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Manfred Lang

10/12/2026

Ein Saal voller Sänger

„Frau Wollenweber und ihre Männer“ verwandelten die voll besetzte Kulturkapelle im Bad Münstereifeler Haus Maria in einen Ort zum Mitsingen, Lachen und Nachdenken – Am Ende gab es Zugabeforderungen und stehenden Applaus – Die Reihe „Kunst, Kultur, Vielfalt“, bei der bislang auch Stephan Brings, Hannes Schöner, Uwe Reetz und die Eifel-Gäng in Aktion traten, soll 2027 fortgesetzt werden

„Frau Wollenweber und ihre Männer“ verwandelten die voll besetzte Kulturkapelle im Bad Münstereifeler Haus Maria in einen Ort zum Mitsingen, Lachen und Nachdenken – Am Ende gab es Zugabeforderungen und stehenden Applaus – Die Reihe „Kunst, Kultur, Vielfalt“, bei der bislang auch Stephan Brings, Hannes Schöner, Uwe Reetz und die Eifel-Gäng in Aktion traten, soll 2027 fortgesetzt werden

Bad Münstereifel – Irgendwann war das Publikum nicht mehr nur Publikum. In der voll besetzten Kulturkapelle wurde mitgesungen, mitgewippt und geklatscht. Nicole Flittorf hatte die Gäste immer wieder animiert: „Singt mit, tobt und lebt euch aus! Singen befreit.“ Am Ende des Konzerts von „Frau Wollenweber und ihre Männer“ am Mittwochabend wollten die Menschen das Trio nicht gehen lassen. Sie forderten Zugaben und dankten mit stehenden Ovationen.

Der Applaus ließ „Frau Wollenweber und ihre Männer“ nicht so schnell von der Bühne: Das Trio bei einer Zugabe. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Der Applaus ließ „Frau Wollenweber und ihre Männer“ nicht so schnell von der Bühne: Das Trio bei einer Zugabe. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Dass diese Band überhaupt zusammenspielt, verdankt sie nach eigener Erzählung einem Jägerzaun. Gerd Becker, ein gebürtiger Zülpicher, und David Merzenich aus „Fullem“ (Stotzheim) lernten sich als Nachbarn in Bad Münstereifel kennen. Zwischen ihren Grundstücken stand der besagte Zaun; dann entdeckten beide, dass sie Gitarre spielten und musikalisch bestens miteinander auskamen. Der Zaun fiel. Als für eine Hochzeit noch eine Sängerin fehlte, kam Nicole Wollenweber hinzu. Heute heißt sie Nicole Flittorf – die Band trägt weiterhin ihren Geburtsnamen.

Auf der Bühne führt die gebürtige Nettersheimerin mit Wohnsitz in Rohr das Wort, doch ihre beiden Männer lassen kaum eine Vorlage ungenutzt. Becker gilt in der bandeigenen Charakterkunde als empfindlich, Flittorf empfindet er „dominant“, sie selbst nennt es „pragmatisch“. Merzenich wiederum überlegte vor aller Ohren, was ihn mehr zur Zurückhaltung bei der Wortwahl veranlasse: dass er in „Haus Maria“ in einer ehemaligen Kirche auftrete oder dass seine Mutter im Publikum sitze.

Ines Schumacher, Clara Schneider und Thomas Hochgürtel vom Haus Sonne (v. l.) begrüßten Band und Publikum in der Kulturkapelle, ganz rechts Gerd Becker, der „Senior“ der Band. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Ines Schumacher, Clara Schneider und Thomas Hochgürtel vom Haus Sonne (v. l.) begrüßten Band und Publikum in der Kulturkapelle, ganz rechts Gerd Becker, der „Senior“ der Band. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Zwischen solchen Bemerkungen und den Antworten der beiden Gitarristen entwickelte sich die Moderation zeitweise zur kleinen Stand-up-Nummer. Manfred „Manni“ Lang führte in den Abend ein; danach übernahm vor allem Nicole Flittorf das Gespräch mit dem Saal.

Bekannte Lieder, eigener Klang

Musikalisch begann das Trio mit George Michaels „Freedom“, ließ U2s „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ und Molokos „Sing It Back“ folgen. „Frau Wollenweber und ihre Männer“ spielen Coversongs, aber sie begnügen sich nicht mit dem Nachspielen. Sie geben den Stücken eigene Arrangements und einen Klang, der von Flittorfs dunkler, kraftvoller Stimme ebenso lebt wie vom sicheren Zusammenspiel der Instrumente. Becker und Merzenich wechselten an Gitarre und Bass; auch Schlagwerk und Gesang gehörten zum Auftritt.

