DODO-Areal feierlich eröffnet: Mit Musik, Dorfvereinen, Feuerwehr, Hüpfburg und ganz viel Gemeinschaft wurde das neue Herzstück von Firmenich und Obergartzem eingeweiht – Mehr als 6.000 Stunden Ehrenamt stecken im neuen Dorfmittelpunkt
Firmenich-Obergartzem – Schon von Weitem war zu sehen, dass im Doppeldorf etwas Besonderes gefeiert wurde. Kinder ließen sich bunte Schmetterlinge ins Gesicht schminken, Familien schlenderten zwischen den Vereinsständen hindurch, vor der Feuerwehr wurde neugierig das Rettungsgerät ausprobiert, auf der Hüpfburg wurde getobt und im Biergarten kamen Nachbarn, Freunde und Vereinsmitglieder ins Gespräch. Während in der neuen Festhalle die offizielle Eröffnung gefeiert wurde, zeigte sich draußen bereits, wofür das DODO-Areal geschaffen wurde: als lebendiger Treffpunkt für das gesamte Dorf. Mit einem großen Einweihungsfest feierten Hunderte Besucherinnen und Besucher die Fertigstellung eines Projekts, das über Jahre hinweg mit Ideen, Fördergeldern und vor allem außergewöhnlichem ehrenamtlichem Engagement entstanden ist.

Im Festsaal führte Moderator Kevin Mießeler gekonnt und humorvoll durch den Nachmittag und machte schon zu Beginn deutlich, worum es an diesem Wochenende ging: Nicht nur ein Gebäude wurde eingeweiht, sondern ein Ort, an dem das Dorfleben künftig seinen Mittelpunkt finden soll. Entsprechend präsentierten sich auch die Vereine des Doppeldorfes. Ob Förderverein von Kindergarten und Grundschule, Feuerwehr, Musikverein, Sportverein oder die Junggesellenvereine aus Firmenich und Obergartzem – überall konnten Besucher mitmachen, sich informieren oder selbst aktiv werden. Kinderschminken, Glitzertattoos, Rollerparcours, Torwandschießen, Nagelspiel, Instrumente ausprobieren oder hydraulisches Rettungsgerät bedienen: Für Jung und Alt war etwas dabei.

Der offizielle Festakt wurde von zahlreichen Gästen aus Politik, Verwaltung und Kirche begleitet. Bürgermeister Michael Fingel, Landrat Markus Ramers, der ehemalige Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick, Ortsbürgermeister Tobias Heidemann, Vertreter des NRW-Förderprogramms „Dritte Orte“, zahlreiche Ehrenamtliche sowie viele Bürgerinnen und Bürger feierten gemeinsam die Fertigstellung eines Projektes, das weit über ein gewöhnliches Dorfgemeinschaftshaus hinausgeht.

Wie ein Schlussstein für das Dorf
Bürgermeister Michael Fingel griff in seiner Ansprache ein eindrucksvolles Bild auf. Er erinnerte an historische Steinbögen, bei denen erst der Schlussstein den gesamten Bogen zusammenhalte. „Das Dodo ist dieser Schlussstein. Es gibt dem Ganzen einen sichtbaren Mittelpunkt. Tragen kann dieser Bogen aber nur, weil so viele Menschen ihren Stein eingebracht haben – durch Ideen, Arbeit, Geduld, Verantwortung und ehrenamtliches Engagement.“
Dieses Bild zog sich wie ein roter Faden durch seine Rede. Zwischen Feuerwehrgerätehaus, Kindergarten, Grundschule, Sportplatz und Festhalle sei in den vergangenen Jahren eine „Straße des Ehrenamtes“ entstanden, ein Ort, an dem nicht Gebäude im Mittelpunkt stünden, sondern die Menschen, die sie mit Leben füllten.

Besonders hob Fingel hervor, dass das DODO-Areal genau zwischen Firmenich und Obergartzem liege, also geografisch auf der Grenze der beiden Orte, tatsächlich aber als verbindendes Element. „Es ist kein Gebäude auf einer Grenze. Es ist ein Gebäude, das Grenzen überwindet.“
Mehrere Tausend Stunden ehrenamtlicher Arbeit seien in das Projekt geflossen. Sein Dank galt dem DODO Bürger- und Kulturverein, dem Vereinskartell, den örtlichen Vereinen, Ideengeber Hans-Josef „Hajo“ Wolf, den Mitarbeitern der Stadtverwaltung – insbesondere Christoph Breuer und Andreas Kurth – sowie allen Fördermittelgebern und Unterstützern.

