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Ronald Larmann

08/31/2026

Zwei Coins, eine starke Verbindung

Scheidender Kommandeur Oberstleutnant Jochen Schnabel überreichte Bürgermeister Michael Fingel und Manuela Holtmeier zwei besondere Erinnerungsstücke

Scheidender Kommandeur Oberstleutnant Jochen Schnabel überreichte Bürgermeister Michael Fingel und Manuela Holtmeier zwei besondere Erinnerungsstücke – Nachfolgerin Oberstleutnant Bianca Zodrow-Wenke stellte sich im Rathaus vor

Mechernich – Es war ein Abschiedsgeschenk mit besonderer Symbolkraft: Zwei eigens für den Bundeswehrstandort gestaltete Coins hatte Oberstleutnant Jochen Schnabel mit in den Mechernicher Ratssaal gebracht. Die münzähnlichen Erinnerungsstücke zeigen auf ihrer Vorderseite das Mechernicher Stadtwappen, eingefasst von dem Schriftzug „Standortältester Mechernich“. Einen Coin erhielt Bürgermeister Michael Fingel, den anderen dessen persönliche Referentin Manuela Holtmeier.

Beide waren sichtlich gerührt und auch Jochen Schnabel selbst ließ dieser Moment nicht unberührt. Schließlich hat der scheidende Kommandeur seine Aufgabe als Standortältester des Mechernicher Bundeswehr-Standorts in den vergangenen zwei Jahren mit viel Herzblut wahrgenommen. Die Coins stehen daher nicht nur für den Bundeswehrstandort, sondern auch für die enge, vertrauensvolle Verbindung, die in dieser Zeit zwischen Bundeswehr und Stadt gewachsen ist.

Die Kommandoübergabe erfolgt Ende September, erste Fäden für die künftige Zusammenarbeit wurden bereits im Ratssaal geknüpft: Standortfeldwebel Robert Mees (v.l.), Bürgermeister-Referentin Manuela Holtmeier, Oberstleutnant Bianca Zodrow-Wenke, Bürgermeister Michael Fingel und Oberstleutnant Jochen Schnabel. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Die Kommandoübergabe erfolgt Ende September, erste Fäden für die künftige Zusammenarbeit wurden bereits im Ratssaal geknüpft: Standortfeldwebel Robert Mees (v.l.), Bürgermeister-Referentin Manuela Holtmeier, Oberstleutnant Bianca Zodrow-Wenke, Bürgermeister Michael Fingel und Oberstleutnant Jochen Schnabel. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Doch der Besuch im Rathaus stand nicht allein im Zeichen des Abschieds. Mit Oberstleutnant Bianca Zodrow-Wenke saß Schnabels Nachfolgerin bereits mit am Tisch. Noch vor der offiziellen Kommandoübergabe Ende September nutzte sie die Gelegenheit, Bürgermeister Michael Fingel und Manuela Holtmeier kennenzulernen und erste Fäden für die künftige Zusammenarbeit zu knüpfen. Begleitet wurden die beiden Offiziere von Standortfeldwebel Robert Mees.

„Hier herrscht ein sehr herzliches und angenehmes Miteinander. So stelle ich mir die Zusammenarbeit bilderbuchmäßig vor“, sagte Michael Fingel zur Begrüßung. Der Bürgermeister verwies auf die große Bedeutung des Bundeswehrstandortes für Mechernich und auf die vielen Berührungspunkte zwischen Stadt und Bundeswehr. Diese reichten vom gemeinsamen Jahresempfang und öffentlichen Veranstaltungen bis zur Zusammenarbeit in Krisenlagen.

22 Jahre bei der Bundeswehr

Bianca Zodrow-Wenke ist derzeit noch im Bundesministerium der Verteidigung in Bonn eingesetzt. Die 46-Jährige blickt auf 22 Dienstjahre und verschiedene Verwendungen als Logistikerin zurück. Unter anderem war sie während eines Auslandseinsatzes Chefin des Stabes in Jordanien. Mit Jochen Schnabel kreuzten sich ihre beruflichen Wege bereits mehrfach: Mal war er ihr Dezernatsleiter, während sie als Sachgebietsleiterin tätig war, später löste er sie im Auslandseinsatz ab.

Die Kommandoübergabe erfolgt Ende September, erste Fäden für die künftige Zusammenarbeit wurden bereits im Ratssaal geknüpft: Standortfeldwebel Robert Mees (v.l.), Bürgermeister-Referentin Manuela Holtmeier, Oberstleutnant Bianca Zodrow-Wenke, Bürgermeister Michael Fingel und Oberstleutnant Jochen Schnabel. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Die Kommandoübergabe erfolgt Ende September, erste Fäden für die künftige Zusammenarbeit wurden bereits im Ratssaal geknüpft: Standortfeldwebel Robert Mees (v.l.), Bürgermeister-Referentin Manuela Holtmeier, Oberstleutnant Bianca Zodrow-Wenke, Bürgermeister Michael Fingel und Oberstleutnant Jochen Schnabel. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Die verheiratete Mutter dreier Kinder lebt mit ihrer Familie in Lohmar. Auf ihre neue Aufgabe in Mechernich freue sie sich sehr: „Chefin zu sein, ist das Schönste, was unser Dienstherr uns anbieten kann“, sagte Zodrow-Wenke. Eine solche Führungsverwendung bringe zwar zahlreiche Herausforderungen und große Verantwortung mit sich, sei für sie aber gerade deshalb besonders reizvoll.

