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Ronald Larmann

06/05/2026

Busse, Bildung, Brennstoffzellen

Das Aus- und Weiterbildungszentren für Mobilität, Sicherheit und Wasserstofftechnologie soll einen Campus-Charakter erhalten. Die Planer der agn leusmann GmbH präsentierten beeindruckende Visualisierungen. Bild: agn Architekten/pp/Agentur ProfiPress

RVK plant in Mechernich eines der modernsten Aus- und Weiterbildungszentren für Mobilität, Sicherheit und Wasserstofftechnologie in Deutschland – Investition von mehr als 100 Millionen Euro wurde jetzt im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss vorgestellt

Mechernich – Thomas Kohns muss am Rednerpult im Mechernicher Ratssaal erstmal ein kleines Geständnis machen. „Als wir den Auftrag bekommen haben, mussten einige Kollegen in Hamburg erst nachschauen, wo Mechernich überhaupt liegt“, sagt der Architekt der agn Leusmann GmbH mit einem Schmunzeln. Nach der Vorstellung eines der größten Investitionsprojekte der jüngeren Stadtgeschichte im Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss wurde aber schnell deutlich, warum die Wahl der Regionalverkehr Köln (RVK) auf die norddeutschen Spezialisten fiel: Das Büro plant bundesweit Großbetriebshöfe, Verwaltungsgebäude und Bildungseinrichtungen und entwickelt nun auch das ambitionierte RVK-Projekt auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände an der Peterheide.

Das Aus- und Weiterbildungszentren für Mobilität, Sicherheit und Wasserstofftechnologie soll einen Campus-Charakter erhalten. Die Planer der agn leusmann GmbH präsentierten beeindruckende Visualisierungen. Bild: agn Architekten/pp/Agentur ProfiPress
Das Aus- und Weiterbildungszentren für Mobilität, Sicherheit und Wasserstofftechnologie soll einen Campus-Charakter erhalten. Die Planer der agn leusmann GmbH präsentierten beeindruckende Visualisierungen. Bild: agn Architekten/pp/Agentur ProfiPress

Was dort entstehen soll, ist weit mehr als ein gewöhnlicher Betriebshof. Es ist das hochmoderne „Aus- und Weiterbildungszentrum für klimaneutrale und digitale Mobilität“ mit angeschlossenem Kompetenzzentrum, Werkstätten, Wasserstoffproduktion, öffentlicher Tankstelle, Fahrsicherheitszentrum und Übernachtungsmöglichkeiten für Seminarteilnehmer. Das Investitionsvolumen liegt laut RVK-Prokurist Thomas Schmalen bei deutlich über 100 Millionen Euro. Für die Stadt Mechernich bedeutet das nicht nur neue Arbeitsplätze und zusätzliche Wertschöpfung, sondern auch einen weiteren wichtigen Baustein im Strukturwandel der Region.

Blick auf die Fahrsicherheitsfläche (oben) sowie auf das Ensemble mit Akademie (v.r.), Parkdeck, Kompetenzzentrum mit angrenzender Werkstatt und Fahrzeughallen mit Platz für 51 Busse. Bild: agn Architekten/pp/Agentur ProfiPress
Blick auf die Fahrsicherheitsfläche (oben) sowie auf das Ensemble mit Akademie (v.r.), Parkdeck, Kompetenzzentrum mit angrenzender Werkstatt und Fahrzeughallen mit Platz für 51 Busse. Bild: agn Architekten/pp/Agentur ProfiPress

Campus-Charakter mit Kontrasten

Die Planer verfolgen die Idee einer modernen Akademie, wo Lernen, Arbeiten und Begegnung im Mittelpunkt stehen. „Das Ganze soll einen Campus-Charakter bekommen“, erläuterte Architektin Andrea Hinrichs. Die Zufahrten sind so gestaltet, dass sich die Nutzerinnen und Nutzer zwischen Akademie, Kompetenzzentrum und Parkpalette weitgehend autofrei bewegen können. Grünflächen, Aufenthaltsbereiche und kurze Wege prägen das Konzept. Besonders der großzügige Innenhof bildet dabei das Herzstück der Anlage. Hier sollen sich Seminarteilnehmer in den Pausen treffen, austauschen und entspannen können. Große Fassadenöffnungen ermöglichen es, Innen- und Außenbereiche miteinander zu verbinden. „Hier kann im Sommer die Fassade aufgemacht werden, können die Leute rausgehen, sich unterhalten und sich ausruhen“, beschrieb Hinrichs die Idee.

