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Manfred Lang

03/18/2026

Die Spur führt nach Köln

Mechernicher „Tryptychon“ Peter Schweikert-Wehner bei Kölner Antiquitätenexperte – „Rundschau“ berichtet

9 min read

Mechernicher „Tryptychon“ Peter Schweikert-Wehner bei Kölner Antiquitätenexperte – „Rundschau“ berichtet – In Gemünd gefundene Rosenkranzmadonna wirft weiter Fragen zwischen Mülltonne und Museum auf

Mechernich/Köln – Manchmal beginnt die Geschichte eines Kunstwerks nicht im Archiv und nicht im Kirchenschiff, sondern im Hausflur. Im November 2024 wird in Gemünd ein verschmutztes, beschädigtes Marienbild entdeckt – offenbar zur Entsorgung bestimmt. Dr. Peter Schweikert-Wehner, Apotheker, Kirchenkunstforscher und unter dem Pseudonym „Tryptychon“ publizistisch aktiv, erkennt den möglichen Wert des Werkes. Er nimmt es mit.

Was zunächst wie eine private Rettungsaktion wirkt, entwickelt sich rasch zu einer kunsthistorischen Spurensuche. Die Restaurierung übernimmt das Atelier Renn in Euskirchen. Sechs Monate dauert die sorgfältige Freilegung. Unter späteren Übermalungen treten Details hervor, die das Bild in neuem Licht erscheinen lassen: Vor allem Rosen werden wieder sichtbar – ein klares ikonografisches Signal.

Ende Februar 2026 stellt der Mechernicher Kirchenkunstexperte Dr. Peter Schweikert-Wehner (r.) das Rosenkranzmadonnen-Gemälde im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) dem Kunstsachverständigen Christoph Bouillon vor. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress
Ende Februar 2026 stellt der Mechernicher Kirchenkunstexperte Dr. Peter Schweikert-Wehner (r.) das Rosenkranzmadonnen-Gemälde im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) dem Kunstsachverständigen Christoph Bouillon vor. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Das Werk zeigt Maria als Rosenkranzmadonna – ein Motiv, das seit dem ausgehenden Mittelalter weite Verbreitung findet. Ende des 15. Jahrhunderts entsteht in Köln die erste Rosenkranzbruderschaft. Zugleich steht Maria auf der Mondsichel, ein Bildtypus, der ihren Sieg über das Böse symbolisiert und sie als Himmelskönigin ausweist. Beide Darstellungsformen verbreiten sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts, finden jedoch im Frühbarock eine neue malerische Intensität.

16. oder 17. Jahrhundert

Nach restauratorischer Einschätzung stammt das Werk aus dieser frühbarocken Phase um 1600. Die Rosen waren später, einem veränderten Zeitgeschmack entsprechend, übermalt worden. Ende Februar 2026 wird das Gemälde im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) dem Kunstsachverständigen Christoph Bouillon vorgestellt. Die „Kölnische Rundschau“ berichtete unter der Überschrift „Flohmarktfunde unter der Lupe“ über die kostenlose Kunstberatung.

Die „Kölnische Rundschau“ berichtete unter der Überschrift „Flohmarktfunde unter der Lupe“ über Schweikerts (r.) Kunstberatung in Köln durch Christoph Boulllion. Repro: Schweikert/pp/Agentur ProfiPress
Die „Kölnische Rundschau“ berichtete unter der Überschrift „Flohmarktfunde unter der Lupe“ über Schweikerts (r.) Kunstberatung in Köln durch Christoph Boulllion. Repro: Schweikert/pp/Agentur ProfiPress

Dort heißt es unter anderem, Bouillon habe im Fall der „Gemünder Madonna“ festgestellt, dass es sich „wahrscheinlich um ein religiöses Werk aus dem 16. oder 17. Jahrhundert oder zumindest um eine signifikante Nachahmung“ handelt. Besonders die Rahmung habe ihm gefallen, über die genaue Herkunft könne jedoch nichts Sicheres gesagt werden.

Bouillon selbst betont gegenüber der Rundschau-Berichterstatterin Leonie Kirfel, es gehe häufig „nicht um den monetären Wert der Gegenstände, sondern vielmehr um die Geschichte dahinter“. Genau diese Geschichte bleibt im Fall der Gemünder Madonna in weiten Teilen aber im Dunkeln.

