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Vom Bleiberg in die weite Welt

Abgesetzte Fachgruppe Mechernich des Systemzentrum 23 Wunstorf wartet, repariert und modernisiert das FlaRak-Waffensystem „Patriot“ und betreut es in Training und Einsatz im In- und Ausland – Aktueller Leiter der Abgesetzten Fachgruppe Hauptmann Bernd Cyriax zeigt Ex-Werftleiter Peter Paul von Mayerhofen seine alte Einheit – Weniger Leute am Start, aber nach wie vor effektiv, innovativ und allzeit bereit – Bundeswehr-Berufsschule unterstellt – Politik gab  Bundeswehreinheit am Bleiberg Verlängerung bis 2030 

Mechernich – Es ist viel Wasser den Bleibach hinabgeflossen, seit Peter P. von Mayerhofen „Chef“ der Luftwaffenwerft 81 war. Der Mechernicher Ratsherr und Oberstleutnant a.D. ist Ende der 80er Jahre in die USA versetzt worden und 1992 aus der Luftwaffe ausgeschieden. Jetzt besuchte der Kommerner gemeinsam mit dem Reporter des Mechernicher „Bürgerbriefs“ seine alte Einheit, beziehungsweise das, was aus ihr geworden ist.

An einem im Modernisierungsumbau befindlichen Launcher, dem Lkw mit Startgerät für das Flugabwehrraketensystem „Patriot“, in Mechernich (von rechts): Bernd Cyriax, der Chef der Raketeninstandsetzung, und sein Vorgänger, der Mechernicher Ratsherr Peter P. von Mayerhofen, Bertram Weinem und Stabsfeldwebel Frank Schmidt. Foto: Manfred Langt/pp/Agentur ProfiPress

Außerdem besuchte von Mayerhofen mit Bernd Cyriax seinen Nachfolger. Der verfügt zwar nur noch über 62 Mann, ein erklecklicher Haufen im Vergleich zu von Mayerhofens einst 350 Soldaten und Zivilisten starker Ex-Werft.

So kennen auch Laien das Waffensystem „Patriot“ aus den Medien von Fronteinsätzen im türkisch-syrischen Grenzgebiet oder in Israel. Viele Mechernicher werden nicht wissen, dass das Waffensystem in Mechernich gewartet und zurzeit auch modernisiert wird. Dieses Bild wurde bei einem Übungsschießen auf Kreta aufgenommen. Foto: Bundeswehr/pp/Agentur ProfiPress

Setzten die Mechernicher Luftwaffenangehörigen damals in der heutigen „Abgesetzten Fachgruppe des Systemzentrums 23“ zwischen Malakowturm und Bergheim die Flugabwehrraketensystem Nike Herkules und Hawk instand, so ist Hauptmann Cyriax‘ Expertenteam heutzutage Hirn und Herz für das Flugabwehrraketensystem „Patriot“.

Ziviltechniker Bertram Weinem an einem entkernten Befehlscontainer, der in Mechernich modernisiert und umgebaut wird. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

In Mechernich werden die Radargeräte und die Feuerleitkabinen nicht nur gewartet und repariert, sondern auch modernisiert. Alles auf „Industrielevel“. Mechernich stellt auch mobile Unterstützungs- und Wartungstrupps für die im Ausland eingesetzten Patriot-Staffeln zusammen.

Türkei, Israel, Südkorea

In Mechernich gewartete und instandgesetzte Systeme und die dazugehörenden Bundeswehrbesatzungen überwachten nicht nur den Luftraum entlang der türkisch-syrischen Grenze. Die „Abgesetzte Fachgruppe Mechernich des Systemzentrums 23“, so die militärisch korrekte Einheitsbezeichnung, hat z. B. auch bei der Übergabe von Patriot- Großgerät für die israelische Armee das Waffensystem überprüft, wovon Erinnerungsbilder und Danktafeln im Briefingraum der Mechernicher Einheit zeugen.

Bertram Weinem zeigt Oberstleutnant a.D. Peter P. von Mayerhofen (l.), dem früheren Werftleiter der Mechernicher Flakraketeninstandsetzung und aktuellen Mechernicher Ratsherr, den Radar- und Feuerleitcontainer nach seinem Umbau. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Wartungstrupps aus Mechernich absolvierten 2017 mit 17 Mann 245 Montagetage im Ausland, unter anderem in den USA. In den vergangenen Jahren unterstütze man mit Personal und Material in Norwegen, Spanien, Mali, Griechenland, der Türkei, Jordanien, Afghanistan und Südkorea. Hinzu kamen 141 Montagetage mit 31 Soldaten im Inland.

