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Ronald Larmann

07/15/2026

Gedenken mit Kerzen und Konzert

Bewegende Aufführung von Mozarts Requiem zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe in der Jesuitenkirche Bad Münstereifel

Bewegende Aufführung von Mozarts Requiem zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe in der Jesuitenkirche Bad Münstereifel – Stellvertretender Bürgermeister Peter Kronenberg setzte für die Stadt Mechernich mit einer Kerze ein Zeichen des Erinnerns

Bad Münstereifel/Mechernich – Eine brennende Kerze für die Opfer, für die Betroffenen und für all jene, die auch fünf Jahre später noch sichtbare oder unsichtbare Folgen der Flutkatastrophe tragen: Beim Gedenkkonzert in der Jesuitenkirche Bad Münstereifel vertrat der stellvertretende Bürgermeister Peter Kronenberg die Stadt Mechernich. Stellvertretend für die Menschen im Mechernicher Stadtgebiet entzündete er eine Kerze und setzte damit ein Zeichen der Erinnerung und der Verbundenheit mit der gesamten betroffenen Region.

Bis auf den letzten Platz gefüllt: Das Gedenkkonzert zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe bewegte hunderte Besucherinnen und Besucher in der Jesuitenkirche Bad Münstereifel. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Bis auf den letzten Platz gefüllt: Das Gedenkkonzert zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe bewegte hunderte Besucherinnen und Besucher in der Jesuitenkirche Bad Münstereifel. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Im Stadtgebiet Mechernich waren während der Flutkatastrophe keine Todesopfer zu beklagen. Dennoch wurden zahlreiche Häuser, Betriebe und Existenzen schwer getroffen. Im Kreis Euskirchen verloren 26 Menschen ihr Leben. Ihnen und allen weiteren Opfern, Betroffenen und Helfenden war der außergewöhnliche Konzertabend am fünften Jahrestag der Katastrophe gewidmet.

Musik erreichte die Menschen bis vor die Kirchentür

Die Jesuitenkirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch auf der Empore saßen dicht gedrängt Besucherinnen und Besucher. Weitere Menschen standen vor der geöffneten Kirchentür und lauschten von draußen der Musik. Was ihnen geboten wurde, war weit mehr als eine musikalische Begleitung des Gedenkens: Chor, Solisten und Orchester verliehen Trauer, Erinnerung und Hoffnung einen eindrucksvollen Klang.

Für die Stadt Mechernich entzündete der stellvertretende Bürgermeister Peter Kronenberg eine Kerze und gedachte damit der Opfer der Flutkatastrophe sowie aller Menschen, die bis heute unter ihren Folgen leiden. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Für die Stadt Mechernich entzündete der stellvertretende Bürgermeister Peter Kronenberg eine Kerze und gedachte damit der Opfer der Flutkatastrophe sowie aller Menschen, die bis heute unter ihren Folgen leiden. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Den Auftakt bildete die Uraufführung von „Mitten wir im Leben sind“, einem musikalischen Epitaph für Chor, Solisten und Orchester des Komponisten Sebastian Ostmeyer. Das Werk setzt sich mit Verlust, Sterblichkeit und Erinnerung auseinander und bereitete auf besondere Weise den Boden für den Hauptteil des Abends: Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem in d-Moll, KV 626, in der Fassung von Franz Beyer.

Chor, Solisten und Orchester verliehen Mozarts Requiem eine beeindruckende Ausdruckskraft. Die Aufführung bewegte das Publikum tief und wurde mit langanhaltendem Applaus gewürdigt. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Chor, Solisten und Orchester verliehen Mozarts Requiem eine beeindruckende Ausdruckskraft. Die Aufführung bewegte das Publikum tief und wurde mit langanhaltendem Applaus gewürdigt. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Unter der Leitung von Andreas Schrammek musizierten die Camerata Louis Spohr Düsseldorf, das Vokalensemble Bad Münstereifel sowie die Solisten Linda Hergerten (Sopran), Christine Hoffmann (Alt), Kang Seo (Tenor) und Ferdinand Krumbügel (Bariton). Die Kraft des Orchesters, die eindringlichen Stimmen des Chores und die solistischen Passagen erfüllten die Kirche und ließen das Requiem zu einem bewegenden Höhepunkt des Gedenkens werden.

