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Viel Auswahl im Talentschuppen

Steinfeld/Region Eifel – Das wichtigste vorweg: Auch im Angesicht schwindender Finanzen und bröckelnder Strukturen gibt es geistliche Berufungen. “Frauen und Männer fast jeden Lebensalters erreicht der Ruf zum Menschsein, zum Christsein, zum Jüngersein”, sagt Pfarrer Ludwig Kröger, der neue Leiter des Päpstlichen Werkes für geistliche Berufe in Aachen.
Er konstatierte in der letzten Aprilwoche vor der Dechantenkonferenz der Region Eifel im Kloster Steinfeld: “Wir haben vielfältige pastorale und nichtpastorale Berufungen und Talente in unseren Gemeinden. Und zwar viele!” Darunter auch Priester, so Kröger, wenngleich sich das Verhältnis zwischen klerikalen und nichtklerikalen Berufungen gewaltig verändert habe: “Vor dem Konzil wollten 95 Prozent Priester werden, heute sind es noch 40 Prozent der Interessenten für geistliche Berufe.”
Die Palette der Möglichkeiten, die Kröger in seinem “Talentschuppen”, wie der das Päpstliche Werk selbst nennt, verwaltet, ist breit: Sie reicht von der Wirtschafterin über die Alten- und Familienpflege, die Tätigkeiten als Pfarrhaushälterin, Sekretärin, Sakristan oder Musiker bis hin zu den Missions- Lehr- und Pastoralberufen.
Signifikant sei, so Ludwig Kröger zur KirchenZeitung, dass es fast niemanden mehr gebe, der den früher klassischen Weg vom Abitur zum Theologenkonvikt direkt geht: “Priesteramtskandidaten wie Ständige Diakone entdecken ihre Berufungen heute oft auf Umwegen erst im fortgeschrittenen Lebensalter.”
Auch Frauen erreicht nach wie vor der Ruf in die Nachfolge Christi. Und nicht alle sind fürs Ordensleben bestimmt. Pfarrer Kröger: “Wie aber gehe ich mit einer Berufung beispielsweise für die Gemeindepastoral um, wenn das Bistum keine Gemeindereferentinnen mehr einstellt?”
Auch solche schwierigen Fragen kamen in der Eifeler Dechanten-Konferenz aufs Tapet. Schließlich hieß ein Tagesordnungspunkt “Berufungspastoral unter veränderten Vorzeichen”. Eifeldekan Domkapitular Hajo Hellwig hatte Ludwig Kröger ganz gezielt im Vorfeld des Welttages der geistlichen Berufe am 6. Mai eingeladen.
Mit “veränderten Vorzeichen” gemeint waren “Finanznot, Personalkrise, Stimmung im Klerus”, so Pfarrer Kröger zur KirchenZeitung. Der frühere Pfarrer der Gemeinde Heilig Geist/Maria im Tann in Aachen nahm kein Blatt vor den Mund: “Ausbildungs- und Einstellungsstopp im Bistum Aachen sind eine Katastrophe.” Nicht nur der Mechernicher Dechant Erik Pühringer gab ihm recht: “Es ist schön und gut, wenn wir über Berufungen reden, aber es stimmt nachdenklich, wenn es keinerlei Personalpolitik gibt, die das unterstützt.”
Ludwig Kröger sagte, er versuche in seinem “geistlichen Talentschuppen”, die Dinge unter realistischen Rahmenbedingungen zu kanalisieren. Da komme es vor, dass die Frau, die in die Gemeindepastoral will, schließlich ein zweites Fach “mitstudiert” und hauptberuflich im Schuldienst landet, während sie pastoral im Ehrenamt tätig wird. “Es kann auch sein”, so Kröger, dass er solchen Berufungen den Weg in andere Bistümer ebne.
Das gelte auch für Kirchenmusiker, so der früher selbst als Sakristan und Organist tätige Priester. Nach Schließung der Aachener Schule vermittle er Musikerkollegen beispielsweise an süddeutsche Institute: “Und ich sage ihnen, dass sie ihre Kirchenmusikertätigkeit nach der Ausbildung aller Wahrscheinlichkeit nach nur im Ehrenamt betreiben können”.
Auch jungen Priesteramtsinteressenten macht der Diözesandirektor keine ökonomisch rosigen Versprechungen: “Weiß ich, was in 20 Jahren ist? Vielleicht müssen Priester dann für ihren Broterwerb noch einer anderen Arbeit nachgehen.” Gerade nach dem Weltjugendtag, so stellt der im November ins neue Amt gekommene Ludwig Kröger fest, schrecken solche Aussichten aber nicht unbedingt ab: “Man kommt momentan mit jungen Leuten sehr schnell und sehr gut über Kirche, Glauben und Papst ins Gespräch.”
Papst Benedikt, so Ludwig Kröger vor der Eifeler Dechanten-Konferenz, sei es ein besonderes Anliegen, dass in den Gemeinden für geistliche Berufe gebetet wird. Etwa 500 Gläubige im Bistum Aachen gehören entsprechenden Gebetsgemeinschaften an.
Auch legte der neue Leiter des päpstlichen Werkes für geistliche Berufe den Dechanten den ersten Donnerstag im Monat als Tag der geistlichen Berufe ans Herz. Ebenso die Ministrantenpastoral und spezielle Veranstaltungen für junge Leute.
Am wichtigsten aber sei, dass die Priester wieder mehr zu geistlichen Menschen würden und nicht “mit dem Terminkalender unterm Arm als Manager durch die Gemeinden hetzen. Es geht nichts über das persönliche Vorbild und eine gute Atmosphäre in den Gemeinden.”

Manfred Lang

08.05.2006