Die Städtepartnerschaft zwischen Mechernich und dem polnischen Skarszewy feiert zehnten Geburtstag – Erste Kontakte reichen bis 2009 zurück – Jugendaustausche und persönliche Begegnungen – Mechernicher Delegation reiste zu offiziellen Feierlichkeiten nach Polen – Im Gepäck: ein päpstlich gesegnetes Gastgeschenk
Mechernich – Knapp 1100 Kilometer sind es bis Skarszewy. Und doch ist die polnische Partnerstadt den Mechernicherinnen und Mechernichern in den letzten zehn Jahren immer nähergekommen: Seit dem 25. Juni 2016 sind Mechernich und Skarszewy offiziell verschwistert. Dieses Jahr feiert die deutsch-polnische Städtepartnerschaft also einen ganz besonderen Geburtstag.
Für Bürgermeister Michael Fingel ein freudiger Anlass, aber auch ein Moment der Dankbarkeit. „Wir freuen uns sehr, dass unsere Städtepartnerschaft seit zehn Jahren besteht und auf gegenseitigem Vertrauen, Wertschätzung und einem guten Miteinander basiert. Möge unsere Freundschaft auch weiterhin wachsen und viele Menschen in beiden Städten miteinander verbinden!“

Im Rathaus von Skarszewy posierten Magdalena Forc-Cherek (Sekretärin der Gemeinde), Sabina Spierewka (Schatzmeisterin),
Bürgermeister-Stellvertreter Egbert Kramp, Skarszewys Bürgermeister Jazek Pauli, Dr. Peter Schweikert-Wehner (Vorsitzender Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss) Sabine Sommer und Claudia Schulte (Freundeskreis Mechernich-Skarszewy) sowie Stadtrats-Vorsitzender Stefan Troka und die Leiterin der Abteilung Investitionen, Martyna Gali fürs Gruppenbild. (von links) Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Wer sich keine Zeit für Freunde nehme, so behauptet ein kluges Sprichwort, dem nehme die Zeit die Freunde. Gleiches gilt wohl auch für Städte, die sich „Partner“ nennen: Deren Verbundenheit lebt ebenfalls in erster Linie von persönlichem Kontakt, etwa beim jährlichen Jugendaustausch oder bei gegenseitigen Besuchen städtischer Delegationen.
Wie lebendig der Austausch zwischen Eifel- und Pommerland bis heute ist, zeigte sich Anfang Juli wieder: Zur Feier des zehnjährigen Bestehens reiste der Stellvertretende Bürgermeister Mechernichs, Egbert Kramp, gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Bildungs-, Kultur- und Sozialausschusses, Dr. Peter Schweikert-Wehner, nach Skarszewy. Begleitet wurden sie von Sabine Sommer und Claudia Schulte, den beiden Vorsitzenden des „Freundeskreises Mechernich-Skarszewy“.
Gastgeschenk des Bürgermeisters übergeben
Der Besuch begann mit einem freundlichen Empfang im Rathaus. Bei Kaffee und Kuchen bot sich Gelegenheit zum persönlichen Austausch, bevor Peter Schweikert-Wehner das Gastgeschenk der Stadt Mechernich an Bürgermeister Jacek Pauli überreichte: Ein Gemälde im prunkvollen Goldrahmen mit der Gottesmutter Maria als Motiv.
„Man muss dazu wissen, dass der polnische Papst Johannes Paul II. ein glühender Marienverehrer war“, erläuterte Hobby-Kirchenhistoriker Schweikert-Wehner. Das Motiv gehe auf ein Marienbild von Fra Angelico zurück, das neben Maria auch den heiligen Dominikus und die heilige Katharina zeigt. „Im Jahr 2000 wurde eine solche Serie zur besonderen Marienverehrung angefertigt und von Papst Johannes Paul II. gesegnet. Eines dieser Exemplare, die Nummer 368, habe ich auf einem Flohmarkt entdeckt – sogar mit dem entsprechenden Siegel.“

