Silvesterwanderung durch das Mechernicher Bergschadensgebiet ist für viele ein Ritual zum Jahreswechsel – Bürgermeister Michael Fingel zum ersten Mal bei der Wanderung dabei – Ein Pressespiegel
Mechernich – Es ist das „Mechernicher «Dinner for One»“, schreibt Journalist Stephan Everling über die Silvesterwanderung durch das Bergschadensgebiet in Mechernich. In der Kölnischen Rundschau und dem Kölner Stadt-Anzeiger berichtet er von den geführten Touren, mit denen das Team des Bergbaumuseums zum Jahreswechsel immer wieder zahlreiche Wanderfreunde begeistert – ob aus Neugier auf spannende Einsichten in die Mechernicher Bergwerks-Geschichte oder eben als echtes Silvester-Ritual.
Über 300 Wanderfreunde machten sich mit dem Team des Bergwerksmuseums auf den Weg durch das Bergschadensgebiet auf dem Bleiberg. „Hinzu kamen noch etliche Gruppen, die sich auf eigene Faust auf die Strecke begaben“, so Everling in den Tageszeitungen der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft. Er zitiert Dirk Klein, Sohn eines Mechernicher Bergmanns, der mit seiner Frau und seiner Schwester unterwegs war: „Wir gehen jedes Jahr – bestimmt schon seit über 50 Jahren.“

Auch Steven Koenig aus Bad Münstereifel ist Wiederholungstäter: „Das hat im letzten Jahr so viel Spaß gemacht, dass wir beschlossen haben, daraus eine Tradition zu machen“, erzählte er gegenüber dem Journalisten. Eine andere Teilnehmerin berichtete den Kölner Tageszeitungen, dass sie die Geschichte des Mechernicher Bergbaus zwar schon in- und auswendig kenne, aber trotzdem immer wieder komme: „Wir treffen hier immer alte Bekannte, wenn die Tour an der Grillhütte ausklingt.“ Eine andere Ur-Mechernicherin, wie sie sich selbst nennt, war zum ersten Mal dabei: „Ich wollte das schon lange mal machen, aber bisher musste ich immer an Silvester arbeiten“, ist in den Zeitungen der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft zu lesen.
Traditionelle Stationen der Wanderungen seien laut Everling unter anderem der Baltesbendener Weiher – einst künstlich angelegter Wasserspeicher für den Bergbau – sowie der „Lange Emil“. Stephan Everling berichtet: „Von ihm ist heute nicht mehr viel übrig, nachdem Pioniere des Bundesgrenzschutzes ihn im Oktober 1961 im zweiten Versuch erfolgreich gesprengt hatten. Beim ersten Versuch hatte der 134,6 Meter hohe Schornstein, seinerzeit der größte Europas, der Sprengung noch erstaunlich standgehalten. Erst mit der fast zehnfachen Sprengstoffmenge fiel er schließlich.“

Die Anekdoten kamen besonders bei den Neulingen unter den Silvesterwanderern gut an. Zu ihnen gehörte dieses Mal auch Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel, der das Bergbaumuseum zwar bereits besucht, das Abbaugebiet aber noch nicht erwandert hatte. Gegenüber dem Journalisten betonte er: „Es ist faszinierend, die Facetten der Mechernicher Geschichte so unmittelbar erleben zu dürfen.“
Die Wanderer hatten an Silvester die Wahl zwischen einer etwa fünf Kilometer langen Kurzstrecke und einer rund elf Kilometer langen Tour. Bürgermeister Fingel entschied sich, so Everling, „für die kürzere Route – auch um anschließend an der Grillhütte mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.“ Dort erwartete die Rückkehrer eine Stärkung: Doris Beckel, Anita Reitz, Mathilde Conrads, Kati Box und Inge Nießen sorgten mit Glühwein und Bratwurst im Brötchen für das leibliche Wohl der Wanderer.

Die Führungen an Silvester übernahmen Ralf Ernst, Willi Stoboy, Joshua Dickmeis, Toni Reitz, Rolf Siegert, Johannes Trimborn und Jakob Trimborn. Stephan Everling zitiert Günter Nießen, Vorsitzender des Fördervereins des Museums, der optimistisch in die Zukunft blickte: „Wir haben jetzt elf Grubenführer, darunter mehrere junge, die in die Instandhaltung eingearbeitet werden.“ Für die Grubenpflege sei weiterhin Toni Reitz verantwortlich und auch mit der Besucherzahl sei man sehr zufrieden.
Zu den Anekdoten der Wanderungen gehörte auch die Geschichte, wie der Schornstein zu seinem Namen kam. Diesen verdankt er nämlich dem Bergrat Emil Kreuser, einem großen Mann von über zwei Metern. „Sein Bruder Carl – Mitglied des Verwaltungsrats des Mechernicher Bergwerks-Actien-Vereins sowie Stifter des Altenheims und Waisenhauses – stand Pate für den kleineren, 86 Meter hohen Schornstein“, schreibt der Stephan Everling in den Kölner Tageszeitungen.

Dass die Atmosphäre unter Tage einen besonderen Reiz und ihre eigenen Herausforderungen hat, zeigt sich schließlich auch darin, dass immer wieder Fernsehteams das Bergwerk für Dreharbeiten nutzen und dass auch in diesem Jahr wieder Sonderführungen für Hobbyfotografen angeboten werden sollen. Darüber hinaus sei geplant, dass demnächst eine Hunderettungsstaffel ihr Training unter Tage abhalte.
pp/Agentur ProfiPress
01/08/2026

