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Henri Grüger

03/06/2026

„Alles, was wir tun, ist wichtig!“

 

10 min read

Yvonne Aregger und das Rotkreuz-Museum Vogelsang ip wurden mit dem dritten „Castiglione-Preis“ ausgezeichnet

Schleiden-Vogelsang – Hinter den schweren Mauern der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang wurden einst Täter ausgebildet, die später Kriegsverbrechen begingen. Nun fiel genau hier, über 80 Jahre später ein Satz, der gegenteiliger nicht sein könnte: „Humanität ist die einzige wirkliche Nationalität.“ Den richtigen Ton fand damit unter anderem der Euskirchener Landrat Markus Ramers für die Verleihung des dritten „Castiglione-Preises“ im Rotkreuz-Museum Schleiden-Vogelsang.

Stolze Preisträger/innen und Laudatoren bei der Verleihung des Castiglione-Preises im Rotkreuz-Museum Vogelsang (v. r.): Simon Jägersküpper, Yvonne Aregger, Dr. Volkmar Schön (Bundesverband), Landrat Markus Ramers, Dr. Alexander Schröder-Frerkes (Landesverband) und Bürgermeister Ingo Pfennings. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Stolze Preisträger/innen und Laudatoren bei der Verleihung des Castiglione-Preises im Rotkreuz-Museum Vogelsang (v. r.): Simon Jägersküpper, Yvonne Aregger, Dr. Volkmar Schön (Bundesverband), Landrat Markus Ramers, Dr. Alexander Schröder-Frerkes (Landesverband) und Bürgermeister Ingo Pfennings. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Mit diesem Geschichtspreis des Roten Kreuzes wurden das Rotkreuz-Museum Vogelsang ip sowie die Schweizerin Yvonne Aregger ausgezeichnet. Museumsgründer und DRK-Urgestein Zimmermann, war aus gesundheitlichen Gründen verhindert, aber per Video zugeschaltet. Neben vielen Gästen aus Kreis, Land und lokaler DRK-Familie waren auch Vertreterinnen und Vertreter aus dem Berliner Generalsekretariat, vom DRK Landesverband Nordrhein, aus verschiedenen Kreisverbänden, von der Schwesternschaft Bonn und sogar aus den Niederlanden mit dabei.

Leider aus gesundheitlichen Gründen verhindert, aber in den Herzen mit dabei: Rolf Zimmermann, Castiglione-Preisträger, ehemaliger Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Euskirchen und Visionär sowie Mitgründer des Rotkreuz-Museums Vogelsang. Hier beim Weltjugendtag in Vogelsang, 2022. Archivfoto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Leider aus gesundheitlichen Gründen verhindert, aber in den Herzen mit dabei: Rolf Zimmermann, Castiglione-Preisträger, ehemaliger Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Euskirchen und Visionär sowie Mitgründer des Rotkreuz-Museums Vogelsang. Hier beim Weltjugendtag in Vogelsang, 2022. Archivfoto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

„Teil unserer Gegenwart“

Warum der Preis „Castiglione“ heißt, erklärte Dr. Volkmar Schön (stellvertretender DRK-Vizepräsident a.D. und Jurymitglied): Nicht Solferino sei der Ort gewesen, an dem die Hilfe nach der großen gleichnamigen Schlacht von 1859 wirklich geleistet wurde – sondern Castiglione, wo Frauen unter dem Motto „Tutti Fratelli – alle sind Brüder“ die unzähligen Verwundeten versorgten. Sozusagen die Stunde Null der weltweiten Rotkreuz- und Roter Halbmond-Bewegung.

On top gab es 1.500 Euro für den Rotkreuz-Museum Vogelsang ip e.V.. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
On top gab es 1.500 Euro für den Rotkreuz-Museum Vogelsang ip e.V.. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

„Alle reden über Solferino. Aber die maßgebliche Hilfe wurde in Castiglione geleistet“, zitierte Schön örtliche DRK-Kräfte und spannte so den Bogen zur Geschichtsarbeit und dem dazugehörigen Preis: Gerade das, was im Schatten stehe, müsse sichtbar gemacht werden: „Geschichte erklärt die Gegenwart – warum man so ist, wie man ist.“

Freudestrahlend nahm Aregger ihre Auszeichnung von Dr. Volkmar Schön entgegen. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Freudestrahlend nahm Aregger ihre Auszeichnung von Dr. Volkmar Schön entgegen. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Der Präsident des DRK-Landesverbandes Nordrhein, Dr. Alexander Schröder-Frerkes, eröffnete zuvor die Veranstaltung: „Ich bin natürlich stolz, dass dieses Jahr eine Einrichtung aus unserem Landesverband diesen Preis erhalten wird.“ Und er machte klar: „Geschichte ist für uns nicht nur ein Rückblick – sie ist stets Teil unserer Gegenwart.“

