40-mal zu Fuß nach Trier, mehr als 4000 Kilometer: – St. Matthias Bruderschaft Kommern feierte Jubiläum ihrer Fußwallfahrt – 1987 machten sich zwölf Pilger erstmals auf den Weg – Walter Schäfer hat keine einzige Wallfahrt verpasst
Mechernich-Kommern – 40 Wallfahrten, mehr als 4000 Kilometer und ein Mann, der tatsächlich bei jeder einzelnen dabei war: Walter Schäfer hat seit der Premiere 1987 keine Fußwallfahrt der St. Matthias Bruderschaft Kommern nach Trier ausgelassen. Vier Jahrzehnte lang zog er Jahr für Jahr mit zum Grab des Apostels Matthias. Damit ist er so etwas wie das wandelnde Gedächtnis einer Kommerner Tradition, die einmal ziemlich klein angefangen hat.
Gerade einmal zwölf Pilger waren es, die sich 1987 erstmals zu Fuß auf den Weg in Richtung Trier machten. Heute zählt die St. Matthias Bruderschaft mehr als 100 Mitglieder. Und aus dem damaligen Wagnis ist längst eine feste Größe im Kommerner Jahreslauf geworden. Dabei war das Pilgern auf Schusters Rappen zunächst nicht selbstverständlich.

Die Bruderschaft war 1980 gegründet worden, erst zwei Jahre später erfolgte die Aufnahme in die Erzbruderschaft des heiligen Matthias in Trier. Anfangs fuhr man allerdings noch mit dem Bus zum Apostelgrab. Doch Pfarrer Hubert Leuchter, selbst begeisterter Matthiaspilger, hatte mehr im Sinn: Die Kommerner sollten irgendwann auch zu Fuß nach Trier ziehen. Erfahrung mit einer mehrtägigen Wallfahrt gab es praktisch keine. Also musste erst einmal jemand lernen, wie so etwas überhaupt organisiert wird ...
Erst lernen, dann loslaufen
Dieser Jemand war – kein Scherz – Karl-Günther Fuß. 1984 und 1985 ging er bei der St. Matthias Bruderschaft in Korschenbroich gewissermaßen „in die Lehre“. 1986 sollte es erstmals losgehen, doch eine kurzfristige Erkrankung machte den Plänen des Organisators einen Strich durch die Rechnung. Ein Jahr später klappte es dann: Fuß führte zwölf Kommerner Pilger auf die erste gemeinsame Fußwallfahrt nach Trier. Gestartet wurde damals noch in Blankenheimerdorf, ungefähr dort, wo seit 1990 das Kreuz der Kommerner Bruderschaft steht.

Was damals niemand wissen konnte: Aus diesem ersten Aufbruch sollte eine Tradition werden, die bis heute nicht abgerissen ist. 30 Jahre lang führte Karl-Günther Fuß die Gruppe als Brudermeister. Erst 2016 machte er sich zum letzten Mal in dieser Funktion auf den Weg. Danach übernahm Karin Pilzecker. Seit 2017 führt sie die Kommerner Pilgerinnen und Pilger nach Trier und steht damit inzwischen im zehnten Jahr an der Spitze der Fußwallfahrt.
Aus den zwölf Teilnehmern von einst sei nicht einfach nur eine größere Pilgergruppe geworden, betont Mitpilgerin Kerstin Röder. „Gewachsen ist eine Gemeinschaft aus Pilgern, Unterstützern, Gastgebern und Freunden, die die Wallfahrt seit Jahrzehnten trägt.“ Ein durchaus besonderer unter ihnen ist „Marathon-Pilger“ Walter Schäfer: 40 Wallfahrten, 40-mal Trier – und kein einziges Mal gefehlt! Das ist nicht nur einzigartig, viel besser lässt sich auch kaum beschreiben, was „Durchhalten“ bei einer Wallfahrt bedeutet. Walter Schäfer hat in vier Jahrzehnten eine Strecke erpilgert, die locker quer durch Europa reichen würde.
Selbst Corona stoppte die Pilger nicht
Besonders stolz ist die Kommerner Gemeinschaft auch darauf, dass die Fußwallfahrt seit ihrem Start kein einziges Mal ausgefallen ist. „Nicht einmal die Corona-Pandemie konnte die Serie unterbrechen.“ Damals machte sich eine kleine Gruppe unter strengen Auflagen auf den Weg. So hieß es in diesem Frühjahr schließlich zum 40. Mal: „Auf nach Trier!“ Klar, dass das Jubiläum nun reichlich Gelegenheit für Erinnerungen bot: An müde Beine und gute Gespräche, an Regen und Sonnenschein, an Menschen, die ein Stück des Weges mitgingen, und an jene, die im Hintergrund dafür sorgten, dass die Pilger Jahr für Jahr ihr Ziel erreichten ...
pp/Agentur ProfiPress
08/18/2026
