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Manfred Lang

04/30/2026

Weber feiern in Rupperath

Handwebermuseum wird am 17. Mai 20 Jahre alt und lädt zum Tag der offenen Tür mit viel Musik, kulinarischen Genüssen und jeder Menge Textilien

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Handwebermuseum wird am 17. Mai 20 Jahre alt und lädt zum Tag der offenen Tür mit viel Musik, kulinarischen Genüssen und jeder Menge Textilien

Bad Münstereifel-Rupperath/Mechernich-Bleibuir – „Der Weber Oskar Ferber ist nicht nur ein begnadeter Spinner, er kann auch gut flachsen. Und das im übertragenen Sinne sogar dann, wenn er gleichzeitig den Webstuhl bedient. Denn der 62-jährige Eifeler ist eben nicht nur Weber, sondern auch einer der besten Museumsführer im Handweberdorf Rupperath“.

Der alte Meister Oskar Ferber (v.l.) und ein Teil des Teams der Museumsführerinnen mit Teresa Fuinhas, Barbara May, Eva Dederichs und Svenja Bach. Fotos: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Der alte Meister Oskar Ferber (v.l.) und ein Teil des Teams der Museumsführerinnen mit Teresa Fuinhas, Barbara May, Eva Dederichs und Svenja Bach. Fotos: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

So begann die KirchenZeitung für das Bistum Aachen 2007 eine Reportage zur Vorstellung des im Vorjahr gegründeten Handwebmuseums in der früheren Schule von Rupperath. Am Sonntag, 17. Mai 2026, feiern der inzwischen 81jährige Initiator Oskar Ferber und seine „rechte Hand“ Barbara May mit dem rund 60 Mitglieder zählenden Verein und allen Interessenten das 20jährige Bestehen mit einem Tag der offenen Tür und allerlei Attraktionen ab 11 Uhr.

Zwei Jahre lernte Oskar Ferber bei Robert A. Esser in der örtlichen Volksschule das Weben, dann übte er den Beruf von 1965 bis 1985 als selbständiger Textilhandwerker aus, seither als Mitglied der Werkgemeinschaft und des Trägervereins, insgesamt mehr als ein halbes Jahrhundert.
Zwei Jahre lernte Oskar Ferber bei Robert A. Esser in der örtlichen Volksschule das Weben, dann übte er den Beruf von 1965 bis 1985 als selbständiger Textilhandwerker aus, seither als Mitglied der Werkgemeinschaft und des Trägervereins, insgesamt mehr als ein halbes Jahrhundert.

Rund um die ehemalige Schule entsteht ein lebendiger Treffpunkt aus Handwerk, Musik und Begegnung. Der Eintritt ist frei. Ein bunter Kunsthandwerkermarkt bietet handgewebte Accessoires, Filzarbeiten, Drechselkunst und viele weitere Unikate. Gleichzeitig geben die Weber Einblicke in ihre Arbeit und lassen die Besucher hautnah erleben, wie Stoff entsteht.

Eva Dederichs aus Bleibuir, hier am koreanischen Ramie-Webstuhl, der als Geschenk aus Malmedy nach Rupperath kam, lernte vor über zehn Jahren spinnen und weben und schloss sich dem Team der Museumsführer/innen an.
Eva Dederichs aus Bleibuir, hier am koreanischen Ramie-Webstuhl, der als Geschenk aus Malmedy nach Rupperath kam, lernte vor über zehn Jahren spinnen und weben und schloss sich dem Team der Museumsführer/innen an.

Für die passende Atmosphäre sorgt ein musikalisches Programm: Das Bläserkorps Rupperath spielt gegen Mittag, am Nachmittag folgen die Insuler Klezmerband „Niealldoh“ mit Klarinette, Querflöte, Akkordeon, Cello, Kontrabass und Trommel um Barbara May und die Tanzfolkgruppe „Mayenspîl“ mit ihren Kindern Anna (Blockflöten), Lukas (Harfe) und Matthias May (Geige, Mandoline, Banjo, Cister). Dazwischen bleibt Zeit zum Schlendern, Staunen und Gespräch.

Ein kunstvoller Wandbehang mit dem Titel „Eifel-Bodenschätze“, gestaltet von der Rupperather Spinngruppe gemeinsam mit Textilkünstlerinnen der Region, kommt beim Museumsjubiläum am 17. Mai ab 14 Uhr unter den Hammer. Barbara May, die stellvertretende Museumsleiterin, ist eine der Kunstschaffenden.
Ein kunstvoller Wandbehang mit dem Titel „Eifel-Bodenschätze“, gestaltet von der Rupperather Spinngruppe gemeinsam mit Textilkünstlerinnen der Region, kommt beim Museumsjubiläum am 17. Mai ab 14 Uhr unter den Hammer. Barbara May, die stellvertretende Museumsleiterin, ist eine der Kunstschaffenden.

