Bundesverdienstkreuzträger Werner Ohlerth ist im Alter von 80 Jahren gestorben – Der Partnerschaftsverein Piéla – Bad Münstereifel trauert um seinen Gründer
Bad Münstereifel-Rupperath – Stur? Viele, die Werner Ohlerth kannten, würden das vermutlich mit einem Schmunzeln bejahen. Eifeler halt. Entschlossen? Ohne jeden Zweifel. Denn wenn er einmal eine seiner Entscheidung, manchmal auch aus dem Bauch heraus, getroffen hatte, dann wurde nicht lange diskutiert. Dann wurde gehandelt. „Er war keiner für halbe Sachen“, würdigt Ulrich Burggraf, Vorsitzender der Partnerschaft Piéla – Bad Münstereifel e.V., seinen Vorgänger, der am 18. Februar im Alter von 80 Jahren verstorben ist.

Mit ihm verliert Bad Münstereifel einen Bürger, dessen Wirken weit über die Region hinausreichte – bis in die westafrikanische Gemeinde Piéla in Burkina Faso. Denn den Menschen dort gehörte sein Herz und seine Leidenschaft.

Der Ursprung dieses außergewöhnlichen Engagements liegt in einer Begegnung, die bis heute vielen in Erinnerung ist. Anfang der 1990er-Jahre reiste Ohlerth zu einem Partnerschaftstreffen in die französische Stadt Fougères, einer Partnerstadt Bad Münstereifels. Dort berichteten Ordensschwestern von ihrer Arbeit in Burkina Faso und brachten einen jungen Priester aus der Region Piéla mit, der über die dramatische Situation seiner Gemeinde sprechen wollte. Dieser Priester war Abbé Pierre, der über die Probleme in seiner Gemeinde reden wollte, in der offiziellen Runde aber kein Gehör fand.
Er versprach Hilfe und lieferte
Bei Werner Ohlerth schon. Ihn ließ das Gehörte nicht mehr los. Statt nach der Veranstaltung zum Tagesprogramm überzugehen, suchte er das Gespräch mit dem Priester, hörte ihm aufmerksam zu und traf eine Entscheidung, wie sie nur jemand mit seinen Charaktereigenschaften treffen konnte. Er lud den Geistlichen kurzerhand ein, mit ihm in die Eifel zu kommen, um die Situation ausführlich zu schildern.

So kam es, dass der Priester wenig später in Rupperath saß und von Armut, fehlendem Trinkwasser, mangelnder medizinischer Versorgung und fehlenden Zukunftsperspektiven berichtete. Werner Ohlerth versprach Hilfe und das spontan, ohne Plan, aber mit festem Willen. Aus dieser Begegnung heraus gründete er noch 1993 den Partnerschaftsverein Piéla – Bad Münstereifel. Wenig später entstand auch in Piéla ein entsprechender Verein.

Was als beherzte Einzelentscheidung begann, entwickelte sich sodann zu einem der nachhaltigsten privaten Hilfsprojekte aus der Eifel. Über 90 Trinkwasserbrunnen wurden gebaut, Schulen und Kindergärten unterstützt, ein Mädchenwohnheim errichtet, medizinische Versorgung verbessert und landwirtschaftliche Projekte angestoßen. Hohe Summen an Spendengeldern flossen in mehr als drei Jahrzehnten nach Piéla. Besonders nachhaltig wirkt das Ausbildungszentrum vor Ort, das heute den Namen von Werner Ohlerth trägt. Dort werden junge Menschen in handwerklichen Berufen ausgebildet. Es ist ein sichtbares Zeichen für das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“, das Ohlerth stets leitete.
Sein Engagement lebt weiter
Ulrich Burggraf schreibt in seiner Würdigung: „Sein Tod hinterlässt eine Lücke, die weit über unsere Stadt hinausreicht – bis nach Burkina Faso, wo sein Name untrennbar mit Hoffnung, Bildung und menschlicher Nähe verbunden ist.“ Ohlerth sei ein Gestalter gewesen, der andere mitriss, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. „Er organisierte, überzeugte, motivierte – und vor allem: Er glaubte an das Gute, das entsteht, wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Viele Projekte, die heute selbstverständlich erscheinen, wären ohne seinen Mut und seine Beharrlichkeit nie entstanden“, so der aktuelle Vorsitzende der Partnerschaft.

Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde Werner Ohlerth mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Doch öffentliche Ehrungen standen für ihn nie im Mittelpunkt. Er war ein Mann der Tat, bodenständig, direkt, heimatverbunden. Seine Kraft schöpfte er aus der Überzeugung, dass man Verantwortung übernehmen müsse, wenn man helfen könne.

„Für die Menschen in Piéla war er nicht nur ein Unterstützer, sondern ein Freund“, schreibt Ulrich Burggraf in seiner Würdigung: „Für uns in Bad Münstereifel war er ein Vorbild. Für die Partnerschaft war er das Fundament.“

Der Partnerschaftsverein trauere um einen außergewöhnlichen Menschen. „Doch wir feiern auch sein Vermächtnis: eine lebendige Partnerschaft, die Generationen verbindet und weiterwächst. In jedem Brunnen, jeder Schule, jedem geförderten Kind lebt ein Teil seines Engagements weiter“, so Burggraf, der versichert: „Wir werden seine Arbeit in seinem Sinne fortführen.“
Die heilige Messe mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Freitag, 13. März 2026, um 14.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Petrus in Rupperath statt.
pp/Agentur ProfiPress
03/04/2026

