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“Unberührbare” werben für die Gleichheit

“Unberührbare” werben für die Gleichheit aller Menschen
Indische Folklore-Gruppe “Parai” auf Einladung von “missio” in Mechernich und Steinfeld zu Gast – Am 26. Oktober, 19 Uhr, Gemeinschaftskonzert mit “An Claddagh Dubh”
Mechernich/Steinfeld – “Parai”, das ist der Name der Trommel im südlichen Indien, mit der die Kaste der “Paraiyars” auf Begräbnissen der Angehörigen höherer Kasten aufspielte. Die Tätigkeit galt als unrein, die Trommler als “Unberührbare”. Gleichwohl kommt jetzt mit der gleichnamigen Folkloregruppe “Parai” eine Abordnung der 200 Millionen Dalits in Indien zu Besuch nach Mechernich und Steinfeld. Und zwar ausgerechnet, um Zeugnis dafür abzulegen, dass vor Gott alle Menschen gleich sind.
Denn die Dalits nutzen ihre eigene Folk-Kultur mittlerweile, um sich von den Demütigungen der “Unberührbarkeit” zu befreien, die nicht “Gott gewollt” ist. Die Parai-Trommel, einst Zeichen der Unterdrückung, ist heute ein Symbol des Stolzes auf die eigene Identität und Kultur. Nach Deutschland eingeladen wurden die Trommler, Sänger und Tänzer von der katholischen Missionshilfeorganisation “missio” in Aachen. Und zwar im Vorfeld des Weltmissionssonntages am 28. Oktober.
Den Abstecher in die Eifel am Freitag, 26. Oktober, organisierten und begleiten die aus Lückerath stammende missio-Mitarbeiterin Dr. Gertrud Schöbinger und der Bleibuirer Diakon Manfred Lang. Die Gruppe “Parai” spielt am Vormittag vor den Schülern des Gymnasiums am Turmhof in Mechernich und abends um 19 Uhr in einem öffentlichen Konzert in der Aula des Steinfelder Hermann-Josef-Kollegs gemeinsam mit der Folk-AG “An Claddagh Dubh” des Hermann-Josef-Kollegs.
Zur Folk-AG gehören zurzeit über 20 Schüler/innen der Klassen 6 – 13 und viele so genannte Ehemalige. Zur Instrumentierung gehören Gitarre, Geige, Banjo, Akustikbass, verschiedene Flöten, Oboe, Löffel, Kazoo, Maultrommel, Bodhran (irische Handtrommel), Didgeridoo und Autoharp. Im vergangenen Jahr hatte das von Gerd Weimbs geleitete Ensemble auch bereits bei einem “missio”-Gemeinschaftskonzert mit der tansanischen Folkloregruppe “KAKAU” mitgewirkt.
In Tamil Nadu, Südindien, thematisiert die Kulturgruppe Parai durch Tanz, Gesang und Straßentheater die Probleme der gesellschaftlich Ausgegrenzten. Sie spielt auf Festivals, geht in die Dörfer und macht den Menschen Mut. “Die Menschen sind sich oft nicht bewusst, dass das Kastensystem von Menschen gemacht und nicht Gott befohlen ist. Jahrhunderte lang ist den Dalits das Gefühl gegeben worden, minderwertig und unrein zu sein”, erklärt der Gruppenleiter Father Anthony Packianathan: “Wir vermitteln den Leuten, dass sie genauso viel wert sind wie jeder andere auch.”
Das Ensemble “Parai” und seine Mitglieder gehören zur Kommission der katholischen Bischofskonferenz Tamil Nadus, die sich für die Rechte und Förderung der Dalit- und Adivasi-Christen einsetzt. Teil der Kurse, die die Kirche in den 17 Diözesen Tamil Nadus zur Stärkung des Selbstwertgefühls anbietet und die von “missio” unterstützt werden, ist auch die Anleitung zu Folk-Workshops. Alle Mitglieder von Parai sind Trainer und selber Dalits. In Workshops sollen besonders junge Frauen und Männer auf dem Land ihre kulturellen Wurzeln kennen und schätzen lernen.
Die Gruppe “Parai” macht bereits seit Ende September eine Tour durch deutsche Diözesen und gibt dabei Einblick in die Lebenswelt der Dalits. Das Programm umfasst Lieder und Szenen, die den Kampf der Dalits um ihre Menschenwürde und gesellschaftliche Anerkennung zum Ausdruck bringen, ebenso wie Tänze und Gesänge, die Lebensfreude, Gemeinschaft und Solidarität untereinander widerspiegeln. Father Packianathan wird das Programm moderieren und Fragen beantworten.
“An Claddagh Dubh” singt und spielt deutsche und internationale Folklore, beim Gemeinschaftskonzert mit den indischen Gästen unter anderem “Some dreams”, “Und draußen steht eine bange Nacht”, “Die Moorsoldaten”, “Blowing in the wind” und “Streets of London”. Der Eintritt ist frei.
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

29.10.2007