Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel zieht nach 100 Tagen eine positive Bilanz – Viel Teamarbeit im Rathaus, intensive Bürgerkommunikation und große Projekte wie Eifeltor, Schwimmbad und Innenstadt im Fokus
Mechernich – Knackig! So beschreibt Michael Fingel die ersten 100 Tage im Amt. Rund 50 bis 55 Stunden pro Woche, häufig verteilt auf sieben Tage, dazu eine hohe Taktung: „Wie viele Termine in einen Tag reinpassen, hat mich am meisten überrascht“, sagt der Mechernicher Bürgermeister mit einem Lächeln. Trotzdem zieht der neue Rathauschef eine klare Bilanz: Die Arbeit mache ihm „sehr viel Spaß“. Das liege vor allem am Miteinander im Mechernicher Rathaus. „Das Team ist klasse. Wir lachen viel, wir reden offen miteinander und wir packen gemeinsam an“, so Fingel.
Dabei ist im eins besonders wichtig: Vertrauen. Gerade weil die Taktung im Bürgermeister-Alltag oft wenig Zeit für Vor- und Nachbereitung lasse, sei ein vertrauensvolles Miteinander entscheidend. Fingel spricht vom „Loslassen“ und davon, Aufgaben konsequent zu delegieren. Denn: „Wenn gute Resultate erzielt werden sollen, muss man Teamplayer sein.“ Seine Rolle verstehe er dabei vor allem als „Sprachrohr nach draußen“, als Kommunikator zwischen Fachbereichen, Politik und Bürgerschaft.
Auch als Bürgermeister bleibt Fingel Familienmensch. Seine Kinder sind bei passenden Anlässen immer mal wieder dabei, etwa beim Lichterzug oder bei Terminen in Schulen und Kindergärten. Das komme gut an. „Das wird draußen eher gefeiert als kritisch gesehen“, so der Bürgermeister, der die Zusammenarbeit mit den Fraktionen und Ratsmitgliedern als durchweg positiv charakterisiert.
Austausch mit den Ortskartellen
Gespräche seien wertschätzend, auf kommunaler Ebene lägen die Ziele oft näher beieinander, als man denke. Auch in Ausschuss und Rat habe er erlebt, dass verschiedene Positionen diskutiert und Kompromisse möglich seien. „Man soll sich in der Sache streiten, aber wenn das nach hinten raus so weiterläuft, wie es bisher läuft, bin ich zufrieden“, so Fingel.
Ein Schwerpunkt der ersten Monate war für Fingel die Bürgerkommunikation und zwar nicht nur im Rathaus. Neben Sprechstunden und regem E-Mail-Verkehr wurde ein neues Format gestartet: Dabei geht die Verwaltung aktiv in die Ortskartelle, hört Anliegen vor Ort an, nimmt sie mit in die Fachbereiche, prüft sie strukturiert und gibt Rückmeldung, was möglich ist und was nicht. Das Ziel: Transparenz und Verbindlichkeit schaffen und „Druck aus dem Kessel nehmen“. Erste Treffen habe es bereits gegeben, das Feedback sei positiv.

Zu den anspruchsvollsten Entscheidungen der ersten 100 Tage zählt Fingel die Steuererhöhung, die erste in Mechernich seit über zehn Jahren. Ziel sei gewesen, die Ausgleichsrücklage so zu strecken, dass die Stadt handlungsfähig bleibe und ein Haushaltssicherungskonzept vermieden werde. Gleichzeitig habe man einen Hebesatz finden müssen, „der den Bürgern nicht zu viel zumutet“. Fingel, der 16 Jahre Verwaltungserfahrung – vor allem in Personal und Finanzen – mitbringt, spricht von einer intensiven Einarbeitung: „Die kommunale Betrachtungsweise ist eine ganz andere als die betriebswirtschaftliche.“
Bei den Großprojekten setzt Fingel auf mehrgleisiges Vorgehen und klare Kommunikation. Für das Projekt Eifeltor bestätigt er: Der ursprüngliche Großinvestor ist abgesprungen, „die Wege sind auseinander gegangen“. Die Stadt sei jedoch frühzeitig parallel in Plan B und C eingestiegen und führe Gespräche mit potenziellen Nachfolgern. Namen nennt Fingel bewusst nicht: Alles, was „unter Druck passiert“, sei selten gut. Zu viele öffentliche Debatten könnten Verhandlungen beeinflussen. Er zeigt sich zuversichtlich, bald eine „spruchreife“ Lösung präsentieren zu können.
Eifel-Therme und Innenstadt
Auch das Schwimmbad bleibt ein Schlüsselthema. Fingels Position ist deutlich: „Wir können es nicht so weiter fortführen, wie wir es im Moment machen.“ Gleichzeitig spricht er sich eindeutig für den Erhalt aus. Dafür braucht es einen „erträglichen“ Defizitbetrieb mit dem klaren Fokus darauf, dass Schwimmen und Schwimmausbildung zentrale Bestandteile der öffentlichen Daseinsvorsorge bleiben.
Eine Arbeitsgruppe, in die auch Nutzer wie Schulen und Vereine eingebunden werden sollen, soll ein neues Konzept erarbeiten. Voraussetzung seien zunächst Gespräche mit dem Eigentümer über die Rahmenbedingungen. Der Abgang der Betriebsleitung habe dabei „überhaupt keine Rolle“ für den Prozess gespielt. Eine Auflösung der Freizeit Mechernich GmbH steht für Fingel auch nicht zur Debatte. Sie sei die organisatorische Hülle für Aufgaben wie Wohnmobilhafen, Bistro und Schwimmbad.
Beim Innenstadtprojekt sind erste Schritte bereits sichtbar: Auf dem Parkplatz laufen Bohrungen als Vorarbeiten, der Abriss ist nach aktueller Planung noch in diesem Jahr vorgesehen. Das Projekt hängt in Teilen von Fördermitteln ab, gilt aber als grundsätzlich gesichert. Die Gespräche zur künftigen gewerblichen Ausgestaltung laufen und klingen vielversprechend.
Neben Großprojekten nennt Fingel auch Themen, die „in den Kinderschuhen“ stecken: etwa die Kläranlage für die Reinigung von Schwermetallen am Burgfeyer Stollen. Auch die stärkere Beteiligung junger Menschen steht auf seiner Agenda. Für ein geplantes Kinder- und Jugendparlament wurden bereits erste Gespräche mit den Schulleitungen sowie der Referenzverwaltung in Weilerswist geführt. Weitere Abstimmungen mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) und anderen Stellen sollen folgen, mit dem Ziel, noch in diesem Jahr konkrete Mitgestaltungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche an den Start zu bringen.
Unterm Strich, sagt Fingel, gehe er mit Rückenwind in die nächsten Monate: „Es macht Spaß.“ Vieles sei angestoßen und der Kurs sei klar: gemeinsam arbeiten, transparent kommunizieren, die Stadt handlungsfähig halten und die großen Zukunftsaufgaben Schritt für Schritt anpacken.
pp/Agentur ProfiPress
02/27/2026

