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Manfred Lang

04/20/2026

Brings, Bonhoeffer und der Blues

 

13 min read

Kölscher Jung und Wahl-Eifeler begeisterte bei persönlich inspiriertem Kulturkapellenkonzert in Bad Münstereifel

Bad Münstereifel/Mechernich – Es war einer dieser Abende, die lange nachklingen. Intim, persönlich, politisch – und immer wieder zutiefst kölsch. Stephan Brings, Bassist der Kölner Kultband Brings, gastierte in der Kulturkapelle von Haus Maria im Wohn- und Betreuungsverbund Haus Sonne an der Willy-Brandt-Straße – und verwandelte den Raum in ein musikalisches Wohnzimmer voller Erinnerungen, Haltung und Herz.

Die Nachfrage war enorm: Bereits wenige Tage nach Ankündigung war das Konzert restlos ausverkauft. Und das Publikum wurde nicht enttäuscht. Es wurde ein Abend wie ein Gespräch unter Freunden. Schon in der ersten Hälfte wurde klar: Hier steht kein distanzierter Rockstar auf der Bühne, sondern ein Erzähler. Einer, der sein Publikum mitnimmt in die eigene Geschichte – und in die seiner Familie.

Stephan Brings, Bassist der Kölner Kultband Brings, gastierte in der Kulturkapelle von „Haus Maria“ im Wohn- und Betreuungsverbund Haus Sonne an der Willy-Brandt-Straße – und verwandelte den Raum in ein musikalisches Wohnzimmer voller Erinnerungen, Haltung und Herz. Foto: Thomas Hochgürtel/pp/Agentur ProfiPress
Stephan Brings, Bassist der Kölner Kultband Brings, gastierte in der Kulturkapelle von „Haus Maria“ im Wohn- und Betreuungsverbund Haus Sonne an der Willy-Brandt-Straße – und verwandelte den Raum in ein musikalisches Wohnzimmer voller Erinnerungen, Haltung und Herz. Foto: Thomas Hochgürtel/pp/Agentur ProfiPress

Außerdem ist Stephan Brings Wahl-Eifeler mit Wohnsitz in Hostel (Stadt Mechernich), wo er und seine Frau Anja sich samt Kindern „onger de Dörpslöck“ ausgesprochen wohl fühlen. Stephan Brings sprach über seine Herkunft in Köln-Ehrenfeld und Bickendorf, über ein Elternhaus, das gleichermaßen von christlicher Ethik wie von sozialdemokratischer und gewerkschaftlicher Haltung geprägt war. Immer wieder blitzte dabei auf, was seine Musik und die seiner Mitstreiter bis heute ausmacht: der Blick für die „kleinen Leute“, für Solidarität und Zusammenhalt.

Politisch, persönlich und poetisch

Ein Satz blieb besonders hängen: „Der Stärkere muss auf den Schwächeren aufpassen.“ Das ist 1:1 der christlichen Sozialethik entlehnt.  Es war auch das Leitmotiv, das sich mit der Auswahl der Lieder durch den Abend „Stephan Brings solo in Bad Münstereifel“ zog. Es wurde politisch, persönlich und poetisch.

Den Auftakt setzte Brings nach der Begrüßung durch Maike Seidenfaden mit einem stillen, fast andächtigen Moment, dem Bonhoeffer-Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ – von ihm reduziert, bluesig, eindringlich. Überhaupt scheute er die leisen Töne in der Kulturkapellen-Kleinkunstreihe nicht, die das Team des Wohn- und Betreuungsverbunds seit Frühjahr 2025 in Szene setzen.

Maike Seidenfaden, gemeinsam mit Hardy Kremer Geschäftsführerin des Wohn- und Betreuungsverbunds Haus Sonne, begrüßte Stephan Brings zum nunmehr sechsten Gastspiel im Rahmen der Kleinkunstreihe „Kunst, Kultur, Vielfalt“ in der Kulturkapelle. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Maike Seidenfaden, gemeinsam mit Hardy Kremer Geschäftsführerin des Wohn- und Betreuungsverbunds Haus Sonne, begrüßte Stephan Brings zum nunmehr sechsten Gastspiel im Rahmen der Kleinkunstreihe „Kunst, Kultur, Vielfalt“ in der Kulturkapelle. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Immer wieder wechselte der Hosteler zwischen Musik und Erzählung, zwischen Humor und Nachdenklichkeit. So auch, als er eine bluesige Version der SPD-Hymne „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ anstimmte – augenzwinkernd mit dem Hinweis, er habe das Stück nach Berlin geschickt, „damit man sich erinnert“.

