Erster „Tag des Römerkanals“ an der Brunnenstube Klausbrunnen in Kallmuth begeistert Gäste aus nah und fern
Mechernich-Kallmuth - Das Wasser floss an diesem Tag nicht – die Geschichten darüber aber umso mehr. An der römischen Brunnenstube Klausbrunnen in Kallmuth wurde beim ersten „Tag des Römerkanals“ sichtbar, welch außergewöhnlicher Schatz direkt unter den Füßen der Menschen liegt.

Gäste aus der Region und darüber hinaus kamen in die Eifel, um sich auf die Spuren einer Wasserleitung zu begeben, die vor fast 2.000 Jahren die römische Stadt „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“, das heutige Köln, versorgte.

Der Römerkanal gilt mit einer Länge von 95,4 Kilometern als größter antiker Technikbau nördlich der Alpen. Täglich sollen hier rund 20 Millionen Liter bestes Eifelwasser durchgeflossen sein. Die Brunnenstube Klausbrunnen ist dabei ein besonders gut erhaltenes Beispiel römischer Wassergewinnung. Unterhalb der Anlage schloss sich die aus dem Urfttal kommende Leitung vom Grünen Pütz an.
Dauerhaft, nützlich, schön
„Ein gut besuchtes Denkmal ist immer auch ein geschütztes Denkmal“, sagte Professor Dr. Klaus Grewe, der seit Jahrzehnten zum Römerkanal forscht und die Besucherinnen und Besucher vor Ort in die Welt der römischen Ingenieure mitnahm. Es gehe nicht allein darum, ein Bauwerk zu bewahren, sondern auch zu verstehen, wie außergewöhnlich präzise und vorausschauend es geplant worden sei – beispielsweise mit einem meterlangen hölzernen Messgerät namens „Chorobates“, einer Art Wasserwaage, dass die Berechnung von Winkeln ermöglichte.

Grewe erklärte anschaulich, wie das Wasser durch Öffnungen in den Sandsteinblöcken in die Brunnenstube eindrang, sich dort beruhigte und von Schwebstoffen trennte, bevor es weiter in Richtung Köln geleitet wurde. Lose gesetztes Mauerwerk, massive Stürze und Bögen sorgten dafür, dass die Konstruktion stabil blieb und das Wasser dennoch ungehindert eindringen konnte. „Die Römer haben nicht nur dauerhaft und nützlich gebaut, sondern auch schön“, betonte der Fachmann mit Blick auf die Lehren des antiken Architekten Vitruv.

Dass die Brunnenstube heute trocken liegt, wurde ebenfalls thematisiert. Der stellvertretende Bürgermeister Günter Kornell fragte nach den veränderten Wasserverhältnisse, die mit dem früheren Mechernicher Bleibergbau zusammenhängen. Umso eindrucksvoller wurde deutlich, was sich einst hier abgespielt haben muss: Wo heute ein geschütztes Bodendenkmal besichtigt wird, sammelte sich einst Wasser für eine der größten technischen Leistungen des Römischen Reiches.
„Wollen Menschen begeistern“
Lorenz Euskirchen, Vorsitzender des Freundeskreises Römerkanal e.V., hatte den Aktionstag gemeinsam mit zahlreichen Partnern auf den Weg gebracht. Der Verein mit Sitz in Rheinbach setzt sich seit Jahren dafür ein, die Bedeutung des Römerkanals bekannter zu machen und die sichtbaren Relikte entlang der Strecke zu schützen. „Wir wollen die Menschen dafür begeistern, selbst loszugehen, hinzusehen und zu verstehen, was hier vor ihrer Haustür liegt“, machte Euskirchen deutlich.

Ein wichtiger Baustein dafür ist der Römerkanal-Wanderweg. Neben den sieben klassischen Etappen sollen künftig auch Rundwanderungen stärker in den Blick rücken. Die Besucherinnen und Besucher konnten an diesem Tag direkt erleben, wie reizvoll die Verbindung aus Natur, Bewegung und Geschichte ist. Unter der Führung von Reinhard Schweinheim ging es auf eine rund zehn Kilometer lange Wanderung von Kallmuth über die Aquäduktbrücke in Vollem und durch das Königsfelder Tal bis zur römischen Agrippastraße und zurück.

Der Mechernicher Bürgermeister Michael Fingel unterstrich in seinem Grußwort die besondere Rolle der Stadt entlang der historischen Wasserleitung: „Wir in Mechernich haben das Glück, dass einige der interessantesten Aufschlüsse in unserem Stadtgebiet liegen.“ Dazu zählen neben der Kallmuther Brunnenstube unter anderem die Aquäduktbrücke in Vollem, das große Sammelbecken in Eiserfey, die rekonstruierte Aquäduktbrücke in Vussem und die sogenannte Kanalmeisterei in Breitenbenden.

Neben Michael Fingel und Günter Kornell begrüßten auch Ortsbürgermeister Robert Ohlerth, der erste stellvertretende Landrat Ralf Claßen sowie Dr. Erich Claßen und Dr. Ulrike Müssemeier vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege die Initiative samt Gästen. Kerstin Lehner und Gabi Schumacher vom Fachbereich Bildung, Kultur und Soziales der Stadt Mechernich hatten die Veranstaltung organisatorisch unterstützt.

Für die Sicherheit sorgte die DRK-Ortsgruppe Mechernich unter Bereitschaftsleiter Sascha Suijkerland. Mitglieder der Eifelverein-Ortsgruppe Mechernich, die sich seit Jahren engagiert um die Pflege des Römerkanal-Wanderwegs kümmern, waren ebenso eingebunden wie die Nordeifel Tourismus GmbH mit einem Infostand. Finanziell unterstützt wurde der Tag auch vom Energieversorger e-regio.
„Können stolz sein!“
Dass Geschichte keineswegs trocken sein muss, zeigte sich auch beim Angebot für Kinder. Jacqueline Schott und ihre Familie hatten ein kleines Mitmachprogramm vorbereitet: es konnte gebastelt werden, Dino-Eier konnten ausgeklopft und Edelsteine sowie Insekten aus einer Sandgrube gebuddelt werden. Ein Wasserspiel sorgte bei sommerlichen Temperaturen zusätzlich für willkommene Abkühlung.

Zum gemütlichen Teil des Tages lud das Ortskartell am Nachmittag gemeinsam mit dem Musikverein Kallmuth ein. Kaffee, Kuchen, heißes Grillgut und kühle Getränke gehörten ebenso zum Programm wie die Musik der bekannten Mundartgruppe „Wibbelstetz“ unter der Leitung von Günter Hochgürtel, der selbst Wurzeln in Mechernich hat.

So zeigte sich der Römerkanal als jahrtausendealtes, lebendiges Denkmal, technisches Wunderwerk und Stück rheinischer Identität. Oder, wie Prof. Dr. Klaus Grewe es formulierte: „Wir können stolz darauf sein, so etwas im Rheinland zu haben!“
pp/Agentur ProfiPress
07/13/2026

