Offizieller Spatenstich für den Umbau zum Hochwasserrückhaltebecken – 83.000 Kubikmeter Volumen sollen Kommern künftig besser vor Starkregen und Hochwasser schützen – Rund fünf Millionen Euro Gesamtbaukosten
Mechernich-Kommern – Wo sich einst dauerhaft das Wasser des Kommerner Mühlensees staute, entsteht in den kommenden Monaten ein wichtiges Schutzschild für den historischen Ortskern: Mit dem offiziellen Spatenstich hat der Erftverband gemeinsam mit dem Kreis Euskirchen und der Stadt Mechernich den Umbau des Mühlensees zu einem Hochwasserrückhaltebecken auf den Weg gebracht.
„Jetzt geht es los“, brachte Bürgermeister Michael Fingel die Botschaft des Tages auf den Punkt. Gemeinsam mit Landrat Markus Ramers, Erftverbands-Vorstand Prof. Heinrich Schäfer und weiteren Vertretern von Kreis, Stadt und Erftverband griff er zum Spaten. Das künftige Rückhaltebecken soll bei Starkregen und Hochwasser einen Teil des Wassers aufnehmen und nur so viel in Richtung Kommern weiterleiten, wie dort möglichst schadlos abfließen kann.

Das Becken entsteht auf einer Fläche von rund drei Hektar und bietet künftig ein gesteuertes Rückhaltevolumen von etwa 83.000 Kubikmetern. Die Gesamtbaukosten bezifferte der Erftverband auf rund fünf Millionen Euro brutto.
Fünf Jahre nach der Flut
Für Erftverbands-Vorstand Prof. Heinrich Schäfer ist der Baustart auch ein sichtbares Zeichen dafür, was sich seit der Flutkatastrophe 2021 getan hat. Immer wieder werde die berechtigte Frage gestellt, welche Konsequenzen aus dem Ereignis gezogen worden seien. Seine Antwort: „Es ist sehr viel passiert, und es passiert auch weiterhin viel.“
Hochwasserschutz beruhe auf mehreren Säulen, erläuterte Schäfer: auf persönlicher und baulicher Vorsorge, auf natürlichem Wasserrückhalt sowie auf technischen Schutzanlagen wie Deichen und Rückhaltebecken. Nach der Flut seien neue Standorte und zusätzliche Maßnahmen identifiziert worden. Der Umbau des Kommerner Mühlensees gehöre zu bis zu zehn Projekten, die sich bereits in der Planung oder der Umsetzung befänden.

Erst vor wenigen Wochen hatten Kreis und Erftverband im Rahmen der Pressekonferenz „Vier Jahre Interkommunale Hochwasserschutzkooperation Erft (hwsErft)“ die fortgeschrittenen Bauarbeiten für eine weitere große Hochwasserschutzmaßnahme am Zülpicher Wassersportsee vorgeführt. Nun folge mit dem Mühlensee das nächste sichtbare Projekt. „Der Vorlauf ist erfahrungsgemäß lang. Wenn die Arbeiten aber erst einmal begonnen haben, geht es häufig relativ schnell“, so Schäfer. Das erste große Etappenziel solle innerhalb eines Jahres erreicht werden.
„Ganz zentrale Maßnahme“
Landrat Markus Ramers erinnerte daran, dass Kommern nicht nur während der Flutkatastrophe 2021 schwer getroffen worden sei. Auch bei kleineren Starkregenereignissen habe es immer wieder kritische Situationen gegeben, unter anderem 2016.
Nach der Flut sei er gemeinsam mit Thomas Hambach, dem Ersten Beigeordneten der Stadt Mechernich, den Weg vom Mühlensee durch Kommern gegangen, um sich die Lage vor Ort anzusehen. Gerade im dicht bebauten Ortskern seien die Möglichkeiten für weitere bauliche Schutzmaßnahmen begrenzt. „Deshalb ist das hier eine ganz, ganz wichtige Maßnahme“, betonte Ramers.

