abgestorbenen Bäumen, liegen gebliebenen Ästen und wildem Unterwuchs hat durchaus seinen Sinn. „Die Natur weiß am besten wie es geht. Also sollten wir sie möglichst nachahmen“, beschreibt Achim Bacher sein Leitmotiv bei der Bewirtschaftung des Eickser Buschs. Dazu gehört auch, abgestorbenes Holz nicht überall aus dem Wald zu entfernen. Denn es bietet zahlreichen Insekten, Pilzen, Vögeln und anderen Tieren Nahrung, Schutz und Lebensraum. Außerdem werden die im Holz gespeicherten Nährstoffe nach und nach wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt. – Oder, wie Bacher es mit einem Augenzwinkern formuliert: „Ein Wald ist kein Schlosspark. Da darf auch mal was liegenbleiben.“

Gemeinsam mit Förster geplant

Natürlich nur, solange es die Sicherheit der menschlichen Waldbesucher nicht gefährdet. Und die gibt es im Eickser Busch, durch den unter anderem eine beliebte Eifelschleife führt, reichlich. Dass Familien beim Wandern oder Radeln auf die farbigen Schautafeln aufmerksam werden, wünscht sich der passionierte Waldbewirtschafter sehr: „Die Plakate sind extra sehr anschaulich gestaltet, unter anderem mit Bildern von Tieren, so dass besonders kleinere Waldbesucherinnen und Waldbesucher neugierig werden.“ Genau das sei sein Ziel. Die kleine „Aufklärungskampagne“ hat der Eickser Waldbesitzer selbst finanziert. Maßgeblich geplant und vorangetrieben habe sie aber sein Förster Sven Steinmetz, wie er betont. Mit dem Ergebnis seien beide nun hoch zufrieden.

Römerweg und Eifelschleife: Dass Familien beim Wandern oder Radeln auf seine farbigen Schautafeln aufmerksam werden, wünscht sich der Waldbesitzer. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Römerweg und Eifelschleife: Dass Familien beim Wandern oder Radeln auf seine farbigen Schautafeln aufmerksam werden, wünscht sich der Waldbesitzer. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Bei der Verjüngung seines Waldes setzt Achim Bacher auf natürliche Prozesse. „Wir pflanzen nicht gezielt, sondern warten zunächst ab und schauen: Was kommt da?“, erklärt er die Idee dahinter. Erst wenn sich zeige, dass die natürliche Entwicklung Unterstützung benötige, werde hier und dort mal nachgeholfen. Der Eickser Busch sei keine Monokultur, sondern ein vielfältig aufgebauter Mischwald. – Zum Glück, denn: „Monokulturen wie man sie im Sauerland, Harz oder Bayrischen Wald sieht, sind sehr anfällig.“

„Fichten leider verschwunden“

Etwa zwei Drittel des Baumbestandes zwischen Eicks, Kommern und Hostel bestehen aus Eichen, ergänzt durch einen Unterbau aus Buchen. Das übrige Drittel bilden Nadelhölzer wie Douglasien und Küstentannen. Die früher viel vorhandenen Fichten seien infolge des Dürrejahrs 2018 vertrocknet, was Bacher zutiefst bedauert. Die derzeitige Hitzeperiode betrachtet der Waldbesitzer mit großer Sorge. Der Klimawandel schreite schneller voran als erwartet. „Klar hatten wir immer schon mal trockene Böden aber definitiv nicht so oft und so langanhaltend wie zuletzt, mit Temperaturen von über 40 Grad.“

Um seinen Waldbestand über die nächste Generation hinaus zu sichern, hat Achim Bacher viel recherchiert und sich zusammen mit Förster Sven Steinmetz Gedanken gemacht. Für den kommenden Herbst ist ein ökologisches Experiment geplant: „Wahrscheinlich werden wir erstmals ein paar Bäume einsetzen, die sich eher für trockene Standorte eignen, wie Esskastanie, Libanon-Zeder oder Mammutbaum. Mal sehen, wie es denen bei uns in den nächsten 50 bis hundert Jahren ergeht.“

Das Ergebnis dürften allenfalls die kleinen Waldbesucher von heute noch erleben. – Wer weiß, vielleicht erinnern sie sich ja dann an die vier bunten Schautafeln entlang des Römerweges, auf denen stand, dass in einem Wald ruhig auch mal Unordnung herrschen darf …

pp/Agentur ProfiPress