Communio in Christo stiftet einen Preis für Menschen, die Gemeinschaft nicht nur beschwören, sondern leben – Erste Verleihung am 8. Dezember 2026 – Bronzeplakette nach einem Entwurf des Bildhauers Hans Wurmer
Mechernich/Blankenheim - Manchmal brauchen bedeutende Taten keine großen Formen. Eine Handfläche genügt beinahe für die Bronzeplakette, die künftig einmal im Jahr von der Communio in Christo in Mechernich verliehen werden soll. Doch was sie bezeichnet, lässt sich weder wiegen noch messen: Es geht wie in der ganzen Gründungsgeschichte der Communio um tätige Nächstenliebe, Treue zur Gemeinschaft, Dienst am Menschen – und stille Bereitschaft, sich dort einzusetzen, wo Hilfe nicht nach Schlagzeilen fragt.
Ab 2026 will der Ordo Communionis in Christo deshalb jährlich einen Menschen auszeichnen, der sich in besonderer Weise um die Communio, ihr Sozialwerk oder um Werke tätiger Nächstenliebe verdient gemacht hat. Erstmals soll der neue Preis am 8. Dezember 2026 verliehen werden, dem Gründungsgedenktag der 1984 von Mutter Marie Therese gegründeten Gemeinschaft, die kirchenrechtlich als Consociatio privata Anerkennung fand. Über die Vergabe entscheidet das Kapitel der Communio in Christo.

Auch der erste Preisträger oder die erste Preisträgerin steht bereits fest. Einen Namen allerdings wird es vorerst nicht geben. Die Communio möchte ihn erst bei der feierlichen Verleihung im Dezember bekanntgeben. Damit bleibt bis dahin verborgen, wem die erste Auszeichnung zugedacht ist – nicht aber, wofür sie stehen soll.
Denn der neue Preis ist mehr als eine Ehrung für vergangene Verdienste. „Er berührt einen Kern des Selbstverständnisses der Communio in Christo: Christsein nicht zuerst als Bekenntnis auf den Lippen, sondern als Haltung gegenüber dem Menschen“, so Pfarrer Jaison Thazhathil, der aus Indien stammende Generalsuperior der Communio.
Die Gründerin Mutter Marie Therese stelle die Liebe zum Nächsten ins Zentrum ihres geistlichen Weges: „Communio in Christo – Gemeinschaft in Christus – meint deshalb keine Gemeinschaft, die sich selbst genügt. Sie soll sich nach außen öffnen: zum Kranken, zum alten Menschen, zum Einsamen und Hilfsbedürftigen, zu jedem, dessen Würde darauf angewiesen ist, dass ein anderer sie wahrnimmt und schützt.“

Der Preis solle Menschen sichtbar machen, die genau dies tun, was auch in den Einrichtungen des Sozialwerks der Communio in Christo auf den Stationen für Schwerstpflegebedürftige in Mechernich, der Seniorenpflege „Haus Effata“ in Blankenheim und dem Hospiz „Stella Maris“ in Mechernich praktiziert werde.
Gemeinschaftssymbol in Bronze
Bemerkenswert ist die künstlerische Gestaltung der Auszeichnung, die verliehen werden soll, eine eher bescheidene, aber schwere Bronzeplakette nach einem Entwurf des bayerischen Bildhauers Hans Wurmer. Auf ihr steht über einer Gruppe von Menschen beieinander und der Schriftzug: „Communio in Christo“ sowie Mutter Marie Thereses Leitwort „Die Liebe zum Nächsten ist Leben in Gott“.
Die Figuren darunter sind keine Porträts. Wurmer hat ihnen kaum individuelle Züge gegeben. Sie stehen eng zusammen, hoch aufgerichtet, auf das Wesentliche reduziert. Große und kleine Gestalten bilden eine Gemeinschaft. Niemand steht für sich allein. Keine Figur beherrscht die anderen. Erst zusammen werden sie zum Bild.

