Tafel Mechernich verdoppelt ihre Lagerfläche – Neue Halle schafft Platz für 30 bis 40 zusätzliche Paletten – Rund 80.000 Euro Investition – Photovoltaikanlage wird gleich mitgebaut
Mechernich – Vorne werden Lebensmittel ausgegeben, hinten rollen die Bagger: An diesem Tag herrscht bei der Tafel Mechernich gleich in mehrfacher Hinsicht Betrieb. Während die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in der ehemaligen Barbaraschule die Ausgabe vorbereiten und Kunden empfangen, haben auf dem asphaltierten Hof die Arbeiten für die nächste Erweiterung begonnen. Direkt neben den bestehenden Räumen entsteht eine neue Lagerhalle. Rund 50 Quadratmeter kommen hinzu und damit wird die bisherige Lagerfläche praktisch verdoppelt.
Der Grund für die Erweiterung ist eigentlich ein erfreulicher. „Wir haben festgestellt, dass wir mehr Ware bekommen, als wir Lagerkapazität haben“, sagt Wolfgang Weilerswist, Vorsitzender der Tafel Mechernich. Immer wieder würden größere Mengen haltbarer Lebensmittel angeboten. Bislang musste die Tafel dabei gelegentlich abwinken oder Mengen begrenzen, weil schlicht der Platz fehlte.
„Wenn man zehn oder 15 Paletten Nudeln angeboten bekommt, aber nur sechs lagern kann, ist das natürlich ärgerlich“, beschreibt Weilerswist das Problem. Schließlich gehe es bei der Tafel nicht nur darum, Lebensmittel an Bedürftige auszugeben, sondern vor allem darum, möglichst viel einwandfreie Ware vor der Vernichtung zu bewahren.
Genau dafür soll die neue Halle zusätzliche Möglichkeiten schaffen. Vor allem länger haltbare Lebensmittel können dort künftig zwischengelagert werden. Rund 30 bis 40 zusätzliche Paletten sollen Platz finden. Der Boden wird dafür so angelegt, dass die Halle mit einem Gabelstapler befahren und der vorhandene Raum möglichst effektiv genutzt werden kann.
Rund 430 Tonnen Ware umgeschlagen
Davon profitiert nicht allein die Mechernicher Tafel. Die Einrichtung fungiert zugleich als Umschlagplatz für größere Warenmengen. Wenn beispielsweise eine große Lieferung Nudeln, Konserven oder anderer haltbarer Lebensmittel eingeht, können andere Tafeln aus der Region später jeweils die Mengen übernehmen, die sie tatsächlich benötigen.
„Dann können die Tafeln das holen, wie sie es brauchen“, erklärt Weilerswist. So müsse eine größere Lieferung nicht innerhalb kürzester Zeit verteilt werden, nur weil in Mechernich der Lagerplatz fehlt.
Wie groß die Dimensionen inzwischen sind, zeigt ein Blick auf die Zahlen: 2025 wurden über die Mechernicher Einrichtung insgesamt 1.084 Paletten umgeschlagen. Rechnet man im Durchschnitt mit rund 400 Kilogramm je Palette, entspricht das mehr als 430 Tonnen Ware. „Wir retten die Lebensmittel“, bringt Wolfgang Weilerswist den Grundgedanken auf den Punkt. Je mehr davon sinnvoll weitergegeben werden könne, desto weniger müsse vernichtet werden.
Die Idee für den Neubau entstand bereits im Herbst vergangenen Jahres. Anfang 2026 wurden die Pläne konkreter, Angebote eingeholt und die Finanzierung zusammengestellt. Rund 80.000 Euro wird das gesamte Vorhaben nach Angaben des Vorsitzenden kosten.

Pfandspende und NRW-Förderung
Ein Teil der Finanzierung kommt aus Mitteln der Lidl-Pfandspende, die über den Tafel-Bundesverband vergeben werden. Hinzu kommen Fördermittel aus dem NRW-Sozialministerium von Karl-Josef Laumann. Die notwendigen Genehmigungen mit der Stadt waren bereits frühzeitig auf den Weg gebracht worden. „Das hat alles mal wieder reibungslos funktioniert“, freut sich Wolfgang Weilerswist über die gute Zusammenarbeit mit dem Rathaus.
Während die Bauarbeiten nun begonnen haben, denkt die Tafel bei dem Neubau bereits einen Schritt weiter. Die Halle wird so vorbereitet, dass dort später bei Bedarf auch eine zusätzliche Kühl- oder Tiefkühlzelle eingebaut werden könnte. Noch sei eine solche Investition finanziell nicht darstellbar, sagt Weilerswist. Gleichzeitig nehme aber gerade der Anteil an Kühlware spürbar zu.
Immer häufiger würden solche Lebensmittel über größere Logistikstrukturen zur Verfügung gestellt. Deshalb könne es durchaus sein, dass die Tafel in einigen Jahren erneut reagieren müsse. Die technische Möglichkeit dafür wird beim jetzigen Neubau jedenfalls schon berücksichtigt.
Parallel zum Hallenbau soll zudem eine Photovoltaikanlage entstehen. Auch bei den Arbeiten setzt die Tafel nach Angaben ihres Vorsitzenden bewusst auf Unternehmen aus der Region: Der Tiefbau liegt bei der Firma Arns, die Photovoltaikarbeiten übernimmt Thorsten Krieg, die Elektroinstallation die Firma Braun.
Überhaupt sei das Projekt erstaunlich schnell vorangekommen, findet Weilerswist. Von den ersten konkreten Überlegungen bis zum Baustart sei noch kein Jahr vergangen.
Die eigentliche Halle soll nach derzeitiger Planung Mitte Oktober aufgestellt werden. Dafür sind nur wenige Tage vorgesehen. Anschließend folgen Elektroarbeiten und der Innenausbau. Wenn alles nach Plan läuft, möchte die Tafel Ende Oktober bereits Einweihung feiern.
Mehr Platz, mehr Hilfe
Dass zusätzlicher Platz gebraucht wird, passt zur Entwicklung der vergangenen Jahre. Die Tafel Mechernich verzeichnet weiterhin regen Zulauf. Während die Zahl geflüchteter Menschen unter den Kunden nach Angaben Weilerswists zuletzt etwas zurückgegangen sei, kämen inzwischen wieder mehr deutsche Familien und Einzelpersonen hinzu, die Unterstützung benötigen.
Gleichzeitig kann der Vorsitzende auf einen vergleichsweise großen Stamm ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer bauen. Nachwuchs bleibt trotzdem ein Dauerthema, denn viele Aktive sind schon seit Jahren oder Jahrzehnten dabei.
Dass der Betrieb dennoch funktioniert, führt Wolfgang Weilerswist auch auf die gewachsenen Netzwerke zurück. Verbände, Förderer, Unternehmen, Stadt und Ehrenamt arbeiteten vielerorts unkompliziert zusammen. Sein Fazit ist eine Eifeler Lebensweisheit: „Wir sind in der Eifel. Man kennt sich, man hilft sich.“ Mit dem neuen Lager schafft sich die Tafel nun den nötigen Platz, damit diese Hilfe künftig noch ein Stück größer ausfallen kann.
pp/Agentur ProfiPress
09/04/2026