Ein besonderer Höhepunkt ist die Versteigerung um 14 Uhr: Ein kunstvoller Wandbehang mit dem Titel „Eifel-Bodenschätze“, gestaltet von der Rupperather Spinngruppe gemeinsam mit Textilkünstlerinnen der Region, kommt unter den Hammer. Das Werk verbindet textile Techniken mit Motiven der Eifeler Landschaft. Der Erlös wird vollständig an den Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche Bonn gespendet.

„Spinnereien in der Schule“ titelte die KirchenZeitung für das Bistum Aachen 2007 eine Reportage zur Vorstellung des im Vorjahr gegründeten Handwebmuseums in der früheren Schule von Rupperath.
„Spinnereien in der Schule“ titelte die KirchenZeitung für das Bistum Aachen 2007 eine Reportage zur Vorstellung des im Vorjahr gegründeten Handwebmuseums in der früheren Schule von Rupperath.

Auch kulinarisch knüpft das Fest an Traditionen an: Spezialitäten aus dem Dorfbackhaus, Gegrilltes und ein reichhaltiges Kuchenbuffet sorgen dafür, dass niemand hungrig bleibt. Und wer selbst Gefallen am alten Handwerk findet, kann gleich aktiv werden: Unter dem Motto „Nicht ausrangiert!“ werden Spinnräder und Webrahmen aus dem Museumsbestand abgegeben – bereit für ein neues Leben in privaten Händen.

Eva Dederichs aus Bleibuir führt

Viel hat sich seit dem eingangs erwähnten Kirchenzeitungsreport verändert – und doch ist manches gleichgeblieben. Neu hinzugekommen sind seither mehr als eine Handvoll Spinnerinnen und Weberinnen, die ihr Wissen wie Oskar Ferber an die Museumsbesucher weitergeben, darunter auch die Bleibuirerin Eva Dederichs und die portugiesisch-stämmige Stotzheimer Zahnärztin Teresa Fuinhas, die sich auf den Gebrauch mittelalterlicher Spindeln und neuzeitlicher Spinnräder spezialisiert hat.

Ein Blick ins Magazin aus Garnspulen und Stoffbahnen. Restbestände an Tuchen und Gewändern aus der Zeit des „Handweberdorfs Rupperath“ kann man auch heute noch im Museum für 20 Euro pro laufendem Meter erwerben.
Ein Blick ins Magazin aus Garnspulen und Stoffbahnen. Restbestände an Tuchen und Gewändern aus der Zeit des „Handweberdorfs Rupperath“ kann man auch heute noch im Museum für 20 Euro pro laufendem Meter erwerben.

Zum Team gehören auch Svenja Bach und Claudia Heuser, die ab September mit Teresa Fuinhas Schnupperkurse für Spinnerei- und Webneulinge anbieten wollen – zum Selbstkostenpreis von 50 Euro inklusive Material fürs Spinnen beziehungsweise 75 Euro fürs Weben. Der große Meister gibt den Eleven dabei auch wertvolle Ratschläge – Oskar Ferber, der noch immer Schiffchen und Schützen durch die Kettfäden gleiten lässt und dabei seine fachlich fundierten Erklärungen abgibt, ist derzeit der letzte Vollprofi am Webstuhl.

Die portugiesisch-stämmige Steinfelder Zahnärztin Teresa Fuinhas hat sich auf Gebrauch mittelalterlicher Spindeln und neuzeitlicher Spinnräder spezialisiert.
Die portugiesisch-stämmige Steinfelder Zahnärztin Teresa Fuinhas hat sich auf Gebrauch mittelalterlicher Spindeln und neuzeitlicher Spinnräder spezialisiert.

Zwei Jahre lernte er bei Robert A. Esser in der örtlichen Volksschule, dann übte er den Beruf des Webers 1965 bis 1985 als selbständiger Textilhandwerker aus, seither als Mitglied der Werkgemeinschaft und des Trägervereins, insgesamt mehr als ein halbes Jahrhundert. Seine kunstvollen Paramente – Stolen, Messgewänder und Chormäntel – für das liturgische Personal, gaben der Aachener KirchenZeitung 2007 auch Anlass zu der Reportage. Restbestände an Tuchen und Gewändern kann man auch heute noch im Museum für 20 Euro pro laufendem Meter erwerben.

Der große Raum im Eingangsbereich des Handwebermuseums Rupperath war einmal eine Schulklasse, von rechts Barbara May, Svenja Bach, Eva Dederichs und Oskar Ferber.
Der große Raum im Eingangsbereich des Handwebermuseums Rupperath war einmal eine Schulklasse, von rechts Barbara May, Svenja Bach, Eva Dederichs und Oskar Ferber.

