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Kerstin Rottland

03/19/2026

„In Mechernich, da zählt der Mut …“

Projekttage der Gesamtschule Mechernich gingen mit einem bunten Fest auf dem Schulhof zu Ende – Hundert Lehrer und etliche Freiwillige boten zig interessante Workshops an

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Projekttage der Gesamtschule Mechernich gingen mit einem bunten Fest auf dem Schulhof zu Ende – Hundert Lehrer und etliche Freiwillige boten zig interessante Workshops an – Musizieren, Theater, Songwriting, Tanzen, Malen, Kochen, Slammen, Handwerken… – Stellvertretende Schulleiterin Sandra Köhn appellierte an ihre Schülerschaft: „Seid klar, habt Mut, steht auf!“

Mechernich – Vorurteile hat jeder. Selbst Naturwissenschaftlerinnen können sich davon nicht freisprechen. Als Dr. Brigitte Kisters-Woike am Montag die Gesamtschule Mechernich betrat, um sich im Rahmen der Projekttage mit Schülerinnen und Schülern über das Thema Rassismus auseinanderzusetzen, rechnete die Dozentin der Universität Köln mit Lustlosigkeit. Leere Blicke hätte sie erwartet, gelangweilte Gesichter. „Ich dachte, mir sitzt ein desinteressierter Haufen Jugendlicher gegenüber, die höchstens Chat-GPT für sich arbeiten lassen“, lacht die politisch interessierte Mechernicherin, die sich im „Bündnis für Demokratie“ engagiert. „Aber von wegen: Die waren alle voll bei der Sache, richtig gut!“

Gemeinsam mit Stephan Brings performte die Schülerband den bewegenden Song „Heimat“ der Kölner Band „Planschemalöör“. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Gemeinsam mit Stephan Brings performte die Schülerband den bewegenden Song „Heimat“ der Kölner Band „Planschemalöör“. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Wie begeistert die rund 1000 Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Mechernich sich für das diesjährige Motto der Projekttage „100 % Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ engagierten, konnte spätestens am Dienstagvormittag beim gemeinsamen Abschlussfest auf dem Schulhof jeder sehen. Ob beim Poetry-Slammen, Tanzen, Singen, Kochen, Theaterspielen, Musizieren, Malen, Handwerken, Dekorieren, und, und, und – zusammen mit rund hundert Lehrkräften sowie zahlreichen externen Unterstützern hatten die Klassen fünf bis 13 sich mit einem Thema auseinandergesetzt, das nicht nur im Schulalltag eine wichtige Rolle spielt: Zivilcourage.

Oberstufenschüler Liam hatte sich philosophische Gedanken zum Thema Nationalsozialismus gemacht und diese in einen starken „Philo-Slam“ gepackt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Oberstufenschüler Liam hatte sich philosophische Gedanken zum Thema Nationalsozialismus gemacht und diese in einen starken „Philo-Slam“ gepackt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Entsprechend klar war auch die Botschaft der Stellvertretenden Schulleiterin Sandra Köhn, die die Abschluss-Präsentation auf der Bühne eröffnete: „Seid klar! Habt Mut! Steht auf!“ Die dunkelhäutige Autorin Jennifer Teege, Enkelin eines KZ-Kommandeurs, die am Vortag einen Workshop mitgestaltet hatte, sei das beste Beispiel für einen klare Haltung zum Thema Rassismus, betonte die Interimsschulleiterin. „Ich wünsche mir eine Schulgemeinschaft, in der wir alle mutig sind!“

Unterstützung von zahlreichen Akteuren

Diesem Aufruf schloss sich auch Bürgermeister Michael Fingel an, der von den Schülerinnen und Schülern zum Abschluss einen bunt bemalten Stoffbeutel geschenkt bekam. Zuvor hatte der Bürgermeister alle an den Projekttagen Beteiligte mit persönlichen Worten gelobt – aber gleichzeitig auch zum Handeln ermuntert: „Ihr könnt selbst dafür sorgen, dass Rassismus keine Chance hat“, betonte Fingel. „Solange es ihn gibt, brauchen wir Eure Initiative!“ Auf dem Schulhof gab es dafür spontanen Applaus. 

Das Schülersprecher-Team der Gesamtschule: Sophie und Staleen baten ihre Mitschülerinnen und Mitschüler um Zusammenhalt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Das Schülersprecher-Team der Gesamtschule: Sophie und Staleen baten ihre Mitschülerinnen und Mitschüler um Zusammenhalt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Beifall bekam auch das Schülersprecher-Team: „Unsere Schule besteht aus vielen verschiedenen Menschen, unterschiedlichen Sprachen, Kulturen, Hautfarben und Geschichten. Auch wenn wir vielleicht Unterschiede sehen, sollten wir zusammenstehen“, forderten Sophie und Staleen ihre rund tausend Mitschülerinnen und Mitschüler auf.

