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Manfred Lang

08/19/2026

Ein Schatz unter Staub und Firnis?

Der Mechernicher Apotheker und Kirchenkunstforscher Dr. Peter Schweikert-Wehner möchte ein altes Johannes-Gemälde in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist restaurieren – Möglicherweise verbirgt sich hinter dem verschmutzten Werk eine spannende Geschichte

Der Mechernicher Apotheker und Kirchenkunstforscher Dr. Peter Schweikert-Wehner möchte ein altes Johannes-Gemälde in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist restaurieren – Möglicherweise verbirgt sich hinter dem verschmutzten Werk eine spannende Geschichte

Mechernich – Manchmal hängt ein Schatz nicht im Museum, sondern fast unbeachtet an einer Wand. Zum Beispiel in einer Kirche. Man muss nur genau hinsehen. Dr. Peter Schweikert-Wehner, der Mechernicher Apotheker, Kirchenkunstforscher und unter dem Pseudonym „Tryptychon“ publizistisch tätige Kenner ist in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist auf ein Gemälde aufmerksam geworden, das ihn nach eigenen Angaben nicht mehr loslässt.

Es zeigt Johannes den Täufer bei der Taufe Jesu im Jordan und ist jene Schlüsselszene, die eng mit dem Schutzpatron der Mechernicher Pfarrkirche St. Johannes Baptist verbunden ist. „Es ist toll, dass wir in Mechernich ein Werk haben, auf dem Johannes der Täufer dargestellt ist und dann auch noch in dieser entscheidenden Schlüsselszene“, konstatiert Schweikert-Wehner.

Leider sei das Bild im Lauf der Jahrhunderte in einem schlechten Zustand. Die Oberfläche sei nachgedunkelt und verschmutzt, Details seien kaum zu erkennen. Deshalb möchte Schweikert-Wehner, der auch Vorsitzender des städtischen Kulturausschusses ist, das Gemälde nach Möglichkeit reinigen und restaurieren lassen, falls die Pfarre ihre Einverständnis gibt. Dann erst werde man erkennen, was tatsächlich auf dem Bild alles zu sehen ist und welche Geschichte sich dahinter verbirgt.

Der Maler war kein Anfänger

Nach Peter Schweikert-Wehners vorsichtiger Einschätzung könnte es sich bei dem Gemälde – Öl auf Leinwand – um ein frühbarockes Werk handeln, das um das Jahr 1600 entstanden ist. Sicher sei das bislang nicht. Die Ausführung der Figuren und ihre Anatomie spreche dafür.

„Das war kein Anfänger“, ist sich Schweikert-Wehner sicher, der bei Wikipedia bereits unter seinem Pseudonym „Tryptychon“ über 4000 kunstgeschichtliche Expertisen veröffentlich hat, hauptsächlich über Kölner Kirchenschätze, aber auch über Werke aus dem Stadtgebiet Mechernich wie den Roggendorfer Schnitzaltar, das „Antependium von Mechernich“ oder die Kallmuther Pietà.

Das Johannes-Gemälde in der Mechernicher Pfarrkirche fasziniert Dr. Peter Schweikert-Wehner. Der unter dem Pseudonym „Tryptychon“ publizierende Kirchenkunstexperte sammelt bereits Geld, um das Kunstwerk restaurieren zu lassen und ihm mögliche Geheimnisse zu entlocken. Pfarrer Erik Pühringer ist mit diesem Vorhaben einverstanden und will sich für ein „Go“ des Kirchenvorstandes einsetzen. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress
Das Johannes-Gemälde in der Mechernicher Pfarrkirche fasziniert Dr. Peter Schweikert-Wehner. Der unter dem Pseudonym „Tryptychon“ publizierende Kirchenkunstexperte sammelt bereits Geld, um das Kunstwerk restaurieren zu lassen und ihm mögliche Geheimnisse zu entlocken. Pfarrer Erik Pühringer ist mit diesem Vorhaben einverstanden und will sich für ein „Go“ des Kirchenvorstandes einsetzen. Foto: Ronald Larmann/pp/Agentur ProfiPress

Besonders spannend findet er beim taufenden Johannes, dass auf dem Gemälde möglicherweise weitere Figuren dargestellt sein könnten. Es könnten Stifterfiguren sein, vielleicht sogar mit Wappen. Sollte sich das bestätigen, ließen sich über diese Hinweise vielleicht Rückschlüsse auf Auftraggeber, Entstehungszeit oder Herkunft des Werkes ziehen. „Denkbar, dass sich eine Signatur darauf befinden könnte“, sagt Schweikert-Wehner. Auch das lasse sich erst prüfen, wenn das Bild von Fachleuten in Augenschein genommen werde.

