Zum Tod von Gerhard H. Lenz – Die Stadt Mechernich verabschiedet sich von prägender Persönlichkeit des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens
Mechernich-Kommern – Wenn Luka Lenz von ihrem „Opi“ spricht, klingt in ihren Worten eine Mischung aus Stolz, Dankbarkeit und Liebe. „Egal mit wem man redet, man hört, wie viel er sich engagiert hat“, sagt sie über Gerhard H. Lenz, der am 16. Februar im Alter von 80 Jahren nach schwerer Krankheit im Mechernicher Hospiz „Stella Maris“ verstorben ist.

„Er hatte unglaublich viele Interessen, war sehr intelligent und hatte Charisma. Aber vor allem liebte er seine Familie, das Leben und die Menschen.“ Mit Gerhard H. Lenz verliert Mechernich eine prägende Persönlichkeit des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens – einen engagierten Europäer, Künstler und Brückenbauer.

Unzertrennliche Eheleute, beste Freunde
Geboren in Mecklenburg-Vorpommern im Jahre 1945 führte sein Lebensweg zunächst durch verschiedene Regionen Deutschlands. Seine große Liebe fand er aber in Gießen: Dort lernte er seine spätere Ehefrau Traudel kennen. In den 1970er-Jahren fanden sie schließlich über Bekannte ihren Weg nach Kommern-Süd, wo sie viele Jahrzehnte glücklich lebten.

Kennengelernt hatten sich die beiden bereits als Jugendliche über den Jugendbund. „Meine Omi ist vor der Schule extra immer einen kleinen Umweg gelaufen, um ihn zu sehen“, erzählt Luka: „Später besuchten sie gemeinsam einen Tanzkurs, gingen spazieren, hielten ihre Hände – und waren von da an unzertrennlich.“ 1971 heirateten sie. Es blieb ihre erste und einzige Beziehung. „Sie waren wie Zwillinge, wie beste Freunde. 57 Jahre lang.“ Ein Zeugnis der tiefen und aufrichtigen Liebe, die sie verband: „Meine Großeltern hatten aber nicht nur Liebe füreinander, sondern für alle. Das haben sie jeden Tag gelebt“, sagt Luka.

Gerhard H. Lenz war sehr gebildet, besuchte ein humanistisches Gymnasium und beherrschte mehrere Sprachen – darunter Latein, Altgriechisch und Französisch. Auf Wunsch seines Vaters studierte er Jura und schloss das Studium mit großem Erfolg ab. Beruflich wurde er später Verwaltungsdirektor bei der Kölner „Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse“ (BG ETEM). In dieser Funktion wirkte er auch maßgeblich an Planung und Bau des Berghofs in Bad Münstereifel mit, einer großen Bildungsstätte.

Doch sein Interesse reichte weit über den Beruf hinaus. Architektur, Ingenieurwesen, Fotografie und die Arbeit mit Stein faszinierten ihn ebenso wie Naturwissenschaften, Literatur, Kunst, Reisen und Tiere. „Auch Holz hat ihn interessiert. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre er vielleicht Ingenieur, Architekt oder Schreiner geworden“, sagt seine Enkelin: „Sein Interesse für das Leben, die Menschen, die Liebe und das Glück war unerschöpflich.“
Großvater, der zum Denken anregte
Besonders eng war die Beziehung zu seiner Enkelin Luka. Viele ihrer Erinnerungen sind geprägt von Gesprächen und dem gemeinsamen Entdecken von Wissen. „Früher fragte er mich oft nach Wörtern“, erzählt sie: „Wenn ich ihre Bedeutung nicht kannte, erklärte er mir alles ganz genau. Manchmal wollte ich einfach nur Zeit mit ihm verbringen – aber es gab immer ein Quiz, Sudoku oder Rätsel zu lösen.“

Sein Motto habe stets gelautet: „Wenn Du etwas nicht weißt, musst Du die Antwort suchen.“ „Er war unglaublich belesen, hatte Spaß am Lernen und war sehr wissbegierig. Seine Intelligenz, Moral und respektvolle Einstellung zur Welt und zu den Menschen haben ihn zu dem gemacht, der er war.“
Auch künstlerisch war Gerhard H. Lenz vielseitig begabt. Er malte, schrieb, dichtete und auch bildende Kunst war ihm nicht fremd. Eine seiner steinernen Skulpturen ist für die Familie besonders bedeutsam: „Er hat liebevoll eine Skulptur von meiner Omi und sich selbst geschaffen“, erzählt Luka: „Sie steht heute auf dem Grab, in dem sie bald gemeinsam beerdigt sein werden.“

