Beim gemeinsamen Jahresempfang von Stadt Mechernich und Bundeswehr verfolgten rund 400 Gäste drei Talkrunden unter dem Motto „Made in Mechernich“ – Vom sicherheitspolitischen Ernst über gelebtes Ehrenamt bis zur Weltkarriere aus der Eifel – Zum Finale wurde die Patenschaft mit einer neuen Urkunde bekräftigt
Mechernich – Zwei Wünsche gaben dem gemeinsamen Jahresempfang von Stadt Mechernich und Bundeswehr eine besonders sympathische Note. Sie kamen beiläufig daher, sorgten für ein Schmunzeln im Saal und fingen dabei den Ton der Veranstaltung wunderbar ein. Doch dazu später mehr.
Zunächst gehörte die Bühne dem, was „Made in Mechernich“ an diesem Vormittag ausmachen sollte: Verantwortung, Zusammenhalt, Engagement und Perspektiven für die Zukunft. Rund 400 Gäste waren in die Aula des Gymnasiums Am Turmhof gekommen, um den gemeinsamen Jahresempfang der Stadt Mechernich und der Bundeswehr zu erleben, den ersten für Bürgermeister Michael Fingel in dieser Rolle.

Den Auftakt prägte ein Thema, das längst nicht mehr abstrakt wirkt. Fingel blickte zunächst auf seinen ersten Wahlkampf zurück und auf das, was ihn dabei bis heute trägt. „Ganz vorneweg, was mir in allen Ortschaften entgegenkam, war Herzlichkeit, Zusammenhalt, auch ein gewisses Wir-Gefühl“, sagte er. Die Erfahrungen aus 44 Ortschaften, aus Begegnungen und Projekten seien prägend gewesen – von der Fahrradtour bis zum Blick „hinter die Kulissen“ engagierter Initiativen.
Vom Schlagloch bis Windenergie
Im Amt, so der Bürgermeister, reichen die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger vom Alltäglichen bis zu großen Linien. Angefangen von den Alltagsproblemen, Schlagloch, Grünflächenpflege bis hin zu Dorfgemeinschaftshäuser, Feuerwehrhäuser oder Windenergie reichten Themen. „Langweilig ist dieser Job jedenfalls nicht“, sagte Michael Fingel.
Mit Moderator Ronald Larmann schlug Oberstleutnant Jochen Schnabel, Standortältester der Bundeswehr in Mechernich, dann den Bogen zur aktuellen Weltlage. Die Fragen, die ihn erreichen, seien direkter geworden: „Was müssen wir tun? Was ist eigentlich, wenn Krieg ist?“ Die Lage, sagte Schnabel, sei längst im Alltag angekommen: „Das ist, leider Gottes, unser täglich Brot.“

Sehr konkret wurde es beim Blick auf moderne Bedrohungen: Drohnen seien nicht „irgendwo“, sondern „fast täglich“ Thema. Das gelte nicht nur in Mechernich, sondern an vielen Stellen. „Klein oder groß spielt hier gar keine Rolle. Das Problem ist, dass sie da sind“, betonte Schnabel während er eine kleine, handelsübliche Drohne zeigte. Der Standort reagiere, sei „nicht schutzlos“, aber das veränderte Sicherheitsprofil habe Folgen, etwa bei sensiblen Bereichen und Wegen rund um die Liegenschaften.
Mit Blick auf die „Zeitenwende“ ordnete Schnabel Mechernich klar ein: „Wir sind relevant, wir sind verteidigungswichtig, als Logistik-, Instandsetzungs- und Lagerstandort“. Materieller Aufwuchs, Modernisierung, beschleunigte Infrastrukturmaßnahmen: Der Standort werde sich weiterentwickeln. Und er machte Werbung in eigener Sache: Wer sich beruflich neu orientieren wolle, solle auch die „Bundeswehrbörse“ im Blick behalten.
Werkbank als Deko und Symbol
Ein Leitmotiv des Vormittags stand wortwörtlich auf der Bühne: eine alte Werkbank als Dekoration und als Symbol dafür, dass hier Dinge entstehen. Dazu passte, dass die Talkgäste Gegenstände mitgebracht hatten, die ihre Themen greifbar machten: von der Trompete über den Jubiläums-Wein und Junggesellen-T-Shirt bis hin zu Mode, Schuhen und Rettungsmitteln. „Made in Mechernich“ war an diesem Tag nicht nur ein Satz, sondern wurde gezeigt und greifbar.
Auch musikalisch erhielt der Empfang eine besondere Note: Für die klangvolle Umrahmung sorgte das Tuba-Ensemble des Heeresmusikkorps Koblenz unter der Leitung von Matthias Steffen. Mit warmem, kraftvollem Blechbläserklang setzte es zwischen den Talkrunden ruhige und zugleich festliche Akzente – von getragenen Arrangements bis zu beschwingten Stücken, die den Charakter des Vormittags unterstrichen.

