Zwei Tage für die Sinne

Zwei Tage für die Sinne
Mitmachen und wohlfühlen lautete auch diesmal die Devise für den stimmungsvollen Adventauftakt im LVR-Freilichtmuseum Kommern – Zweithöchste Besucherzahl aller Zeiten: Über 7300 Besucher kamen, schwelgten in Vorweihnachtsfreude und fanden doch noch Stille und Besinnung
Mechernich-Kommern – Zwei Dinge vorab: Der “Advent für alle Sinne” im LVR-Freilichtmuseum Kommern ist schon vom idyllischen Ambiente mehrerer historischer Fachwerk-Dörfer (Baugruppen) her nicht zu toppen. Und: Viele Menschen bedauern, dass es das stimmungsvolle Vorweihnachtsevent im ganzen Rheinland nur an einem, nämlich dem ersten Adventwochenende gibt.
Aber genau das ist das Pfund, mit dem Museumsleiter Dr. Josef Mangold und seine engagierte Mannschaft wuchern können. Was so voller positiver Emotionen und reizvoller Begegnungsmöglichkeiten steckt und dazu noch rar ist wie alle Kostbarkeiten des Lebens, das erfreut sich einer fast magischen Anziehungskraft.
Viel Hundert der weit über 7000 Besucher beim “Advent für alle Sinne” am Samstag (2878) und Sonntag (4464) kommen schon seit vielen Jahren, sind Stammgäste, fast kann man die Uhr danach stellen, wann genau sie wo zum Mitsingen, Geschichtenzuhören, Bartapfelessen oder Plätzchen-Backen auftauchen und mitmachen.
Einen Gang herunterschalten, langsamer, stiller, inniger werden, nicht nur konsumieren, sondern selbst mitmachen, das sind einige Begrifflichkeiten aus der Unternehmensphilosophie dieses rheinlandweit und darüberhinaus einmaligen Erlebnisangebots. Organisator Dr. Michael Faber: “In welchem Haus gibt es heute noch Hausmusik, wo erzählt man sich noch untereinander Geschichten oder liest sich gegenseitig vor?”
In der Schützendorfer Kapelle (Baugruppe Eifel) konnte man beim “Advent für alle Sinne” Adventslieder einstudieren, Samstags auch an einer Andacht zum Auftakt ins neue Kirchenjahr teilnehmen. Nebenan im “Haus Elsig” wurden Bratäpfel und regionale Eifeler Advents- und Wintergeschichten serviert.
Marianne und Hermann-Josef Reinartz machten in der gut geheizten Stube des alten Fachwerkhauses aus Bonn-Kessenich mit den Besuchern zusammen die erwähnte instrumental unterstützte Hausmusik. Bei Schmiedemeister Dieter Knoll in der Baugruppe Westerwald stoben die Funken bei der glühenden Metallverarbeitung – ein magischer Anziehungspunkt nicht nur, aber vor allem für Jungen.
Spitzenklöppelei (Haus aus Bilkheim) und Filzen (Speicher aus Mönchengladbach-Lürrip, Baugruppe Niederrhein) sprachen eher die feinmotorisch filigraneren Fertigkeiten der Damenwelt an. Kulinarisches kam über Geschlechter- und Altersgrenzen hinweg hervorragend an. Die Museumsbäckerei musste Sonderschichten einlegen, der Ofen glühte – und den Verkauf hatte man wegen des enormen Andrangs gleich in eine westerwälder Feldscheune ausgelagert.
Im Haus aus Altenburg wurden Trockenfrüchte und Tee gezeigt und angeboten, im Haus aus Ruppenrod tischten Bärbel Vossen und Erasmus Scheuer Original-“Muckefuck” auf, während der Mittelalter-Medienexperte Professor Dr. Ulrich Mehler nebenan in der guten Stube Geschichten erzählte. Eventorganisator Dr. Michael Faber, der Stellvertreter von Museumschef Dr. Josef Mangold, hatte mehrere gastronomische Anlaufstationen eingeplant, sodass die Menschenmassen stets bei allerhand leckeren Sachen unterkommen konnten, wenn es ihnen zu sehr stürmte oder, wie am Sonntag vereinzelt, einige Tropfen vom Himmel fielen.
Beide große Kölner Tageszeitungen berichteten einmal mehr in ihren Montagsausgaben groß, ausführlich und betont positiv über dieses vorweihnachtliche Erlebnis Tausender aus dem ganzen Rheinland. Darin fanden auch Nikolausdarsteller Erhard Hennes, der mit Esel durchs Museum zog, und viele Museumsmitarbeiter namentlich Erwähnung, die auch dieses Jahr wieder alles taten, um die Menschen zu bewirten und zu unterhalten.
Natürlich hatte die Museumsmannschaft um Cheforganisator Dr. Michael Faber auch die vorweihnachtliche Erwerbsbedürftigkeit der Adventsbesucher im Blick. So gab es diesmal im und vor dem Pingsdorfer Tanzsaal sowie im Haus Mannesmann (Baugruppe Bergisches Land) klassische Weihnachtsmarkt-Bereiche, in denen man adventliche und weihnachtliche Accessoires, Handwerkliches und Kunsthandwerkliches, Nützliches und Leckeres käuflich erwerben konnte.
Auch die Museumshandwerker waren im Einsatz: Im Haus aus Monschau-Rohren (Hohes Venn) wurde gewoben und Textiles verarbeitet, in der Korbflechterwerkstatt aus Hilfrath (Baugruppe Niederrhein) herrschte ebenso Hochbetrieb wie in der erwähnten Museumsschmiede (Westerwald). Auch Stellmacher und Mausefallenherstellerin waren im Einsatz.
Adventorganisator Michael Faber: “Wir haben viele Rückmeldungen bekommen, auch am Montag noch trafen Mails ein von Leuten, die sich bedankt haben und uns vor allem wegen unserer Liebe zum Detail loben.” Auch der Umstand, dass man trotz der großen Besucherzahl noch Raum für Stille und Besinnung finde, stoße auf große Anerkennung. Dr. Faber: “Auch wenn es viel wird, kann man sich im weitläufigen Museumsgelände zurückziehen und sein persönliches Refugium finden.”
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

29.11.2011