Wonach suchen Sie

Kerstin Rottland

05/22/2026

Drei Minuten für 180 Millionen

Professionelle Unterstützung aus Mechernich: Beim ESC-Auftritt von Sarah Engels war Eva Becker unter anderem für deren Stimme verantwortlich. In den zwölf Tagen hätten sie sich super verstanden. Foto: Privat/Jasmin Dellmann/pp/Agentur ProfiPress

Eva Becker aus Mechernich war als Backgroundsängerin und Vocalcoach von Sarah Engels beim ESC – Nach zwölf Tagen Wien hat sie der Alltag zurück – Was bleibt, was kommt?

Mechernich – Als Eva Becker am Sonntagabend gegen 23 Uhr in Mechernich die Haustür aufschließt, ist der ESC 2026 in Wien Geschichte. Der Song ist gesungen, die Siegerin gekürt, die Story geschrieben. – „Servus, Vienna!“ Der knallbunte Fiebertraum: zu Ende. Für die 39-Jährige, die als Backgroundsängerin und Vocalcoach zur deutschen Entourage um Sarah Engels gehörte, heißt es nun wieder Umschalten auf Alltag. „Elternsprechtag, Arzttermine, ein Kindergeburtstag, der geplant werden muss ... Uff!“

Nach zwölf intensiven Tagen in der schillernden ESC-Bubble ein harter Cut für Eva Becker. „Aber auch ein sehr schöner privater Moment“, wie die Gesangstrainerin von Sarah Engels bei einem Milchkaffee im Rathausbistro preisgibt. „Wir haben noch ein bisschen zusammengesessen und erzählt, und irgendwann bin ich todmüde in mein Bett gefallen.“

Professionelle Unterstützung aus Mechernich: Beim ESC-Auftritt von Sarah Engels war Eva Becker unter anderem für deren Stimme verantwortlich. In den zwölf Tagen hätten sie sich super verstanden. Foto: Privat/Jasmin Dellmann/pp/Agentur ProfiPress
Professionelle Unterstützung aus Mechernich: Beim ESC-Auftritt von Sarah Engels war Eva Becker unter anderem für deren Stimme verantwortlich. In den zwölf Tagen hätten sie sich super verstanden. Foto: Privat/Jasmin Dellmann/pp/Agentur ProfiPress

Dass Mama hin und wieder mit Musikstars auf der Bühne steht, ist für Carl (11) und Theo (7) Becker normal. Dass ihre Mutter aber fast zwei Wochen unterwegs ist, um bei einem Event aufzutreten, das vor 180 Millionen Zuschauern live im TV übertragen wird – und über das so ziemlich ganz Deutschland (plus halb Europa, inklusive Australien) redet – eher nicht. „So interessant, wie man meinen könnte, fanden die Zwei das wohl nicht“, schmunzelt Eva Becker. „Hauptsache, jetzt bin ich wieder da und alles ist normal.“ 

„Normal“ waren die letzten zwölf Tage in der österreichischen Hauptstadt für Eva Becker definitiv nicht. Die Kurzfassung der quirligen Mechernicherin klingt denn auch in etwa so: „Wien im Mai! – Wow!“ Drei Tage nach Rückkehr in den Alltag, sprühen aus den Augen der Künstlerin noch immer goldglitzernde ESC-Funken. Das „Fire“ von dem sie im Gleichklang mit Sarah Engels sang: In Eva Beckers Gegenwart spürt man die Hitze noch jetzt. „Once in a lifetime“-Event, nennt sie es selbst.

Lustig: „Wie zwölf Tage Klassenfahrt, nur eben mit völlig Unbekannten.“ – So habe sie die Zeit mit der ESC-Delegation in Wien erlebt, schwärmt Eva Becker, hier mit einer Background-Kollegin und Sarah Engels im Hintergrund. Foto: Privat/Jasmin Dellmann/pp/Agentur Profipress
Lustig: „Wie zwölf Tage Klassenfahrt, nur eben mit völlig Unbekannten.“ – So habe sie die Zeit mit der ESC-Delegation in Wien erlebt, schwärmt Eva Becker, hier mit einer Background-Kollegin und Sarah Engels im Hintergrund. Foto: Privat/Jasmin Dellmann/pp/Agentur Profipress

„Die Atmosphäre unter den Künstlerinnen und Künstlern war einfach nur toll!“, schwärmt Eva Becker, die erst vor wenigen Wochen von Nico Gomez als Sarah Engels‘ Vocalcoach empfohlen wurde. Nicht, dass TV-Auftritte im Background von Stars etwas Neues für die ausgebildete Sängerin mit Bachelor of Music wären. „Aber der ESC ist schon eine andere Hausnummer.“

Die Geräuschkulisse vor den Auftritten sei irre gewesen. „Stilistisch war da ja so viel Unterschiedliches dabei, Musik aus sämtlichen Genres: Schlager, Pop, Metal, Rap ... Und alle singen sich total unterschiedlich ein. Der serbische Sänger zum Beispiel, der hat sich eher eingegrölt.“ Eva Becker lacht. „Aber so ein harter Gesangsstil der erfordert nun mal auch eine ganz spezielle Technik beim Aufwärmen.“ Das alles zusammen auf einem Haufen zu hören – „Tja, das muss man abkönnen.“ Sich in dem Gewusel noch zu konzentrieren, zu sammeln und auf einen wichtigen Auftritt vorzubereiten, schwierig. Aber nicht unmöglich. „Erfahrung und eine professionelle Einstellung helfen da natürlich.“

Die Kollegen im deutschen Team seien alle super nett gewesen, erzählt Eva Becker. „Zum Glück!“ Persönlich gekannt habe sie vor dem ESC lediglich zwei davon. „Was aber kein Ding war. Man darf sich das ungefähr vorstellen wie zwölf Tage Klassenfahrt, nur eben mit völlig Unbekannten.“ – Kann klappen, muss es aber nicht. (Fast wie bei der Punktevergabe.)

