Karnevalsverein Vussem fahndete beim traditionellen Mundartgottesdienst nach Dingen, die den Menschen heilig sind
Mechernich – „Soll der janze ahle Brassel fott?“ fragten sich der Karnevalsverein Vussem und seine Gäste bei der Mundartmesse in der Pfarrkirche St. Margaretha. Die ehemalige Lehrerin Anneliese Klinkhammer hatte den von Pfarrer Felix Dörpinghaus zelebrierten Gottesdienst thematisch vorbereitet und gemeinsam mit Dutzenden von Kindern und Erwachsenen gestaltet. Die Predigt hielt der Diakon und Kolumnist Manni Lang.

Der seit vielen Jahren bewährte Mundart-Gottesdienst, zu dem stets auch befreundete Karnevalsgesellschaften unter anderem aus Mechernich, Weyer und Schwerfen kommen, endete diesmal nicht mit Schlusssegen und Ordensverleihung, sondern mit einer fulminanten 3-D-Lasershow des neuen Prinzen Stefan I. (Schmitz), der üblicherweise als Tontechnikfreak und am DJ-Pult für Stimmung unter den Gästen des 1977 gegründeten Karnevalsvereins Vussem sorgt.

Thematisch warf Gottesdienstvorbereiterin Anneliese Klinkhammer die Frage auf: „Watt öss oss ejentlich noch hellisch?“ Auf dem Hausspeicher („Spichel“) ließ sie ihre Mitlektorin Rita Schmitz, die Mutter des Prinzen, auf alle möglichen alten Utensilien stoßen, die den Vorfahren heilig waren, aber mittlerweile nicht mehr gebraucht werden, egal ob Heiligenfiguren, Kreuze oder „Fitschbonnemaschien“…
Kirche hat „Heiliges“ nicht gepachtet
Andererseits habe die Kirche „heilige Dinge“ nicht für sich gepachtet. Gleichwohl hätten „Traditieune“ es durchaus verdient, hinterfragt zu werden, statt von vorneherein abgelehnt. Andererseits solle jeder Mensch für sich herausfinden, was ihn wütend macht und aufbegehren lässt beispielsweise gegen Ungerechtigkeiten und Unterdrückung in der Welt. Auch das sei ein Schlüssel herauszufinden, was tief in einem drin als „Heiligtum = Wert“ steckt.

Als Evangelium diente die Perikope, in der Jesus seine engsten Freundinnen und Freunde fragt, ob auch sie sich von ihm abwenden wollen, nachdem ihn seine Zuhörer verlassen haben. Aber Simon Petrus antwortet in der Platt-Übersetzung: „Häer, waar solle mir dann john?“ Wohin sollen wir uns denn wenden, wenn nicht zu Gott?
Manni Lang betätigte sich am Festtag der „Taufe des Herrn“ predigender Weise als Goldwäscher am Jordan – und fischte tatsächlich für die Gottesdienstbesucher je einen Halbedelstein aus dem Ufersediment: „En Wack für jede; een, die ömm entsprech, mött Ecke unn Kante, unn die ömm hellisch senn sollt“, resümierte der Diakon: Es sei besser ein Stein im Flussbett des Jordan zu sein, als etwas anderes, „watt de Baach eraff driev: Knöppele, Jallejestrecke, Drecksäck, Fuhlhööf…“

Am Ende gab es Orden von Prinz Stephan I., Michael Kreuser, der Ralf Schumann vertrat, und Nadine Bertram für Pfarrer Felix Dörpinghaus, Diakon Manni Lang, Organist Erik Arndt, Sakristan Marco Sistig, Messdiener Alex Wielspütz und Resel Feyen und ihre Flötengruppe, die den Gottesdienst musikalisch gestaltete.

pp/Agentur ProfiPress
01/13/2026