Dr. Peter Schweikert-Wehner, Apotheker, Kirchenkunstforscher und unter dem Pseudonym „Tryptychon“ publizistisch aktiv, beschreibt das Marienbild als ein Werk, das im 16. oder 17. Jahrhundert in „Teamwork“ auf der Kölner Schildergasse entstanden sein könnte. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Dr. Peter Schweikert-Wehner, Apotheker, Kirchenkunstforscher und unter dem Pseudonym „Tryptychon“ publizistisch aktiv, beschreibt das Marienbild als ein Werk, das im 16. oder 17. Jahrhundert in „Teamwork“ auf der Kölner Schildergasse entstanden sein könnte. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Bereits am 12. Dezember 2025 hatte die Agentur ProfiPress unter der Überschrift „Drei Rätsel für »Tryptychon«“ über Schweikert-Wehners neueste Forschungen nach drei nicht eindeutig identifizierten Kirchenkunstobjekten berichtet. In dem Bericht wird das Marienbild als ein Werk beschrieben, das „um das Jahr 1600 vielleicht in »Teamwork« auf der Kölner Schildergasse entstanden“ sein könnte. Das Restaurierungsatelier Renn habe das Ölgemälde „fachgerecht freigelegt und gereinigt“.

Schweikert-Wehner selbst spricht von mindestens drei übereinanderliegenden Darstellungen auf derselben Leinwand. Der Kirchenkunstforscher hatte die Öffentlichkeit um Mithilfe gebeten – ein ungewöhnlicher Schritt, der Forschung und Bürgerbeteiligung verbindet.

Zwischen Rubens und Rheinland

Stilistisch erkennt Schweikert-Wehner Parallelen zu flämischen Barockmalern. „Die kraftvolle Figur Marias, die dynamische Körperlichkeit, das warme Kolorit – all das erinnert entfernt an die Bildsprache eines Peter Paul Rubens“, so „Tryptychon“. In Köln befinden sich zwei Werke des 1577 in Siegen geborenen Meisters. Eine direkte Zuschreibung wäre spekulativ; doch die Nähe im Ausdruck ist bemerkenswert.

Das Mechernicher Osculatorium wird in der Forschung inzwischen als bemerkenswertes Zeugnis eingeordnet. Die Mediävistin Anna Roth vom Museum Schnütgen bestätige sowohl seine historische Einordnung als auch seine Seltenheit. Foto: Peter Schweikert-Wehner/pp/Agentur ProfiPress
Das Mechernicher Osculatorium wird in der Forschung inzwischen als bemerkenswertes Zeugnis eingeordnet. Die Mediävistin Anna Roth vom Museum Schnütgen bestätige sowohl seine historische Einordnung als auch seine Seltenheit. Foto: Peter Schweikert-Wehner/pp/Agentur ProfiPress

Über Maler, Auftraggeber oder ursprünglichen Standort gibt es trotz intensiver Recherche bislang keine belastbaren Erkenntnisse, so der Kunstsachverständige Christoph Bouillon. So bleibt die „Gemünder Madonna“ zwischen zwei Polen: ikonografisch klar bestimmbar, historisch jedoch rätselhaft. Ihre Identität als Rosenkranz- und Mondsichelmadonna ist restauratorisch gesichert. Ihre Provenienz bleibt offen.

„Vielleicht liegt gerade darin ihre eigentliche Faszination“, heißt es in dem Report der „Kölnischen Rundschau“ über Schweikert-Wehners Besuch im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) beim Kunstsachverständigen Christoph Bouillon. Denn das Werk sei nicht im Depot eines Museums entdeckt worden, sondern im Alltäglichen: „Es erzählt von religiöser Bildtradition, von übermalter Frömmigkeit, von Werkstattpraxis um 1600 – und von der Beharrlichkeit eines Forschers, der nicht aufhört zu fragen“, so Leonie Kirfel. Die Madonna aus dem Hausflur ist kein abgeschlossenes Kapitel. Sie ist erst ein Anfang.