Das passte zur zweiten Talkrunde, in der es um Ehrenamt, Vereine, Gemeinschaft ging. Ortsbürgermeister Björn Wassong nahm das Publikum mit nach Weyer und lieferte gleich drei Jubiläen, die 2026 im Ort gefeiert werden: Der Junggesellenverein „Weyerer Wildschweine“ wird 45 Jahre alt, die Karnevalsgesellschaft „Weyerer Blömsche“ blickt auf 55 jecke Jahre, und der Sportverein Concordia Weyer feiert das große 100-jährige Jubiläum. Für Wassong ist das kein Zufall, sondern Ergebnis von Zusammenhalt, Abstimmung und Anpacken: „Es ist der Zusammenhalt, generationenübergreifend, Jung und Alt packen zusammen an“, sagte er und lobte zugleich die Infrastruktur, die auch durch Unterstützung der Stadt möglich geworden sei.
Und weil Weyer gerne feiert, durfte der „Werbeblock“ nicht fehlen: Neben dem Festkommers kündigte Wassong ein pralles Jubiläumsjahr mit Sport, Musik und einem echten Highlight-Wochenende an. Unter anderem geplant sind Jugendturniere und Sportfest (4./5. Juli), eine Weinwanderung (19. September), ein Kickerturnier (6. November), am Fronleichnamswochenende ein Benefiz-Spiel und am 6. Juni ein Open-Air am Sportplatz mit den Lückenfüllern, Wibbelstetz und den Bläck Fööss.
Schwimmen ist lebensnotwendig
Beim Musikverein Eicks steht ebenfalls ein Jubiläum an: 70 Jahre MV Eicks. Vorsitzender und Dirigent Stephan Hüllenkrämer beschrieb, wie viel Fingerspitzengefühl es braucht, ein Orchester zwischen „10 und 74“ zusammenzuhalten und wie sich Tradition und Moderne gegenseitig befruchten: „Wenn Jugendliche plötzlich fragen können wir noch mal eine Polka spielen, ist das doch ein tolles Zeichen“, so der Dirigent, der dieses Jahr genau 20 Jahre im Amt ist. Das Ehrenamt, machte Hüllenkrämer deutlich, sei kein Wochenendhobby: „Es ist tägliche Arbeit“, sagte er und auch er konnte auf einige Veranstaltungen hinweisen.

Denn das Frühjahrskonzert des Musikvereins findet am 14. März um 19.30 Uhr in der Bürgerhalle Kommern statt. Der Eintritt ist frei. Und an Pfingsten wird in Eicks groß gefeiert: Pfingstsonntag steigt das Jubiläumsfest an der Bürgerhalle mit befreundeten Vereinen und Gästen. Dazu zähle auch der Trachtenverein Neuötting, mit dem die Eickse eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet.
Einen eindrücklichen Fakten-Block lieferte Stephan Rau, Vorsitzender der DLRG Mechernich. Der Verein zählt zum Jahresende 593 Mitglieder, darunter 299 Kinder und Jugendliche. Im vergangenen Jahr leisteten 28 Ausbilderinnen und Ausbilder rund 1.850 ehrenamtliche Ausbildungsstunden und begleiteten zahlreiche Schwimm- und Rettungsschwimmabzeichen. Rau machte auch klar, wie dramatisch die Lage vielerorts ist: Beim Sponsorenschwimmen hätten von rund 1.200 möglichen Grundschul-Teilnehmenden „500 Nichtschwimmer“ dazugehört. „Schwimmen ist lebensnotwendig. Wer nicht schwimmen kann, kann ertrinken“, sagte er und warb nachdrücklich dafür, dass die Schwimm-Infrastruktur mit der Eifel-Therme Zikkurat dringend erhalten und vor allem bezahlbar bleiben muss.

