Stadt verpachtet das Areal an Roland Barth und seine Familie – Die erfolgreichen Schausteller wollen auf Qualität, Marketing und behutsame Weiterentwicklung setzen – Saisonstart zum 1. April geplant – Auch das Hotel läuft normal weiter
Mechernich-Kommern – Als im Mechernicher Ratssaal die aktuellen Übernachtungszahlen des Hotels Eifeltor zur Sprache kommen, meldete sich plötzlich eine ganz besondere Stimme zu Wort: Emily Kaiser, sechs Monate alt, sitzt auf dem Schoss ihrer Mutter Michelle und kommentierte die Zahl mit einem fröhlichen „Brrrrrr“. Ein Geräusch, das im Raum für Gelächter sorgt. Fast klingt es so, als würde selbst das jüngste Mitglied der Schaustellerfamilie bereits wissen: Da geht noch deutlich mehr.
Dafür möchte Roland Barth mit seiner Familie sorgen. Sie werden den Eifeltor Erlebnispark pachten. Grünes Licht aus dem interfraktionellen Gespräch mit den Politikern gibt es bereits. Mit Mutter Erna Kipp, Schwester Michelle Kaiser, deren Ehemann Anthony und Tochter Emily sowie Schwester Monique Kipp will Roland Barth den Freizeitstandort zum 1. April wie gewohnt an den Start bringen und dann Schritt für Schritt weiterentwickeln.
„Ich habe mich sehr gefreut, als sich Herr Barth gemeldet hat“, sagte Bürgermeister Michael Fingel. „Die Familie bringt enorme Erfahrung aus der Freizeit- und Erlebnisbranche mit. Das sind Profis, die wissen, worauf es ankommt und ich traue ihnen zu, dem Eifeltor neues Leben einzuhauchen.“
Das Areal umfasst rund sieben Hektar Fläche in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark Eifel. Zum Gelände gehören ein Hotel mit 27 Zimmern, ein Restaurant mit etwa 40 Sitzplätzen, Veranstaltungsräume für rund 100 Personen, eine große Halle für Veranstaltungen, eine 680 Meter lange Sommerrodelbahn, eine 18-Loch-Minigolfanlage sowie verschiedene Spiel- und Freizeitangebote für Familien.

„Es hat einfach gematcht“
Nach dem Rückzug eines früheren Interessenten hatte die Stadt bewusst Zeit gelassen, um einen passenden Partner zu finden. „Nachdem sich die bisherige Perspektive für das Areal zerschlagen hatte, waren wir gut beraten, nicht überstürzt zu handeln, sondern zunächst mit Ruhe und Besonnenheit alternative Wege zu prüfen“, sagt Fingel. „Gemeinsam mit dem Beigeordneten Thomas Hambach und der Verwaltung haben wir uns intensiv Gedanken gemacht, wie sich das Eifeltor nachhaltig weiterentwickeln lässt und welche Partner dafür infrage kommen.“
Rund zweieinhalb Wochen dauerten schließlich die intensiven Gespräche mit der Familie Barth. Das ist ein ungewöhnlich kurzer Zeitraum für ein Projekt dieser Größenordnung. „Hier sind zwei Seiten aufeinander getroffen, die ihre Hausaufgaben gemacht haben“, sagte Fingel. Die Stadt habe sich lange mit der Zukunft des Areals beschäftigt, während Barth und seine Familie jahrzehntelange Erfahrung im Freizeit- und Entertainmentbereich mitbrächten. „Das hat einfach gut gematcht.“
Roland Barth stammt aus einer traditionsreichen Schaustellerfamilie. Gemeinsam mit den Familien Kipp und Kaiser betreibt er seit Jahren große Fahrgeschäfte auf Volksfesten in Deutschland und Europa. Zu den bekanntesten gehören das Virtual-Reality-Fahrgeschäft „Dr. Archibald – Master of Time“, das unter anderem im Londoner Hyde Park beim Winter Wonderland aufgebaut wird, sowie das Etagenkarussell „The Grand Carousel“.

„Freude bereiten, können wir seit Generationen“
Die Idee, ein festes Freizeitangebot aufzubauen, begleitet Barth schon länger. Als er vor wenigen Wochen die Ausschreibung für das Eifeltor entdeckte, wurde er neugierig. „Ich bin so ein bisschen der Verrückte in der Familie“, sagte er schmunzelnd. „Ich habe gedacht: Das könnte passen.“
Ein Blick auf die Region habe den Eindruck bestätigt. Innerhalb einer Stunde Anreise lebten rund 3,5 Millionen Menschen im Einzugsgebiet von Köln über Bonn bis Aachen. Gleichzeitig liege der Park mitten in einer beliebten Tourismusregion. „Freude bereiten und Menschen zum Lachen bringen, können wir seit Generationen“, sagte Barth. „Genau das wollen wir auch hier tun.“
Die neuen Pächter planen dabei keine radikalen Veränderungen. Stattdessen soll der Park behutsam weiterentwickelt werden. Zunächst wollen Barth und seine Familie ihre eigenen Qualitätsansprüche umsetzen und den Standort stärker vermarkten. Bereits jetzt laufen zahlreiche Vorbereitungen: Die Sommerrodelbahn und Spielgeräte werden überprüft, ein TÜV-Termin ist angesetzt, und auch gastronomisch soll es neue Impulse geben. Für die Küche hat Barth bereits einen bekannten Koch angesprochen, der unter anderem für internationale Popstars kocht und beim Aufbau der Speisekarte unterstützen soll.
„Wir wollen uns erst einmal ein Gefühl für den Standort und die Menschen hier verschaffen“, erklärte Barth. „Der Kölner Dom ist auch nicht an einem Tag gebaut worden.“ Geplant ist, den Park zum 1. April aus dem Winterschlaf zu holen und wie gewohnt in die Saison zu starten. Einige Angebote könnten später folgen, andere werden überarbeitet. So soll etwa die bisherige Kinder-Quad-Bahn aus Sicherheitsgründen nicht weiter betrieben werden.

„Das ist positiver Stress“
Die Stadt Mechernich bleibt Eigentümerin der rund sieben Hektar großen Fläche, versteht sich künftig aber vor allem als Partner. Mit professioneller Vermarktung sieht Bürgermeister Michael Fingel viel Potenzial für das Areal. Die neue Betreiberfamilie möchte den Eifeltor Erlebnispark zum Teil eines größeren touristischen Netzwerks machen. Schließlich liegt er in der direkten Nachbarschaft zum LVR-Freilichtmuseum Kommern, der Wildpark ist nicht weit, Wander- und Radwege sowie weiteren Freizeitangeboten liegen in der Region.
Dass die Familie Barth dieses Projekt mit viel Herzblut angeht, wurde während der Pressekonferenz schnell deutlich. Die Geschwister, ihre Partner und die nächste Generation waren gemeinsam angereist, um die Zusammenarbeit mit der Stadt zu besiegeln. Die kommenden Wochen dürften arbeitsreich werden. Roland Barth sprach von langen Tagen am Laptop und vielen Gesprächen mit Partnern und Lieferanten. Doch er wirkte dabei keineswegs gestresst. „Das ist für uns positiver Stress“, sagte er. „Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht.“
Und während sich die Erwachsenen über Zukunftspläne, Marketingstrategien und Besucherzahlen unterhielten, kommentierte Emily Kaiser das Ganze auf ihre eigene Weise. Mit einem fröhlichen „Brrrrrr“. Vielleicht ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie lebendig es im Eifeltor künftig wieder werden soll.
pp/Agentur ProfiPress
03/06/2026

