Farbtupfer vor dem Zug auch in der Kirche – Familienmesse als farbenfrohes Lebenszeichen – Wie die „fünfte Jahreszeit“ entstand
Mechernich – „Petrus muss ein Mechernicher sein“, skandierte Prinz Torsten I. (Krieg) in seiner Ansprache während der Fastelovendsmesse am Tulpensonntag in der Mechernicher Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Die „heiligen Worte“ beendete der nach eigenen Worten emotional bewegte Narrenherrscher mit der rheinisch-katholischen Doppelformel „Alaaf und Amen!“

In der traditionsreichen Messfeier des Familienmesskreises Mechernich verbanden sich wieder einmal der christliche Glaube mit dem rheinischen Frohsinn. Die heilige Messe unter der Leitung von Pfarrer Erik Pühringer und zur Musik des Kinderchores um Erik Arndt bildete gleichsam die Ouvertüre für den großen Tulpensonntagszug durch Mechernich – erweitert diesmal durch das Zeremoniell einer Wagensegnung. Dazu war der neue blau-goldene und mit einem Baldachin gekrönte Festwagen der Mechernicher Prinzengarde in der Turmhofstraße hinter der Kirche aufgefahren.

Organisiert wurde die Liturgie wieder vom Familienmesskreis, einem lebendigen Netzwerk aus Müttern, Jugendlichen und Kindern der Pfarrgemeinde. Hauptzelebrant war Pfarrer Erik Pühringer, der mit seiner offenen Art nicht nur den liturgischen Rahmen setzte, sondern Gottesdienst auch als spirituelles Fundament für die närrische Zeit insgesamt versteht.

Fröhlich, bunt und für heutige Verhältnisse gut besetzt war die Kirche, als der Gottesdienst begann: Kostümierte Familien, Fahnenabordnungen der Prinzengarde und des Festausschusses Mechernicher Karneval reihten sich hinter dem Altar auf. Der Kinderchor unter der Leitung von Erik Arndt sorgte dafür, dass kein Herz unberührt blieb.

Im Zentrum der Eingangsmeditation stand eine farbenreiche Blumenwiese, die Symbol für Vielfalt, Gemeinschaft und den Platz jedes Einzelnen war. Die Sonnenblume, die Rose, der Löwenzahn, die Distel und das Gänseblümchen – sie alle stritten metaphorisch darum, wer den größten Wert habe. Doch die Botschaft am Ende war klar: Ob groß wie die Sonnenblume oder klein wie das Gänseblümchen, ob gut duftend wie die Rose oder blütenreich wie die Gladiole, alle gehören zu Gottes Schöpfung und verdienen ihren Platz in der Gemeinschaft auf der Blumenwiese.

Diese bildhafte Betrachtung zog sich wie ein roter Faden durch die Messe. Es wurde viel gesungen, getanzt und gelacht, aber auch nachdenklich gebetet. In den Fürbitten baten Hannes, Henry und Niklas Gott um „zarte Blüten des Friedens“ überall dort, wo harte Worte gefallen seien – und um die Kraft, selbst gute „Gärtner“ im Leben zu sein, die zuhören, verstehen und versöhnen.
„Leben zu kurz für Streit und Zank“
Eine besondere emotionale Tiefenstaffel setzte der amtierende Karnevalsprinz Torsten I. (Krieg) in seinem Glaubenszeugnis. Er dankte für das Kaiserwetter an seinem großen Tag, für die Unterstützung seiner Heimat und vor allem für jene Menschen, die ihn und die Gemeinschaft der offiziellen Jecken getragen hätten. Dabei machte er keinen Hehl daraus, dass seine Regentschaft mehr Teamleistung als Solofahrt sei.

Er dankte exemplarisch Vorjahresprinz Joachim Vossel, dem früheren Prinzenführer und stellvertretenden Vorsitzenden Gert Jannes, Festkomitee-Präsident Albert Meyer und einigen anderen Funktionären, die ihn begleitet, unterstützt und motiviert hätten– nicht nur auf dem diesmal recht kurzen Weg durch die Session, sondern auch hinter den Kulissen und bei seinen „sozialen Ausflügen“.

Er verbrachte Tage als Helfer bei der Mechernicher „Tafel“, sammelte Erfahrungen als ehrenamtlicher Altpapiersammler und besuchte Sterbende im Hospiz „Stella Maris“ der Communio in Christo – Erfahrungen, die ihm gezeigt hätten, wie wichtig Mitmenschlichkeit und Demut sind. „Das Leben ist zu kurz für Streit und Zank“, lautete sein Fazit, das mit einem lauten rheinisch-katholischen „Alaaf und Amen“ endete.

Beim Tulpensonntagszug ab 14 Uhr zogen nicht nur die Komitee-Wagen der drei vaterstädtischen Karnevalsgesellschaften durch die Straßen. Inmitten von Musikkapellen, Fußgruppen und jecken Wagen feierte auch der Familienmesskreis mit – als eine der größten und farbenprächtigsten Fußgruppen des gesamten Zugs, in dem 16 Mitglieder der Pfarrjugendgruppe als „Wagenengel“ für Sicherheit sorgten.

Die von Rebekka Narres organisierte Weltjugendtags-Truppe des Pastoralen Raumes St. Barbara Mechernich war auch mit „Engeln“ in den Karnevalsumzügen am Samstag in Strempt und Rosenmontag in Kommern am Start.
Was diesen Karnevalsgottesdienst auszeichnete, war die offene Mischung aus liturgischer Tiefe und herzlicher Jeckheit. Es war eine Messe, in der Glauben, Gemeinschaft und Lebensfreude ebenso Platz hatten wie Tradition, Musik und Frohsinn – eine Kirche, die sich nicht hinter hohen Mauern versteckt, sondern mitten im Leben steht: bunt, laut, nachdenklich und mit den Menschen verbunden.
pp/Agentur ProfiPress
02/17/2026

