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Manfred Lang

01/22/2026

Legende in Vussem und Kotekar

 

9 min read

Auch deutsche Freunde an der Seite von Anneliese Klinkhammer trauern um indischen Pater Leo D‘Souza SJ – Sogar sein Diamantenes Priesterjubiläum beging der Geistliche in St. Margareta, der Gemeinde, die sein Waisenhausprojekt seit über 40 Jahren unterstützt

Mechernich/Indien – Seit über 40 Jahren unterstützt die Pfarrgemeinde Vussem das „Aloysian Boys Home“, ein Waisenhaus in Kotekar vor den Toren der südindischen Stadt Mangalore. Jetzt ist Jesuitenpater Leo D’Souza, der zentrale Mann hinter dieser intensiven deutsch-indischen Beziehung, am 20. Januar im hohen Alter von 93 Jahren verstorben.

Der Kontakt zwischen den Vussemern und Indien kam durch die heute pensionierte Lehrerin Anneliese Klinkhammer und ihren Mann Johannes, seinerzeit Ortsvorsteher von Vussem, zustande. Anneliese lernte Leo D’Souza noch zu Studentenzeiten 1966 auf einer Berlinfahrt für Studenten kennen.

Der Jesuit, der nach seinem Studium an der Universität seines Ordens in Frankfurt-St. Georgen Priester und Theologieprofessor in seiner indischen Heimat wurde, traute Johannes Klinkhammer und seine Frau Anneliese 1974 in Holzheim. Der persönliche Kontakt der Familie Klinkhammer zu dem Priester mit Doktortitel und Professur für Biologie, der acht Sprachen sprach und ein großes Herz für die Schwächsten der Gesellschaft hatte, sprang bald auf die gesamte Gemeinde über.

Seit 1978 nähen, häkeln, stricken, basteln und malten die Vussemer, um das Projekt von Pater Leo zu unterstützen. Der Jesuit begann Ende der siebziger Jahre mit einem Waisenhaus für zehn Kinder – mit der Zeit wurden 120 Kinder zwischen fünf und 18 Jahren in familienähnlichen Kleingruppen betreut und gefördert, 90 Jungen und 30 Mädchen.

Auch die städtische Realschule Mechernich unterstützte die Sozialprojekte von Pater Leo D’Souza in Indien. Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress
Auch die städtische Realschule Mechernich unterstützte die Sozialprojekte von Pater Leo D’Souza in Indien. Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress

Schule und Ausbildung

„Es sind Kinder von der Straße, die Eltern sind im Gefängnis oder tot“, berichtete der Pater bei seinem Diamantenen Weihejubiläum in der Stadt Mechernich. Ihnen werde eine Schulbildung und oft auch spätere Ausbildung ermöglicht, sie bekommen Nahrung und werden medizinisch versorgt.

„60 Jahre sind vergangen, seit ich in Indien zum Priester geweiht wurde“, sagte der damals 78jährige Pater Leo beim Gottesdienst. Wenn er zurückblicke, könne er sagen: „Der Herr hat mich begleitet!“ Seit damals 37 Jahren sei er mit der Eifel verbunden: „Deshalb bin ich dankbar, mein Diamantenes Priesterjubiläum hier feiern zu können.“

In seiner Predigt erinnerte er an die 613 Regeln für Israeliten, von denen im Alten Testament die Rede ist. „Aber Jesus sah, dass diese Regeln eine menschliche Barriere waren – eine Barriere, die verhinderte, zu Gott zu kommen, eine unerträgliche Last.“ Den größten Teil seiner 60 Jahre als Jesuiten-Pater habe er damit verbracht, Menschen von Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu befreien: „Denn die Arbeit im Kinderheim und der Handwerkerschule bedeutet genau dies. Von St. Margareta werde ich seit so vielen Jahren darin unterstützt!“

Anneliese Klinkhammer, hier bei einer Ansprache im Berufsbildungszentrum des St.-Aloysius-Heims in Mangalore, charakterisierte Pater Leo als offen für die Schwächsten der Gesellschaft. Sie lernte Leo D’Souza noch zu Studentenzeiten 1966 auf einer Berlinfahrt des Max-Planck-Instituts kennen, 1974 traute er sie mit Johannes Klinkhammer, dem früheren Ortsvorsteher von Vussem. Archivfoto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Anneliese Klinkhammer, hier bei einer Ansprache im Berufsbildungszentrum des St.-Aloysius-Heims in Mangalore, charakterisierte Pater Leo als offen für die Schwächsten der Gesellschaft. Sie lernte Leo D’Souza noch zu Studentenzeiten 1966 auf einer Berlinfahrt des Max-Planck-Instituts kennen, 1974 traute er sie mit Johannes Klinkhammer, dem früheren Ortsvorsteher von Vussem. Archivfoto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Ursula Dasburg von der Pfarrgemeinde sagte seinerzeit im Gottesdienst: „Das Teilen hat uns in der Eifel sehr gutgetan.“ Anneliese Klinkhammer betonte: „Offen sein, das ist es, was Pater Leo am besten charakterisiert – offen für seine Studenten, für die Kinder, für Jugendliche, für Arme und Schwache.“

Das „Aloyian Boys Home“, das an das St.-Aloysius-College der Jesuiten angegliedert ist, verfügt über eine Grundschule und eine Technikerschule, an der die Kinder unter anderem Klempner, Elektriker, Automechaniker, Computerfachmann oder Näher/in lernen können.