Seine Diagnose zur Gegenwart der Sozialdemokratie fiel dabei ebenso knapp wie prägnant aus: Der Verlust der Verankerung im Arbeitermilieu sei ein Kernproblem – eine Entwicklung, die er aus eigener Anschauung kennt. Persönliche Anekdoten verliehen dem Abend Tiefe. Brings erzählte von einer Begegnung mit Bundeskanzler Willy Brandt, der ihm die Hand gab, als sein Vater Rolly ihn mit zu einem Empfang anlässlich der Befreiung Nelson Mandelas mit nach Bonn genommen hatte – ein Moment, der sich eingeprägt hat.

So sei die Symbiose „ehemaliges Kloster Haus Maria“ in der Münstereifeler „Willy-Brandt-Straße“ eine maßgeschneiderte Kombination gewesen. Außerdem habe ihm die soziale Arbeit und das Engagement der ursprünglich Schönauer Privatinitiative „Haus Sonne“ mächtig imponiert.

Die Nachfrage war enorm: Bereits wenige Tage nach Ankündigung war das Konzert „Stephan Brings solo in Bad Münstereifel“ restlos ausverkauft. Und das Publikum wurde nicht enttäuscht. Es wurde ein Abend wie ein Gespräch unter Freunden. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Die Nachfrage war enorm: Bereits wenige Tage nach Ankündigung war das Konzert „Stephan Brings solo in Bad Münstereifel“ restlos ausverkauft. Und das Publikum wurde nicht enttäuscht. Es wurde ein Abend wie ein Gespräch unter Freunden. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Weniger heitere Erinnerungen fanden auch ihren Platz: die Zeit als Zivildienstleistender, in der er alte Menschen betreute, die „kein Wort Hochdeutsch konnten“ – und ihm zugleich halfen, sein Kölsch zu verfeinern. Oder die Erlebnisse als Chemikant in der Ausbildung bei Bayer Leverkusen.

Besonders bewegend wurde es, als Brings über den Krieg sprach. Als junger Mann habe er im Kalten Krieg geglaubt, die Welt könne in Minuten untergehen. Heute sehe er wieder Bilder von Stellungskriegen, wie sie schon die Großeltern beschrieben hätten. An seiner pazifistischen Haltung ließ er dabei keinen Zweifel – unter die Haut ging das Lied „Es ist an der Zeit“, eine von Hannes Wader getextete und gesungene Version von Eric Bogles „No Man’s Land“, das auch unter dem Titel „The Green Fields of France“ bekannt ist.

Musik zum Mitsingen mit Gänsehaut

In der zweiten Hälfte nahm das Konzert programmgemäß Fahrt auf. Der Aufforderung „Jetzt künnt Ihr mitsinge!“ hätte es nicht eigens bedurft. Natürlich durften die Klassiker nicht fehlen: Mit „Su lang mer noch am Lääve sin“, „Ne Kölsche Jung“ oder „Et letzte Bier“ verwandelte sich die Kapelle endgültig in eine Art kölschen Mitsingraum.

„Datt bliev net beij fönnef Minutte“, beschied Stephan Brings seinem Interviewer Manni Lang, der dem Kölner Rockstar nach der Pause einige Anekdoten zu entlocken versuchte. Auch das Publikum nutzte die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Foto: Ines Schumacher/pp/Agentur ProfiPress
„Datt bliev net beij fönnef Minutte“, beschied Stephan Brings seinem Interviewer Manni Lang, der dem Kölner Rockstar nach der Pause einige Anekdoten zu entlocken versuchte. Auch das Publikum nutzte die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Foto: Ines Schumacher/pp/Agentur ProfiPress

Dabei wurde auch deutlich, wie sehr sich die Band im Laufe ihrer Geschichte gewandelt hat. In ihren Anfangsjahren hatte Brings mit Karneval nichts zu tun. Erst mit „Superjeile Zick“ – ursprünglich ein Geburtstagslied von Peter Brings zum Zehnjährigen der Band – begann der Siegeszug im Fastelovend.

