Von Mechernich nach Compostela

Jakob Beissel pilgert für die Schutzbefohlenen der Hilfsgruppe Eifel von Weiler am Berge bis ans „Ende der Welt“

Jakob Beissel, der Jakobspilger aus Mechernich, will zu Fuß bis ans Ende der Welt. Seit knapp zwei Wochen ist er nun bereits unterwegs zum Apostelgrab im spanischen Santiago de Compostela. Er will sich und Gott wieder näher kommen - und nebenbei viel Gutes tun für die Schutzbefohlenen der Hilfsgruppe Eifel für tumor- und leukämiekranke Kinder. Foto: Julia Kohlhagen/KR/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – „Ein langer Weg liegt vor Jakob Beissel“, schreibt die Journalistin Julia Kohlhagen in der „Kölnischen Rundschau“: „Der 56-Jährige aus Weiler am Berge will auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela pilgern – und das im Winter.

Schon im Dezember will er die Pyrenäen überqueren – mit Temperaturen bis zu minus 20 Grad. „Das ist für mich noch einmal die ganz besondere Herausforderung“, sagte Beissel im Interview. Er will die drei Monate, die er für die Pilgerreise eingeplant hat, vor allem dazu nutzen, „zu seinem Fundament zurückzukehren“. Er wolle sich wieder auf das besinnen, was im Leben wirklich wichtig ist, und ganz bewusst die Natur wahrnehmen. Aber auch sein Glaube spielt eine außerordentlich große Rolle, wie der Pilger dem Mechernicher Diakon Manfred Lang vor dem Pilgersegen eröffnete. 

Gleichzeitig unterstützt er mit diesem Projekt  die Hilfsgruppe Eifel für tumor- und leukämiekranke Kinder, für die er auf seiner Pilgerreise Spenden sammelt. „Die Hilfsgruppe Eifel leistet wichtige Arbeit für krebskranke Kinder und ihre Familien. Und es ist eine Organisation, die direkt vor meiner Haustür liegt“, sagt der 56-Jährige Mechernicher. 

Beissel kennt den Kampf gegen den Krebs aus persönlicher Erfahrung: Mit 21 Jahren erkrankte er selbst an Krebs und besiegte ihn. „Diese Erfahrung hat mich sehr geprägt. Es war ein Schlüsselerlebnis. Seitdem  versuche ich immer nach vorne zu schauen.“

Sponsoren und seine Anhänger in der Facebook-Gruppe „Jakobs Jakobsweg“ unterstützen die wohltätige Pilgerreise. So gibt etwa jedes Mitglied der Facebook-Gruppe  einen Euro pro Zentimeter, den der Bart von Beissel in der Zeit seiner Pilgerschaft wächst, zur Spendensumme für die Hilfsgruppe. 

„Keine Sorge. Der Bart wächst etwa vier Zentimeter. Es muss also niemand mit Unsummen rechnen“ versichert der Jakobuspilger. Wichtig ist ihm aber, dass die Pilgerreise nicht zu einem Großereignis stilisiert wird: „Diese Reise hat für mich eine tiefe religiöse Bedeutung. Das soll nicht vergessen werden.“

2500 Kilometer liegen zwischen ihm und seinem Ziel. Zwei Jahre lang hat sich der gelernte Schreiner und Optiker auf sein Abenteuer intensiv mit Ausdauer- und Krafttraining vorbereite. Für das Pilgern habe er sich schon früher interessiert: „Es bedeutet für mich Freiheit und ist einfach etwas Außergewöhnliches.“

Auf Komfort will Jakob Beissel den Großteil seiner Reise bewusst verzichten und sich den „elementaren Herausforderungen der Natur“ stellen. „Geschlafen wird im Zelt. So werde ich nach der Reise die für uns alltäglich gewordenen Dinge, wie ein bequemes Bett, wieder richtig zu schätzen wissen“, vermutet Jakob Beissel, dessen Patron der Heilige Jakobus der Ältere ist, dessen Grab in Santiago de Compostela verehrt wird.

Für seine Sicherheit auf der nicht ganz ungefährlichen Winterreise bis zum Cap Finistere, dem mittelalterlichen „Ende der Welt“, hat der 56-Jährige gesorgt: Ein GPS-Sender zeigt jederzeit seinen genauen Standort an, der auf der Seite der Facebook-Gruppe zu sehen ist. So könne er im Notfall schnell gefunden werden, sagte Jakob Beissel im Gespräch mit Julia Kohlhagen.

Auch die Weihnachtszeit und Heiligabend will der 56-Jährige auf dem Jakobsweg verbringen: „An Weihnachten werde ich eine Kerze anmachen, ein Lied singen und ein Gebet sprechen.“ Vermissen wird Jakob Beissel in den nächsten drei Monaten vor allem seine Frau Claudia: „Ich habe ihr ein kleines Kreuz geschenkt – mit 100 Küssen, die sie während der nächsten drei Monate trösten sollen.“ 

Doch auch wenn die Trennung von Familie und Freunden schwerfällt, von seinem Weg abbringen will er sich nicht lassen. „Ich kann mich in Sachen regelrecht verbeißen. Mein Ziel ist es, in Santiago de Compostela anzukommen“, so der Pilger aus Mechernich.

pp/Agentur ProfiPress