Stefan John, Geschäftsführer des Stadtsportbundes, unterstrich die Bedeutung des organisierten Sports gerade für Kinder, Jugendliche, aber auch für Senioren. Ein Schwerpunkt, den der Stadtsportbund setzen möchte: Behindertensport sichtbarer machen. John erinnerte an einen Sponsorenlauf mit rund 400 Kindern im Mühlenpark, der ihn „in den Bann gezogen“ habe – und kündigte an, dass die Aktion am 29. Mai wieder stattfinden soll. Außerdem will der Stadtsportbund das Sportabzeichen zurück nach Mechernich holen: Zwei Samstage sind geplant: im Juni und im August, jeweils 10 bis 16 Uhr, einmal im Eifelstadion Mechernich und einmal in Kommern. Und im August soll ein Fußballcamp in Kooperation mit dem 1. FC Köln auf dem neuen Kunstrasenplatz stattfinden.
Millionen-Reichweite und Mode
Zum Finale wurde es dann international – und doch sehr Eifel. Noel Dederichs erzählte, wie bei ihm alles mit einem Nintendo 3DS begann: „Das Schöne ist, die hatte eine verbaute Kamera und Internetzugang. Darüber habe ich die Liebe zum Filmemachen entwickelt“, sagte er. Heute sind es auf TikTok 1,5 Millionen und auf YouTube 1,4 Millionen Follower auf dem größten Kanal und weit mehr als „ein bisschen Video“. „Es ist mittlerweile mehr als ein Vollzeitjob, 24/7“, so Noel Dederichs. Das beinhaltet Podcast-Formate, TV-Präsenz und Kooperationen.

Seine Mutter Katja Dederichs stieg mit ihrem Sohn ebenfalls ins Social-Media-Business ein und brachte es im Talk herrlich ehrlich auf den Punkt. „Content habe ich ja genug aufgrund meiner vielen Kinder“, so die achtfache Mutter. Ihr „Hauptberuf“ bleibe Mama zu sein, aber die Projekte trage die Familie gemeinsam, als echter „Familienbetrieb“.
Mit Leon Dobbelgarten stand dann eine zweite Erfolgsgeschichte auf der Bühne, die in Mechernich begann und längst weltweit sichtbar ist: No/Faith Studios, gegründet mit Bruder Luis Dobbelgarten. „Eigentlich ziemlich genau hier“, sagte Leon, habe es angefangen: Luis lernte im Skatecamp Siebdruck, kaufte sich eine Maschine, druckte im Garten seiner Eltern Shirts, brachte sie später auf dem Schulhof des Gymnasiums Am Turmhof an den Mann.

Die Erfolgsgeschichte nahm dann zunächst online seinen Lauf. Die Verkaufszahlen stiegen rasant, aber wirklich greifbar sei das nicht gewesen. Der Schlüsselmoment kam mit einem Pop-up-Store in Köln. Den öffnet das No/Faith-Team für ein Wochenende. „Die Leute standen fünf Stunden an, nur um eine Hose kaufen können“, erinnerte sich Leon Dobbelgarten, der mit der anschließenden Episode für ein Schmunzeln im Saal sorgte.
Den auch für die Eltern, die lange Wert auf einen sicheren beruflichen Weg gelegt hatten, wurde in diesem Moment deutlich, welches Potenzial in der Idee steckte. Nach dem überwältigenden Andrang hätten sie schließlich gesagt: „Wir nerven dich nie wieder mit einer Schneiderausbildung. Zieh das durch.“
Karnevals-Content und Kreishaushalt
Ein Höhepunkt der Runde war die Puma-Kooperation: Leon Dobbelgarten schilderte den kreativen Prozess im Archiv des Unternehmens, wo das Team „48 Stunden rumgekramt hat“. Die Wahl fiel auf ein kaum bekannten Modells. Luis wählte den Talon als Basis für seine Neukreation. Der erste Schuh war „innerhalb von drei Minuten weltweit ausverkauft, in den Stores von Puma am darauffolgenden Wochenende“, berichtete sein Bruder. Und trotz Weltbühne bleibt die Heimat sichtbar: Zikkurat und Eifel-Therme tauchen in Designs auf, werden in Tokio getragen. Mechernich bleibt als DNA im Label erhalten.

