35 Kinder bastelten Osterstöcke – Evangelium und Palmzweigweihe unter freiem Himmel am Johanneshaus – Passionsgeschichte mit verteilten Rollen – Appell aus Jesu Schicksal, zwei Weltkriegen und dem menschenvernichtenden Siegeszug der Nazis zu lernen – Pfarrer Pühringer will runderneuerte Kirche, die andere Wege geht
Mechernich – Mit einem ebenso lebendigen wie nachdenklich stimmenden Gottesdienst hat der Pastorale Raum St. Barbara in Mechernich am Palmsonntag die Heilige Woche begonnen. Zahlreiche Familien, Kinder und Gemeindemitglieder versammelten sich zunächst am Johanneshaus, wo der Familienmesskreis Kinder schon weit vor Gottesdienstbeginn zum Basteln von Palmstöcken eingeladen hatte.
Rund 30 bis 35 „Pänz“ gestalteten gemeinsam mit ihren Eltern sowie Agnes Peters, Claudia Simon, Sandra Ottersbach; Ramona Averbeck und Monika Lünebach vom Familienmesskreis aus Buchsbaumzweigen, immergrünem Beiwerk und bunten Bändern ihre individuell gestalteten Palmstöcke, mit denen sie den in Jerusalem einziehenden Messias symbolisch begrüßten.
Auch eine Reihe erwachsene Gläubige hatten Palmsträuße mitgebracht, für andere, auch für die Außengemeinden des Pastoralen Raumes Mechernich hatten die Sakristane Martina Wetzel und Marco Sistig körbeweise Palmzweige vorbereitet.
Unter freiem Himmel wurde auf dem Kirchenvorplatz traditionsgemäß das Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem verkündet – jener Moment, in dem Jesus auf einem Esel in die Stadt einzieht und von der Menge frenetisch mit „Hosianna“-Rufen und auf den Straßen ausgebreiteten Kleidern und Palmzweigen als Messias gefeiert wird.

Weihwasser und Prozession
Im Anschluss an diesen Auftakt und die Segnung der Palmsträuße und Stöcke mit Weihwasser zog die Gemeinde in Prozession mit den Messdienern voran, begleitet von der Musik des Kirchenmusikers Erik Arndt, in die Pfarrkirche St. Johannes Baptist ein.
Schon zum Auftakt wurde so in Mechernich die Spannung der Karwoche deutlich: Auf den Jubel folgt wenige Tage später der Ruf „Kreuziget ihn“. Diese dramatische Umkehr bildet den theologischen Kern der Heiligen Woche, die im Osterfest der Auferstehung ihre Vollendung findet.
Mit Palmzweigen in den Händen zieht die Gemeinde in die Kirche ein. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes dort aber steht die Passionsgeschichte vom Leiden und Sterben desjenigen, der da eben noch bejubelt wurde, vorgetragen von Pfarrer Erik Pühringer sowie den Lektoren Georg Schürmann und Ursula Koch.
Bereits zu Beginn hatte Pühringer die Gläubigen auf den „emotionalen Spagat“ hingewiesen, den die Karwoche einem jedes Jahr abverlange. Palmsonntag sei für viele ein schwer auszuhaltender Tag: der Kontrast zwischen der Begeisterung der Menge und der späteren Erniedrigung Jesu bis hin zum Kreuzestod sei unter menschlichen Gesichtspunkten schwer erträglich.

