Löschgruppe Floisdorf feierte ihr Jubiläum mit Zapfenstreich, Festakt, Beförderungen und Feuerwehrtag – Friedhelm Brauner blickte auf die bewegte Geschichte zurück – Zahlreiche Ehrengäste würdigten das Ehrenamt
Floisdorf – Es war nicht nur ein Geburtstag, es war ein Fest für ein ganzes Dorf und für eine Gemeinschaft, die seit Generationen trägt: Mit einem großen Zapfenstreich, Musik und einer rundum gelungenen Feier startete die Löschgruppe Floisdorf in ihr Jubiläumswochenende. „Es war eine richtig schöne Party“, lautete am Morgen danach das Fazit des stellvertretenden Löschgruppenführers Ingo Esser. Und auch das Wetter hatte mitgespielt: trocken geblieben, lange zusammengesessen, gefeiert und trotzdem standen die Feuerwehrleute am Sonntag wieder bereit, um mit Gästen, Kameraden, Politik und Bevölkerung den offiziellen Höhepunkt zu begehen.

100 Jahre Löschgruppe Floisdorf: Hinter dieser runden Zahl verbergen sich unzählige Einsätze, Übungsabende und Stunden ehrenamtlicher Arbeit, ebenso Kameradschaft, Dorfgemeinschaft und eine Geschichte, die durch mehrere Generationen von Feuerwehrleuten getragen wurde.
Beim offiziellen Festakt war es Löschgruppenführer Friedhelm Brauner, der diese Geschichte in großen Linien nachzeichnete. Dabei stellte er den traditionellen Feuerwehrleitspruch „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ an den Anfang. Für ihn bringt er bis heute auf den Punkt, was Feuerwehr ausmacht: „Kameradschaft, Zusammenhalt und selbstlosen freiwilligen Einsatz am Nächsten.“

Genau dieser Gedanke dürfte nach Brauners Überzeugung auch jene zehn Männer angetrieben haben, die 1926 die Freiwillige Feuerwehr Floisdorf gründeten – in einer Zeit, die von Armut, Hungersnot und Arbeitslosigkeit geprägt war. „Was sonst treibt zehn Männer dazu, in einer solchen Zeit gemeinnützig eine Feuerwehr zu gründen?“, fragte der Löschgruppenführer.
Von Handkarren bis LF10
Schon 1927 musste neben dem Landrat sogar die interalliierte Kommission der Gründung zustimmen. Zur damaligen Ausstattung gehörten unter anderem 120 Meter Schlauch und Steigergurte. Es folgten schwierige Kapitel während der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs. Nach Bombentreffern auf Floisdorf wurden 1941 sogar Blindgänger mit Unterstützung der Feuerwehr auf Handkarren abtransportiert. Als im Krieg die Männer fehlten, wurden auch Frauen zum Feuerwehrdienst verpflichtet.

Später hielt die Moderne Einzug. 1962 entstand das Gerätehaus neben der alten Schule. 1969 wurde Floisdorf im Zuge der kommunalen Neuordnung Teil der Großgemeinde Mechernich. Ein erstes selbstfahrendes Löschfahrzeug folgte 1970. Eine besondere Herausforderung stand auch Mitte der 90er an, als die Löschgruppen Berg, Eicks und Floisdorf zusammengelegt wurden. Jahrelang bestand die Löschgruppe größtenteils nur aus Floisdorfern, das hat sich mittlerweile geändert. Im Jahr 2000 wurde das Gerätehaus dann in Eigenleistung aufgestockt und um den heutigen Schulungsraum erweitert.
2022 kam das moderne LF10, 2024 das Mannschaftstransportfahrzeug hinzu. Zugleich richtet sich der Blick bereits nach vorne: Der Start zur Erweiterung des Feuergerätehauses ist gemacht, die ersten Arbeiten sind schon erfolgt. Die Pläne dazu waren während des Jubiläums ebenfalls ausgestellt.

