RVK hat den Förderantrag für den Bau eines Aus- und Weiterbildungszentrum in Mechernich eingereicht – Bis zu 90 Prozent des 114-Millionen-Projekts könnten vom Bund gefördert werden – Läuft alles nach Plan, ist ein Baubeginn Mitte 2027 möglich
Mechernich – Das bislang größte Bauprojekt in der Geschichte der Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) nimmt die nächste wichtige Hürde: Der Förderantrag für das geplante Aus- und Weiterbildungszentrum für klimaneutrale und digitale Infrastruktur in Mechernich wurde fristgerecht bei der Bezirksregierung Köln eingereicht. Das teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit.
Das Projekt auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände an der Peterheide umfasst ein Investitionsvolumen von rund 114 Millionen Euro. Bei einer Bewilligung könnte der Bau mit bis zu 90 Prozent aus Mitteln des Strukturstärkungsgesetzes des Bundes gefördert werden. Der Baubeginn ist für Mitte 2027 vorgesehen. Nach dem derzeitigen Zeitplan soll das Zentrum im dritten Quartal 2029 fertiggestellt werden.

„Der Umfang dieses größten Bauprojektes in der Geschichte der RVK spiegelt sich auch in dem nun eingereichten Förderantrag wider“, erklärt RVK-Geschäftsführer Dr. Marcel Frank. Die Ausarbeitung der umfangreichen Antragsunterlagen sei eine herausragende Teamleistung gewesen. Mit dem Zentrum wolle die RVK das theoretische und praktische Wissen rund um alternative Antriebe und moderne Mobilität weit über den öffentlichen Personennahverkehr hinaus weiterentwickeln.
Vier Bausteine für moderne Mobilität
Das Aus- und Weiterbildungszentrum, kurz AWM, besteht aus vier zentralen Bereichen: einer Akademie, einen Kompetenzzentrum Nahverkehr, einer Fahrtrainings- und Testfläche sowie Tankstellenareal. Eine rund 49.450 Quadratmeter große Fläche an der Peterheide befindet sich bereits im Besitz der RVK. Zusätzlich soll nach derzeitiger Planung bis Anfang 2027 eine angrenzende Erweiterungsfläche von rund 13.000 Quadratmetern erworben werden.
Die Akademie soll moderne Seminar- und Schulungsräume sowie Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten bieten. Damit können künftig auch mehrtägige Fortbildungen direkt auf dem Campus stattfinden. Bereits bei der Vorstellung des Projekts im Mechernicher Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss hatten die Architekten einen Campus mit kurzen Wegen, großzügigen Aufenthaltsflächen, begrünten Fassaden und einem zentralen Innenhof angekündigt.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der praktischen Ausbildung. Auf einer rund 38.000 Quadratmeter großen Fahrtrainingsfläche sollen Fahrerinnen und Fahrer den sicheren Umgang mit Wasserstoff- und Elektrobussen erlernen. Durch Batterien im Fahrzeugboden oder technische Aufbauten auf dem Dach verändert sich bei diesen Fahrzeugen der Schwerpunkt. Das wirkt sich auch auf das Brems- und Kurvenverhalten aus.
Bewässerte Flächen sowie Bereiche für Kurvenfahrten, Wende- und Bremsmanöver sollen es ermöglichen, diese besonderen Fahreigenschaften unter kontrollierten Bedingungen zu trainieren. Die Anlage soll nicht nur von der RVK genutzt werden. Auch Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste sollen ihre Fahrerinnen und Fahrer dort aus- und weiterbilden können.
Forschung, Werkstätten und virtuelles Labor
Im geplanten Kompetenzzentrum Nahverkehr stehen die Weiterentwicklung klimaneutraler Antriebe und die praktische Arbeit an modernen Fahrzeugen im Mittelpunkt. Vorgesehen sind eine Lern- und Forschungswerkstatt, eine Wagenhalle und ein Wartungsbereich. In einem „virtuellen Labor“ soll zudem VR-Technik zum Einsatz kommen.

Bereits bei der Präsentation im Mechernicher Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss hatte die RVK angekündigt, dass in den Fahrzeughallen Platz für insgesamt 51 Busse geschaffen werden soll. Geplant sind unter anderem moderne Werkstattspuren, Dacharbeitsplätze, Ladeeinrichtungen und Wartungsmöglichkeiten für batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Fahrzeuge. Rund 70 dauerhafte Arbeitsplätze sollen auf dem Gelände entstehen.
Das Zentrum ist dabei nicht ausschließlich für den eigenen Bedarf gedacht. Die RVK beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen ein großer Teil regelmäßig geschult werden muss. Darüber hinaus soll das AWM aber auch Unternehmen, Kommunen, Einsatzorganisationen und weiteren Einrichtungen aus der Region offenstehen.
Wasserstoffproduktion vor Ort
Zum Gesamtprojekt gehört außerdem ein Tankstellenareal mit Anlagen für Wasserstoff und Biomethangas sowie Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. Der benötigte Wasserstoff soll mithilfe eines Elektrolyseurs klimaneutral direkt vor Ort produziert werden.
Die öffentliche Tankstelle soll auch von Privatpersonen und Unternehmen genutzt werden können, die bereits auf alternative Antriebe setzen oder ihre Fahrzeugflotten entsprechend umstellen möchten. Damit soll in Mechernich nicht nur ein Bildungs- und Trainingszentrum, sondern zugleich ein wichtiger Versorgungspunkt für klimaneutrale Mobilität entstehen.
Landrat Markus Ramers bezeichnet das Vorhaben als „starkes Zukunftsprojekt für den gesamten Kreis Euskirchen“. In Mechernich entstehe ein Ort, an dem klimaneutrale Mobilität, digitale Innovation sowie praxisnahe Aus- und Weiterbildung miteinander verbunden würden.
„Davon profitieren nicht nur die RVK und der öffentliche Nahverkehr, sondern auch unsere Einsatzkräfte sowie weitere Unternehmen und Institutionen in der Region“, so Ramers. Das Zentrum stärke den Kreis Euskirchen als modernen Bildungs-, Wirtschafts- und Innovationsstandort und schaffe wichtige Perspektiven für den Strukturwandel.
„Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus“
Auch Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel begrüßt die Einreichung des Förderantrags. Die ausführliche Vorstellung des Projekts im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss sei ihm noch sehr gut in Erinnerung.
„Sie hat deutlich gemacht, welches enorme Potenzial dieses außergewöhnliche Zukunftsprojekt für unsere Stadt und die gesamte Region besitzt“, erklärt Fingel. Mit dem Förderantrag sei nun der nächste wichtige Schritt getan.
Die Stadt hoffe auf einen positiven Förderbescheid. „Damit könnte in Mechernich ein zukunftsweisendes Projekt entstehen, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Strahlkraft entfaltet und zu einem echten Aushängeschild für den Kreis Euskirchen wird.“
Mit diesem eingereichten Antrag beginnt nun das weitere Förder- und Genehmigungsverfahren. Fällt die Entscheidung positiv aus und kann der Zeitplan eingehalten werden, soll auf der Peterheide ab Mitte kommenden Jahres eines der modernsten Ausbildungs-, Forschungs- und Trainingszentren für den öffentlichen Nahverkehr entstehen.
Arbenita Kosumi/pp/Agentur ProfiPress
07/27/2026

