Zirkusdirektor Michael Fingel musste trotz starker Unterstützung aus dem Rathaus kapitulieren – Mechernichs Prinz Torsten I. regiert nun das Rathaus und seine närrischen Untertanen haben in der Stadt jetzt bis Aschermittwoch das Sagen
Mechernich – Das war eine gelungene Premiere, auch wenn sie erwartungsgemäß nicht gut ausging für den neuen Bürgermeister Michael Fingel. Der war beim Rathaussturm als Zirkusdirektor verkleidet und hatte trotz seines Charmes aus der Manege und der tatkräftigen Unterstützung seiner Mitstreiter keine Chance gegen die geballte Narrenschar. In einer glücklichen Regenpause hatten sich zahlreiche Jecke vor dem Rathaus eingefunden und die vier Karnevalsvereine der Stadt rückten ebenso geschlossen wie unerbittlich an.

Mit dabei waren die Prinzengarde Mechernich, deren Chef Michael Hammer den Rathaussturm gekonnt moderierte, der Festausschuss Mechernicher Karneval, der KC Bleifööss sowie die Karnevalsfreunde Mechernich. Die Prinzengarde brachte wie immer ihre Kanone mit und schoss das Rathaus symbolisch sturmreif.

Vom Balkon aus wehrte sich Fingel tapfer. Mit Böllerschüssen aus einer Pistole – gereicht von Jürgen Erken – versuchte er, die anstürmenden Jecken aufzuhalten. Unterstützt wurde er von seiner Persönlichen Referentin Manuela Holtmeier und dem Ersten Beigeordneten Thomas Hambach. Doch am Ende half alles nichts.
Gereimte Kapitulation
In gereimten Versen musste Fingel seine Kapitulation erklären: „Denn noch nicht mal richtig angekommen, / wird mir das Rathaus schon wieder genommen. / Doch ich sag euch ganz frei heraus: / Euch Jecken überlasse ich gerne dieses Haus!“ Diese Ankündigung sorgte für großen Applaus vor dem Rathaus und sodann wurde die Schlüsselübergabe an Prinz Torsten I. (Krieg) besiegelt.

Der übernahm mit einer augenzwinkernden „Regierungserklärung“ das Kommando. In elf närrischen Paragraphen regelte er unter anderem, dass alle mitzufeiern haben, dass Bier und Mettbrötchen für Prinz und Gefolge bereitzustellen seien und dass selbst das Wetter an Karneval bitte mitzuspielen habe. In Mechernich klappte das zeitweise und die Schirme konnten wieder weggepackt werden.

Unter großem Applaus wurden sodann neue Fahnen in Blau und Gelb vor dem Rathaus gehisst. Darauf die Wappen der vier Karnevalsvereine und der Namen des Prinzen. Der hatte beim Rathaussturm fantastische Unterstützung. Denn mitgestürmt haben die Tollitäten aus dem gesamten Stadtgebiet: Prinz Stefan I. aus Vussem, Prinz Annika I., Bauer Jenni und Jungfrau Larissa aus Weyer, Prinz Kathrin I., Bauer Elena und Jungfrau Vivien aus Lorbach sowie Prinz Philipp und Prinzessin Cristina I. aus Bergheim.
Im Ratssaal wurde weiter gefeiert
Nach dem Kinderzug kamen auch die Kommerner Tollitäten hinzu: Prinz Marcel I. und Prinzessin Michaela I. Rühr sowie bei den Kindern Prinz Maxi I., Bauer Kilian und Jungfrau Louisa zogen später auch mit in den Ratssaal ein. Dort wurde weiter jeck gefeiert und geschunkelt. Für die kölschen Tön sorgte eine 21-köpfige Musikertruppe unter Leitung von Stephan Hülenkrämer. Ohne Proben, ohne festen Namen, aber mit umso mehr Herzblut sorgten sie für beste Stimmung in dem Saal, in dem sonst Politik gemacht wird.

Im Saal warteten auch Brötchen und Getränke auf die Besucher, schließlich hatte der Bürgermeister in seiner Kapitulationserklärung gereimt: „Und wenn ihr fragt nach dem Schrank voll Geld, / der Schlüssel passt, doch hatte ich bereits festgestellt. / Im Tresor sind keine Kohlen / zu holen! / Denn die Kassen sind leer, das sag ich frei heraus, / ich geb nachher trotzdem einen aus.“

Für Sicherheit sorgte erneut das Mechernicher DRK um Sascha Suijkerland, der schon zuvor in Kommern mit seinem Team im Einsatz war und über die tollen Tage hinweg zahlreiche Termine absichert. Als Dank erhielt Suijkerland aus den Händen von Prinz Torsten I. einen Orden.
Fastelovends-Diplom für den Bürgermeister
Den hatte auch Zirkusdirektor Michael Fingel erhalten. Neben einer Ehrung, die er vor dem Rathaussturm bereits entgegennehmen konnte. Bereits im November hatte Björn Wassong alias „Dr. Welsch“ dem frisch gewählten Bürgermeister beim Tollitätenempfang einen Crashkurs in Sachen rheinisches Brauchtum verpasst – inklusive Schultüte und i-Dötzchen-Kappe. Weil sich der Bürgermeister in der Session recht gut angestellt hatte, gab es nun folgerichtig das das offizielle „Fastelovends-Diplom“.

Auf der Urkunde heißt es: „Hehmöt widd bestätigt, dat osse ehrenwerte Börjermeiste Michael Fingel möt Hätz, Jeföhl un janz vill Jeckness dörch dä Fastelovend jejange öss – un dat möt Bravour!“ Das galt auch für seine Premiere beim Rathaussturm und so ist ganz Mechernich bereit für die tollen Tage mit einem dreimol kräftigen Mechernich Alaaf!












pp/Agentur ProfiPress
02/12/2026