Für eine fachgerechte Untersuchung müsse das Bild abgenommen, auch von der Rückseite betrachtet und durch eine Restauratorin oder einen Restaurator professionell beurteilt werden. Erst dann könne man seriös beurteilen, wie alt es wirklich ist, ob es aus einer früheren Kirche stammt, etwa der Hauskapelle des untergegangenen Hauses Rath zwischen Roggendorf und Strempt, aus der auch andere kulturhistorische Kleinodien nach Mechernich kamen.

Schweikert-Wehner will auch mit Hilfe von Zeitzeugen der Frage nachgehen, ob das Bild aus der im Zweiten Weltkrieg zerbombten Mechernicher Pfarrkirche gerettet wurde oder ob es auf anderen Wegen nach Mechernich kam. Nicht nur für ihn hat das Gemälde besondere Bedeutung, weil Johannes der Täufer Patron von Mechernich und seiner Pfarrkirche ist. Auch die Alte Kirche auf dem Johannesberg steht unter seinem Patrozinium.

Schweikert-Wehners Begeisterung für alte Kirchenkunst kommt nicht von ungefähr. Der Apotheker beschäftigt sich intensiv mit Werken des Mittelalters und der frühen Neuzeit, besonders mit Kunst zwischen 1300 und 1600. Die Kölner Malerschule, Stefan Lochner, alte Altäre und die handwerklich hochentwickelten Werkstätten jener Zeit faszinieren ihn. „Alles zwischen 1300 und 1600“, sagt der Mann, den das „Kirchenkunstvirus“ bereits als Kind in den Sinziger Kirchen infizierte, wo er aufgewachsen ist.

Spendensammler

Auf das Mechernicher Bild aufmerksam wurde er bereits vor Jahren. Bei der Firmung seines Sohnes sei es ihm jetzt aufgefallen, wie dunkel es inzwischen geworden sei. Er sah genauer hin, machte Fotos und begann sich mit dem Werk zu beschäftigen. Je länger, desto größer wurde sein Wunsch, es reinigen und eventuell restaurieren zu lassen.

Für dieses Vorhaben sammelt er bereits Spenden. Bei seinen Kunstvorträgen jeden ersten Dienstag im Monat in der Puszta-Hütte am Stiftsweg und an anderen Orten hat er immer eine selbstgestaltete Sammelbüchse dabei. „Da tut sich auch was“, sagt er optimistisch. Sein Ziel ist es, genügend Mittel zusammenzubekommen, um eine fachgerechte Reinigung und Untersuchung zu finanzieren. Noch steht er am Anfang, auch die Abstimmung mit der Kirchengemeinde steht noch aus. Schweikert-Wehner will den Weg gemeinsam mit den Verantwortlichen gehen.

Ihm gehe es nicht nur darum, Fragen rund um das Gemälde zu beantworten: Was zeigt dieses Bild wirklich? Wer hat es gemalt? Wann ist es entstanden? Und wie kam es nach Mechernich? „Vielleicht wird sich am Ende herausstellen, dass es ein schlichtes, aber schönes Andachtsbild ist“, sagte er im Interview: „Vielleicht aber verbirgt sich hinter Staub, Firnis und dunklen Flächen tatsächlich ein bislang kaum beachtetes Stück regionaler Kirchen- und Kunstgeschichte.“ Für Dr. Peter Schweikert-Wehner wäre schon der erste Schritt ein Gewinn: das Bild wieder sichtbar zu machen. Denn erst wenn man erkennt, was auf der Leinwand noch verborgen liegt, kann seine Geschichte neu erzählt werden.

pp/Agentur ProfiPress