Pater Leo: „Sie lernen bei uns vor allem, auf eigenen Beinen zu stehen.“ Wenn keine Verwandten existieren, die sie nach ihrer Volljährigkeit aufnehmen können, vermittle man die erwachsen gewordenen Schützlinge in feste Arbeitsverhältnisse.

Johannes Klinkhammer, der damalige Ortsvorsteher von Vussem, (v.r.) mit Kirchen- und Musikaktivistin Resel Feyen und Pater Leo D’Souza vor der Pfarrkirche St. Margareta in Vussem. Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress
Johannes Klinkhammer, der damalige Ortsvorsteher von Vussem, (v.r.) mit Kirchen- und Musikaktivistin Resel Feyen und Pater Leo D’Souza vor der Pfarrkirche St. Margareta in Vussem. Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress

Durch Vorgaben der indischen Regierung musste das oben beschriebene Kinderheim aufgelöst werden, wobei man viel Mühe darauf verwandte, dies den verunsicherten Kindern zu erklären, und dabei zu helfen, die Kinder in anderen Einrichtungen unterzubringen. Noch heute arbeiten viele ehemalige Heimkinder für die Jesuiten und der Kontakt zu den anderen ist nie abgerissen.

Das Heim dient nun als Wohnheim für Mädchen aus dem sehr armen nördlichen Karnataka, die von dort aus College und Universität der Jesuiten besuchen können und zum Teil auch mit Geldern aus der Eifel unterstützt werden. (Karnataka ist das Bundesland, zu dem Mangalore gehört).

Anneliese und Johannes Klinkhammer haben die Institutionen zusammen mit anderen Unterstützern aus der Eifel schon mehrfach selbst besucht, in Vussem wurden regelmäßig Bazare und weitere Aktionen (Bude auf dem Weihnachtsmarkt, Allerheiligensingen) organisiert, um das „Aloysian Boys Home“ zu unterstützen. Klinkhammers adoptierten zwei indische Kinder, Sheila und Lakme, die sie inzwischen zu Großeltern machten.

Pater Leo D’Souza SJ lebte nach mehreren Schlaganfällen in einem Altersheim, war aber nach Angaben von Anneliese Klinkhammer „ganz klar“ und sendete Grüße in die Eifel. Archivfoto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Pater Leo D’Souza SJ lebte nach mehreren Schlaganfällen in einem Altersheim, war aber nach Angaben von Anneliese Klinkhammer „ganz klar“ und sendete Grüße in die Eifel. Archivfoto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Ausgezeichneter Wissenschaftler

Pater Leo war 1980 bis 1990 Prinzipal und von 1992 bis 1998 Rektor des St.-Aloysius-College der Jesuiten, außerdem Botaniker und Forscher, der am Max-Planck-Institut in Deutschland promovierte und in Indien das „Laboratory of Applied Biology“ aufbaute. Im Sommer 2025 erhielt er die „Canisius Medal“ (IAJU-Assembly) in Bogotá. Er lebte nach mehreren Schlaganfällen in einem Altersheim, wo er zu seiner großen Freude vor zwei Jahren noch von dem von ihm vermittelten Adoptivkind Sheila mit ihrer Familie besucht wurde.

Er war nach Angaben von Anneliese Klinkhammer „ganz klar“ und sendete Grüße in die Eifel. Bei einem Live-Chat kurz vor Weihnachten erkundigte er sich noch bei ihr, ob es möglich wäre, bestimmte Bedürftige, die sich wohl nach wie vor an ihn gewandt hatten, durch Geld aus der Eifel zu unterstützen.

Das geschieht einmal durch viele Paten, die selbstständig die ihnen vermittelten Kinder unterstützen und mit ihnen und ihren Eltern Kontakt halten.  Ansonsten werden die Gelder, wie mit dem derzeitigen Rektor und Anneliese Klinkhammer bei ihrem bislang letzten Besuch abgesprochen, über ein besonderes Spendenkonto verwaltet. Jährlich wird ein Rechenschaftsbericht an das Pfarrbüro Mechernich und an Anneliese Klinkhammer geseandet.

2024 auf Besuch im Altersheim bei Pater Leo: Sheila und Rainer Klotz mit ihren Kindern Sophia und Jonas. Archivfoto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

„Wir werden ihn sehr vermissen“

Pater Leos sterbliche Überreste werden nach einer Trauermesse am 22. Januar in Mangaluru (Divine Mercy Church/Fatima Retreat House) auf dem Jesuitenfriedhof beigesetzt. In seiner Todesanzeige heißt es: „Pater Leo D’Souza SJ, ein angesehener Wissenschaftler, der für seine bedeutenden Beiträge zur botanischen Forschung bekannt war, sowie ehemaliger Rektor und Direktor des St. Aloysius College, ist verstorben. Er verschied am 20. Januar 2026 gegen 14.00 Uhr im Fr.-Muller-Krankenhaus in Mangaluru.

Wir würdigen Pater Leo für seine Schlichtheit, seine weitsichtige Führung und sein tiefes Mitgefühl für die Armen. Sein Leben und Wirken bleiben eine bleibende Inspiration für die akademische Gemeinschaft und die Gemeinschaft der Jesuiten.

Unser aufrichtiges Beileid gilt seiner Familie, der Gesellschaft Jesu sowie der gesamten St.-Aloysius-Gemeinschaft – den Mitarbeitenden, Studierenden und Alumni –, die durch seine Begleitung, seine Präsenz und seine Gemeinschaft bereichert wurden.

Möge seine Seele in ewigem Frieden ruhen.

Wir werden Sie sehr vermissen, Pater Leo.“

pp/Agentur ProfiPress

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