Der tiefe Fall des Gottessohnes
Denn es war kein Tod der Edlen, sondern der von Sklaven und Verbrechern – und gerade darin liege die radikale Botschaft: dass sich der Gottessohn dieser äußersten Form der Erniedrigung unterwirft. Die Verachtung, die Jesus entgegenschlägt, zieht sich durch die gesamte Passionsgeschichte – vom Spott der Soldaten über die Forderung der Pharisäer, er möge sich selbst retten, bis hin zur Inschrift des Pilatus „Jesus von Nazareth, König der Juden“, die nicht ehrt, sondern verhöhnt.
In seiner Predigt spannte Pühringer den Bogen von der biblischen Erzählung in die Gegenwart. Eigentlich, so könnte man meinen, hätten die Menschen aus der Geschichte gelernt – aus der Passion Jesu ebenso wie aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Doch ein genauer Blick zeige, dass es weiterhin gelinge, große Massen zu verführen und für politische Zwecke zu instrumentalisieren.
Als Beispiele nannte er aktuelle Konfliktregionen wie die Ukraine, Gaza, den Libanon, den Iran und Darfur. Zugleich äußerte er die Sorge, dass auch in Deutschland ein erheblicher Teil der Gesellschaft aus der Geschichte keine ausreichenden Schlüsse gezogen habe und das Land erneut in gefährliche politische Entwicklungen manövriere.
Christlicher Glaube, so Pühringer, dürfe sich nicht im Rückblick erschöpfen. Aus der Botschaft der Karwoche erwachse der Auftrag, im Hier und Heute Stellung zu beziehen – gegen Unrecht, gegen Diskriminierung und gegen das Schweigen angesichts von Ungerechtigkeit und Mobbing. Es sei zu einfach, Schuld pauschal auf andere – etwa Zugewanderte – abzuwälzen.
Ein Blick in die eigene Geschichte, etwa auf die Situation der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg oder in den 1990er Jahren, zeige, wie schnell sich Ausgrenzung bei den kriegerischen und ethnischen Auseinandersetzungen auf dem Balkan wiederholen konnte.

„Frieden geht nur auf Augenhöhe“
Ein friedliches Zusammenleben sei nur auf Augenhöhe möglich. „Hauptsache ich“ funktioniere nicht – wenn es überhaupt je funktioniert habe. Statt sich zu fragen, was der Einzelne schon bewirken könne, gelte es, im eigenen Umfeld anzufangen: gegen Vorurteile, Mobbing und Ungerechtigkeit einzutreten, so Erik Pühringer.
Am Schicksal Jesu werde in zugespitzter Weise sichtbar, wozu Menschen fähig sind – im Guten wie im Bösen. Gerade darin liege aber auch die Hoffnungsperspektive von Ostern. Mit einem eindringlichen Appell schloss Pfarrer Pühringer: „Trauen wir uns! Fangen wir an! Und wir werden die Welt verändern!“
Ab Mittwoch, 1. April, beginnt im Pastoralen Raum St. Barbara Mechernich die unmittelbare Vorbereitung auf die Kartage. Um 9 Uhr ist Eucharistiefeier in Weyer, am Abend finden um 18 Uhr Gottesdienste in Bergbuir und Kolvenbach statt.
Am Gründonnerstag, 2. April, wird der Einsetzung des Abendmahls gedacht: Um 18 Uhr feiert die Gemeinde in Weyer die Abendmahlsliturgie. In Floisdorf beginnt die Feier um 19 Uhr, anschließend ist Anbetung. In Strempt schließt sich um 20 Uhr eine weitere Abendmahlsfeier an. Der Familienmesskreis geht am Gründonnerstag bereits ab 18 Uhr im Johanneshaus Mechernich mit Kindern der Frage nach: „Welche Bedeutung hat Jesu Fußwaschung – für die Jünger damals und für uns heute?“

