Volle Hütte, tolle Stimmung

Volle Hütte, tolle Stimmung
“Eifel-Gäng” hantierte in der Zikkurat bis kurz vor Mitternacht – Am Schluss gab es Standing Ovations
Mechernich-Firmenich – Volles Programm, volle Hütte, tolle Stimmung: Bereits bei ihrem zweiten gemeinsamen Auftritt überhaupt handelte sich die “Eifel-Gäng” aus Ralf Kramp, Günter Hochgürtel und Manfred Lang am Samstagabend in der Plazzahalle der Firmenicher Kultur- und Freizeitfabrik “Standing Ovations” ein. 250 begeisterte Menschen erhoben sich demonstrativ von ihren Stühlen, um die gemeinsame Bühnenshow der jeder für sich schon recht bekannten “Eifel-Hirsche” zu würdigen.
“Und das ist es auch: Ich glaube die Mischung macht‘s”, sagte Veranstalter Alexander Koser, Eventmanager und BigBowl-Betreiber. “Einer singt, einer liest, einer trägt vor”, hieß es nahezu minimalistisch-bescheiden im Untertitel des Programms. Aber, wie heißt es doch so schön im Volksmund: “Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr”. Denn jeder der Drei reitet auf der Bühne sein ganz besonderes Steckenpferd: Der schon als “Wibbelstetz”-Frontmann und “Troubadour” reichlich zu Meriten gekommene Günter Hochgürtel begeisterte das Publikum sowohl mit seinen komischen Nummern als auch mit Gassenhauern wie “Kakushöll” oder “Meng Eefel”, die auf dem besten Wege sind, zu modernen regionalen Eifel-“Nationalsongs” zu werden. Und nicht nur das: Auch zur Allgemeinbildung des Publikums trägt Hochgürtel, der im Hauptberuf Redakteur des “Kölner Stadt-Anzeiger” ist, fleißig bei. Bei der Anmoderation des Liedes “Dat ruude Ribbelche” (“Ribbelche kennt jeder, das ist ein Moped.”) kam er darauf zu sprechen, dass früher so ein Gefährt “im Schopp” (gemeint ist ‚im Schuppen‘) untergestellt war. Das führte zu dem Exkurs, dass die Eifeler Wortschöpfung “Schopp” eine Weltkarriere gemacht hätte. So würde sie zum Beispiel im englischsprachigen Raum als “Shop” Verwendung finden.
Ralf Kramp wiederum, der sich als Karikaturist, Verleger und Krimimalautor durchs Leben bewegt, liest zum Brüllen komische Kurzkrimis wie etwa “Herzhäuschen” oder “Das Horoskop”. Zudem entpuppt sich Kramp, der in der Vulkaneifel wohnt und das Kriminalhaus in Hillesheim leitet, als Meister der subtilen Erotik. Das zeigt sich in “Das Covergirl”. Das aus dem prallen Leben gegriffene Stück beschreibt das Vorhaben von relativ-reifen Eifelerinnen, die ihre Männer mit einem Kalender von sich, aber “mit nix an”, überraschen wollen. Der Dorffotograf Fritz Körschgens (“Ich knipse Wälder, Rosen, Kinderkommunion und Pilze.”) lässt sich breitschlagen, die Bilder zu machen. Ehrensache ist, dass sich jedes Landmädel im ganz eigenen Tätigkeitsfeld ablichten lässt. So streckt Inge Pellmann, die im Ort den Tante Emma-Laden betreibt, dem Betrachter mit baumelnden Brüsten ein Stück Fleischwurst entgegen. Den Vogel schießt aber Melissa Frohwein ab, die von den übrigen nur “die Stadtschlampe” genannt wird: Sie lässt sich auf dem Golfplatz “mit Eisen 7 vor Loch 9 knieend” (Kramp) abbilden. Immer mehr spitzt sich alles auf die Frage zu, wer es von den Kontrahentinnen auf das Cover des Kalenders schafft. Dann geschieht ein Mord… Es hat etwas Genialisches, wie Kramp am Ende dieser Geschichte die Kurve zum Kriminalroman kriegt.
Die rezitierende Klammer zwischen Lied und Text ist dann Manfred Lang. Er ließ in Eifeler Platt und Hochdeutsch auch andere Poeten zu Wort kommen wie etwa die Mundartdichter Fritz Koenn und Jacob W. Flosdorff oder den legendären Carl Zuckmayer mit einem rheinischen Stammbaum aus “Des Teufels General”. Die Feinheiten der Eifeler Aussprache gab’s obendrein dazu. Sein Tipp, um die sprachliche Klippe zwischen dem hochdeutschen “ch”, das der Rheinländer aber immer als “sch” spricht: “Bleiben Sie beim ‚sch‘. In 50 Prozent der Fälle liegen sie richtig.”
Summa summarum: Drei Individualisten können auf der Bühne durchaus ein harmonisches Ganzes sein, wenn sie so überzeugend für etwas Gemeinsames antreten: Die Eifel. Als nächstes tritt die “Jäng” am Freitag, 20. Januar, nachmittags auf der “Grünen Woche” in Berlin und abends bei einem “Eifeler Abend” der LEADER-Region Eifel im Bankett-Saal des Berliner Hotels InterContinental auf. Es sollen möglichst viele Eifeler mitfahren und an die Spree, deshalb hat die Leader-Region Eifel unter Federführung des Mechernicher Traditions-Omnibusunternehmens “Schäfer-Reisen” auch Pauschalangebote mit Fahrt, Hotel und Programm organisiert. Wer bei der Aktion “Die Eifel in Berlin” mit dabei sein will, sollte unter 02443/98 99 20 anrufen (Fax 02443/ 98 99 99, Mail
reisen@schaefer-mechernich.de
).
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

29.11.2011