Maßschneiderin Stefanie Behling hat in der Kommerner Mühlengasse ihr neues Ladenatelier eröffnet – Individuelle Kleidung für den Alltag statt Mode von der Stange – Nähkurse für Anfänger und regelmäßige Auftritte bei „Volle Kanne“ im ZDF
Mechernich-Kommern – Die Räume sind perfekt auf sie zugeschnitten: Viel Licht, gemütliches Fachwerk, ein Arbeits- und ein Showroom plus kleine Küche: In der Mühlengasse 4 – dort, wo jahrelang Versicherungsverträge an Menschen angepasst wurden – dreht sich ab sofort alles um Stoffe, Schnitte und handgefertigte Mode. Maßschneiderin und Modedesignerin Stefanie Behling hat am Samstag unmittelbar an der längsten Fachwerkstraße NRWs ihr neues Ladenatelier eröffnet. Und eins muss man schon sagen: Die Geschäftsräume stehen der sympathischen Kommernerin 1 a!

„Ich hatte schon länger Lust, nochmal ein neues Atelier zu eröffnen, wollte aber nicht in die Stadt“, erzählt die kreative Unternehmerin. Ihre Geduld hat sich ausgezahlt. „Die Räumlichkeiten hier sind ideal und haben wohl einfach auf mich gewartet.“ Dass das Schneiderhandwerk zu ihrem Leben gehört, kommt nicht von ungefähr. „Auch meine Mutter war Damenschneiderin von Beruf“, erzählt Behling. Deren alte Singer-Nähmaschine habe darum einen Ehrenplatz im neuen Atelier erhalten: direkt am Schaufenster neben der Tür. Rund 120 Jahre ist das historische Schätzchen mit kunstvollem Schmiedeeisen und Tretantrieb alt, wurde inzwischen restauriert – und näht noch immer. Stefanie Behling selbst ist seit 25 Jahren als Maßschneiderin und Modedesignerin tätig und lernte ihr Handwerk unter anderem auf der Düsseldorfer Königsallee.

Die Kö gegen Kommern einzutauschen, sei ihr zu keinem Zeitpunkt schwergefallen. Ihr Ehemann Karl Hubert Hambach habe sie nach dem Studium ermutigt, ihr eigenes Ding zu machen. – Mit Erfolg. „Ich komme ja von hier“, sagt Behling, deren Atelier sich die zunächst in Euskirchener Tuchfabrik und danach viele Jahre unmittelbar an ihrem Wohnhaus Auf dem Daniel in Kommern befand. „Das war natürlich praktisch, als die Kinder noch klein waren.“ Irgendwann habe sie aber auch mal wieder aus dem Haus gewollt zum Arbeiten. „Und sei es nur ein paar hundert Meter die Straße runter“. In Zeiten von Video-Calls müssten Kundinnen und Kunden ohnehin nicht mehr zwingend um die Ecke wohnen. Längst arbeitet die Designerin für Menschen aus ganz Deutschland sowie aus Österreich, der Schweiz, Dänemark und Schweden.
Nur Festkleidung? – Im Gegenteil!
Im neuen Atelier soll der persönliche Kontakt nun wieder mehr Raum bekommen. Kundinnen und Kunden kommen mit Vorstellungen, Wünschen – manchmal aber auch nur mit einer groben Idee. Genau das gefällt Behling. „Woher meine Inspiration kommt? Unterschiedlich. Ich laufe mit offenen Augen durch die Welt, sehe zum Beispiel einen Kragen und denke mir: Da mach ich was mit!“ Bei Maßanfertigungen seien es dagegen häufig die Menschen selbst, die den Entwurf anstoßen: „Manchmal muss man die Ideen auch erst ein wenig rauskitzeln.“

Am Ende soll etwas entstehen, das eben nicht in jedem Modegeschäft hängt. Dabei räumt Behling gleich mit einem verbreiteten Bild von Maßschneiderei auf: Es geht keineswegs nur um Brautkleider, Festroben oder Herrenanzüge. „Der Anteil an Tagesgarderobe liegt etwa bei 80 Prozent“, sagt sie. Schlichte Blusen, Oberteile oder Röcke seien teils bereits ab etwa 250 Euro erhältlich. „Stücke aus meiner eigenen Kollektion sind meist günstiger als ein individuell entwickelter Entwurf.“ Klar, das Schnittmuster steckt ja dann quasi schon in der Schublade.
Nachhaltigkeit spielt generell eine zentrale Rolle für die Designerin. Behling setzt lieber auf Kleidung, die lange getragen wird, als auf kurzlebige Trends. „Ein hochwertiges Stück kann einen über viele Jahre begleiten und bei Bedarf repariert, gekürzt oder immer mal wieder an die Figur angepasst werden.“ Das neue Atelier ist deshalb Werkstatt, Showroom und Laden zugleich: Stücke aus Behlings Kollektion können direkt anprobiert und gekauft oder individuell angepasst werden.

Und nicht nur bei der Kleidung gilt: möglichst wenig von der Stange. Im Atelier finden sich auch geschmackvolle Tücher, Schmuck und kunstvolle Keramik. „Ich weiß bei jedem Teil, wo es herkommt oder wer es gemacht hat“, sagt Behling. Damit fügt sich auch das ergänzende Sortiment in ihr Konzept ein: handgemacht, persönlich ausgesucht und stets mit einer kleinen Geschichte dahinter.
Nähkurse finden ebenfalls in Kommern statt
Wer selbst einmal an die Nähmaschine möchte, kann das bei Stefanie Behling ebenfalls lernen. In ihren Nähkursen sind ausdrücklich auch Anfänger willkommen. „Können muss man erst mal nichts, nur eine Nähmaschine haben“, sagt sie. Ein festes Schnittmuster für die Kurse, die in ihren ehemaligen Atelierräumen Auf dem Daniel stattfinden, gibt es bewusst nicht: „Auch keine Vorgaben, jeder kann das nähen, was er möchte.“ Das Alter spiele ebenfalls kaum eine Rolle, ihre Kursteilnehmerinnen reichen nach eigenen Angaben von jungen Erwachsenen bis hin zu über 70-Jährigen. (Nähere Infos rund um das Angebot der Designerin finden Interessierte unter www.stefanie-behling.de)
Dass die talentierte Kommernerin ihr Wissen verständlich vermitteln kann, weiß inzwischen auch ein Millionenpublikum. Seit 2006 steht sie immer wieder für die ZDF-Sendung „Volle Kanne“ vor der Kamera, wo sie bis heute Mode-, Stoff- und Nähtipps gibt. Im Oktober steht der nächste Dreh an, für Stefanie Behling wird er dennoch eine Premiere sein: „Erstmals kommt das Fernsehteam in mein neues Atelier!“

Geöffnet ist das Ladenatelier in der Mühlengasse 4 künftig donnerstags von 9 bis 13 Uhr, freitags von 9 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr sowie am ersten Samstag eines Monats von 9 bis 13 Uhr. Darüber hinaus sind Termine nach Vereinbarung möglich.
Modedesignerin Stefanie Behling hat mit der Atelier-Eröffnung ein neues Umfeld zur Präsentation ihrer Ideen geschaffen. Das eigentliche Schnittmuster ihrer Arbeit aber bleibt unverändert: gutes Handwerk, persönliche Ideen und Kleidung, die zu dem Menschen passt, der sie trägt.
pp/Agentur ProfiPress
09/16/2026

