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Kerstin Rottland

10/01/2026

Erdbeeren unter Strom

Landrat Markus Ramers (4.v.r.) und dessen Allgemeiner Vertreter Manfred Poth (r.) hatten sich auf dem Krewelshof mit Vertretern der Kreis-Wirtschaftsförderung zu einer Besichtigung der Agri-PV-Anlage angekündigt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Krewelshof Eifel verbindet Landwirtschaft und Energiegewinnung auf derselben Fläche – Landrat Markus Ramers und Bürgermeister Michael Fingel besichtigen neue Agri-Photovoltaik-Anlage – Schutz vor Wetterextremen, eigener Strom und nachhaltiger Anbau

Mechernich-Obergartzem – Nein, die Kürbisschau hatte nicht ausnahmsweise schon um acht Uhr morgens geöffnet. Und es waren auch keine orangefarbenen Riesenfrüchte, für die sich die Besucher aus dem Kreishaus interessierten, sondern kleine rote: Es ging um Erdbeeren. – Jedenfalls auf den ersten Blick.

Landrat Markus Ramers (4.v.r.) und dessen Allgemeiner Vertreter Manfred Poth (r.) hatten sich auf dem Krewelshof mit Vertretern der Kreis-Wirtschaftsförderung zu einer Besichtigung der Agri-PV-Anlage angekündigt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Landrat Markus Ramers (4.v.r.) und dessen Allgemeiner Vertreter Manfred Poth (r.) hatten sich auf dem Krewelshof mit Vertretern der Kreis-Wirtschaftsförderung zu einer Besichtigung der Agri-PV-Anlage angekündigt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Auf den zweiten ging es um weit mehr: Auf dem Krewelshof Eifel zeigt eine neue Agri-Photovoltaik-Anlage, wie Landwirtschaft, Klimaschutz und Energiegewinnung auf ein und derselben Fläche miteinander funktionieren können. Landrat Markus Ramers und dessen Allgemeiner Vertreter Manfred Poth hatten sich mit Vertretern der Kreis-Wirtschaftsförderung zu einer Besichtigung der Anlage angekündigt, und auch Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel dazu gebeten. Während über dem Krewelshof-See die orangefarbene Sonne aufging, marschierte der kleine Tross, angeführt von der Krewelshof-Familie um Theo und Danielle Bieger mit Tochter Bibi und Sohn Max sowie den Erbauern der PV-Anlage in Richtung Erdbeerfeld.  

Innovative Anbau-Methoden auf dem Krewelshof: Landwirt Theo Bieger sprach mit Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel und Landrat Markus Ramers auch über seine zukünftigen Pläne. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Innovative Anbau-Methoden auf dem Krewelshof: Landwirt Theo Bieger sprach mit Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel und Landrat Markus Ramers auch über seine zukünftigen Pläne. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Erst im Näherkommen zeigt sich: ein „Feld“ ist es eher nicht. Vielmehr ein Hochbeet, wenn auch ein ziemlich ungewöhnliches. Das Prinzip ist ebenso clever wie nachhaltig: Zwischen und über den Erdbeerreihen erzeugen Photovoltaikmodule Strom, während darunter weiterhin ganz normal Landwirtschaft betrieben wird. Ergänzt wird die rund 500 Quadratmeter große Anlage durch einen Batteriespeicher. Damit kann der Krewelshof Eifel einen erheblichen Teil seines eigenen Strombedarfs decken, sei es für die hofeigene Gastronomie, E-Autos von Mitarbeitern oder zur Kühlung der eingelagerten Äpfel. Zugleich sollen die Konstruktion und spezielle Kappen die empfindlichen Früchte vor den Folgen immer extremerer Wetterlagen schützen.   

Räumte mit einem Vorurteil auf: „Der Ackerboden wird nicht zubetoniert“, betonte Christian Salewski von der Firma ProSolarTec GmbH, die die Anlage konstruiert hat. Alle Pfosten sind nur gerammt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Räumte mit einem Vorurteil auf: „Der Ackerboden wird nicht zubetoniert“, betonte Christian Salewski von der Firma ProSolarTec GmbH, die die Anlage konstruiert hat. Alle Pfosten sind nur gerammt. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Angebaut wird hier die besonders aromatische, immertragende Erdbeersorte „Favori“, und zwar bewusst nicht am Boden. Das rückenschonende Erhöhungssystem ist so konzipiert, dass die Trasse dazwischen trotz Überbau aus Photovoltaik-Panelen vollständig mit normalen Schmalspurtraktoren befahrbar bleibt. Ein cleveres Wechselreihensystem verbindet PV-Reihen, Arbeitsgassen und Erdbeerreihen miteinander. „Wir zeigen, wie die Zukunft der Landwirtschaft in NRW aussehen kann“, unterstrich Landwirt Theo Bieger. Es gehe nicht um ein ‚Entweder- oder‘ zwischen Energiewende und regionalen Lebensmitteln, sondern vielmehr um ein intelligentes Miteinander.