Dr. Alexander Schröder-Frerkes, Landesvorsitzender des Roten Kreuzes, eröffnete den Abend und sprach seinen Stolz darüber aus, dass der Castiglione-Preis diesmal auch nach NRW geht. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Dr. Alexander Schröder-Frerkes, Landesvorsitzender des Roten Kreuzes, eröffnete den Abend und sprach seinen Stolz darüber aus, dass der Castiglione-Preis diesmal auch nach NRW geht. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Dr. Schröder-Frerkes erinnerte auch an die sieben Grundsätze des Roten Kreuzes – Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit, Universalität – auch und gerade in schweren Zeiten. Sein besonderer Dank galt aber dem Mann, ohne den es dieses Museum nicht gäbe: „Rolf Zimmermann – die Seele dieses Museums“, sagte Schröder-Frerkes, habe „etwas unsäglich tolles“ und bedeutendes geschaffen.

Aregger und Jägersküpper freuten sich sehr über die Würdigung ihrer wichtigen historischen Arbeit. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Aregger und Jägersküpper freuten sich sehr über die Würdigung ihrer wichtigen historischen Arbeit. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

„Bekloppte“ mit Mut

Landrat Ramers zeichnete den Wandel dieses besonderen Ortes in den Höhen des Nationalparks Eifel nach – und erzählte mit einem Schmunzeln: „Dann gab es so ein paar `Bekloppte´ – und mit Rolf Zimmermann vor allem einen `Bekloppten´ – der gesagt hat: Ja, genau hier können wir als DRK etwas machen!“

Unter den Gästen waren auch Vertreterinnen und Vertreter aus dem Berliner Generalsekretariat, vom Landesverband Nordrhein, aus verschiedenen Kreisverbänden, von der Schwesternschaft Bonn und sogar aus den Niederlanden. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Unter den Gästen waren auch Vertreterinnen und Vertreter aus dem Berliner Generalsekretariat, vom Landesverband Nordrhein, aus verschiedenen Kreisverbänden, von der Schwesternschaft Bonn und sogar aus den Niederlanden. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Was darauf folgte, ist bis heute eine Erfolgsgeschichte: Aus der gigantischen, vorbelasteten Fläche wurde mit viel ehrenamtlicher Arbeit und Herzblut ein internationaler Bildungs- und Begegnungsort. Und mittendrin: eines der größten Rotkreuz-Museen weltweit. Hier erfährt man viel über die verschiedensten Einsätze der Hilfsorganisation seit seiner Gründung und die daraus resultierende Verantwortung. Ramers schlug dabei die Brücke zur ausgezeichneten Forschung von Yvonne Aregger: Ihre Masterarbeit über Rotkreuzschwestern an der Ostfront (1941–1945) passe erschreckend gut an einen Ort, an dem einst Ordensjunker auf genau jene grauenhaften Kriegsschauplätze vorbereitet wurden – und wo Rotkreuz-Schwestern wie Else Huy einst ihren Dienst leisteten. Sein Fazit: „Geschichte darf nicht stumm bleiben – sie soll uns bewegen und motivieren, Verantwortung zu übernehmen.“

Yvonne Aregger wurde für ihre Masterarbeit über Rotkreuzschwestern an der Ostfront (1941–1945) ausgezeichnet. Sie trägt den Titel „Viel Arbeit. Es geht mir gut.“ Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Yvonne Aregger wurde für ihre Masterarbeit über Rotkreuzschwestern an der Ostfront (1941–1945) ausgezeichnet. Sie trägt den Titel „Viel Arbeit. Es geht mir gut.“ Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Auch der Schleidener Bürgermeister und Rotkreuzler Ingo Pfennings hob die besondere Kraft dieses Ortes hervor: „In diesem Rotkreuzmuseum wird Geschichte vermittelt und lebendig gehalten.“ Das DRK sei in Vogelsang längst mehr als „nur“ ein Museum – Campus, Akademie, Transit 59, Fluchthaus, Peace Camp. Junge Menschen kämen aus aller Welt hierher – und gingen „mit positiven Gefühlen“ wieder nach Hause, weil sie Demokratie, Begegnung und Menschlichkeit erlebten.