Unter anderem werden diese veralteten Oszillographen gegen moderne Flachbildschirme ausgetauscht, hier mit (v.r.) Frank Schmidt, Peter P. von Mayerhofen und Bernd Cyriax. Das Geheiminis der Ertüchtigung des „Patriot“-Waffensystems, an dem auch der Fortbestand der abgesetzten Fachgruppe Mechernich des Systemzentrums 23 mit Hauptsitz im niedersächsischen Diepholz hing, liegt nicht nur in der Computer-Software. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Dass die abgesetzte Fachgruppe (54 Soldaten, acht Zivilbeschäftigte) des mit Hauptsitz im niedersächsischen Wunstorf (116 Soldaten und 117 Zivilbedienstete) angesiedelten Systemzentrums 23 überhaupt noch da ist, wo sie ist, nämlich in Mechernich, ist ein Politikum. Eigentlich sollte 2017 Schluss sein, weil das Waffensystem „Patriot“ ausgemustert werden sollte.

Ex-Werftleiter Peter P. von Mayerhofen hat Bernd Cyriax, dem aktuellen Chef der Raketeninstandsetzung in Mechernich, ein Gastgeschenk mitgebracht, ebenso einen Freundschaftsanstecker mit deutscher und amerikanischer Flagge. Von Mayerhofen gratulierte seiner „alten“ Einheit zum Verbleib in Mechernich bis mindestens 2030. Eigentlich hatte bereits 2017 mit Abschaffung des Waffensystems „Patriot“ Schluss am Bleiberg sein sollen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Da aber noch keine geeignete Nachfolge-FlaRak in direkter Reichweite ist, entschieden Bundesregierung und Verteidigungsministerium die „Ertüchtigung“, das heißt Modernisierung der „Patriots“ bis zum Jahre 2030. Genau mit dieser Runderneuerung verschiedener Teilkomponenten des Waffensystems sind Hauptmann Bernd Cyriax und seine 62 Mitarbeiter zurzeit beschäftigt.

Vom Kabinenboden bis zum Radarschirm

Die Softwareveränderungen kommen meist vom amerikanischen Hersteller und/oder der deutschen Verbindungsfirma MBDA, aber die Hardware einschließlich Komponentenumrüstung, Elektrik, Elektronik und neuen Flachbildschirmen im Feuerleitstand an Stelle der ausgemusterten Bildröhren sowie die gesamte Verkabelungstechnik und Kalibrierung bis zu neuen Türen und Fußböden in den Kabinen sind Aufgabe der Mechernicher Techniker, Handwerker und Handwerksmeister.

Das Wappen der abgesetzten Fachgruppe (54 Soldaten, acht Zivilbeschäftigte) Mechernich des mit Hauptsitz im niedersächsischen Wunstorf (116 Soldaten und 117 Zivilbedienstete) angesiedelten Systemzentrums 23. Wartungstrupps aus Mechernich absolvierten 2017 mit 17 Mann 245 Montagetage im Ausland, unter anderem in den USA. In den vergangenen Jahren unterstütze man mit Personal und Material in Norwegen, Spanien, Mali, Griechenland, der Türkei, Jordanien, Afghanistan und Südkorea. Hinzu kamen 141 Montagetage mit 31 Soldaten im Inland. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

In den fünf Hallen, die die gleichen sind, in denen früher von Mayerhofens 350 Mann zu Werke gingen und in denen die verbliebenen 62 Experten Nachlaufen spielen könnten, sind große Montage- und Kontrollstände aufgebaut. Davon sind eine ganze Reihe in Mechernich erfunden bzw. entwickelt worden.

Hauptmann Bernd Cyriax und seine Expertengruppe dürfen sich für nichts zu schade sein: Hier zeigt der Chef den maroden ausgetauschten Holz- und Alufußboden einer Containerbox, die nicht nur regen- und staubdicht und vollklimatisiert sein müssen, um Einsätze auch im Polarkreis oder in Wüsten bestehen zu können. Die mobilen Kommandozellen sind auch bedingt gegen Angriffe mit ABC-Waffen gewappnet. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Auf deutsche Handbücher greifen die Bundeswehrtechniker des Systemzentrums 23 kaum zurück. Hauptmann Cyriax: „Bei uns kann jeder Waffensystemtechniker Englisch, wir arbeiten mit den Originalunterlagen.“

Improvisation ist eine Stärke

Improvisieren könne man aber auch, wenn Dinge im Praxistest verbessert werden müssen. Ob alles funktioniert, kann man nach erfolgter Instandsetzung oder Ertüchtigung an drei elektronisch vermessenen Sendeplätzen in unmittelbarer Werftnähe am Bleiberg überprüfen.

„Ein großer Vorteil gegenüber Standorten ohne überprüfte Sendeplätze“, so Hauptmann Cyriax, der nicht nur Ex-Werftleiter Peter Paul von Mayerhofen Auskunft gab, sondern unlängst auch beim zehnten Treffen  ehemaliger Stabsoffiziere des früheren Mechernicher Luftwaffenversorgungsregimentes 8 referierte.