Heute zählt die Löschgruppe mehr als 30 aktive Einsatzkräfte. Hinzu kommen der Nachwuchs in der Jugendfeuerwehr und die Ehrenabteilung. Gerade auf die Kontinuität über Generationen hinweg sei man stolz, betonte Friedhelm Brauner. Den Feuerwehrleuten früherer Zeiten zollte er besonderen Respekt: „In einem ungewissen Umfeld mit einer aus heutiger Sicht provisorischen Ausrüstung die Probleme gemeistert und Gefahren abgewehrt zu haben, ist schon eine besondere Leistung.“
„Garanten für unsere Sicherheit“
Wie unverzichtbar diese freiwillige Arbeit bis heute ist, machte Landrat Markus Ramers deutlich. Er erinnerte an die großen Vegetations- und Waldbrände der vergangenen Wochen in der Region und daran, dass mehr als 95 Prozent der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr im Kreis Euskirchen ehrenamtlich geleistet werden.

Feuerwehr sei deshalb weit mehr als ein Hobby. „Die Menschen, die in der Feuerwehr aktiv sind, sind Garanten für unser aller Sicherheit“, sagte Ramers. Fahrzeuge, Funktechnik, Leitstellen und Ausbildung hätten sich in 100 Jahren grundlegend verändert. Eines aber sei gleich geblieben: „Wenn nachts um zwei Uhr der Meldeempfänger geht, dann braucht es Menschen, die aufstehen.“

Ramers dankte ausdrücklich auch den Familien, die dieses Engagement mittragen, den Arbeitgebern, die Einsatzkräfte freistellen, und den Verantwortlichen in der Jugendfeuerwehr. Mit einem Augenzwinkern erinnerte er daran, dass einst der Landrat die Gründung der Feuerwehr genehmigen musste: „Wenn ich heute noch einmal genehmigen müsste, dass Sie weitere 100 Jahre arbeiten dürfen, dann täte ich das voller Überzeugung. Die nächsten 100 Jahre braucht es Sie hier in Floisdorf.“

Bürgermeister Michael Fingel würdigte die Löschgruppe als festen Bestandteil der Stadtgesellschaft. „Seit einem ganzen Jahrhundert steht die Löschgruppe Floisdorf für Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und gelebte Gemeinschaft“, sagte er. Generationen hätten sich bei Bränden, Unfällen, Unwettern und anderen Notlagen für ihre Mitmenschen eingesetzt.
Dieses Engagement sei „alles andere als selbstverständlich“. Ehrenamt bedeute, Verantwortung zu übernehmen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. „Genau dieses Verantwortungsbewusstsein macht unsere Gemeinschaft stark“, so Fingel.

Sein besonderer Dank galt der heutigen Löschgruppenführung um Friedhelm Brauner, Sebastian Heitmann und Ingo Esser und allen aktiven wie ehemaligen Mitgliedern sowie deren Familien und Unterstützern. Für die Zukunft formulierte der Bürgermeister vor allem einen Wunsch: dass die Feuerwehrleute nach ihren Einsätzen immer wieder gesund nach Hause zurückkehren.
Die „DNA des Ehrenamtes“
Humorvoll näherte sich Ortsbürgermeister Marcel Schoddel der Frage, was einen Feuerwehrmann eigentlich ausmacht. Ob Feuerwehruniform, schicke Kleidung oder Alltagskleidung – am Ende sei das vollkommen nebensächlich.