Abendbrot und Fußwaschung
Bei einem gemeinsamen Abendbrot gibt es belegte Brote und Traubensaft sowie Texte aus der Bibel zum Zuhören. Anschließend erleben die teilnehmenden Familien in der Pfarrkirche nebenan eine Ölbergwache mit Musik, Texten aus der Bibel und Impulsen fürs Leben. Die Gesamtdauer wird mit zwei Stunden angegeben. Anmeldung für das Abendbrot im Pfarrbüro Mechernich unter Tel. 86 40.
Der Karfreitag, 3. April, steht ganz im Zeichen des Leidens und Sterbens Christi. Bereits um 10 Uhr sind Kinder zum Kreuzweg in die neue Pfarrkirche Mechernich eingeladen. Die Karfreitagsliturgien beginnen um 15 Uhr parallel in Holzheim, Vussem, Kallmuth (mit der Chorgemeinschaft Kallmuth/Weyer) sowie in Bleibuir.
Unter dem Titel „In Paradisum“ findet in diesem Jahr zum ersten Mal eine Karfreitagsmusik ab 18 Uhr in der Pfarrkirche Mechernich statt. Auf dem Programm stehen Werke rund um das Leiden und Sterben Jesu, quer durch die Jahrhunderte der Musikgeschichte; von Arien aus den Passionen J. S. Bachs bis zu modernen Kompositionen, wie die Requien von A. L. Webber und K. Jenkins. Sandra Calderon-Schwarzhaupt (Gesang), Dr. Nicole Besse (Violine) und Erik Arndt wollen diese Karfreitagsmusik gestalten. Die drei Musiker sind in Mechernich bereits im vorigen Jahr gemeinsam aufgetreten und ihr Konzert mit Filmmusik ist vielen noch in bester Erinnerung. Der Eintritt ist frei.

Am Karsamstag, 4. April, werden die ersten Osternachtsfeiern begangen: Um 20.30 Uhr in Holzheim sowie jeweils um 21 Uhr in Mechernich und Bleibuir. Am Ostersonntag, 5. April, wird die Osternacht um 6 Uhr morgens in Strempt gefeiert.
Weitere Eucharistiefeiern folgen um 9 Uhr in Eiserfey und Kalenberg, ebenfalls um 9 Uhr in Hostel (dort zuvor Rosenkranz). Um 9.15 Uhr findet im Krankenhaus eine Wortgottesfeier statt. Um 10.45 Uhr schließen sich Gottesdienste in Floisdorf (mit vorherigem Rosenkranz) und Nöthen an.
Am Ostermontag, 6. April, wird um 9 Uhr jeweils in Eicks und Harzheim sowie um 10.45 Uhr in Berg, Kallmuth und Mechernich gefeiert. Am Dienstag, 7. April, beginnen die Eucharistiefeiern um 8 Uhr in Bleibuir und um 9 Uhr in Mechernich.
Neben den klassischen Osternachtsfeiern gibt es auch in diesem Jahr wieder Lichtfeiern mit Verkündigung der Osterbotschaft in den Kirchen, in denen keine Ostermesse stattfindet. Diese beginnen am Karsamstag, 4. April, jeweils um 21 Uhr in Roggendorf, Weyer, Harzheim und Vussem.
Speziell für Kinder wird die Osterbotschaft am Ostersonntag, 5. April, um 8 Uhr in der Alten Kirche in Mechernich verkündet; im Anschluss findet eine gemeinsame Ostereiersuche statt.

Osterbotschaft und Tauferneuerung
Die zentrale Feier der Osternacht findet am Karsamstag 4. April, um 20.30 Uhr in Holzheim sowie um 21 Uhr in Bleibuir und Mechernich statt. Am Ostermorgen folgt um 6 Uhr eine weitere Osternachtfeier in Strempt. Nach der Feier in Mechernich sind die Gläubigen zur Agape mit Brot und Wein ins Johanneshaus eingeladen.
Am sogenannten „Weißen Sonntag“, dem 11. und 12. April, werden jeweils um 10.30 Uhr Tauferinnerungsfeiern angeboten. Anders als bei der klassischen Erstkommunion steht hier die bewusste Erinnerung an die eigene Taufe im Mittelpunkt. Interessierte Gemeindemitglieder sind ausdrücklich eingeladen, gemeinsam mit den Kindern und ihren Familien mitzufeiern.
Auch die Communio in Christo beteiligt sich mit eigenen Gottesdiensten an der Kar- und Osterzeit. Regelmäßig werden Rosenkranzgebete und Eucharistiefeiern angeboten. Am Gründonnerstag, 2. April, wird um 17.30 Uhr in der Hauskapelle die Abendmahlsmesse gefeiert. Der Karfreitag ist als Besinnungstag gestaltet; um 15 Uhr findet die Karfreitagsliturgie statt. Am Karsamstag wird um 17 Uhr in der Cafeteria die Osternacht gefeiert, musikalisch gestaltet vom Chor „Cantiamo“ aus Köln-Stommeln. Ostersonntag und Ostermontag werden jeweils in der üblichen Sonntagsordnung um 10 Uhr Heilige Messen begangen.