Landrat Markus Ramers nahm den Faden auf und ordnete ein, was Social Media in der Politik leisten kann und wo Grenzen sind. Authentische Einblicke seien eine Chance, Reichweite zu generieren, allerdings dosiert eingesetzt. „Karnevals-Content läuft tatsächlich besser, als wenn ich über Finanzen im Kreishaushalt etwas mache“, sagte der Landrat schmunzelnd. Doch beides gehöre zur modernen Kommunikation über Social Media dazu.
Auf die Frage, was Politik und Kreis konkret tun können, um Erfolgsgeschichten wie die zuvor geschilderten zu ermöglichen, verwies Ramers auf verlässliche Rahmenbedingungen. Entscheidend seien gute Bildungseinrichtungen, Beratungsangebote für Gründerinnen und Gründer sowie Räume, in denen junge Menschen Ideen ausprobieren können.
„Wir müssen in Bildung investieren“, betonte er und lobte zugleich, dass die Stadt Mechernich solchen Initiativen Sichtbarkeit verschaffe.

Mit Blick auf den Kreis Euskirchen beschrieb Ramers eine Region, die Bodenständigkeit mit Innovationskraft verbinde und eine hohe Lebensqualität biete. Viele Menschen blieben ihrer Heimat auch dann verbunden, wenn ihre Projekte weit über die Region hinaus wirken. Das sehe man am Beispiel der Familie Dederichs ebenso wie am Beispiel der Brüder Dobbelgarten, die immer noch ihrer Heimat in der Zikkurat treu bleiben. Zugleich verwies er auf eine Entwicklung, die er als positives Signal wertete: Der Kreis wachse weiterhin und ziehe neue Einwohner an.
Glück auf für Made in Mechernich
Dann kam das Finale mit einem offiziell und feierlichen Akt: Bürgermeister Michael Fingel und Oberstleutnant Jochen Schnabel unterzeichneten die neue Patenschaftsurkunde und bekräftigten damit die enge Verbindung zwischen Stadt und Bundeswehr. Ein sichtbares Zeichen gerade in Zeiten, in denen Sicherheit nicht mehr nur Schlagzeile ist.

In der Verabschiedung dankte Fingel allen Mitwirkenden – „auf der Bühne, vor der Bühne“ – und den Organisatorinnen und Organisatoren im Hintergrund. Schnabel setzte ebenfalls ein Dankeszeichen und nannte die Zusammenarbeit mit Mechernich „Weltklasse“. Zudem gab er konkrete Zusagen: So kündigte er an, sich auch weiterhin bei der Kriegsgräberfürsorge einzubringen und generell Unterstützung zu leisten, wenn in der Stadt Tatkraft gefragt ist. Als Beispiel nannte er die Hilfsgruppe Eifel, die jüngst erst Hilfe aus dem Standort erfahren habe. Sein Appell an die Bürgerinnen und Bürger: „Wer Unterstützung braucht, soll sich melden, dann sind wir da.“
Und dann schloss sich auch die kleine Klammer, die über dem Vormittag gelegen hatte. Zwei beiläufig formulierte Wünsche hatten dem Empfang eine sympathische Leichtigkeit verliehen. Bürgermeister Michael Fingel hatte auf die Frage nach seiner persönlichen Zukunftsvision davon gesprochen, wie schön eine kleine Stadtbahn wäre, die die Menschen bequem durch das Stadtgebiet verbindet. Und Oberstleutnant Jochen Schnabel zeigte sich beeindruckt von der internationalen Mode „Made in Mechernich“. „Vielleicht kann No/Faith Studios auch unserer Uniform noch ein kreatives Update verpassen“, sagte er und bewies damit Humor.

Zwei freundliche Zukunftsbilder, ausgesprochen mit einem Lächeln und passend zu einem Empfang, der gezeigt hat, wie ernsthaft Verantwortung in Mechernich getragen wird und wie optimistisch zugleich der Blick nach vorn ist. Und passende zur Bergbautradition der Stadt klang der Vormittag mit „Glück auf“ aus, bevor beim Umtrunk im Foyer, mit Gesprächen und Begegnungen einmal deutlich wurde, dass „Made in Mechernich“ vor allem von den Menschen lebt, die hier zusammenkommen.
pp/Agentur ProfiPress
03/02/2026
