Fledermausnacht an der Kakushöhle: rund 50 Besucherinnen und Besucher kamen lautlosen Tieren ganz nah – Experten vermittelten Wissen über bedrohte Arten, Forschung und Schutz der faszinierenden Tiere
Mechernich-Dreimühlen – Gerade einmal 6,8 Gramm brachte sie auf die Waage. Für eine Zwergfledermaus war das allerdings ein stattliches Ergebnis. „Das ist schon fast Übergewicht“, stellte Fledermausexperte Markus Thies zufrieden fest. Für ihn war das Gewicht eine gute Nachricht: Offenbar hatte das kleine Tier einen Ort gefunden, an dem es noch ausreichend Nahrung gab.

Bevor die Besucher der Fledermausnacht an der Kakushöhle bei Mechernich-Dreimühlen diesen besonderen Moment erleben konnten, war allerdings Geduld gefragt. „Wenn das Tageslicht weicht, dann ist ihre Stunde“, schrieb der Journalist Stephan Everling in seinem Bericht für Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnische Rundschau über die Veranstaltung. Doch an diesem Abend ließen sich die heimlichen Königinnen der Nacht zunächst viel Zeit.

Knapp 50 Kinder und Erwachsene hatten sich vor dem Eingang der Kakushöhle versammelt, um mehr über Fledermäuse zu erfahren und den Tieren möglichst auch aus nächster Nähe zu begegnen. Markus Thies, einer der erfahrensten Fledermauskenner der Region, nahm sie mit in eine Welt, die den meisten Menschen normalerweise verborgen bleibt.
Jede Art klingt anders
Immer wieder richtete er seinen Fledermausdetektor in den Abendhimmel. Das Gerät macht die für menschliche Ohren nicht wahrnehmbaren Ultraschallrufe der Tiere hörbar. „Jede Art hat ihre eigene Rufhöhe“, erklärte Thies. So wie Ornithologen Vögel an ihrem Gesang erkennen, kann er Fledermäuse anhand ihrer Echorufe unterscheiden.

Allzu große Hoffnungen auf schnelle Sichtungen machte er seinem Publikum zunächst nicht. Dafür sei es aktuell zu trocken. Mücken und andere Beutetiere entwickeln sich vor allem an Pfützen, Rinnsalen und feuchten Stellen. Fehlen diese, müssen auch die Fledermäuse dorthin ausweichen, wo sie noch genügend Nahrung finden.
Wie empfindlich das Zusammenspiel zwischen Natur, Nahrungsangebot und Lebensräumen ist, zeigte Thies anhand der Kleinen Hufeisennase. Einst gehörte sie zu den häufigsten Fledermausarten im Ahrtal und in der Eifel. Der Einsatz des Insektizids Lindan in den 1960er- und 1970er-Jahren habe die Tiere jedoch steril werden lassen. Nachwuchs blieb aus. Das letzte Exemplar in NRW habe er schließlich tot im Bleibergwerk gefunden, berichtete Thies. Auch von der Großen Hufeisennase sei nur noch eine Wochenstube im Land bekannt.

Fledermausschutz bedeutet für Thies deshalb nicht nur Forschung. Immer wieder kümmert er sich um geschwächte, unterernährte oder verlassene Jungtiere. Rund vier Wochen dauert es häufig, bis die kleinen Patienten kräftig genug sind, um fliegen zu können.
Anschließend versucht der Experte, sie wieder zu ihrer ursprünglichen Kolonie zurückzubringen. Die Mutter erkenne ihr Junges an dessen Rufen und hole es ab. Selbst wenn eine Kolonie bereits weitergezogen sei, könnten andere Fledermäuse auf die Rufe aufmerksam werden und die Mutter zurückholen. „Ich kann sie großziehen, aber das Jagen müssen sie von ihren Eltern lernen“, machte Thies deutlich. Denn auch die beste menschliche Pflege kann das Leben in einer Fledermausfamilie nicht ersetzen.