Auch die Architektur selbst setzt bewusst auf Kontraste. Während die Gebäude nach außen eine funktionale Erscheinung erhalten sollen, dominieren im Inneren warme Materialien und viel Holz. Thomas Kohns brachte die architektonische Idee auf eine einfache Formel: Außen prägen robuste Materialien und klare Strukturen das Erscheinungsbild, im Inneren dagegen sorgen Holz, Tageslicht und offene Aufenthaltsbereiche für eine warme Atmosphäre. Begrünte Fassaden, Dachgärten und Innenhöfe sollen den Campus-Charakter zusätzlich unterstreichen.

Der großzügige Innenhof bildet das Herzstück der Akademie. Hier sollen sich Seminarteilnehmer in den Pausen treffen, austauschen und entspannen können. Große Fassadenöffnungen ermöglichen es, Innen- und Außenbereiche miteinander zu verbinden. Bild: agn Architekten/pp/Agentur ProfiPress
Der großzügige Innenhof bildet das Herzstück der Akademie. Hier sollen sich Seminarteilnehmer in den Pausen treffen, austauschen und entspannen können. Große Fassadenöffnungen ermöglichen es, Innen- und Außenbereiche miteinander zu verbinden. Bild: agn Architekten/pp/Agentur ProfiPress

Herzstück des Projekts wird die viergeschossige Akademie. Dort entstehen moderne Schulungs- und Seminarräume, ein großer Veranstaltungsbereich, Aufenthaltsflächen, eine Cafeteria mit Küche sowie Übernachtungsmöglichkeiten für bis zu 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Zimmer werden in Teilen barrierefrei oder rollstuhlgerecht ausgeführt und ermöglichen mehrtägige Seminare direkt vor Ort. Ergänzt wird das Angebot durch flexible Veranstaltungsräume, die sich für unterschiedliche Gruppengrößen anpassen lassen.

Direkt hinter der Akademie entsteht eine mehrgeschossige Parkpalette. Dort werden die erforderlichen Pkw-Stellplätze sowie zahlreiche Fahrradabstellanlagen untergebracht. Die Parkpalette übernimmt dabei nicht nur eine funktionale Aufgabe. Sie bildet auch das räumliche Bindeglied zwischen Akademie und Kompetenzzentrum. Begrünte Fassaden sollen dafür sorgen, dass sich das Bauwerk harmonisch in das Gesamtbild einfügt.

Präsentierten dem Ausschuss für Planung, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz die Planungen für das Projekt in der Peterheide: Die agn-Architekten Andrea Hinrichs (l.) und Thomas Kohns (r.) sowie RVK-Prokurist Thomas Schmalen. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Präsentierten dem Ausschuss für Planung, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz die Planungen für das Projekt in der Peterheide: Die agn-Architekten Andrea Hinrichs (l.) und Thomas Kohns (r.) sowie RVK-Prokurist Thomas Schmalen. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Für die Mobilität von morgen

Westlich der Akademie entsteht das Kompetenzzentrum. Hier werden die Verwaltung des Betriebshofes, Aufenthalts- und Sozialräume für die Mitarbeitenden sowie die Werkstattbereiche untergebracht. Geplant sind sechs Werkstattspuren, darunter eine Lackierstraße, eine Prüfspur sowie eine moderne Reinigungsanlage. Über einen Besucherbalkon sollen Interessierte künftig Einblicke in die Werkstattabläufe erhalten können.

In den Fahrzeughallen finden insgesamt 51 Busse Platz. Moderne Krananlagen, Dacharbeitsplätze und Ladeeinrichtungen ermöglichen die Wartung und Instandhaltung von batterieelektrischen und wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen. Rund 70 Arbeitsplätze sollen nach Angaben der RVK dauerhaft auf dem Gelände entstehen.

Das Zentrum soll einerseits als interne Schulungseinrichtung der RVK dienen. Schließlich beschäftigt das Unternehmen aktuell rund 1.040 Mitarbeiter, davon etwa 800 im Fahrdienst, die regelmäßig geschult werden müssen und so bereits für eine hohe Auslastung des Campus’ sorgen werden. „Die klare Zielsetzung ist aber, dass wir auch als regionaler Partner agieren“, erklärte RVK-Prokurist Thomas Schmalen.

Das Ensemble soll deshalb nicht allein dem Eigenbedarf dienen, sondern als gemeinsamer Trainings- und Ausbildungsort für die gesamte Blaulichtfamilie nutzbar werden. Vorgesehen sind Kooperationen mit Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten, Kommunen und weiteren Partnern, die dort künftig realitätsnah üben und sich vernetzen können.