Nicole Flittorf führte mit kräftiger Stimme und viel Humor durch den Abend. David Merzenich (r.) und Gerd Becker begleiteten sie an der Gitarre und auf dem Bass. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Nicole Flittorf führte mit kräftiger Stimme und viel Humor durch den Abend. David Merzenich (r.) und Gerd Becker begleiteten sie an der Gitarre und auf dem Bass. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Reise durch Rock, Pop und Blues führte von Reinhard Meys „Über den Wolken“ über David Bowies „Let’s Dance“ und Kiss’ „I Was Made for Lovin’ You“ bis zu Gloria Gaynors „I Will Survive“ und „Unchain My Heart“ in der Version von Joe Cocker. Gerade bei den vertrauten Refrains sang die Kulturkapelle kräftig mit. „Stayin’ Alive“ setzte den Schlusspunkt vor der Pause, „Highway to Hell“ gab nach der Unterbrechung das Tempo vor. In der Pause wurden die Gäste unter anderem von der Hausleitung des Hauses Maria, Clara Schneider, bewirtet.

In der voll besetzten Kulturkapelle wurde mitgesungen und geklatscht. Das Trio forderte seine Gäste immer wieder zum Mitmachen auf. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
In der voll besetzten Kulturkapelle wurde mitgesungen und geklatscht. Das Trio forderte seine Gäste immer wieder zum Mitmachen auf. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Wir proben wirklich nie“, versicherte „Frau Wollenweber“ alias Nicole Flittorf. Ob man ihr das bei diesem eingespielten Zusammenspiel glauben mochte, blieb dem Publikum überlassen. Die Band jedenfalls nimmt ihre gemeinsame Geschichte mit Humor: 14 Jahre nach der Gründung sei die Tour 2026 ihre „Still-alive-Tour“. „Wir haben das verflixte siebte Jahr geschafft – sogar zweimal.“ Zum Ende erklangen unter anderem „Nah Neh Nah“ von Vaya Con Dios und Michael Jacksons „Billie Jean“. Danach war der Abend noch nicht zu Ende: Das Publikum verlangte mehr.

Musik und Teilhabe

Thomas Hochgürtel, Clara Schneider und Ines Schumacher hatten Band und Gäste im Namen des veranstaltenden Wohn- und Betreuungsverbundes Haus Sonne begrüßt. Bei einer kleinen Publikumsbefragung zeigte sich, wie weit die Gäste für den Konzertabend gekommen waren: aus Bad Münstereifel und Mechernich ebenso wie aus Tondorf, Eicherscheid, Houverath, Rheinbach und Weilerswist.

Flittorf, die als Heilpädagogin im Mechernicher Qualifizierungs- und Bildungszentrum QuBi.Eifel arbeitet, schlug im Laufe des Abends auch einen ernsten Ton an. Sie würdigte die Arbeit von Haus Sonne für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und Suchterkrankungen und bat das Publikum um Unterstützung: „Die machen in Haus Sonne einen Superjob. Unterstützen Sie die Leute und ihre Klienten nicht nur durch Ihre Konzertbesuche und Spenden, sondern auch ideell.“ Der Appell passte zu einem Abend, an dem gemeinsames Singen mehr war als eine Zugabe zum Bühnenprogramm.

Stehende Ovationen für Gerd Becker, Nicole Flittorf und David Merzenich (v. l.) nach ihrem Konzert im Haus Maria. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Stehende Ovationen für Gerd Becker, Nicole Flittorf und David Merzenich (v. l.) nach ihrem Konzert im Haus Maria. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Reihe „Kunst, Kultur, Vielfalt“ begann 2025 unter anderem mit dem früheren Höhner-Bassisten Hannes Schöner, bürgerlich Johannes Schulte-Ontrop, und seinen Freunden Hermann Heuser und Ady Zehnpfennig sowie mit Auftritten von Ralf Kramp, Uwe Reetz und Manni Lang. In diesem Jahr waren die ersten Abende mit der Eifel-Gäng – Günter Hochgürtel, Ralf Kramp und Manni Lang – sowie mit Stephan Brings und „Frau Wollenweber und ihren Männern“ jeweils ausverkauft.

Den Abschluss des Programms bildet am 18. November Manni Lang mit seinen „Eifelwinter“-Erzählungen, Karten sind noch zu haben. Karten können beim Verein Haus Sonne e.V., Willy-Brandt-Straße 10, 53 902 Bad Münstereifel, bestellt werden: montags bis freitags von 8 bis 12.30 Uhr unter Telefon (0 22 53) 92 31 0 oder per E-Mail an info@wvhaus-sonne.de

pp/Agentur ProfiPress