Der Ofen ist aus: – Beim Abschiedsfest für die Konditorinnen Marianne und Margret Arns sagte ganz Weyer Danke – 33 Jahre Handwerkskunst, Herzlichkeit und tatkräftige Hilfe im Dorfleben – Ruhebank für die „frischgebackenen“ Rentnerinnen
Mechernich-Weyer – Es war ein Abend voller Dankbarkeit: Dort, wo über mehr als drei Jahrzehnte Kuchen, Torten und andere süße Spezialitäten entstanden waren, verabschiedete sich Weyer jetzt von Marianne und Margret Arns. Nach 33 Jahren und acht Monaten schlossen die beiden Schwestern am letzten Junitag ihre Konditorei M. + M. Arns – und mit ihr ein Stück Dorfgeschichte.

Da war es keine Überraschung, dass der Innenhof aus allen Nähten platzte und es rund um die Hauptstraße 14 kaum noch freie Parkplätze gab: Zahlreiche Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Vereine, Chöre, Musikanten, Kinder, Familien, Nachbarn und Geschäftsfreunde aus Weyer (plus sämtlichen Nachbargemeinden) sowie Bürgermeister Michael Fingel waren in den Hof an der Backstube gekommen, um gemeinsam zurückzublicken. In jedem Winkel wurde gefeiert, erzählt und gelacht. An allen Stellen war dabei spürbar, wie viel diese ganz besondere Adresse den Menschen hier bedeutet hat.

Im November 1992 war die Konditorei M. + M. Arns zunächst als Nebengewerbe gestartet. Marianne Arns erinnert sich: „Nach dem Tod unseres Vaters wurde die Landwirtschaft aufgegeben und der Hof stand quasi leer. Ich hatte gerade meine Meisterprüfung als Konditorin abgelegt. So kam eins zum anderen.“ Freundin Uschi Metzen war von Anfang an dabei: „Anfangs haben wir das Gebäck aus der Garage verkauft“, erinnert sie sich schmunzelnd. Was klein begann, entwickelte sich schnell zu einer festen Größe, weit über die Ortsgrenzen hinaus. Kein Weihnachten ohne ihre Printen. Kein Kind, das nicht ihre Milchbrötchen kaute. Kein Geburtstag, kein Kommunionsfest, kein Jubiläum und keine Beerdigung ohne Torten aus Weyer: Die köstlichen handgemachten Kunstwerke – sie machten Marianne und Margret Arns bekannt. Und für viele Menschen gehörte ein Besuch in ihrem Bäckerladen über Jahrzehnte fest zum Alltag.

Von Eissplitter-Torte bis Milchweckchen
Klar, dass jede und jeder so seine Favoriten hatte. Für Fußballfan Paul (10) waren es die bunten Marzipankuchen mit dem Logo seines Lieblingsvereins (und natürlich immer Vanillecremefüllung) zum Geburtstag. Für Larissa Stolze waren es die kunstvollen Torten, die ihre Eltern auch für alle Festlichkeiten in ihrer Gastronomie orderten. Simone Klandt feiert bis heute „die unübertroffene Eissplittertorte“ der Arns-Schwestern. „Und den Erdbeerkuchen mit Pudding und echtem rotem Fruchtsaft im Tortenguss! („Nicht nur so blass-weißes Wabbelzeugs ohne Geschmack.“)

In der Ansprache von Ortsbürgermeister Björn Wassong wurde deutlich, welchen Stellenwert die schwesterlich geführte Konditorei für den Ort hatte: „Wer mit Weyer zunächst nichts anfangen konnte, musste oft nur hören: „Da, wo es die leckeren Kuchen gibt.“ Dann war sofort klar, welcher Ort gemeint war. Doch die Backstube war weit mehr als ein Ort für süße Leckereien. Hier wurden Neuigkeiten ausgetauscht, kleine Gespräche geführt und das Dorfleben ein Stück weit zusammengehalten.

Natürlich würdigten auch alle Weyerer Vereine das Engagement der beiden Schwestern. Ob bei Festen, Aktionen oder spontanen Anfragen: Marianne und Margret Arns hätten für das Dorf und seine Gemeinschaft immer ein offenes Ohr gehabt. Im Verlauf des Abends erhielten die frischgebackenen Ruheständlerinnen von Mathias Hansen (Vorsitzender Vereinskartell Weyer) und Ortsbürgermeister Björn Wassong sowie dem örtlichen Kindergarten und dem Kirchenvorstand eine massive „M&M-Ruhe(stands)bank“ überreicht. Plus einem Gutschein für ein neues Sofa. „Das sie hoffentlich bald des Öfteren nutzen werden.“

„Überwältigt von der Anteilnahme“
Zum Abschied waren aber nicht nur Kirchenchor, Weyerer und Gratulanten aus der Nachbarschaft gekommen, sondern auch die vier Geschwister von Marianne und Margret Arns gekommen: Josef, Uschi, Irene und Heinz. Ob sie auch backen können? „Leider nein“, räumte der älteste Bruder Jupp (Josef) Arns augenzwinkernd ein. „Das Back-Gen hat sonst niemand geerbt.“
Für die beiden Konditorinnen selbst war das Abschiedsfest zwar ein emotionaler Moment, aber zugleich der Beginn eines neuen Lebensabschnitts. „Überwältigt von der Anteilnahme der Menschen“ seien sie gewesen, sagten die Schwestern im Anschluss. „Dieser Abend hat alles übertroffen, was wir uns vorgestellt hatten. Dafür möchten wir uns bei allen Gästen von Herzen bedanken!“
Statt Geschenken hatten Margret und Marianne Arns, bescheiden wie sie sind, um Unterstützung für hilfsbedürftige Menschen gebeten. Eine Spendenbox beim Abschiedsfest machte deutlich, dass ihnen auch zum Ende ihrer Selbständigkeit der Gedanke an andere wie immer das Wichtigste war.

Leider wird künftig kein Kuchen mehr aus der Weyerer Backstube kommen. Doch Marianne und Margret Arns bleiben dem Dorf erhalten – nun vielleicht mit etwas mehr Zeit für Gespräche, Begegnungen und die vielen Menschen, die sie über die Jahre begleitet haben. „Die Besuche der Kindergartenkinder in der Backstube werden wir am meisten vermissen“, schätzt Margret Arns. „Da ist uns beiden immer das Herz aufgegangen!“
Mit der Schließung der Konditorei endet eine Ära. Die Erinnerungen an tausend besondere Torten, Teilchen, Printen und herzliche Begegnungen aber werden in Weyer noch lange weiterleben. Und vielleicht wird aus dem augenzwinkernden Wunsch des Ortsbürgermeisters ja irgendwann tatsächlich Realität: „Ein M.+M.-Backbuch!“ – Ein Bestseller-Rang wäre ihm im Stadtgebiet von Mechernich wohl sicher.
pp/Agentur ProfiPress
07/08/2026