Wie in vielen anderen Eifeldörfern wurde auch in Rupperath in vielen Familien die Schafwolle für den eigenen Bedarf und im Auftrag von Wollverarbeitungsbetrieben in Euskirchen oder in Monschau gesponnen. In manchen Bauernhäusern wurden zusätzlich, vor allem in den Wintermonaten, auf Handwebstühlen die gesponnenen Garne zu Wollstoffen gewebt. Diese Tradition gab es in Rupperath bis in das Jahr 1952 und sorgte für die Familien für einen kleinen Nebenverdienst.

Der ehemalige Volks- und spätere Grundschullehrer Robert A. Esser fand 1957 zwei alte Webstühle auf dem Dachboden der Schule und stellte einen davon im Gruppenraum der Schule auf.  Die Kinder wurden in den Grundzügen des Spinnens und Webens unterrichtet.

Altes Handwerk kehrte heim

„So wurde die alte Tradition des alten Handwerks wieder in die Familien zurückgetragen“, heißt es auf der Webseite des Museums. „Meister und Gesellen waren noch vorhanden“, erinnert sich Oskar Ferber: „Eine Frau Wittkopp betrieb zu der Zeit noch eine Webwerkstatt am Ortsrand.“ Dort bekam der Dorfschulmeister Robert A. Esser, der selbst zunächst keine Ahnung vom Textilhandwerk hatte, Hilfe und Unterstützung.  

Ein Weber vom Steinhuder Meer kam im 17. Jahrhundert dahinter, wie man ein Kleidungsstück an einem Stück weben konnte. Also „ohne Naht“, wie die Bibel über das Gewand Jesu sagt, das heute als „Heiliger Rock“ im Trierer Dom verehrt wird. Die Problemstellung, ohne Naht zu weben, ließ auch Oskar Ferber nicht eher ruhen, bis er die Lösung mit dieser Konstruktion fand.
Ein Weber vom Steinhuder Meer kam im 17. Jahrhundert dahinter, wie man ein Kleidungsstück an einem Stück weben konnte. Also „ohne Naht“, wie die Bibel über das Gewand Jesu sagt, das heute als „Heiliger Rock“ im Trierer Dom verehrt wird. Die Problemstellung, ohne Naht zu weben, ließ auch Oskar Ferber nicht eher ruhen, bis er die Lösung mit dieser Konstruktion fand.

Was einst mit dem Zufallsfund zweier Webstühle begann, verwandelte Rupperath so über Jahrzehnte in das legendäre „Handweberdorf“. Robert A. Esser machte das Weben zum Unterrichtsfach, später zur gemeinschaftlichen Aufgabe der Dorfbevölkerung. In den besten Zeiten arbeiteten mehr als 50 Menschen in Rupperath an Spinnrad und Webstuhl, produzierten Stoffe für große Abnehmer und machten Rupperath weit über die Region bekannt.

Oskar Ferbers kunstvolle Paramente – Stolen, Messgewänder und Chormäntel – für das liturgische Personal, gaben der Aachener KirchenZeitung 2007 Anlass zu einer Reportage. Restbestände an Tuchen und Gewändern aus der Zeit der Werkgemeinschaft kann man heute noch im Museum kaufen. Der Eintritt hingegen ist frei.
Oskar Ferbers kunstvolle Paramente – Stolen, Messgewänder und Chormäntel – für das liturgische Personal, gaben der Aachener KirchenZeitung 2007 Anlass zu einer Reportage. Restbestände an Tuchen und Gewändern aus der Zeit der Werkgemeinschaft kann man heute noch im Museum kaufen. Der Eintritt hingegen ist frei.

Als diese Zeit im Jahre 2003 zu Ende ging – der Absatz so genannter schwerer Stoffe stagnierte um die Jahrtausendwende – blieb zunächst nur die Erinnerung – doch rasch entwickelten Oskar Ferber und seine Mitstreiter die Idee, das bereits vorher vorhandene kleine „Museum“ in der Verkaufsausstellung der Werkgemeinschaft in die frühere Schule umzusiedeln und erheblich auszubauen.

Eine kleine Auswahl Schützen und Weberschiffchen.
Eine kleine Auswahl Schützen und Weberschiffchen.

2006 wurde das Handwebmuseum vom Betreiberverein Alte Schule gegründet. Robert A. Essers kleine Museumsabteilung mit etwa 50 Exponaten hat sich seither allein vom Umfang her bis heute verzehnfacht. Manches hat der Verein erworben, anderes wurde dem Museum als Geschenk oder Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt – wie zuletzt ein Ramie-Webstuhl aus Südkorea, den eine Familie aus dem belgischen Malmedy nach Rupperath brachte.

