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„Wussten, was ein »Kölsch« ist“

Annegret und Volker Prause schreiben ihre „Erfolgsgeschichte Landhaus Brunnenhof“ nun zu Ende – Nach 44 Jahren als Gastgeber in Hotels, Restaurants und Landhäusern zurück in die alte Heimat Oldenburg

Mechernich-Holzheim – Eine Ära geht zu Ende: Nach 44 Jahren im Gaststätten- und Hotelfach verabschieden sich die bekannten Gastronomen Annegret und Volker Prause nicht nur von ihrem geliebten „Landhaus Brunnenhof“ in Holzheim, sondern auch aus dem Berufsleben – und aus der Eifel.

Den Holzheimer „Brunnenhof“ übernahmen sie im November 2004 und machten ihn mit einem Erfolgsrezept aus guter Küche, originellen gastronomischen Ideen und einem weithin bekannten Kleinkunst-Unterhaltungsprogramm zu einem „Hotspot“ im Kultur- und Gesellschaftsleben der Stadt Mechernich.

Beide stammen aus Oldenburg, in die Eifel kamen sie per Internet auf der Suche nach einem passenden Objekt als Hotel und Restaurant mit Veranstaltungsräumlichkeiten bis hundert Personen. „Ich wusste so gut wie nichts vom Rheinland, gerade mal, dass man Kölsch trinken kann“, scherzte Annegret Prause (64) im Interview mit dem Mechernicher „Bürgerbrief“.

Nach 44 Jahren im Gaststätten- und Hotelfach verabschieden sich die bekannten Gastronomen Annegret und Volker Prause nicht nur von ihrem geliebten „Landhaus Brunnenhof“ in Holzheim, sondern auch aus dem Berufsleben – und aus der Eifel. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Nach 44 Jahren im Gaststätten- und Hotelfach verabschieden sich die bekannten Gastronomen Annegret und Volker Prause nicht nur von ihrem geliebten „Landhaus Brunnenhof“ in Holzheim, sondern auch aus dem Berufsleben – und aus der Eifel. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Alles bereist außer Neuseeland“

 „Es war am 20. November 2004“, so Ehemann und Koch Volker Prause (66), der fünf Jahre als „Smutje“ auf Massengutfrachtern wie der „Emma Oldendorf“ alle Erdteile bereiste, ehe er seine eigene Jugendkneipe „Kleibroker Hof“ in Rastede (Oldenburg) übernahm und sich zunächst als Gastronom selbständig machte.

Dort war seine spätere Frau Annegret zu Gast – und beide verliebten sich nicht nur ineinander, sondern wurden auch ein außerordentlich erfolgreiches Hotelier- und Gastronomen-Gespann und Ehepaar, das

Tag und Nacht zu arbeiten verstand und sich dennoch um die Erziehung ihrer Töchter Miriam und Melanie und ihres Sohnes Max zu kümmern. Heute gehören auch fünf Enkel zur Familie, in deren Nähe Prauses jetzt wieder nach Niedersachsen ziehen.

„Miriam ist Fachinformatikerin, Melanie Druckereimeisterin, nur Max hat es ebenfalls in die Gastronomie gezogen“, so der stolze Vater. Der Junior hat im Hotel Excelsior in Köln gelernt und arbeitet heute im weltbekannten Petersberghotel im Siebengebirge.

Annegret Prause mit Erinnerungsstücken an Auftritte der Varieté- Bauchredner-Nummer Klaus & Willi und den Kabarettisten Achim Konejung & Hubert vom Venn. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Annegret Prause mit Erinnerungsstücken an Auftritte der Varieté- Bauchredner-Nummer Klaus & Willi und den Kabarettisten Achim Konejung & Hubert vom Venn. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Die ersten Jahre in Holzheim waren schwer“, erinnert sich Annegret Prause. „Die Leute kamen vor allem abends an die Theke zum Biertrinken“, so Volker Prause: „Alle redeten Platt und durcheinander und einer übersetzte auf Hochdeutsch…“

Doch die seit 1978 kampferprobten Gastronomen mit zeitweise 40 Mitarbeitern ließen sich nicht so schnell unterkriegen. Annegret: „Wir haben denen gesagt, dass sie nicht übersetzen müssen, wir verstehen von Haus aus Plattdütsch, und da gibt es viele gleiche und ähnliche Wörter wie im Rheinischen…“       

Den Wendepunkt markierte der Start einer Kleinkunst- und Varieté-Reihe „Wintergarten“ im „Landhaus Brunnenhof“ mit Zauberkünstler  Graf Cagliostro aus Köln, Travestieshow Jessica Ravell, Rockband „Wibbelstetz“, Bauchredner Klaus & Willi, den Kabarettisten Achim Konejung & Hubert vom Venn, der „Eifel-Gäng“, Troubadour Günter Hochgürtel solo, Krimiautor Ralf Kramp und Mundartist Manni Lang.