Auch für das Verhältnis zur Stadt formulierte die künftige Kommandeurin bereits eine klare Vorstellung: „Ein positives und freundliches Miteinander ist mir total wichtig.“ Nach Möglichkeit möchte sie die übliche dreijährige Verwendungsdauer vollständig in Mechernich absolvieren.

Gemeinsam für Krisenfälle üben

Ein Schwerpunkt des Kennenlerngesprächs war die weitere Verzahnung von Stadt und Bundeswehr bei der Krisenvorsorge. Gemeinsam wollen beide Seiten künftig mögliche Szenarien durchspielen und die Zusammenarbeit auch praktisch erproben.

Michael Fingel berichtete, dass sich die Stadt für außergewöhnliche Ereignisse organisatorisch neu aufgestellt habe. Wie wichtig verlässliche Kommunikationswege und eingeübte Abläufe sind, habe zuletzt der Ausfall des Umspannwerks in Kommern gezeigt. Damals war in zahlreichen Ortschaften der Strom ausgefallen.

„Es macht keinen Sinn, sich bei jedem Szenario neu zu erfinden“, betonte Fingel. Deshalb wolle die Stadt mögliche Lagen künftig nicht nur theoretisch betrachten, sondern auch praktisch üben. Jochen Schnabel begrüßte diesen Ansatz ausdrücklich. Die zivil-militärische Zusammenarbeit dürfe sich nicht allein auf gemeinsame Veranstaltungen und die Pflege des Brauchtums beschränken, sondern müsse gerade dort greifen, „wo es wirklich darauf ankommt“.

Rathausverteidigung mit Bundeswehr?

Dass Stadt und Bundeswehr auch auf einer ausgesprochen heiteren Ebene zueinanderfinden könnten, zeigt der Blick auf die kommende Karnevalssession. Weil der bisherige städtische Schütze für die Verteidigung des Rathauses nicht mehr zur Verfügung steht, brachte Michael Fingel eine Beteiligung der Bundeswehr ins Gespräch. „Vielleicht könnt ihr mir helfen, das Rathaus gegen die anstürmenden Karnevalisten zu verteidigen“, so das Mechernicher Stadtoberhaupt.

Jochen Schnabel zeigte sich von der Idee sofort angetan. Schwere militärische Fahrzeuge werde man für den närrischen Einsatz wohl eher nicht losschicken, scherzte der scheidende Kommandeur. Eine Beteiligung von Soldatinnen und Soldaten an der Rathausverteidigung könne er sich aber sehr gut vorstellen. Schließlich sei die Bundeswehr bereits bei früheren Veranstaltungen wie dem Brunnenfest deutlich sichtbar und gerne vertreten gewesen.

Auch Bianca Zodrow-Wenke signalisierte Offenheit. Sie selbst sei zwar keine aktive Karnevalistin, aber durchaus „für viele Schandtaten zu haben“. Innerhalb des Standortes wolle sie gerne für die Idee werben. Fingel sprach von einem möglichen neuen Projekt, das die enge Verbindung zwischen Bundeswehr und Stadt auf sympathische Weise sichtbar machen könne.

Abschied mit Wehmut

Für Jochen Schnabel wird mit der offiziellen Kommandoübergabe eine prägende Zeit in Mechernich enden. Künftig wird er als Adjutant des Befehlshabers des Unterstützungsbereichs der Bundeswehr tätig sein. Dieser führt mehr als 55.000 militärische und weitere zivile Angehörige.

Der Abschied von seinem Verantwortungsbereich mit mehreren Materiallagern und zahlreichen Beschäftigten fällt Schnabel nicht leicht. Bei seinen Besuchen an den einzelnen Standorten bekomme er durchaus „einen Kloß im Hals“, räumte er ein. Besonders wichtig sei ihm stets gewesen, die Menschen mitzunehmen, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und gemeinsam die Leistungsfähigkeit des Depots zu steigern.

Seiner Nachfolgerin sicherte Schnabel zu, dass sie in Mechernich auf eine offene, pragmatische und vertrauensvolle Zusammenarbeit bauen könne. Genau dafür standen am Ende des Antrittsbesuchs auch die beiden Coins im Ratssaal: für einen Abschied mit Wehmut und für eine starke Verbindung, die bleiben soll.

pp/Agentur ProfiPress