Weit weg und doch im Herzen nah: Auf diesem Verkehrsschild in Skarszewy steht, wie weit es bis zum Bleiberg ist: 1169 Kilometer. Foto: Privat/Sabine Sommer/pp/Agentur ProfiPress
Nun kehrt dieses Marienbild gewissermaßen nach Polen zurück. Papst Johannes Paul II. habe in Polen bis heute eine herausragende Bedeutung, betonte Schweikert-Wehner und werde auch in Skarszewy sehr verehrt. „Zudem sind die Kontakte zwischen Mechernich und der polnischen Partnerstadt eng mit der Communio in Christo verbunden.“
Die Geschichte der Partnerschaft zwischen Eifel- und Pommerland begann schon einige Jahre vor ihrer offiziellen Besiegelung. Die ersten Kontakte gehen auf das Jahr 2009 zurück, als der damalige Bürgermeister von Skarszewy, Dr. Dariusz Skalski, mit einer Delegation den damaligen Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick im Rathaus besuchte. 2012 reisten die Eifeler erstmals in die spätere Partnerstadt. Vermittelt wurde die europäische Städtefreundschaft durch den Ordo Communionis in Christo in Mechernich und Teresa Swieca, die Vorsitzende der Communio in Christo in Skarszewy.
Basilika und Gutenberg-Bibel besichtigt
Nach der Geschenkübergabe trugen sich die Mechernicher in das Gästebuch des gut 7000 Einwohner zählenden Städtchens ein, das um das Jahr 1180 vom Johanniter-Orden gegründet wurde. „Im Mittelpunkt des anschließenden Programms stand die beeindruckende Entwicklung der polnischen Partnerstadt in den vergangenen Jahren“, schilderte Claudia Schulte im Nachgang die noch frischen Eindrücke. „Die Delegation erhielt Einblicke in verschiedene Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Besichtigt wurden unter anderem eine Schule, ein Kindergarten mit modernen Therapie- und Sinnesräumen sowie eine neue Sporthalle, die besonders barrierefrei gestaltet wurde und auch Menschen mit Sehbehinderung optimale Möglichkeiten bietet.“

Im nicht weit entfernten Gdansk (Danzig) begeben sich die jungen Gäste aus Mechernich regelmäßig auf Sightseeing-Tour. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Am folgenden Tag führte die Reise nach Pelplin. „Die dortige Dombasilika zählt zu den größten Backsteinkirchen Polens und beeindruckt mit ihrer prachtvollen Ausstattung. Anschließend besichtigte die Delegation das Diözesanmuseum, in dem die einzige originale Gutenberg-Bibel Polens aufbewahrt wird. Während einer interessanten Führung erfuhren die Gäste Wissenswertes über die Geschichte der Bibel, ihren berühmten Druckfehler sowie ihre abenteuerliche Rettung während des Zweiten Weltkriegs.“
Nach dem kulturellen Programm blieb auch Zeit für Erholung: „Bei einer gemeinsamen Fahrradtour rund um den Borówno-See genossen die Mechernicher Gäste die reizvolle Landschaft. Am Abend nahm die Delegation am traditionellen Sommerfest „Sobótki Skarszewskie“ teil, einem bunten Familienfest mit Musik, Unterhaltung und vielen Begegnungen. Den Abschluss des Aufenthalts bildete ein Besuch des Nationalmuseums, bevor auf der Heimreise noch ein kurzer Abstecher in das Ostseebad Sopot eingelegt wurde.“ Bei frischer Seeluft konnten die Teilnehmer die Eindrücke der vergangenen Tage Revue passieren lassen.

Die Dombasilika von Pelplin zählt zu den größten Backsteinkirchen Polens, im zughörigen Diözesanmuseum besichtigten die Mechernicher Gäste kürzlich die einzige original Gutenberg-Bibel Polens. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
„Der Besuch machte deutlich, wie lebendig und wertvoll die inzwischen zehnjährige Städtepartnerschaft zwischen Mechernich und Skarszewy ist“, zog Claudia Schulte vom Freundeskreis ein begeistertes Fazit. „Die herzliche Gastfreundschaft, das abwechslungsreiche Programm und die sichtbare Entwicklung der polnischen Partnerstadt hinterließen bei der Mechernicher Delegation bleibende Eindrücke.“
Erster Jugendaustausch 2014
Positiv hat sich auch die Tradition der gegenseitigen Besuche entwickelt: Der erste Jugendaustausch zwischen Mechernich und dem hübschen kleinen Ort mit der alten Stadtmauer, unweit von Danzig, fand im Jahr 2014 statt: ein halbes Jahr nach der Gründungsversammlung des „Freundeskreis Mechernich – Skarszewy“. Noch heute reisen ein übers andere Jahr Schülerinnen und Schüler der Mechernicher Gesamtschule nach Pommern. Für viele ist es die erste Auslandsreise ihres Lebens. – Und ein echtes Abenteuer. Das Tolle: Dank zahlreicher Unterstützung seitens DPJW (Deutsch-Polnisches Jugendwerk) sowie der Bürgerstiftung der Kreissparkasse Euskirchen kostete dieses Abenteuer die Familien der jungen Leute kaum mehr als hundert Euro.