Begegnungsorte sind wichtiger denn je
Auch Landrat Markus Ramers stellte den gesellschaftlichen Wert des Projektes in den Mittelpunkt. Früher hätten viele Dörfer noch mehrere Gaststätten als Treffpunkte gehabt. Mit deren Verschwinden seien vielerorts wichtige Orte der Begegnung verloren gegangen. „Menschen brauchen Räume, in denen sie sich begegnen können: zum Feiern, zum Diskutieren und einfach zum Zusammensein.“

Das DODO-Areal sei deshalb beispielhaft für gelungene Dorfentwicklung. Mit Festhalle, DODO-Treff, Biergarten, Kindergarten, Grundschule und Sportplatz sei ein neuer Mittelpunkt entstanden, der weit über den Doppelort hinaus Strahlkraft entwickle. Ramers dankte ausdrücklich den vielen Ehrenamtlichen sowie der Stadt Mechernich für den Mut, gemeinsam neue Wege zu gehen. Die unterschiedlichen Förderprogramme des Landes und des Rheinischen Reviers hätten das Projekt ermöglicht, doch ohne den außergewöhnlichen Einsatz der Menschen vor Ort wäre es nicht entstanden.

Mit einem augenzwinkernden Vergleich erklärte der Landrat, warum Orte wie das DODO so wichtig seien. Der Neandertaler habe, so Ramers, zwar das größere Gehirn gehabt. Überlebt habe am Ende aber der Homo sapiens, nicht, weil er der stärkere Einzelkämpfer gewesen sei, sondern weil er voneinander lernen, sich vernetzen und gemeinsam handeln konnte. Genau diese Fähigkeit zur Gemeinschaft brauche Räume. Und ein solcher Raum sei mit dem Dodo-Treff entstanden.

Aus einer Idee wurde ein Dorfprojekt
Wie lang der Weg bis zur Eröffnung tatsächlich war, schilderte Jens Breuer, Vorsitzender des Vereinskartells Firmenich-Obergartzem. Als 2018 die letzte Gaststätte im Ort schloss, fehlte plötzlich ein Treffpunkt für Vereine und Dorfgemeinschaft. Die Idee für etwas Neues brachte Hajo Wolf auf den Weg. Daraus entstand 2020 der DODO Bürger- und Kulturverein.

Eigentlich sollte zunächst das alte Dorfgemeinschaftshaus umgebaut werden. Die Flutkatastrophe 2021 machte diese Pläne jedoch zunichte. Gemeinsam mit der Stadt Mechernich entwickelte sich daraus schließlich die Idee eines komplett neuen Dorfmittelpunktes. Heute umfasst das DODO-Areal nicht nur Festhalle und Treff, sondern auch Biergarten, Dorfplatz, Vereinsräume und Jugendbereich. Alles eingebettet zwischen Grundschule, Kindergarten, Turnhalle, Sportplatz und Feuerwehr. „Es ist nicht nur ein Gebäude entstanden. Es ist ein Ort entstanden, an dem sich heute nahezu das gesamte Dorfleben abspielt“, so Breuer.

„Wussten Sie eigentlich …?“
Beeindruckende Zahlen verdeutlichen den Umfang des Projektes. Neben den Investitionen der Stadt Mechernich flossen Fördermittel, Vereinsvermögen, private Finanzierungsbausteine und weitere Unterstützungen in das Projekt. Vor allem aber investierten die Menschen vor Ort ihre Zeit. Rund 6.000 Stunden ehrenamtliche Eigenleistung wurden allein während der Bauphase erbracht, nahezu täglich über anderthalb Jahre hinweg.
Breuer machte deutlich, dass die Arbeit mit der Fertigstellung keineswegs beendet sei. Pflege, Vermietung, Technik, Veranstaltungen und Instandhaltung würden erneut tausende Stunden ehrenamtlichen Einsatz erfordern. „Wenn wir dieses Haus nicht mit Leben füllen, nutzt uns das schönste Gebäude nichts“, so der Vorsitzende des Vereinskartells.