Karfreitag zum Nürburgring
Eine besondere Tradition ist am Karfreitag die gemeinsame Busfahrt zum Kreuzweg nach Adenau am Nürburgring. Dort wird ein neogotischer Kreuzweg aus dem 19. Jahrhundert beschritten, es wird dabei gebetet und meditiert. Während der Fahrt gibt Diakon Manfred Lang eine geistliche Einstimmung; außerdem wird gemeinsam der Rosenkranz gebetet. Die Veranstaltung ist endet mit einem bereits Mittagessen und ist bereits ausgebucht.
Was am Palmsonntag mit dem Spannungsbogen zwischen Jubel und Verwerfung beginnt, führt nach christlichem Verständnis auf einen Neubeginn aus Tod und Verzweiflung heraus an Ostern zu. Diesen Gedanken greift Erik Pühringer, der Leitende Pfarrer des Pastoralen Raumes Mechernich, in seiner Osterbotschaft im aktuellen Pfarrbrief auf.

Ostern, so schreibt er, bedeute zunächst ganz konkret: „Das verschlossene Grab bricht auf – Auferstehung.“ Zugleich stehe Ostern aber auch für Bewegung und Veränderung. Im Matthäusevangelium etwa machen sich die Jünger nach Galiläa auf – zurück an den Ort des Anfangs, an dem ihre Geschichte mit Jesus begonnen hat. Dieser Weg sei aber nicht einfach: Er beginne mit Trauer über das Ende des gemeinsamen Weges, führe über Erinnerung und gemeinsames Erzählen aber zum Aufbruch in eine noch unbekannte Zukunft.
Erik Pühringer bezieht die österliche Dynamik auch unmittelbar auf die Situation der Kirche heute. Ostern 2026 bedeute für ihn, dass nicht mehr jede einzelne Gemeinde für sich stehen bleibt, sondern der gesamte pastorale Raum Mechernich in Richtung einer gemeinsamen Wirklichkeit in Bewegung gerät. Diese Richtung sei grob mit Vielfalt, Lebendigkeit und Zusammengehörigkeit zu charakterisieren: Das sei mehr als ein kosmetischer Eingriff, eine organisatorische Veränderung, sondern tiefgreifender Umbruch.

„Auf, auf in eine unbekannte Zeit“
Mit Blick auf seine Anfangszeit in Mechernich um das Jahr 2000 beschreibt der Pfarrer eindrücklich, wie sehr sich das kirchliche Leben verändert habe: volle Gottesdienste, zahlreiche Hauptamtliche, lebendige Chöre, viele Messdiener und engagierte Ehrenamtliche. Vieles davon sei heute nicht mehr selbstverständlich. Die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre lasse sich aber nicht einfach zurückdrehen – eine Rückkehr zu früheren Strukturen erscheine als Illusion
Pühringer interpretiert das Osterfest als Auftrag: „Es darf nicht mehr so weitergehen wie bisher. Wir müssen aufbrechen, vertraute Strukturen hinter uns lassen, neue Formen von Kirche wagen.“ Er verstehe Kirche nicht länger als „hierarchisches Dienstleistungsunternehmen“, sondern als „lebendige, gemeinschaftlich getragene Wirklichkeit“, in der sich Menschen gegenseitig im Glauben stärken: „Kommen Sie mit, brechen wir auf in eine noch unbekannte Zukunft.“
pp/Agentur ProfiPress
03/31/2026