Vor der Jesuitenkirche entzündete Friederike Kalle und ihre Mitstreiter die Gedenkkerzen, die an die Opfer der Flutkatastrophe erinnerten und ein stilles Zeichen der Hoffnung und des Zusammenhalts setzten. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Vor der Jesuitenkirche entzündete Friederike Kalle und ihre Mitstreiter die Gedenkkerzen, die an die Opfer der Flutkatastrophe erinnerten und ein stilles Zeichen der Hoffnung und des Zusammenhalts setzten. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Nach dem letzten Ton blieb die Wirkung des Konzerts spürbar. Die Besucherinnen und Besucher erhoben sich zu langanhaltendem Applaus und dankten den Musikerinnen und Musikern für eine Aufführung, die viele tief berührt hatte.

Pfarrer Rego begrüßte die Gäste als Hausherr der Jesuitenkirche. „Die Musik vermag auszudrücken, was Worte oft nicht mehr sagen können“, sagte er in seinem Grußwort. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Pfarrer Rego begrüßte die Gäste als Hausherr der Jesuitenkirche. „Die Musik vermag auszudrücken, was Worte oft nicht mehr sagen können“, sagte er in seinem Grußwort. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

„Das Konzert hat mich unglaublich beeindruckt. Der Chor, die Solisten, das Orchester – das war fantastisch. Ich hätte noch eine Stunde zuhören können“, sagte Peter Kronenberg, der am Tag danach immer noch ins Schwärmen gerät. „Das war ein ganz hervorragendes Konzert und ein wirklich würdiges Gedenken.“

„Erinnerungen sind wie Bänke

Pfarrer Robert Rego begrüßte die Gäste als Hausherr in der Jesuitenkirche und brachte die Bedeutung des Abends auf den Punkt: „Die Musik vermag auszudrücken, was Worte oft nicht mehr sagen können. Sie verbindet Klage und Trost, Erinnerung und Zuversicht.“ Er dankte allen Beteiligten, die das besondere Konzert vorbereitet hatten, und verband damit den Wunsch, dass die Gemeinschaft gestärkt, die Erinnerung wachgehalten und neue Hoffnung geschenkt werde.

Pfarrerin Elke Smidt-Kulla führte einen eindringlichen Gedanken aus: Erinnerungen seien wie Bänke, auf denen man sich niederlassen könne oder sie auch wieder verlassen könne, um sich ganz der Musik hinzugeben. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Pfarrerin Elke Smidt-Kulla führte einen eindringlichen Gedanken aus: Erinnerungen seien wie Bänke, auf denen man sich niederlassen könne oder sie auch wieder verlassen könne, um sich ganz der Musik hinzugeben. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Anschließend lud die evangelische Pfarrerin Elke Smidt-Kulla die Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich ganz persönlich auf den Abend einzulassen. „Erinnerungen sind wie Bänke, auf denen man sich niederlassen kann“, sagte sie. Jeder könne während der Musik auf seiner eigenen Erinnerungsbank Platz nehmen, dort verweilen und sie wieder verlassen, wenn es für diesen Abend genug sei.

Bad Münstereifels Bürgermeister Sebastian Glatzel erinnerte an die „zweite Welle“ nach der Flut: Eine Welle der Solidarität, Hilfsbereitschaft und gelebten Mitmenschlichkeit. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Bad Münstereifels Bürgermeister Sebastian Glatzel erinnerte an die „zweite Welle“ nach der Flut: Eine Welle der Solidarität, Hilfsbereitschaft und gelebten Mitmenschlichkeit. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Bad Münstereifels Bürgermeister Sebastian Glatzel erinnerte an die erste Welle, die vor fünf Jahren Tod, Zerstörung und Leid über die Region gebracht habe. Zugleich richtete er den Blick auf eine zweite Welle, die unmittelbar darauf gefolgt sei: „Eine Welle der Solidarität, der Hilfsbereitschaft und der gelebten Mitmenschlichkeit“. Diese starke Gemeinschaft habe geholfen, sichtbare und unsichtbare Spuren der Flut zu überwinden – auch wenn längst noch nicht alle verschwunden seien.