„Paxtäfelchen waren im Rheinland durchaus verbreitet, aber es haben sich nur sehr wenige erhalten“, so der unter dem Pseudonym „Tryptychon“ publizierende Kirchenkunstforscher Schweikert-Wehner. Hier ein Exemplar aus dem 15. Jahrhundert. Repro: Peter Schweikert-Wehner/pp/Agentur ProfiPress
„Paxtäfelchen waren im Rheinland durchaus verbreitet, aber es haben sich nur sehr wenige erhalten“, so der unter dem Pseudonym „Tryptychon“ publizierende Kirchenkunstforscher Schweikert-Wehner. Hier ein Exemplar aus dem 15. Jahrhundert. Repro: Peter Schweikert-Wehner/pp/Agentur ProfiPress

Auch eines er beiden anderen beiden Kunsträtsel, bei deren Lösung der Mechernicher Kirchenexperte Ende vergangenen Jahres um Mithilfe der Bevölkerung bat, steht vor einer Lösung. Dabei handelt es sich offenbar um einen kirchlichen Karnevalsorden des Kölner Generalvikariates aus den 80er Jahren.

Das dritte Rätsel betrifft ein Pax-Täfelchen – eine kleine, kunstvoll gearbeitete Platte mit der Darstellung der Auferstehung Christi, die in der Pfarrkirche St. Hubertus und zu den Heiligen Drei Mauren in Mechernich-Hostel aufbewahrt wird. Auch in dem Punkt ist Dr. Peter Schweikert-Wehner weitergekommen. Nach einem Arbeitsbesuch im Kölner Schnütgen-Museum erkennt er inzwischen neue kunsthistorische Zusammenhänge.

Paxtäfelchen von Hostel

„Paxtäfelchen waren im Rheinland durchaus verbreitet, aber es haben sich nur sehr wenige erhalten“, so der unter dem Pseudonym „Tryptychon“ publizierende Kirchenkunstforscher. Neben aufwendig gearbeiteten Exemplaren aus Emaille und Edelmetall habe es auch schlichtere Ausführungen aus Holz gegeben – wie vermutlich das Hosteler Stück. In seltenen Fällen seien Paxtafeln sogar als Reliquiare gestaltet worden.

Charakteristisch für diese liturgischen Geräte sei ein Griff auf der Rückseite. „Alle drei bekannten rheinischen Beispiele aus dem 15. und 16. Jahrhundert weisen einen solchen Griff auf. Das ist ein starkes Indiz dafür, dass sie tatsächlich in der Messe als Kusstafeln verwendet wurden“, erklärt Schweikert-Wehner. Die Tafeln dienten der Weitergabe des Friedensgrußes und machten einen zentralen Moment der Liturgie sichtbar und greifbar.

Claudia Müller und Dr. Peter Schweikert-Wehner am Glasschrein mit dem Hosteler Pax-Täfelchen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Claudia Müller und Dr. Peter Schweikert-Wehner am Glasschrein mit dem Hosteler Pax-Täfelchen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Dass heute noch bedeutende Exemplare im Rheinland existieren, sei nicht zuletzt dem außergewöhnlichen Engagement des Kölner Sammlers Alexander Schnütgen zu verdanken. Seine Leidenschaft legte den Grundstein für das heutige Museum Schnütgen in St. Cäcilia. „Dass zwei dieser seltenen Stücke heute noch in Köln bewahrt werden, grenzt fast an einen Glücksfall der Sammlungsgeschichte“, so Schweikert-Wehner.

Auch das Mechernicher Osculatorium wird in der Forschung inzwischen als bemerkenswertes Zeugnis eingeordnet. Die Mediävistin Anna Roth bestätige sowohl seine historische Einordnung als auch seine Seltenheit. Darüber hinaus verweist Schweikert-Wehner auf einen weiteren kunsthistorischen Kontext: „St. Cäcilia war die Stiftskirche der Elisabeth von Reichenstein, die als Stifterin auf der sogenannten »Madonna mit dem Veilchen« dargestellt ist – ein Werk, das heute im Diözesanmuseum Köln aufbewahrt wird.“

Das Hosteler Paxtäfelchen fügt sich damit für den Mechernicher in ein bislang nur in Fragmenten überliefertes Netzwerk rheinischer Frömmigkeitskultur ein. Ebenso die Madonna mit dem Veilchen: „Originale sind rar – doch Kopien in Originalgröße in Mechernich und im Pfarrhaus in Zülpich halten die Erinnerung an dieses besondere Objekt lebendig.“

pp/Agentur ProfiPress

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