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Trauer um Peter Schüller

Trauer um Peter Schüller
Mechernicher Alt- und Ehrenbürgermeister starb kurz vor Vollendung seines 85. Lebensjahres

Mechernich – Mechernichs Ehrenbürgermeister Peter Schüller ist tot. Der bislang einzige sozialdemokratische Bürgermeister in der
Nachkriegsgeschichte Mechernichs verstarb am Donnerstag, 18. Mai, um 16.45 Uhr im Kreiskrankenhaus im Beisein der Familie und Ärzte. Sein Amtsnachfolger Dr. Hans-Peter Schick (CDU) reagierte mit großer Betroffenheit und Trauer auf den Tod des Ehrenbürgermeisters: “Peter Schüller war ein ausgesprochen bodenständiger und populärer Politiker!” Bürgermeister Schick sprach Schüllers Familie sein herzliches Beileid aus.
“Er ist ruhig und friedlich entschlafen”, berichtete Peter Schüllers ältester Sohn Hans-Leo dem “Kölner Stadt-Anzeiger”. Peter Schüller wäre in acht Tagen 85 Jahre alt geworden. Seine Gesundheit war aber bereits seit einigen Jahren angeschlagen. Auch Ehefrau Luzie bedarf der Hilfe von Schwiegertochter Klara. “Wir sind froh, dass wir von ihr
so gut versorgt werden”, sagte Schüller dem Mechernicher Journalisten Joachim Sprothen noch im Januar d. J., als das über Mechernich hinaus bekannte Ehepaar seine Diamantene Hochzeit feierte. Anfang April verschlechterte sich der Zustand Schüllers so rapide, dass er ins Krankenhaus musste.
Peter Schüller wurde am 30. Mai 1921 in Mechernich geboren, ein Kind der Bergstraße, Mechernichs früherer Bergarbeiterkolonie mit traditionell hohem “roten” Wähleranteil. Bis zuletzt vermochte der an Krebs erkrankte und dialysebedürftige Patient selbst den Mikrokosmos einer Kleinstadt wie Mechernich exakt in “schwarz” und “rot” zu unterscheiden.
Wobei er vor einigen der “Schwarzen” einen Mordsrespekt gehabt habe, so Peter Schüller 2004 im Gespräch mit dem Journalisten Manfred Lang: Gleichwohl habe er mit ihnen gut zusammengearbeitet und Politik für die Menschen in Mechernich gemacht. Exemplarisch nannte er Ex-Stadtdirektor Helmut Rosen und CDU-Bürgermeister Heinz Kehmeier, aber auch Alt-Landrat Josef Linden als Mitspieler auf dem kreis- und kommunalpolitischen Parkett, gegen die, aber auch mit denen er erfolgreich Politik gemacht habe.
Willy Brandt wegen sei er 1968 in die SPD eingetreten: “Das war eine Zeit des Aufbruchs, da spürte man förmlich den Wind der Veränderung im Land.” Endlich schien zum Greifen nahe, wofür die Arbeiter und einfachen Leute seit Generationen gestritten hatten. “Mehr Demokratie wagen” wollte man, Mitbestimmung in den Betrieben, Chancengleichheit auch für Arbeiter- und Bauernkinder an Schulen und Universitäten.
Wofür Brandt und Wischnewski in Bonn und Johannes Rau in Düsseldorf antraten, dafür stritt der frisch in die SPD eingetretene Schüller in Mechernich und auf damals noch Schleidener Kreisebene. Bei der Kommunalwahl 1968 holte er auf Anhieb und erstmals in Mechernich einen Wahlbezirk direkt für die SPD: mit sechs Stimmen Vorsprung vor Hubert Traber.
1975 kam ein Kreistagsmandat dazu, ebenfalls direkt. Schüller im Zeitungsinterview 2004: “Ich war damals der einzige Sozi im Euskirchener Kreistag, der seinen Wahlbezirk direkt geholt hatte.” Direktmandate blieben die Regel – bis zu Schüllers Rücktritt als Bürgermeister nach dem zweiten Herzinfarkt 1994.
Zwei Monate vor Ende seiner regulären Amtszeit überließ er damals dem Stellvertreter, Heinz Kehmeier, einem Christdemokraten, das Amt. Auf Anraten der Ärzte. Schüller war Alt- und Ehrenbürgermeister der Stadt Mechernich, “Olivenritter” der Partnerstadt Nyons und Bundesverdienstkreuzträger.
Er habe während seiner politischen Karriere viele Erfolge und Tiefschläge erlitten, erzählte Peter Schüller, aber aufgegeben habe er nie. Auch nicht, als er “fast gesteinigt” wurde während der Bleikampagne in den 80er Jahren. Schüller: “Ich kam mir vor wie ein Unglücksrabe, der über Land flog und Unheil verkündete. Aber ich wusste, wie gefährlich Blei ist. Ich wusste, dass Kinder und Knappen an Bleivergiftung gestorben waren in der Vergangenheit und dass das von allen totgeschwiegen wurde.”
Einige hätten ihm sein damaliges Engagement für die Abdeckung der Bleisandhalden und das Verschwinden bleihaltiger Quellen aus der Wasserversorgung bis heute nicht verziehen. Schüller meint resigniert, mangelnde Zivilcourage habe am Bleiberg eine lange Tradition: “Hier sind haufenweise Bergleute an Staublunge krepiert, aber kein Arzt hat Staublunge diagnostiziert.” Ebenso verhalte es sich mit der “Bleikrankheit”. Offiziell seien nur Tiere an Bleivergiftung gestorben, nie Menschen. Der Mechernicher Ehrenbürgermeister zu Manfred Lang: “Dabei kann ich eine Reihe von Todesfällen aufzählen, besonders Kinder!”
“Er war gerecht, einfühlsam, großzügig und hilfsbereit”, beschreibt Hans-Leo Schüller im “Kölner Stadt-Anzeiger” die hervorstechendsten Charakterzüge seines Vaters. Aber vor allem: “Er hat sich immer an seine eigene Herkunft erinnert und den kleinen Mann geachtet.” Peter Schüller hinterlässt Ehefrau Luzie, die beiden verheirateten Söhne Hans-Leo und Jakob, vier Enkel und drei Urenkel. Seinen schlimmsten menschlichen Schicksalsschlag erlebte Peter Schüller im Jahr 1967, als der dritte Sohn Frank im Alter von zwölf Jahren tödlich mit dem Fahrrad verunglückte.
pp/Agentur ProfiPress

Manfred Lang

12.06.2006