Der Mechernicher Integrationsbeauftragte Alexander Neubauer berichtete im Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss von seiner Arbeit – Rund 60 Geflüchtete wurden vergangenes Jahr eingebürgert – Dank gilt allen Helferinnen und Helfer
Mechernich – Es ist eine beeindruckende Zahl, die auch der ehrenamtlichen Leistungen in der Integrationsarbeit zu verdanken ist. „Ich habe im vergangenen Jahr 1602 Beratungen durchgeführt“, erzählt Alexander Neubauer. Er ist Mitarbeiter des des Caritasverbandes für die Region Eifel und Integrationsbeauftragter der Stadt Mechernich. Als solcher gab er kürzlich im Sozialausschuss der Stadt Einblicke in seine Arbeit mit Geflüchteten.
„Im vergangenen Jahr konnten 59 Geflüchtete aus Mechernich erfolgreich eingebürgert werden“, verkündet Neubauer. „Voraussetzung für eine Einbürgerung ist das Sprachzertifikat B1 sowie mindestens 60 gezahlte Monatsbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung“, fährt der Integrationsbeauftragte fort. Der Lebensunterhalt müsse außerdem größtenteils selbst bestritten werden.

„Ich kümmere mich darum, dass Geflüchtete in Sprach- und Integrationskurse vermittelt werden, unterstütze die Menschen aber auch bei notwendigen Dingen wie der Arztsuche.“ Zu Neubauers wesentlichen Aufgaben gehören persönliche Aufenthalts-, sozial und leistungsrechtliche Beratungen, die für die Geflüchteten, die noch nicht so gut Deutsch können essenziell sind. „Bei Ihren Sprechstunden gibt es mit Sicherheit sprachliche Barrieren. Wie lösen Sie das?“, fragt ein Ausschussmitglied Neubauer nach seinem Bericht. „Nun ja, wer kommunizieren will, schafft es auch. Meistens benutze ich dafür tatsächlich den Google Übersetzer auf meinem Handy“, antwortet der Integrationsbeauftragte.
Von akuter Not zu langfristiger Integration
Das generelle Ziel seiner Tätigkeiten sei es, die Menschen schrittweise in eine selbstständige Lebensführung zu begleiten, mit möglichst wenig Abhängigkeit von Bildungssystemen und möglichst viel Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Insgesamt hat sich laut Neubauer der Fokus der Mechernicher Flüchtlingspolitik von einem akuten Unterbringen und Registrieren aus Not heraus, zu langfristigen Integrationsmaßnahmen entwickelt. „Ein herzliches Dankeschön gilt allen Helferinnen und Helfern, die während der ersten Welle ab 2015 eine große Unterstützung gewesen sind. Helfergruppen um Anneliese und Johannes Klinkhammer, sowie die katholische und evangelische Kirche haben essenzielle humanitäre Arbeit geleistet“, sagt Neubauer.
In der frühen Phase ab 2015 wurden die Geflüchteten an verschiedenen offenen Stadtgebieten untergebracht, wie etwa in der Elisabethhütte in Satzvey Am Billig, in der Peterheide und in der Papageiensiedlung. „Ein großer Meilenstein war der Abschluss der Renovierungsarbeiten im alten Casino im Mai 2017. Seitdem wird das Gebäude als Unterkunft sowie als Ort für Beratungen, Begegnungen und Sprachförderung genutzt“, so Neubauer.
Im vergangenen Jahr wurde das interkulturelle Fest des AWO-Familienzentrums mit einer Veranstaltung zu zehn Jahren Flüchtlingshilfe in Mechernich zusammen zu einer gemeinsamen Feier der Vielfalt. „Nach über zehn Jahren lässt sich sagen, die Flüchtlings- und Migrationshilfen in Mechernich haben sich von einer akuten Krisenreaktion zu einer strukturierten, langfristigen Integrationsarbeit entwickelt“, erzählt Neubauer stolz.
Dank für die Arbeit
Nach seinem Vortrag wurde die Arbeit des Integrationsbeauftragten mit einem kurzen Applaus bedacht. „Herr Neubauer, Sie wirken so relaxed, obwohl ich mir ihre Tätigkeit extrem stressig vorstelle“, sagte Peter Schweikert-Wehner. „Deswegen möchte ich Ihnen im Namen des Ausschusses und der Stadt nochmal herzlich danken für Ihre hervorragende Arbeit“, so der Ausschussvorsitzende.
Daran schloss sich eine kurze Fragerunde an. Unter anderem ging es um die Bezahlkarte, die inzwischen in Mechernich eingeführt ist. Für Kati Jakob, die städtische Fachbereichsleiterin Soziales, bislang ein Modell, das sich zu bewähren scheint. „Wir haben inzwischen zum zweiten Mal die Auszahlung gehabt. Am Anfang ist natürlich, dass der Verwaltungsaufwand etwas höher ist, aber wir merken schon jetzt deutlich, dass es eine Entlastung geben wird“, so Jakob.
Auf die Frage, warum bei rund 600 Flüchtlingen lediglich 140 Karten ausgegeben wurden, erläuterte die Fachbereichsleiterin: „Die Karte gibt es lediglich für den Haushaltsvorstand.“ Damit sei dann die gesamte Familie abgedeckt. Ihr Fazit: „Die Karte hat sich bewährt und bislang sind keine negativen Rückmeldungen bekannt.“
Ein weiteres Thema, das im Ausschuss zur Sprache kam: Nützliche Betätigungen für Flüchtlinge. „Da sind wir dran“, betonte Bürgermeister Michael Fingel. Gemeinsam mit verschiedenen Akteuren arbeite er daran, einen Verein zu gründen. „Ich denke dabei an Unterstützung in der Grünpflege oder ähnliches“, so der Bürgermeister, der sich zuversichtlich zeigte, dass der Verein in den kommenden Wochen an den Start gehen wird.
Benedikt Heider/pp/Agentur ProfiPress
03/12/2026