Der stellvertretende Landrat Ralf Claßen betonte, dass Heilung Zeit brauche und Musik Trost schenken könne, wo Worte oft nicht mehr ausreichten. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Der stellvertretende Landrat Ralf Claßen betonte, dass Heilung Zeit brauche und Musik Trost schenken könne, wo Worte oft nicht mehr ausreichten. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Der stellvertretende Landrat Ralf Claßen machte deutlich, wie tief sich der 14. Juli 2021 in das Gedächtnis der Menschen eingebrannt habe. Viele Bilder, Geräusche und Begegnungen seien geblieben. Heilung brauche Zeit, weit mehr als der Wiederaufbau eines Hauses. Gerade deshalb könne Musik an einem solchen Abend einen Raum für Trauer schaffen und zugleich Mut geben, gemeinsam weiterzugehen.

Kerzen und Einladung zum Austausch

Auch vor der Jesuitenkirche wurde das Gedenken sichtbar. Dort leuchteten zahlreiche Kerzen in der Dunkelheit. Sie erinnerten an die Opfer der Flut und an die Menschen, deren Leben sich innerhalb weniger Stunden grundlegend verändert hatte.

Von der Empore bot sich ein eindrucksvoller Blick auf Chor, Orchester und Dirigent Andreas Schrammek in der bis auf den letzten Platz besetzten Jesuitenkirche. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Von der Empore bot sich ein eindrucksvoller Blick auf Chor, Orchester und Dirigent Andreas Schrammek in der bis auf den letzten Platz besetzten Jesuitenkirche. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Zugleich lud Michael Mönks von der Psychosozialen Hilfe mit Herz und Hand Bad Münstereifel die Besucherinnen und Besucher zum Dialog ein. Auf Plakaten standen Anregungen wie: „Ich bin dankbar für:“, „Mut gemacht hat mir:“ oder „Für die Zukunft wünsche ich mir:“. Darunter hatten Menschen bereits beim Helferfest am vorausgegangenen Wochenende einige Gedanken mit Edding notiert. Zum Beispiel diesen Wunsch: „Dass dieser Zusammenhalt wieder kommt, in jeglicher anderen Situation.“ Oder die Dankbarkeit „für die Menschen, de uns hier geholfen haben“. Auch am Konzertabend boten die Plakate den Menschen Gelegenheit, weitere Gedanken festzuhalten, Erinnerungen zu teilen oder miteinander ins Gespräch zu kommen.

Mit einer Mitmachaktion lud Michael Mönks von der Psychosozialen Hilfe mit Herz und Hand dazu ein, Erinnerungen, Dankbarkeit und Wünsche für die Zukunft auf Plakaten festzuhalten. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Mit einer Mitmachaktion lud Michael Mönks von der Psychosozialen Hilfe mit Herz und Hand dazu ein, Erinnerungen, Dankbarkeit und Wünsche für die Zukunft auf Plakaten festzuhalten. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Für Peter Kronenberg war die Teilnahme zugleich ein Zeichen, dass die Erinnerung nicht an Stadtgrenzen endet. Mechernich, Bad Münstereifel und die übrigen betroffenen Kommunen im Kreis Euskirchen teilen die Erfahrung der Flutnacht, aber auch die Erfahrung einer außergewöhnlichen Hilfsbereitschaft. Das Gedenkkonzert führte beides eindrucksvoll zusammen: die Trauer über das Verlorene und die Dankbarkeit für eine Gemeinschaft, die auch in schwersten Stunden zusammenstand.

pp/Agentur ProfiPress