Bürgermeister Michael Fingel bedankte sich für die Einladung und appellierte an die Schulgemeinschaft, sich mutig gegen Rassismus einzusetzen. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Bürgermeister Michael Fingel bedankte sich für die Einladung und appellierte an die Schulgemeinschaft, sich mutig gegen Rassismus einzusetzen. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Zahlreiche Akteure hatten sich an den Projekttagen der Gesamtschule Mechernich eingebracht, darunter das junge Theater Bonn, die „Omas gegen rechts“, der Integrationsbeauftragte der Caritas, ein Vertreter des Kommunalen Integrationsbüros, der Arbeitskreis „Forschen – Gedenken – Handeln“, die Tanzschule Schumacher, sowie Historiker, Künstler, Autoren, Socialmedia-Beauftragte und Politiker.

„Von Satzvey bis nach Weyer …“ Die Sängerinnen und Sänger der Klassen fünf und sechs hatten einen Songtext über Mechernich geschrieben, den sie auf der Bühne rappten. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
„Von Satzvey bis nach Weyer …“ Die Sängerinnen und Sänger der Klassen fünf und sechs hatten einen Songtext über Mechernich geschrieben, den sie auf der Bühne rappten. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Die Oberstufe durfte im Zuge der Internationalen Wochen gegen Rassismus so manche Wand der Gesamtschule kreativ gestalten. Ein Kunstwerk weise zum Beispiel darauf hin, dass Frauen in religiösen Kontexten oft klein gehalten oder unterdrückt würden, erläuterte Kunstlehrerin Solveig Steinke. „Dieses Wandgemälde soll Mädchen und Frauen ermutigen, sich frei wie ein Vogel zu entfalten.“

Schulband: Gemeinsamer Auftritt mit Stephan Brings

Einer von vielen Höhepunkten der Workshop-Präsentation auf dem Schulhof war zweifellos der gemeinsame Auftritt der Gesamtschulband mit dem Musiker Stephan Brings. Zusammen präsentierten sie den Titel „Heimat“ der Kölner Band „Planschemalöör“. „Hintergrund des Songs ist, dass der Sänger eine etwas dunklere Hautfarbe hat“, erläuterte Stephan Brings dem gespannt lauschenden Publikum. „Und obwohl der Juri ´ne echte Kölscher Jung‘ ist, wird er in seiner eigenen Heimatstadt immer wieder gefragt, wo er denn eigentlich herkommt. Was ihn verständlicherweise ziemlich traurig macht.“

Fliegendes Mädchen: Dass Frauen im religiösen Kontext oft klein gehalten oder unterdrückt werden, thematisiert dieses während der Projekttage entstandene Wandgemälde. Foto: Benedikt Heider/pp/Agentur ProfiPress
Fliegendes Mädchen: Dass Frauen im religiösen Kontext oft klein gehalten oder unterdrückt werden, thematisiert dieses während der Projekttage entstandene Wandgemälde. Foto: Benedikt Heider/pp/Agentur ProfiPress

Einen mitreißenden Songtext zum Thema Rassismus hatten auch die Projektgruppen der Klassen fünf und sechs geschrieben – und zwar über ihre Heimat Mechernich: „Von Satzvey bis nach Weyer, für Rassismus keine Zeit, von Glehn bis Wachendorf bereit, Zuflucht und Geborgenheit“, rappten die Kids. „Ich sag es Euch in einem Satz: hier hat jeder einen Platz. In Mechernich da zählt der Mut, Miteinander tut uns gut“.

„Seid mutig!“ Die stellvertretende Schulleiterin Sandra Köhn bat die versammelte Schülerschaft ausdrücklich um Zivilcourage. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
„Seid mutig!“ Die stellvertretende Schulleiterin Sandra Köhn bat die versammelte Schülerschaft ausdrücklich um Zivilcourage. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Auch Oberstufenschüler und „Philo-Slammer“ Liam hatte sich am ersten Projekttag intensiv Gedanken gemacht: „Nationalsozialismus ist unser Lehrer. Doch die Prüfung findet nicht in der Schule statt, sondern überall, jeden Tag.“

So viele kreative Ideen zu einem leider nach wie vor aktuellen Problem. – Eins ist der Gesamtschule Mechernich mit den diesjährigen Projekttagen definitiv gelungen. Die Sensibilisierung von rund 1000 jungen Menschen für ein Thema, das ihnen vermutlich noch öfter im Leben begegnen wird: Rassismus im Alltag. Nicht unwahrscheinlich, dass sie sich bei so einer Gelegenheit an das erinnern, was sich ihnen im März 2026 bei einem Schul-Workshop eingeprägt hat.

pp/Agentur ProfiPress

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