„Die Menschen kamen, um Kultur zu genießen und überzeugten sich beim Essen von unserer Qualität“, so Küchenchef Volker Prause: „Danach kamen sie immer mehr auch abseits der Konzerte und Shows, das Image wuchs und wuchs…“ Bis heute weiter, so dass der „Run“ auf Küche und Keller für die beiden Vielarbeiter manchmal zur Belastung geworden ist.

Den Holzheimer „Brunnenhof“ übernahmen Annegret und Volker Prause  im November 2004 und machten ihn mit einem Erfolgsrezept aus guter Küche, originellen gastronomischen Ideen und einem weithin bekannten Kleinkunst-Unterhaltungsprogramm zu einem „Hotspot“ im Kultur- und Gesellschaftsleben der Stadt Mechernich. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Den Holzheimer „Brunnenhof“ übernahmen Annegret und Volker Prause  im November 2004 und machten ihn mit einem Erfolgsrezept aus guter Küche, originellen gastronomischen Ideen und einem weithin bekannten Kleinkunst-Unterhaltungsprogramm zu einem „Hotspot“ im Kultur- und Gesellschaftsleben der Stadt Mechernich. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„31 Restaurants gingen unter“

„Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist“, aber leider haben wir schon überzogen“, resümiert Annegret Prause im Gespräch mit dem „Bürgerbrief“. Die Flut verstärkte diese Entwicklung noch, so ihr Mann Volker: „Wir bekamen am Publikumsandrang zu spüren, dass in der Region 31 Restaurants ausgefallen sind…“

Nach einem gesundheitlichen Handicap habe man sich entschieden, „die Reißleine zu ziehen und aufzuhören“, so, wie er es vor fast 45 Jahren auch als Seemann und Weltreisender getan hatte: „Sonst wäre ich nicht mehr davon losgekommen.“

Der Küchen- und Hotelchef erzählt: „Wir sind seit 1978 in der Gastronomie selbstständig. Zunächst als Pächter einer Gaststätte mit Clubzimmer in Rastede bei Oldenburg. Anschließend waren wir 20 Jahre lang im Hotel Schwegmann-Prause mit Gaststätte, Saalbetrieb, Kegelbahn und Hotelzimmern in Essen/Oldenburg tätig.“

Volker Prause erinnert sich gerne an das Kleinkunstprogramm im „Brunnenhof“ unter anderem mit der Travestieshow Jessica Ravell und den Jungs von der „Eifel-Gäng“, einzeln und zusammen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress
Volker Prause erinnert sich gerne an das Kleinkunstprogramm im „Brunnenhof“ unter anderem mit der Travestieshow Jessica Ravell und den Jungs von der „Eifel-Gäng“, einzeln und zusammen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Nebenbei“ managten Annegret und Volker Prause elf Jahre lang noch den Betrieb einer Stadthalle mit zeitweise bis zu 40 Mitarbeitern. „Nach der Wende wurden wir Mitinhaber der Broz & Prause GbR im Landhotel »Zu den zwei Linden« in Eggersdorf bei Magdeburg.“ Von dort führte sie eine Internetrecherche in die Eifel – und die Erfolgsstory „Landhaus Brunnenhof“ begann.

Bekannt sind die exquisiten und abwechslungsreichen Büffets. Chefkoch Volker Prause hat auch schon für die private Feier eines Ex-Bundeskanzlers am Herd gestanden – und will es bis zum letzten Tag in Holzheim weiter tun, als den man Freitag, den 16. Dezember, festgelegt hat. Am 17. Dezember feiert man noch mit Freunden, „danach kommen meine Kochhosen ins Feuer…“

Bis dahin gibt es noch vier Travestieshows mit Jessica Ravell & Friends vom 2. bis 4. Dezember jeweils ab 19 Uhr für 50 Euro inklusive Viergangmenü & Eintritt. Anmeldung unter (0 24 84) 91 91 331 oder info@brunnenhof.biz

pp/Agentur ProfiPress