Sänger Nico Gomez hatte Sarah Engels die Mechernicherin Eva Becker als Vocalcoach und Backing für den ESC empfohlen. Zuvor waren die beiden gemeinsam mit Schlagerstar Vanessa Mai (Mitte) auf Tour. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Sänger Nico Gomez hatte Sarah Engels die Mechernicherin Eva Becker als Vocalcoach und Backing für den ESC empfohlen. Zuvor waren die beiden gemeinsam mit Schlagerstar Vanessa Mai (Mitte) auf Tour. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Zu den Delegationen anderer Länder engeren Kontakt zu knüpfen, etwa Nummern auszutauschen oder sich intensiver zu unterhalten, sei eher nicht möglich gewesen, verrät die Sängerin. „Dazu war der Zeitplan viel zu straff.“ Auch die legendären ESC-Partys habe sie, bis auf eine einzige, (bei der immerhin der britische Sänger Boy George auftrat) nicht besucht. „Aber die war mega toll! Ich habe meinem Sohn ein Video von ‚Comma Chameleon‘ geschickt.“

Der Abend mit Boy George auf der Party von San Marino sei quasi eine Ausnahme gewesen. „Ich war ja nicht zum Partyhoppen in Wien.“ Eva Becker zuckt die Achseln. „Ich hatte da einen Job. Und den habe ich ernst genommen.“ Wie genau der aussah, abseits von der gesanglichen Unterstützung während Sarah Engels‘ Auftritts am Samstagabend im Backingbereich? Eva Becker lacht: „Naja, im Prinzip war ich über die ganzen zwölf Tage so eine Art Feelgood-Managerin. Ich habe mich hauptsächlich um Sarahs Wohlergehen gekümmert, hab ihr die richtigen Getränke besorgt, hier und da eine Lockerungsübung eingebaut, sie bei den Terminen supportet und auch immer wieder Atemübungen mit ihr gemacht.“ Alles, was guttat eben, damit die deutsche Interpretin entspannt war. Denn: „Wenn das klappt, hält auch die Stimme.“

Und das hat sie! – Auch wenn der ESC 2026 in Wien Deutschland und dem Team um die Kölnerin Sarah Engels nicht das Traumergebnis gebracht hat: „Ein absolut irres und einmaliges Erlebnis war es auf jeden Fall!“ Zum Beweis holt Eva Becker ihr Smartphone raus, scrollt durch die Galerie. Hier und da blitzen bekannte Gesichter auf. Verblüfft sei sie nicht nur von den „krass strengen Regeln“ beim ESC gewesen. „Nur sechs Künstler dürfen pro Act auf der Bühne performen. Da war ziemlich schnell klar, dass ich nicht mittanze.“ Obwohl die sportliche junge Frau, die seit Jahren in der Backing-Szene zuhause ist und schon mit Stars wie Vanessa Mai und Stefanie Heinzmann auf der Bühne stand, das durchaus reizvoll gefunden hätte. „Aber selbst mit hundert Jahren Vorbereitung hätte ich dieses Niveau niemals erreicht“, schmunzelt sie und startet ein Video. „Aber in meinem kleinen Kabüffchen hinter der Bühne war es ja auch ganz nett.“

Das Background-Team der deutschen Delegation mit Eva Becker und Sarah Engels in der Mitte, sowie Choreographin India Rischko (3.v.l.). Foto: Tina Sikorski/pp/Agentur ProfiPress
Das Background-Team der deutschen Delegation mit Eva Becker und Sarah Engels in der Mitte, sowie Choreographin India Rischko (3.v.l.). Foto: Tina Sikorski/pp/Agentur ProfiPress

Mit ihrem Handy hat Eva Becker den kleinen Verschlag mit Tisch und Monitor gefilmt, in dem sie während des Auftritts mit geschlossenen Augen alle Strophen von „Fire“ exakt mitgesungen hat. Man sieht hauptsächlich schwarze Tücher. „Viel Platz war da nicht“ Allerdings war die Sängerin auch immer nur drei Minuten drin. „So lange, wie ein ESC-Titel dauern darf.“

Und jetzt, wie geht es weiter? „Tja, wo soll ich anfangen?“ Klar habe sie immer viele Pläne. Neben Familytime, Backing-Auftritten, Band-Gigs und den Jobs als Vocalcoach, tüftele sie seit einiger Zeit mit ihrem Ehemann Marvin, der ebenfalls Musiker und Sänger ist, an einem weiteren Standbein: „Marvin und ich bauen seit ein paar Monaten hier in Mechernich ein hübsches Fachwerkhaus zu einem modernen Studio um. Dort können wir dann beide bald direkt vor der Haustür als Coaches arbeiten.“ Während Eva Becker sich Spezialisten für Pop-Gesang und Belting (kraftvolles hohes Singen) bezeichnet, ist Marvin Becker im Soul-Pop und Elektro zuhause. Zusammen kann das Paar ein breites Spektrum abdecken. „Wer von einem Gesangscoaching träumt, darf sich gerne bei uns melden. Einfach über per E-Mail über meine Homepage www.evabeckervovals.com.“

Auch ihre eigene Karriere habe im Prinzip so angefangen, sagt Eva Becker. „Mit dem ersten Schritt.“ Der die Mechernicherin nun sogar zu einem Auftritt vor dem größten Live-Publikum der Welt geführt hat: 180 Millionen Menschen!

pp/Agentur ProfiPress