Zwischen den Liedern spannte Stephan Brings immer wieder den Bogen zur Bandgeschichte. Er erinnerte an die frühen Jahre im Rock’n’Roll, an Auftritte bei Rock am Ring und an die Zeit, als Produzent Major Heuser den Weg zu EMI ebnete. Auch die Vielfalt der Einflüsse wurde sichtbar: Projekte mit internationalen Musikern, Lieder über Migration und Zusammenleben – nicht zuletzt das Gemeinschaftsprodukt von Eko Fresh und Brings „Grüngürtelrosen“ mit dem Song „Eine bunte Brücke mitten in der Stadt“.

Eifel als Teil der eigenen Geschichte

Die Verbindung zur Eifel zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Schon als Kind sei er mit seinem Vater in der Region unterwegs gewesen – mit dem Fahrrad, mit der Bahn, auf Ausflügen mit dem Schulchor. Besonders eindrücklich sang er über die Flutkatastrophe im Juli 2021. Der 14. Juli habe sich eingebrannt, auch weil er persönlich Menschen aus der Region kannte, die umkamen: „In Kölle weiß kein Minsch, watt hier wirklich passiert iss…“

Stephan Brings erzählte und gestikulierte, als er an Projekte mit internationalen Musikern, Lieder über Migration und Zusammenleben – nicht zuletzt an das Gemeinschaftsprodukt von Eko Fresh und Brings „Grüngürtelrosen“ mit dem Song „Eine bunte Brücke mitten in der Stadt“ erinnerte. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Stephan Brings erzählte und gestikulierte, als er an Projekte mit internationalen Musikern, Lieder über Migration und Zusammenleben – nicht zuletzt an das Gemeinschaftsprodukt von Eko Fresh und Brings „Grüngürtelrosen“ mit dem Song „Eine bunte Brücke mitten in der Stadt“ erinnerte. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Auch Einblicke in seinen kreativen Prozess gab es: So entstand die Musik zum Brings-„Halleluja“ während einer seiner zahllosen Fahrradfahrten zwischen Mechernich und Kölle. Mit 20 Pfennig in der Tasche rief er damals von einer Telefonzelle aus zu Hause an, um die Melodie auf den Anrufbeantworter zu singen. Später habe er sich ein Diktiergerät zugelegt, um spontane Einfälle aufzunehmen.

Am Ende hielt es niemanden mehr auf dem Platz. Mit mehreren Zugaben – darunter „Kumm doon uss noch et letzte Bier“ und „Ne Kölsche Jung“ in der Version, die man nach dem Abschiedsspiel von Lukas Podolski bei dessen Ehrenrunde durchs Müngersdorfer Stadion gesungen und gespielt hatte – verabschiedete sich Stephan Brings.

Die Mischung aus Nähe, Haltung und Musik machte den Abend zu etwas Besonderem. Es war mehr als ein Konzert. Er war ein Stück rheinischer Kulturgeschichte im Kleinen – getragen von einem Künstler, der seine Wurzeln kennt und seine solidarische Haltung nicht versteckt. Einer, der weiß, wo er herkommt – und genau deshalb so viele erreicht. Die Moderation der Kleinkunstreihe lag einmal mehr in den bewährten Händen von Manfred Lang, die Organisation bei Maike Seidenfaden, Clara Schneider und Thomas Hochgürtel vom Team des Wohn- und Betreuungsverbundes Haus Sonne.