Pfarrer Jaison: „Gerade darin liegt die theologische Kraft dieses kleinen Kunstwerks.“ Denn „Communio“ bedeute nicht Gleichförmigkeit. Gemeinschaft entstehe nicht dadurch, dass Unterschiede verschwänden. Sie entstehe, indem Verschiedene einander Raum geben und dennoch zusammengehören. Wurmers Figuren blieben Einzelne – und würden zugleich Teil eines Ganzen.
Die Bronze erzählt damit auf ihre Weise etwas von jener Vorstellung, die auch dem neutestamentlichen Bild vom einen Leib und den vielen Gliedern zugrunde liegt: Jeder Mensch besitzt seine eigene Gestalt, seine eigene Aufgabe und seine eigene Würde. Doch keiner lebt allein für sich. So erhält Hans Wurmers Plakette durch ihre neue Bestimmung eine zusätzliche Bedeutung.
Künstler der frühen Communio
Dass ausgerechnet ein Werk Hans Wurmers zum Zeichen des neuen Preises wird, schafft zugleich eine Verbindung zu den Anfängen der Communio in Christo. Wurmer war bereits zu Lebzeiten des ersten Generalsuperiors Karl-Heinz Haus und des Spirituals Hermann Walch für die Gemeinschaft tätig. Der bayerische Bildhauer hinterließ an mehreren Stellen Arbeiten, die bis heute zur künstlerischen und geistlichen Umgebung der Communio gehören.
Zu seinen Werken zählt auch das Grabmal der Ordensgründerin Mutter Marie Therese auf dem Mechernicher Friedhof. Auch für die Senioreneinrichtung „Haus Effata“ des Sozialwerks der Communio in Christo in Blankenheim schuf Wurmer ein Bronzerelief für die Hauskapelle. Es zeigt Christus nicht in naturalistischer Ausarbeitung, sondern in einer konzentrierten, beinahe eschatologischen Formensprache. Der Körper des Gekreuzigten tritt aus der bewegten Bronze hervor, während horizontale und vertikale Linien Kreuz und Welt gleichsam miteinander verschränken. „Material, Fläche und Figur werden bei Wurmer Träger einer geistlichen Aussage“, so Norbert Arnold, der Geschäftsführer des Sozialwerks der Communio.

Das finde sich, wenn auch in anderer Form, ebenso auf der kleinen Communio-Plakette wieder. Ihre Oberfläche sei nicht glattpoliert. Man sehe die Spuren der Modellierung, Vertiefungen, Erhebungen, Unregelmäßigkeiten. Das Licht verfange sich darin und verändere die Gesichter und Körper je nach Blickwinkel.
„Es ist keine sterile Perfektion, die Wurmer sucht“, so Arnold, der vor seinem Jurastudium selbst einen kreativ Metall verarbeitenden Beruf erlernte: „Wurmers Bronze darf Spuren tragen. Das ist wie im richtigen Leben… Vielleicht passt gerade das besonders gut zu einem Preis für Nächstenliebe.“ Wer sich einem anderen Menschen zuwende, lasse sich auf dessen Wirklichkeit ein – und nicht auf ein Idealbild.
Nicht die Tat allein
Mit der jährlichen Auszeichnung verbindet die Communio in Christo einen Anspruch, der über klassische Ehrenpreise hinausreichen dürfte. Ausgezeichnet werden sollen Menschen, die sich „um die Communio, ihr Sozialwerk und/oder Werke tätiger Nächstenliebe“ besonders verdient gemacht haben. Das kann öffentlich geschehen – muss es aber nicht.

„Gerade kirchliche Sozialarbeit lebt zu einem großen Teil von Menschen, deren Namen selten auf Tafeln stehen“, sagt Generalsuperior Jaison Thazhathil: „Haupt- und Ehrenamtliche, Pflegende und Begleitende, Ärzte, Unterstützer, Menschen, die organisieren, zuhören, tragen, besuchen oder einfach bleiben, wenn Weggehen leichter wäre.“ Die christliche Tradition habe dafür einen einfachen und zugleich anspruchsvollen Maßstab: Nicht die Größe einer Tat entscheide über ihren Wert, sondern die Liebe, aus der sie geschieht.
pp/Agentur ProfiPress
09/07/2026