Dr. Peter Schweikert-Wehner (r.) überreichte das Gastgeschenk der Stadt Mechernich an Skarszewys Bürgermeister Jacek Pauli: Ein Gemälde im prunkvollen Goldrahmen mit Marienmotiv, hinter dem sich eine spannende Geschichte versteckt. Foto: Privat/pp/Agentur Profipress
Auch die Tochter von Sabine Sommer reiste vor neun Jahren nach Skarszewy. „Weil noch Platz im Bus war und Begleitpersonen gesucht wurden, bin ich mitgefahren.“ Besonderes Wissen über das Land und seine Bevölkerung habe sie zu diesem Zeitpunkt nicht gehabt, und auch keinerlei Sprachkenntnisse besessen. „Ich war damals einfach neugierig“, erinnert sich Sabine Sommer, „genau wie meine Tochter.“ Beeindruckt habe sie dann vor allem die Gastfreundschaft der Polinnen und Polen. So sehr, dass Sabine Sommer die neu gewonnene Freundschaft unbedingt pflegen wollte.
„Es ist wunderschön zu sehen, wie rasch auf beiden Seiten die Vorurteile dahinschmelzen“, sagt die Mechernicherin, die seit zwei Jahren Vorsitzende des deutsch-polnischen Freundschaftsvereins ist. Zuvor hatte Gründervater Günther Schulz die Geschicke des Vereins lange Jahre erfolgreich geleitet.
Dass es in polnischen Familien im Grunde auch nicht anders zugehe, als zuhause in Mechernich, dass man sich auch dort liebt, zankt oder um seine Liebsten sorgt: Das ist für Sabine Sommer die Haupterkenntnis einer solchen Austauschreise. „Diese Erfahrung in jungen Jahren zu machen, ist unbezahlbar.“
Mit Geduld und Google-Übersetzer
Bald ist es wieder soweit: Kommenden September reisen 20 Kinder und Betreuer aus Mechernich nach Skarszewy – was übrigens „Skartschäwe“ ausgesprochen wird, wie Sabine Sommer inzwischen weiß. (Seit kurzem büffelt sie in einem VHS-Kurs Polnisch.) „Schon alleine die Sprachbarriere hält oft davon ab, Polen als Reiseziel zu wählen.“ Hiesige Gasteltern machten sich darum oft Sorgen. Nicht nötig, wie die vielen wertschätzenden Mails, die der Verein erhalte, zeigten: „Mit viel Geduld, ein bisschen Gestik und Google-Translate hat die Kommunikation erstaunlich gut funktioniert“, schrieb eine deutsche Gastmutter im Nachgang. Und: „Es war wirklich schön zu sehen, wie man sich trotzdem verstehen kann!“