Für Jägersküpper sei der Preis eine Bestätigung: „Nicht nur für mich, sondern für das gesamte Team“, das diesem Ort des Friedens und der Gemeinschaft Leben einhaucht. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Für Jägersküpper sei der Preis eine Bestätigung: „Nicht nur für mich, sondern für das gesamte Team“, das diesem Ort des Friedens und der Gemeinschaft Leben einhaucht. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

„Viel Arbeit. Es geht mir gut.“

Die Schweizer Preisträgerin Yvonne Aregger nahm den Preis von Dr. Volkmar Schön sichtlich bewegt entgegen. Die Idee zur Masterarbeit sei von einer Professorin in Bern gekommen – in einem Archiv seien zuvor alte Fotos und Briefe von DRK-Schwestern gefunden worden. In ihrer Arbeit verglich sie dann das Rollenbild, das das NS-Regime propagierte, mit den Selbstzeugnissen der Schwestern vor Ort.

Landrat Markus Ramers betonte: „Humanität ist die einzige wirkliche Nationalität.“ Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Landrat Markus Ramers betonte: „Humanität ist die einzige wirkliche Nationalität.“ Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Den Titel ihrer Arbeit – „Viel Arbeit. Es geht mir gut.“ – entnahm sie dem Brief einer Schwester. Und sie nannte die Frauen, deren Tagebücher und Briefe ihre Grundlage waren: darunter Brigitte Penkert, Hanni Löhr und Liesel Eberhard. Nüchtern und eindringlich berichteten sie von ihren Einsätzen in Lazaretten, wo sie nicht selten Soldaten in den Tod begleiteten – und trotzdem einen „sehr starken Berufsethos“ hatten. Aregger betonte aber auch, wie klein der Forschungsstand zu dieser Erfahrungsgruppe bis heute sei: „Es gibt noch viel zu tun – in den Archiven liegen zahlreiche spannende Quellen.“

Bürgermeister Ingo Pfennings erzählte, wie junge Menschen aus aller Welt nach Vogelsang kommen und Demokratie, Begegnung und Menschlichkeit erleben. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Bürgermeister Ingo Pfennings erzählte, wie junge Menschen aus aller Welt nach Vogelsang kommen und Demokratie, Begegnung und Menschlichkeit erleben. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Simon Jägersküpper nahm den Preis von Dr. Schön stellvertretend für Rolf Zimmermann und sein tatkräftiges Team des Rotkreuz-Museums Vogelsang entgegen. Er erzählte, wie eine Reise Zimmermanns über Genf bis Castiglione eine Idee befeuerte – und wie aus einem fast leeren Haus, das man „mehr oder weniger für 50.000 Euro“ kaufen konnte, Schritt für Schritt ein bedeutendes Museum wurde, „das nach vorne blickt“. Der Preis sei nun Bestätigung für diese Arbeit „nicht nur für mich, sondern das gesamte Team“, das diesem Ort des Friedens und der Gemeinschaft Leben einhaucht.

Dr. Volkmar Schön betonte: „Geschichte erklärt die Gegenwart – warum man so ist, wie man ist.“ Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Dr. Volkmar Schön betonte: „Geschichte erklärt die Gegenwart – warum man so ist, wie man ist.“ Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

„Das Leben ist schön!“

Dann, bevor das so liebevoll wie aufwendig zubereitete Buffet des Ortsvereins Schleiden eröffnet wurde, wurde es noch einmal still im Raum – als Simon Jägersküpper die Geschichte der kleinen Maus Rosa, die einen Käfer rettet („Siehst Du? Ich habe die Welt verändert!“) und ihrem besten Freund Rigo vorlas, einem Leoparden, der eine Eichel findet und einen Baum pflanzt. Die Botschaft: „Alles, was wir tun, ist wichtig… Wenn du willst, dass etwas passiert, dann musst du es selbst tun. Denn es kommt auf Dich an!“ Für Jägersküpper ist das der Kern dessen, was Vogelsang heute sein soll: ein Ort, der Menschen ermutigt, Verantwortung zu übernehmen – gerade wegen seiner schweren Vergangenheit.

Der „Castiglione-Preis“ wurde von Bildhauer Bruno Raetsch nach dem Vorbild einer Statue in Castiglione gefertigt. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress
Der „Castiglione-Preis“ wurde von Bildhauer Bruno Raetsch nach dem Vorbild einer Statue in Castiglione gefertigt. Foto: Henri Grüger/pp/Agentur ProfiPress

Und über allem stand die Würdigung von Rolf Zimmermann – einem besonderen Menschen, der etwas möglich gemacht hat, von dem andere nicht einmal zu träumen gewagt hatten. So war er spürbar präsent: in der Atmosphäre, in Erinnerungen, Dankesworten und sogar in einem Podcast-Ausschnitt. Vielleicht passt deshalb gerade hier – zwischen Ordensburg und Nationalpark, zwischen Tätergeschichte und Rotkreuz-Grundsätzen – dieser (Grund-)Satz Zimmermanns so gut: „Das Leben ist schön!“

Link zur Podcast-Folge:

https://www.7gutegruende.de/rotkreuzmuseum-vogelsang-ip

pp/Agentur ProfiPress

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