Mit viel Humor hatte zuvor Christoph Breuer, Fachbereichsleiter der Stadt Mechernich, das Gebäude vorgestellt. Unter dem Motto „Wussten Sie eigentlich …?“ führte er die Besucher durch zahlreiche Besonderheiten des Neubaus.
So orientiert sich die Form des Festsaals bewusst an einem klassischen Festzelt. Eine leistungsfähige Photovoltaikanlage erzeugt jährlich rund 100.000 Kilowattstunden Strom, geheizt wird mit moderner Wärmepumpentechnik. Rund 300 Meter Leerrohre ermöglichen künftig eine flexible Veranstaltungstechnik – vom Schaustellerbetrieb bis zu großen Konzerten.

Besonders stolz zeigte sich Breuer darauf, dass 16 der 19 Gewerke an Firmen aus dem Kreis Euskirchen vergeben werden konnten, darunter zwölf Unternehmen aus Mechernich und acht direkt aus Firmenich und Obergartzem. „Viele Betriebe haben weit mehr geleistet als vertraglich vereinbart“, so Breuer.
Ein Haus für kommende Generationen
Ortsbürgermeister Tobias Heidemann erinnerte daran, dass Gemeinschaft nicht durch Mauern entstehe, sondern durch Menschen, die Verantwortung übernehmen. Als sichtbares Zeichen dieses außergewöhnlichen Engagements überreichte er Jens Breuer eine Ehrentafel. Sie soll künftig dauerhaft daran erinnern, dass dieses Gebäude vor allem durch den Einsatz vieler Ehrenamtlicher entstanden ist. „Ein solches Engagement kann man nicht kaufen“, lobte Heidemann.

Auch Altbürgermeister Dr. Hans-Peter Schick blickte auf die Anfänge zurück. Die Schließung der Dorfgaststätten sei zunächst ein Verlust gewesen. Heute zeige sich jedoch, dass daraus etwas Neues entstanden sei. Gerade mit Blick auf die weitere Entwicklung des Doppelortes werde das DODO-Areal dazu beitragen, neue Bürgerinnen und Bürger schnell in das Dorfleben einzubinden.
Für das NRW-Kulturministerium gratulierte Tobias Bäcker vom Programmbüro „Dritte Orte“. Genau solche Projekte habe man mit dem Förderprogramm erreichen wollen. Dritte Orte seien Räume zwischen Zuhause und Arbeitsplatz. Es seien Orte, an denen Menschen sich begegnen, Kultur erleben und Gemeinschaft gestalten können. Das DODO-Areal erfülle diese Idee in besonderer Weise.

Er erinnerte sich an den ersten Konzeptbrief von Hajo Wolff, der vor rund sechs Jahren eingegangen sei. „Aus wenigen Seiten ist inzwischen ein beeindruckendes Projekt entstanden, das weit über die ursprünglichen Planungen hinausgewachsen ist“, so Bäcker.
Gottes Segen für den neuen Mittelpunkt
Zum Abschluss segnete Pfarrer Peter Wycislok das gesamte Areal. Mit einem Schmunzeln erinnerte er daran, dass Firmenich-Obergartzem dort liege, „wo Milch und Honig fließen“. Die Milch komme von der benachbarten Molkerei, den Honig wünsche er dem DODO-Treff.
Noch wichtiger aber sei etwas anderes: Das Gebäude stehe genau zwischen zwei Dörfern und zeige, wie Gemeinschaft gelingen könne. „Vielleicht sollte ich einmal ein paar Politiker mitbringen, damit sie sehen, wie Frieden zwischen zwei Dörfern funktioniert.“

Mit der Segnung, viel Applaus und dem anschließenden Musikprogramm war der offizielle Teil beendet. Im Biergarten spielte der Musikverein Antweiler, später sorgte die Big Band der Musikschule Frechen für Stimmung. Am Sonntag wurde das Einweihungsfest mit Frühschoppen, Vereinsständen, dem Tag der offenen Tür in der neuen Grundschule sowie weiteren musikalischen Beiträgen der Big Band der Musikschule Euskirchen und der Gruppe De Vänte fortgesetzt.
Nach Jahren der Planung, der Rückschläge und Tausender Stunden gemeinsamer Arbeit wurde an diesem Wochenende deutlich: Im Doppeldorf ist weit mehr entstanden als ein neues Gebäude. Es ist ein Ort, an dem Gemeinschaft künftig jeden Tag gelebt werden kann.
pp/Agentur ProfiPress
07/07/2026