Pause im Park: Neben dem kulturellen Programm blieb der Mechernicher Delegation samt ihren freundlichen Übersetzern und Fremdenführern auch Zeit für Erholung. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Skarszewy, das frühere „Schöneck“ in Westpreußen, hat rund 7000 Einwohner und liegt in der polnischen Woiwodschaft Pommern, am Fluss Wietcisa. Die Stadt blickt auf eine lange Geschichte zurück: Erste Notizen stammen aus dem Jahr 1198, die Stadtrechte wurden 1320 verliehen. Reste einer Burganlage und einer Stadtmauer erinnern noch heute an diese Vergangenheit.
Als vor zehn Jahren die Urkunden im Rathaus von Skarszewy unterzeichnet wurden, sprachen die Verantwortlichen nicht nur von einem Verwaltungsakt. Der damalige Bürgermeister Dr. Dariusz Skalski nannte die Unterzeichnung zwar die rechtliche Grundlage der Partnerschaft, machte aber zugleich deutlich, worauf es eigentlich ankommt: „Auf die Grundlage in unseren Herzen“. Auch wurde damals betont, wie wichtig es sei, gerade junge Menschen einzubeziehen, damit Polen und Deutschland unter dem gemeinsamen Dach Europas zusammenwachsen können.
Neustart nach Corona 2022
Dass die Partnerschaft lebendig blieb, zeigen die zahlreichen Begegnungen der vergangenen Jahre. Delegationen aus Mechernich besuchten das traditionelle Mittsommerfest in Skarszewy, polnische Gäste kamen in die Eifel, Jugendgruppen reisten hin und her, sogar die Bergkapelle war 2018 in Skarszewy zu Gast. Auch das St.-Agnes-Jugendcamp führte Kinder und Jugendliche aus der GdG St. Barbara Mechernich und dem Jugendrotkreuz für zwei Wochen nach Polen. Solche Aktivitäten kann sich der Freundschaftsverein auch für die Zukunft gut vorstellen.

2012 reiste eine Delegation um den damaligen Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (2.v.l.) erstmals in die spätere Partnerstadt. Auch damals war Jazek Pauli (l.) Bürgermeister. Vermittelt wurde die Städtefreundschaft durch den Ordo Communionis in Christo in Mechernich und Teresa Swieca, die Vorsitzende der Communio in Christo in Skarszewy. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Selbst die Corona-Pandemie konnte die Verbindung nicht abbrechen lassen. Heute ist die Partnerschaft längst nicht mehr nur Sache der „Offiziellen“. Der Freundeskreis zählt gut 50 eingetragene Mitglieder und lädt regelmäßig auch weitere Interessierte ein, sich am deutsch-polnischen Partnerschaftsgeschehen zu beteiligen. Beim Mechernicher Brunnenfest und bei anderen städtischen Anlässen waren und sind Gäste aus den Partnerstädten immer wieder willkommen.
Aus Unbekannten wurden Freunde
So wird aus einer Entfernung von knapp 1100 Kilometern eine Verbindung, die im Alltag spürbar bleibt: durch Besuche, Gespräche, gemeinsame Feste, Austauschprogramme und persönliche Freundschaften. Zehn Jahre nach der offiziellen Verschwisterung zeigt die Partnerschaft zwischen Mechernich und Skarszewy, was europäische Freundschaft im Kleinen leisten kann. Nämlich, Menschen zusammenbringen und aus Unbekannten Freunde machen.
Manuela Holtmeier, Persönliche Referentin des Bürgermeisters und in dieser Funktion unter anderem für Mechernichs Städtepartnerschaften zuständig, ist zuversichtlich, dass die Beziehung zwischen Pommer- und Eifelland sich auch weiterhin so positiv entwickeln wird: „Wir blicken mit Freude auf die kommenden Jahre unserer Städtepartnerschaft.“ Die Gegeneinladung von Bürgermeister Michael Fingel jedenfalls steht schon im Terminkalender. „Wir würden uns freuen, wenn Bürgermeister Pauli und sein Team uns Ende September besuchen kämen!“

Dass die Partnerschaft lebendig blieb, zeigen die zahlreichen Begegnungen der vergangenen Jahre. Delegationen aus Mechernich besuchten unter anderem, wie hier, das traditionelle Mittsommerfest in Skarszewy. Rechts vorn: Manuela Holtmeier, im Rathaus Mechernich unter anderem zuständig für das Thema Städtepartnerschaften. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Auch der Freundeskreis Mechernich-Skarszewy e. V. lädt zum Kennenlernen ein: Am Samstag, 20. September, findet ab 14 Uhr ein Grillnachmittag mit einer kleinen Wanderung statt. In gemütlicher Atmosphäre bietet sich die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, neue Kontakte zu knüpfen und einen schönen Nachmittag in geselliger Runde zu verbringen. Hierzu sind alle Mitglieder des Vereins sowie alle interessierten Bürgerinnen und Bürger aus Mechernich und Umgebung herzlich willkommen.
Weitere Informationen finden sich auch im Internet unter www.mechernich-skarszewy.de , sowie auf Wunsch per E-Mail an kontakt@mechernich-skarszewy.de
pp/Agentur ProfiPress
07/17/2026