Stephan Brings sprach auch über seine Herkunft in Köln-Ehrenfeld und Bickendorf, über ein Elternhaus, das gleichermaßen von christlicher Ethik wie von sozialdemokratischer und gewerkschaftlicher Haltung geprägt war. Immer wieder blitzte dabei auf, was seine Musik und die seiner Mitstreiter bis heute ausmacht: der Blick für die „kleinen Leute“, für Solidarität und Zusammenhalt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Stephan Brings sprach auch über seine Herkunft in Köln-Ehrenfeld und Bickendorf, über ein Elternhaus, das gleichermaßen von christlicher Ethik wie von sozialdemokratischer und gewerkschaftlicher Haltung geprägt war. Immer wieder blitzte dabei auf, was seine Musik und die seiner Mitstreiter bis heute ausmacht: der Blick für die „kleinen Leute“, für Solidarität und Zusammenhalt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Kurze und erfolgreiche Geschichte

2025 standen mit Hannes Schöner (Ex-„Höhner“-Bassist), Hermann Heuser, Adi Zehnpfennig, Ralf Kramp, Manni Lang und Uwe Reetz bereits namhafte regionale Künstler in der Kulturkapelle auf der Bühne. Musik traf auf Literatur, Humor auf Nachdenklichkeit, Mitsingen auf leise Töne.

Alle Beteiligten bekannten und bekennen sich ausdrücklich zur Arbeit des Wohn- und Betreuungsverbunds Haus Sonne, der seit rund 30 Jahren Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen und Suchterkrankungen auf Ihren Wegen begleitet.

Nach diesem gelungenen Auftakt anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Wohn- und Betreuungsverbundes wurde die Reihe 2026 selbstbewusst fortgesetzt – mit einem Programm, das unterschiedliche Handschriften trägt: Bereits im März gastierte die berüchtigte „Eifel-Gäng“ wie Stephan Brings am 15. April vor ausverkaufter Kulisse. Er zeigte sich von seiner persönlichen Seite – jenseits großer Bühnen, nahbar und direkt: „Stephan Brings solo in Münstereifel“.

Das Ensemble „Frau Wollenweber und ihre Männer“ folgt am Mittwoch, 23. September, eine Formation, die sich bewusst gängigen Rollenbildern entzieht. Zwei Männer, eine Frau – eine explosive Mischung mit nicht üblicher Rollenverteilung. Wer sie kennt, weiß: Das ist Musik für die großen Fragen im Leben. Wer bin ich? Wo komme ich her?

Die Verbindung zur Eifel zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Schon als Kind sei er mit seinem Vater in der Region unterwegs gewesen – mit dem Fahrrad, mit der Bahn, auf Ausflügen mit dem Schulchor. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Die Verbindung zur Eifel zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Schon als Kind sei er mit seinem Vater in der Region unterwegs gewesen – mit dem Fahrrad, mit der Bahn, auf Ausflügen mit dem Schulchor. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Und was ist Glück? Unter der oft heiteren Fassade stecken drei nachdenkliche Köpfe, die das grelle Licht der Wahrheit auch auf sich selbst richten: Gerd Becker (Gitarre, Bass), David Merzenich (Gitarre, Schlagzeug, Gesang) und Nicole Wollenweber (Gesang, Percussion, Kazoo, Glockenspiel, Bass).

Den Abschluss des Jahres und des diesjährigen Kleinkunstprogramms „Kunst, Kultur, Vielfalt“ in der Kulturkapelle gestaltet am Mittwoch unmittelbar vor der Adventszeit, dem 18. November, der „Heimathirsch“ Manni Lang mit seinen beliebten „Eifelwinter“-Erzählungen – Literatur wie ein Holzofen an kalten Tagen: wärmend, leise knisternd, mit langem Nachglühen.

Alle Veranstaltungen finden – wie bereits 2025 – mittwochs in der familiären Atmosphäre der früheren Klosterkapelle statt. In den Pausen werden Getränke sowie kleine Speisen des hauseigenen Teams der Hauswirtschaft serviert, außerdem gibt es jeweils Bücher oder Tonträger der auftretenden Künstler, die auf Wunsch gerne signiert werden.
Der Eintritt (17 Euro) und freiwillige Spenden unterstützen die Teilhabeleistungen des Wohn- und Betreuungsverbundes.

pp/Agentur ProfiPress

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