Von der Antike bis zur industriellen Revolution reichen die Exponate des Handwebermuseums Rupperath, das am Sonntag, 17. Mai, ab 11 Uhr 20jähriges Bestehen feiert.
Von der Antike bis zur industriellen Revolution reichen die Exponate des Handwebermuseums Rupperath, das am Sonntag, 17. Mai, ab 11 Uhr 20jähriges Bestehen feiert.

Das Museum ist heute Herzstück der Rupperather Tradition: ein Ort, an dem alte Techniken vorgeführt, Wissen weitergegeben und textile Geschichte greifbar wird, unter anderem von Eva Dederichs aus Bleibuir, die sich dem Team der Museumsführer/innen vor mehr als zehn Jahren anschloss.

Der Eintritt ins Museum ist übrigens frei. „Es besteht aber im Hinausgehen die Möglichkeit, eine Spende zu hinterlassen“, berichtet Barbara May. „Seither geben die Besucher mehr, als zu der Zeit, als sie noch Eintrittsgeld entrichten mussten“, lacht Oskar Ferber.

Teresa Fuinhas demonstriert die Arbeit am neuzeitlichen Spinnrad.
Teresa Fuinhas demonstriert die Arbeit am neuzeitlichen Spinnrad.

Neben der alten Schule, dem heutigen Museum, wächst Flachs in kleinen Beeten, eine alte Kulturpflanze, aus der Leinen gewonnen wird. Im Rahmen des Projekts „1 Quadratmeter Lein“ (in Rupperath sind es sogar zwei) können Besucher verfolgen, wie aus unscheinbaren Halmen Schritt für Schritt ein fertiger Faden entsteht.

Flachsfest am 18. Oktober

Noch ist ein Teil der Ernte aus dem Vorjahr nicht verarbeitet – zu groß war der Andrang beim bislang letzten Flachsfest 2025. Brechen, schwingen, hecheln: Arbeitsschritte, die heute fast vergessen sind, werden in Rupperath bei einer Neuauflage am Sonntag, 18. Oktober, wieder sichtbar. Verarbeitet wird dann nicht nur Flachs aus der Eigenproduktion, sondern auch aus den privaten Gärten von bislang knapp zwei Dutzend privaten Anbauern dies- und jenseits der nordrhein-westfälisch-rheinland-pfälzischen Landesgrenze.

Die an die Werkräume angeschlossene Ausstellung zeigte „Werkzeuge“ des Spinnens und Webens. Von der Schließung der Schule bis Ende 2003 (Auflösung der Werkgemeinschaft) war die Sammlung in der ehemaligen Turnhalle der Schule untergebracht. 2006 wurde diese Sammlung neu gestaltet und in den Räumen der ehemaligen Schule als „Handwebmuseum“ wiedereröffnet. Seitdem betreut eine Unterabteilung des Betreibervereins „Alte Schule Rupperath e.V.“ das Museum in ehrenamtlicher Arbeit. Für diese Arbeit wurde dem Verein 2008 der Ehrenamtspreis der Stadt Bad Münstereifel verliehen. Nach Sanierungsarbeiten an Hof und Gebäude im Jahre 2010 ist das Museum barrierefrei zu erreichen.
Die an die Werkräume angeschlossene Ausstellung zeigte „Werkzeuge“ des Spinnens und Webens. Von der Schließung der Schule bis Ende 2003 (Auflösung der Werkgemeinschaft) war die Sammlung in der ehemaligen Turnhalle der Schule untergebracht. 2006 wurde diese Sammlung neu gestaltet und in den Räumen der ehemaligen Schule als „Handwebmuseum“ wiedereröffnet. Seitdem betreut eine Unterabteilung des Betreibervereins „Alte Schule Rupperath e.V.“ das Museum in ehrenamtlicher Arbeit. Für diese Arbeit wurde dem Verein 2008 der Ehrenamtspreis der Stadt Bad Münstereifel verliehen. Nach Sanierungsarbeiten an Hof und Gebäude im Jahre 2010 ist das Museum barrierefrei zu erreichen.

So verbindet das Jubiläumsjahr 2026 Vergangenheit und Zukunft. Es zeigt, wie aus einem Schulprojekt ein kulturelles Erbe wurde – und wie dieses Erbe weitergetragen wird. Wenn Oskar Ferber und seine Mitstreiterinnen am Webstuhl sitzen und ihre Geschichten erzählen, dann wird deutlich: Die „Spinnereien“ von Rupperath sind kein Kapitel der Vergangenheit. Sie werden weitergesponnen.

pp/Agentur ProfiPress

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