Das Investitionsvolumen für das Aus- und Weiterbildungszentrum liegt laut RVK-Prokurist Thomas Schmalen bei deutlich über 100 Millionen Euro. Er stand den Politikern im Ausschuss Rede und Antwort. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Das Investitionsvolumen für das Aus- und Weiterbildungszentrum liegt laut RVK-Prokurist Thomas Schmalen bei deutlich über 100 Millionen Euro. Er stand den Politikern im Ausschuss Rede und Antwort. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Wasserstoff wird vor Ort produziert

Gleichzeitig wächst der Bedarf an Fortbildungen für neue Antriebstechnologien und digitale Systeme. „Wir müssen die Menschen bei diesem Transformationsprozess mitnehmen“, betonte Schmalen. „Ein Kfz-Mechatroniker, der heute an einem Dieselbus arbeitet, kann nicht automatisch mit Brennstoffzellen- oder batterieelektrischen Fahrzeugen umgehen.“

Denn ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf alternativen Antriebstechnologien. Die RVK betreibt bereits heute mit 170 Fahrzeugen Europas größte Brennstoffzellenbus-Flotte. In Mechernich soll künftig Wasserstoff direkt vor Ort produziert werden. Ein Elektrolyseur mit zwei Megawatt Leistung wird täglich 600 bis 700 Kilogramm Wasserstoff erzeugen können. Das ist ausreichend für rund 30 Brennstoffzellenbusse.

„Wir wollen unser Glück ein Stück weit selbst in die Hand nehmen“, sagte Schmalen. Durch die Eigenproduktion werde man unabhängiger von externen Lieferanten. Die entstehende Abwärme soll gleichzeitig zur Energieversorgung der Gebäude genutzt werden. Ergänzt wird das Konzept durch umfangreiche Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen. Bei der Antriebsart ihrer Busse setzt die RVK bewusst auf Technologieoffenheit. „Es ist nicht die Frage Wasserstoff oder Batterie. Beide Technologien haben ihre Berechtigung“, betonte Schmalen.

Die geplante Infrastruktur soll dabei nicht ausschließlich der RVK dienen. Die Wasserstofftankstelle wird öffentlich zugänglich sein. „Die Wasserstoffinfrastruktur muss öffentlich nutzbar sein. Das ist sogar Voraussetzung des Förderbescheids“, erläuterte Schmalen. Auch überschüssiger Wasserstoff könnte künftig an andere RVK-Standorte geliefert werden. Damit entsteht in Mechernich ein wichtiger Knotenpunkt für alternative Antriebstechnologien.

Nur eine Idee: Mithilfe von KI haben die Architekten und Planer eine mögliche Ausgestaltung des Akademie-Foyers erstellt. Bild: agn Architekten/pp/Agentur ProfiPress
Nur eine Idee: Mithilfe von KI haben die Architekten und Planer eine mögliche Ausgestaltung des Akademie-Foyers erstellt. Bild: agn Architekten/pp/Agentur ProfiPress

Fahrsicherheitstraining auf einzigartiger Anlage

Ebenfalls öffentlich nutzbar – nach vorheriger Anmeldung – soll die Fahrsicherheitsanlage sein. Dort sollen Fahrerinnen und Fahrer den Umgang mit modernen Fahrzeugen unter realistischen Bedingungen trainieren. Geplant sind unter anderem Wasserflächen, Seitenwind-Simulationen und spezielle Rüttelplatten, die das Ausbrechen eines Fahrzeugs simulieren können.

„In dieser Kombination gibt es das in Deutschland bislang nicht“, sagte Schmalen. Dabei sollen möglichst geschlossene Wasserkreisläufe genutzt werden. Auch die Buswaschanlagen arbeiten künftig mit aufgefangenem und wiederaufbereitetem Regenwasser.

Der Zeitplan ist derweil ambitioniert. Noch in diesem Jahr soll der Bauantrag eingereicht werden. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen. Ende 2029 soll die Anlage vollständig in Betrieb gehen. „Das ist sportlich“, räumte Kohns ein.

Nach der fast einstündigen Präsentation zeigte sich der Ausschuss beeindruckt von Dimension und Anspruch des Vorhabens. Entsprechend positiv fiel auch das Fazit im Ausschuss aus. Ausschussvorsitzender Michael Averbeck sprach von einem Projekt mit großer Strahlkraft für Mechernich und die gesamte Region. Die Verbindung aus Ausbildung, moderner Mobilität, Wasserstofftechnologie und Sicherheitszentrum sei ein wichtiger Impuls für den Strukturwandel. Mit einem Schmunzeln griff Averbeck anschließend die eingangs geschilderte Anekdote der Hamburger Architekten auf: „Ich hoffe, Mechernich ist Ihnen jetzt bekannt und dass Sie uns so schnell nicht mehr vergessen.“

pp/Agentur ProfiPress