Fachsimpelei im Feuerleitstand (von rechts) mit Peter P. von Mayerhofen, Bernd Cyriax und Bertram Weinem. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Zu seiner Einheit gehört auch eine Art Bundeswehr-Berufsschule, die zwei Ausbildungsgänge (ZAW 1 und 2; Zentrale Aus- und Weiterbildung) zu Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistungen und Wirtschaftsfachwirten anbietet. Bildungsträger ist die Rhein-Erft-Akademie. 85 Zeitsoldaten erwerben dort zu IHK-Prüfungsbedingungen die Qualifikationen fürs spätere Berufsleben auf „Gesellen- und Meisterebene“. Die Kurse dauern zehn, beziehungsweise 22 Monate.

pp/Agentur ProfiPress

 

 

Infos MIM-104 Patriot

MIM-104 Patriot ist ein bodengestütztes Kurzstrecken-Flugabwehrraketen-System zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und taktischen ballistischen Mittelstreckenraketen.

Hersteller: Raytheon/Lockheed, Entwicklung: seit 1969, Erster militärischer Einsatz am 18. Januar 1991, Stückpreis: rund zwei Millionen Euro (PAC-2-Rakete)

Länge: 5,30 m (MIM-104A/B), 5,18 m (MIM-104 C), 5,20 m (PAC-3)

Durchmesser: 0,41 m (MIM-104A/B/C), 0,25 m (PAC-3)

Gefechtsgewicht: 914 kg (MIM-104 A/B), 900 kg (MIM-104 C), 312 kg (PAC-3) Antrieb: einstufige Feststoffrakete, Geschwindigkeit: > Mach 3 (MIM-104A/B), > Mach 4,1 (MIM-104C/PAC-3), Reichweite: MIM-104A/B: 70 km, MIM-104C: 160 km, PAC-3: 15 bis 45 km (Luftziele), 15 bis 45 km (ballistische Ziele)

Das Flugabwehrraketensystem Patriot besteht aus mehreren Einzelkomponenten, die auf Lkw (deutsche Version) montiert sind, um eine hohe Mobilität zu gewährleisten. Die einzelnen Teilsysteme sind entweder über Kabelverbindungen (Lichtwellenleiter/Zwei- und Mehrdrahtleitung) und/oder VHF-Funk miteinander verbunden.

AN/MPQ-53-Multifunktionsradar dient zur Erfassung, Identifizierung und Bekämpfung von Luftzielen. Die Bekämpfungsreichweite beträgt maximal 170 km, minimal 3 km. Das Radar sorgt ebenfalls für die Freund-Feind-Erkennung (IFF) durch elektronische Abfrage der Flugziele.

Die Antenna Mast Group (AMG) (deutsch: Antennenmastanlage (AMA)) verbindet mehrere Patriot-Einheiten über bis zu vier Richtfunkstrecken über weite Strecken mit hoher Redundanz und Störfestigkeit. Die maximale Ausfahrhöhe des Antennenmastes beträgt 34 Meter, die maximale Reichweite der Anlage 50 Kilometer.

Die M-901-Startgeräte (Launching Stations) können bis zu vier Lenkflugkörper der Varianten PAC-1/-2 oder 16 des Typs PAC-3 aufnehmen. Sie sind je nach EMCON-Status mittels VHF-Datenfunk und/oder Lichtwellenleiter mit dem Feuerleitstand verbunden.

Das Startgerät verfügt über eine eigene Stromversorgung mittels SEA (Strom-Erzeugungs-Anlage, 15 kW/400 Hz, max. 52A/Phase). Eine Feuereinheit verfügt üblicherweise über acht Startgeräte.

Das AN/MSQ-104 ist der Feuerleitstand des Patriot-Systems und eine der wenigen bemannten Komponenten. Von hier aus führen drei Bediener den Feuerkampf, wobei sie Anweisungen von der zentralen Feuerleitkabine ICC erhalten können. Das ECS ist aufgrund einer Vollklimatisierung überall einsetzbar und verfügt über einen kompletten ABC Schutz. Im Feuerleitstand (ECS) ist der Tactical Control Officer (TCO) (Feuerleitoffizier), der Tactical Control Assistant (TCA) (Feuerleitassistent) sowie ein weiterer Soldat für die Kommunikation tätig.

Die Feuerleitkabine (Information Coordination Central (ICC))  ist der zentrale übergeordnete Gefechtsstand, in dem taktische Entscheidungen auf Kampfführungsebene (Ebene Bataillon) getroffen werden und anschließend an bis zu sechs Feuerleitstände (Ebene Feuereinheit) weitergegeben werden.

Für den Einheitsführer steht eine weitere Kabine als Gefechtsstand zur Verfügung. Weitere Führungskabinen stehen für Wartungs- und Instandsetzungspersonal, Fernmelde- sowie Erkundungspersonal zur Verfügung. Die Stromversorgung für alle Komponenten wird über ein Strom-Erzeuger-Aggregat (Electric Power Plant (EPP)) mittels zweier auf Lkw montierter Generatoren mit jeweils 150 kW Leistung sichergestellt. (wikipedia)