Chevalier de l’Olivier
Ein besonderes Herzensanliegen war für Gerhard H. Lenz die deutsch-französische Freundschaft. Viele Jahre engagierte er sich im Freundeskreis Mechernich–Nyons, lange Zeit als stellvertretender Vorsitzender. Dort galt er als ruhiger Vermittler mit ausgleichender Art.
„Wenn Diskussionen einmal hitziger wurden, gelang es ihm stets, die Gemüter schnell zu beruhigen“, erinnert der Freundeskreis unter dem Vorsitzenden Wilfried Hamacher: „Gerhard war nicht nur stellvertretender Vorsitzender, der durch seine ausgleichende Art stets eine Lösung parat hatte – er widmete sich auch mit großer Hingabe der Pflege unserer Homepage.“

Seine Verbindung zu der südfranzösischen Stadt begann einst pragmatisch: Gemeinsam mit einem der Vereinsgründer, Herrn Lieb, fuhr er regelmäßig nach Nyons, um Aprikosen für dessen Laden zu besorgen. Daraus entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft mit der Region und ihren Menschen.
Im vergangenen Jahr wurde ihm für seine Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft schließlich eine ganz besondere Ehre zuteil: Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum der Stadt Mechernich wurde er zum Olivenritter („Chevalier de l’Olivier“) von Nyons geschlagen – eine Auszeichnung, die nur sehr selten an Nicht-Nyonser verliehen wird. „Er hat Nyons und Frankreich geliebt – genauso wie Oliven und guten Wein“, erinnert sich seine Enkelin: „Als er im vergangenen Sommer zum Olivenritter gekürt wurde, war er unglaublich stolz. Das hat ihm sehr viel bedeutet.“

Kunst als Spiegel der Welt
Gerhard H. Lenz war nicht nur engagierter Europäer, sondern auch ein kritischer Beobachter seiner Zeit. In seinen Werken griff er immer wieder gesellschaftliche und politische Themen auf.
Sie trugen Titel wie „Torheit der Massen“ oder „Alle Menschen sind Ausländer – fast überall“. In einem Triptychon mit Weltkugel und Naturkatastrophen zitierte er den norwegischen Polarforscher Fridtjof Nansen mit den Worten: „Beeilt euch zu handeln, bevor es zu spät ist, zu bereuen.“ Noch 2022 entstand sein Bild einer „abgeschossenen Friedenstaube“ mit gelb-blauer Banderole…
Seine Arbeiten wurden in verschiedenen Ausstellungen gezeigt, etwa in der Grenzlandhalle Hellenthal oder im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums des Freundeskreises. Noch bis Mitte April sind Werke von ihm in der Ausstellung „Korridor der Träume“ in der Mechernicher Galerie im Rathaus zu sehen.

„Wir werden Dich nicht vergessen“
Neben all seinen Interessen blieb für Gerhard H. Lenz eines immer zentral: seine Familie. Neben ihrem Sohn Sebastian adoptierte das Ehepaar im Laufe der Jahre zwei Mädchen aus Indien: Amitha und Vandana. Über einen Vermittler holten sie sie persönlich in einem indischen Waisenhaus ab und brachten sie und weitere Kinder von anderen Familien nach Deutschland. So entstanden tiefe Freundschaften zwischen den Familien, die bis heute bestehen. „Viele von ihnen kommen auch zur Beerdigung“, sagt Luka.

Für sie selbst bleiben ihre Großeltern lebenslange Vorbilder. „Ich verdanke meinem Opi und meiner Omi so viel“, sagt sie: „Sie haben das Leben genossen und diese Liebe an alle zurückgegeben.“ Und so beschreibt sie ihren Großvater am Ende mit einfachen, aber sehr treffenden Worten: „Er war stolz auf das, was er erreicht hat – aber er hat nie etwas als selbstverständlich angesehen, sondern das Leben und die Menschen immer wertgeschätzt.“
Der Freundeskreis Mechernich–Nyons schreibt zum Abschied: „Gerhard, wir werden Dich nicht vergessen. Ruhe in Frieden.“ Die öffentliche Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Freitag, 6. März, um 14 Uhr im Bestattungshaus Ernst in Kommern (Wingert 29) statt.
pp/Agentur ProfiPress
03/05/2026