Zugleich zeige das Projekt, wie bereits vorhandene Flächen sinnvoller für den Hochwasserschutz genutzt werden könnten. Aus dem bisherigen See werde ein Rückhalteraum, der im Ernstfall Wasser zwischenspeichert. Ramers hob außerdem die Zusammenarbeit innerhalb der Hochwasserschutzkooperation hervor: „Wir haben alle den gemeinsamen Anspruch, die Menschen im Kreis besser zu schützen.“
„Hier passiert jetzt was“
Bürgermeister Michael Fingel kennt die Folgen der Flut in Kommern aus eigener Anschauung. Im Juli 2021 habe er selbst mit im Restaurant „Im Stollen“ gestanden und Wasser herausgepumpt. Umso verständlicher sei die Frage vieler Betroffener gewesen, wann am Mühlensee endlich etwas geschehe.
„Jetzt können wir den Bürgerinnen und Bürgern zeigen: Hier passiert etwas“, sagte Fingel. Positiv sei auch, dass der ehemalige Mühlensee nicht nur technisch umgebaut, sondern zugleich ökologisch und landschaftlich aufgewertet werde. „Ich bin gespannt, wie es hier nach Abschluss der Arbeiten aussieht. Und bei aller Freude über dieses Projekt hoffe ich natürlich, dass das Becken möglichst nie für seinen eigentlichen Zweck gebraucht wird.“
Der Bürgermeister warnte zugleich vor falschen Erwartungen. Ein einzelnes Rückhaltebecken könne keinen vollständigen Schutz garantieren. „Eine Maßnahme alleine reicht nicht aus. Aber wenn wir sinnvolle Maßnahmen miteinander kombinieren, haben wir eine Chance, den Gefahren besser entgegenzutreten.“ Das neue Rückhaltebecken sei deshalb „ein guter und jetzt auch sichtbarer Schritt in die Zukunft“.
Drossel schützt den Ortskern
Herzstück des ersten Bauabschnitts ist ein neues Durchlass- und Drosselbauwerk im bestehenden Damm. Dr. Daniel Bittner, Abteilungsleiter Flussgebietsbewirtschaftung beim Erftverband, erläuterte, dass der Einstau künftig bereits bei einem Zufluss von etwa 300 Litern Wasser pro Sekunde beginnen soll. Damit könne zunächst auf örtliche Starkregenereignisse reagiert werden.
Steigt der Wasserstand weiter, wird die Abflussmenge kontrolliert erhöht. Maximal sollen rund drei bis 3,5 Kubikmeter pro Sekunde in Richtung Kommern weitergeleitet werden. „Damit reizen wir bereits aus, was dort abfließen kann, bevor Schäden entstehen“, erklärte Bittner. Das Rückhaltebecken sei deshalb „eine ganz zentrale Maßnahme, um das Hochwasserrisiko in Kommern zu minimieren“.
Wird das Rückhaltevolumen von 83.000 Kubikmetern überschritten, leitet eine Hochwasserentlastungsanlage das zusätzlich ankommende Wasser weiter und schützt damit den Damm. Dazu senken sich Klappen auf dem Durchlassbauwerk rein mechanisch und ohne Fremdenergie ab. Das System funktioniert somit auch bei einem Stromausfall.
Mühlensee aus den 1980er Jahren
Der Kommerner Mühlensee war in den 1980er Jahren ursprünglich als Sedimentfang angelegt worden. Er sollte Ablagerungen zurückhalten, die teilweise stark mit Schwermetallen belastet waren. Diese Aufgabe sei heute in der bisherigen Form nicht mehr erforderlich, erläuterte Bittner. Stattdessen werde das vorhandene Rückhaltepotenzial nun bestmöglich für den Hochwasserschutz genutzt.
Rund 7000 Kubikmeter belasteter Boden müssen im Zuge der Arbeiten ausgebaut und deponiert werden. Baubegleitende Untersuchungen stellen sicher, dass das Material entsprechend seiner jeweiligen Belastung getrennt behandelt, fachgerecht entsorgt oder – soweit möglich – wiederverwertet wird.
Aus dem bisherigen Dauerstau wird künftig ein durchströmter Beckenraum. Zugleich soll das neue Durchlassbauwerk die ökologische Durchgängigkeit des Bleibachs wiederherstellen, sodass Fische und andere Wasserlebewesen den Bereich passieren können.
Auch der Schutz von Amphibien spielt bei der Planung eine wichtige Rolle. Der Mühlensee diente bislang als Laichgewässer. Deshalb werden verschiedene dauerhaft wasserführende Bereiche angelegt, die diese Funktion erhalten sollen. Die Gestaltung sei intensiv mit dem Kreis Euskirchen und dem Naturschutzbund Nabu abgestimmt worden, berichtete Bittner. An anderen Stellen soll sich das Gewässer künftig möglichst natürlich entwickeln können.
Arbeiten in zwei Abschnitten
Im ersten Bauabschnitt konzentrieren sich die Arbeiten auf den Damm sowie das neue Durchlass- und Drosselbauwerk. Die Bauzeit ist mit voraussichtlich einem Jahr angesetzt. Währenddessen ist der Ernst-Becker-Weg über den Damm nicht befahrbar. Umleitungen werden eingerichtet. Das Restaurant Nirvana ist etwa über die Mühlengasse und den Seeweg erreichbar. Zu Fuß kann der Damm über eine Behelfsbrücke weiterhin überquert werden.
Der zweite Bauabschnitt umfasst die eigentliche Gestaltung und Modellierung des rund drei Hektar großen Beckenraums. Er beginnt unter Berücksichtigung der Brutzeiten von Bodenbrütern.
Grundlage des Projekts ist eine Plangenehmigung, die die Stadt Mechernich im Juli 2025 beim Kreis Euskirchen erwirkt hatte. Anschließend übernahm der Erftverband das Vorhaben für die Umsetzungsphase.
pp/Agentur ProfiPress
08/26/2026