Test-Erdbeere überzeugt: „Hm, köstlich!“

Tatsächlich löst die Kombination gleich mehrere Herausforderungen: Energie erzeugen, hochwertige Lebensmittel produzieren und gleichzeitig die Kulturen gegen Klimarisiken absichern. Denn, wie Bieger es mit Hinblick auf Klimawandel und Luftverschmutzung formulierte: „Die größte Gefahr für unsere Pflanzen kommt immer aus der Luft“. Umso praktischer, dass die Photovoltaikmodule und Tunnel die Erdbeeren zugleich vor Starkregen, Hagel, extremen Windböen und intensiven UV-Hitzespitzen schützen. So entsteht unter der Anlage ein stabileres Mikroklima, das nicht nur für ein fruchtig-süßes Aroma sorgt. Sondern auch für eine lange Erntezeit, sprich: bis in den November hinein.

Während über dem Krewelshof-See die orangefarbene Sonne aufging, marschierte der kleine Tross (hier Landrat und Bürgermeister) hinter Familie Bieger her in Richtung PV-Anlage. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Während über dem Krewelshof-See die orangefarbene Sonne aufging, marschierte der kleine Tross (hier Landrat und Bürgermeister) hinter Familie Bieger her in Richtung PV-Anlage. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Zugleich verspricht sich der Krewelshof einen geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, weil Nützlinge im geschützten Bereich gezielter biologisch eingesetzt werden könnten. Dass die Idee gelingt, kann man schon jetzt schmecken: Landrat und Bürgermeister (in Begleitung von Christian Habrich vom städtischen Team Wirtschaftsförderung) überzeugten sich auch persönlich davon: „Hm“, schwärmten sie, „köstlich!“

Auch bei der Wasserversorgung setzt das Bieger‘sche Konzept auf Nachhaltigkeit. Für die Bewässerung wird ausschließlich gesammeltes Regenwasser genutzt. Nach der Tröpfchenbewässerung versickere dieses wieder auf natürliche Weise im Boden, erläuterte Theo Bieger. Leitungswasser wird also nicht unnötig verbraucht. Das zu hören, freute auch Bürgermeister Michael Fingel: „Ich begrüße ausdrücklich den nachhaltigen Ansatz und die Chancen, die sich aus dem Zusammenspiel der verschiedenen Energien ergeben.“  

„Hm, köstlich!“ Dass es funktioniert, kann man auch schmecken: Landrat und Bürgermeister inklusive Entourage überzeugten sich auch persönlich davon. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
„Hm, köstlich!“ Dass es funktioniert, kann man auch schmecken: Landrat und Bürgermeister inklusive Entourage überzeugten sich auch persönlich davon. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Kein Beton: Pfosten nur gerammt

Die Agri-PV-Anlage des Krewelshofs ist insgesamt 33,86 Meter breit. Davon entfallen zwölf Meter auf den mit Photovoltaik-Panelen überdachten Teil, während 21,86 Meter für Erdbeeren und Gassen genutzt werden. Einen häufig vorgebrachten Kritikpunkt an derartigen Freiflächenanlagen griff der Konstrukteur der Anlage beim Ortstermin ausdrücklich auf: „Der Ackerboden wird nicht zubetoniert, wie es immer heißt“, betonte Christian Salewski von der Obergartzemer Firma ProSolarTec GmbH, die die Anlage konstruiert und gebaut hat. Nach Angaben des Betriebs wurde nicht mal für das Setzen der Pfosten Beton verwendet. „Die Pfosten sind nur gerammt und können später rückstandslos entfernt werden. Der Boden bleibt also landwirtschaftlich nutzbar.“ Auch auf dem Krewelshof in Lohmar sei eine ähnliche Nutzung schon länger in Planung, erzählte Theo Bieger. „Aber die Verwaltung dort ist leider nicht so flott und kooperativ wie hier in Mechernich.“

Leckeres und Dekoratives aus süßen Erdbeeren: damit kennt man sich auf dem Krewelshof Eifel bestens aus. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Leckeres und Dekoratives aus süßen Erdbeeren: damit kennt man sich auf dem Krewelshof Eifel bestens aus. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

Für Landrat Markus Ramers und die Kreiswirtschaftsförderung bot der Besuch interessante Einblicke in ein Projekt, das gleich mehrere Zukunftsfragen miteinander verknüpft: Wie lassen sich regionale Lebensmittel erzeugen, landwirtschaftliche Betriebe widerstandsfähiger gegen Wetterextreme machen und gleichzeitig erneuerbare Energien gewinnen? Auf dem Krewelshof lautet die Antwort (zumindest beim Thema Erdbeeren): alles auf derselben Fläche.

pp/Agentur ProfiPress