Julia und Andi Behrendt aus Zülpich verfolgten seine Ausführungen aufmerksam. Seit die Tiere regelmäßig in der Dämmerung durch ihren Garten fliegen, ist das Paar von ihnen fasziniert. Die Fledermausnacht bot ihnen nun die Gelegenheit, mehr über ihre nächtlichen Gäste zu erfahren.
Warten auf den ersten Fang
Gemeinsam mit Rainer Schulz hatte Thies hauchdünne Netze in der Kakushöhle aufgespannt. Darin sollten einzelne Fledermäuse vorübergehend und möglichst schonend gefangen werden. Die Tiere werden anschließend bestimmt, vermessen, gewogen und wieder freigelassen. Die gewonnenen Daten helfen den Fachleuten, die Verbreitung und den Erhaltungszustand der verschiedenen Arten zu beurteilen.

Auch Schulz setzt sich bereits seit seiner Jugend für die Tiere ein. Er markiert und besendert Fledermäuse, kontrolliert ihre Quartiere und sammelt wichtige Daten für den Artenschutz. Besonders beeindrucke ihn ihre lautlose Art zu jagen.

Doch zunächst blieb das Netz leer. Mehr als eine Stunde lang leuchteten die Experten immer wieder mit ihren Taschenlampen über die feinen Maschen. Die Geduld des jungen Max wurde dabei ordentlich auf die Probe gestellt: „Hier wartet man ja länger als bei Mäckes!“
Bewegung in der Dunkelheit
Kurz nach 21 Uhr war es schließlich so weit: Die erste Zwergfledermaus verfing sich im Netz. Um den Wartenden zuvor bereits ein lebendes Tier zeigen zu können, hatte Thies eine von ihm gesund gepflegte Wasserfledermaus aus ihrer Transportbox geholt. Sie sollte noch in derselben Nacht ausgewildert werden.

Plötzlich kam Bewegung in die Dunkelheit. Offenbar hatte eine größere Gruppe Zwergfledermäuse die Kakushöhle erreicht, um dort nach Nahrung zu suchen. Nun mussten Thies und Schulz immer wieder zu den Netzen eilen, die Tiere vorsichtig befreien und untersuchen. Neben einer Mückenfledermaus gingen ausschließlich Zwergfledermäuse ins Netz.
Der Ernährungszustand vieler Tiere war gut. Auffällig war zudem der hohe Anteil an Weibchen, darunter zahlreiche Muttertiere. Mit einem kleinen Tupfer Nagellack wurden die Fledermäuse vorübergehend markiert. So konnten die Experten erkennen, ob ein Tier im Laufe des Abends ein zweites Mal ins Netz geraten war.
Handfläche als Startbahn
Nach der Untersuchung wartete auf einige Besucher der bewegendste Augenblick des Abends: Ihre ausgestreckten Hände wurden zur Startbahn in die Freiheit. Auch der sechsjährige Luca aus Hürth durfte eine Fledermaus vorsichtig berühren und anschließend davonfliegen lassen. Ganz weich sei sie gewesen, berichtete er sichtlich beeindruckt.

Ähnlich erging es Sigrid Weber aus Euskirchen: „Ich habe sie mir ganz anders vorgestellt“, sagte sie, nachdem die kleine Fledermaus von ihrer Hand in der Dunkelheit verschwunden war. Der Abend habe ihr nicht nur viel neues Wissen vermittelt, sondern auch ein besonderes Erlebnis beschert. Ihre Begeisterung für die Tiere komme allerdings nicht ganz von ungefähr: „Ich bin Batman-Fan.“
Auch Bürgermeister Michael Fingel, der gemeinsam mit seinem Sohn zur Kakushöhle gekommen war, zeigte sich beeindruckt: „Ein cooler Abend, ich bin begeistert.“ Er habe großen Respekt vor der Arbeit der Fledermausschützer. Gerade für Kinder sei es wichtig, solche Tiere unmittelbar erleben zu können und sie nicht nur aus Büchern zu kennen.

Kurz nach 22 Uhr wurden die Netze wieder eingerollt. Zurück blieben viele neue Erkenntnisse, eindrucksvolle Begegnungen und das Gefühl, einer sonst beinahe unsichtbaren Welt für einige Stunden ganz nahe gekommen zu sein. Wie groß das Interesse daran ist, zeigt auch der zweite Fledermausnacht-Termin des Jahres: Er ist bereits ausgebucht.
pp/Agentur ProfiPress
08/25/2026