„Es kommt nicht auf die neueste Uniform an. Nicht die schöne Hose oder der neue Helm macht den Feuerwehrmann aus“, sagte Schoddel. Entscheidend sei vielmehr „die DNA des Ehrenamtes“.
Sie zeige sich dann, wenn der Melder geht, jemand seine Familie zurücklässt und losfährt, um möglicherweise einem völlig fremden Menschen zu helfen. „Man steckt selber zurück und hilft einem anderen. Man setzt sich für das Gute ein. Das macht die Feuerwehr aus und das wird hier seit 100 Jahren praktiziert.“

Ehrenurkunde der Landesregierung
Eine besondere Würdigung brachte Kreisbrandmeister Peter Jonas mit nach Floisdorf. Er überreichte der Löschgruppe eine Ehrenurkunde des Landes Nordrhein-Westfalen zum 100-jährigen Bestehen.
„Am Ende des Tages geht es eben nur zusammen. Der Zusammenhalt ist groß – auch unter den Feuerwehren im gesamten Kreis Euskirchen. Darauf sind wir stolz, und ihr seid ein Teil davon“, sagte Jonas.

In der von NRW-Innenminister Herbert Reul unterzeichneten Ehrenurkunde spricht die Landesregierung der Freiwilligen Feuerwehr Mechernich, Löschgruppe Floisdorf, ihre Glückwünsche sowie „Dank und Anerkennung für die freiwillig geleistete Arbeit zum Wohle der Bürger“ aus. Auch im Namen des Kreisfeuerwehrverbandes überbrachte Jonas Glückwünsche und eine Unterstützung für die Löschgruppe.
Zahlreiche weitere Gratulanten reihten sich ein. Glückwünsche und Grußworte überbrachten Beppo Wassong für die SPD, Julia Lehner für die CDU und als Ortsbürgermeisterin von Eicks, Stefan Schmitz als Ortsbürgermeister von Berg und Mitglied der Löschgruppe Floisdorf sowie Vertreter der Löschgruppen Bleibuir und Glehn. Auch der Vorsitzende des Floisdorfer Vereinskartells dankte der Feuerwehr für die Unterstützung, die sie über das gesamte Jahr hinweg bei Veranstaltungen und im Dorfleben leistet.

Beförderungen zum Jubiläum
Das Jubiläum bot zudem einen würdigen Rahmen für Beförderungen. Gemeinsam mit seinen Stellvertretern Tobias Wolff und Markus Kurtensiefen nahm Leiter der Feuerwehr Jens Schreiber die Ernennungen vor.
Timo Brauner, der aus der Jugendfeuerwehr hervorgegangen ist, wurde zum Feuerwehrmann befördert. Stefan Voiß hatte erfolgreich den Truppführerlehrgang auf Kreisebene absolviert und wurde zum Unterbrandmeister ernannt. Stefan Schmitz, der den Gruppenführer-Basislehrgang am Institut der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde zum Brandmeister befördert.

Schreiber würdigte die Floisdorfer Mannschaft als „intakte, funktionierende Löschgruppe“ und als wichtigen Bestandteil einer funktionierenden Stadtfeuerwehr. Auch er verband seine Glückwünsche mit dem wichtigsten Wunsch für die kommenden Jahre: „Kommt immer wieder gesund aus euren Einsätzen zurück.“
Feuerwehr zum Anfassen
Nach dem offiziellen Teil wurde aus dem Festakt ein Feuerwehrtag für die ganze Familie. Besucher konnten sich unter anderem an einem Brandschutztrainer versuchen und besondere Einsatztechnik besichtigen. Die Jugendfeuerwehr zeigte bei einer Schauübung ihr Können.

Auch die eigens zum Jubiläum erstellte Chronik von Winfried Barion und Peter-Lorenz Könen fand viele Interessenten. Der Erlös, der über die Herstellungskosten hinausgeht, soll der Arbeit der Jugendfeuerwehr zugutekommen.
Zudem wurde es musikalisch: Der Musikverein Eicks spielte zum Frühschoppen auf und sorgte dafür, dass sich an den offiziellen Teil nahtlos das anschloss, was zu einem solchen Jubiläum mindestens genauso gehört wie Chronik, Uniformen und Urkunden: zusammensitzen, erzählen, lachen und gemeinsam feiern.
pp/Agentur ProfiPress
09/11/2026

