Aktuelles

Stichwort: Bürgerstiftungen

Stichwort: Bürgerstiftungen
Die älteste Stiftung im Gebiet des heutigen Bundeslandes NRW wurde um das Jahr 900 gegründet. Bis ins Mittelalter gab es nur kirchliche Stiftungen, ab dem 13. Jahrhundert auch “weltliche”, die aber zunächst die gleichen mildtätigen Ziele verfolgten: Armen-, Kranken- und Altenhilfe.
Später kamen Familienstiftungen zur Unterstützung eigener Familienangehöriger hinzu, dann auch zielgerichtete Spartenstiftungen für Kunst und Kultur, Natur- und Umweltschutz, Wissenschaft und Forschung. Die in der Bundesrepublik noch recht junge Form der Bürgerstiftung, wie sie die Mechernich-Stiftung darstellt, kommt aus den USA.
Die erste “Community Foundation” wurde 1914 in Cleveland, Ohio, von Frederick H. Goff, einem bekannten Rechtsanwalt und Bankier, errichtet. Goff verfolgte mit dieser neuen Stiftungsform vor allem zwei Ziele: Zum einen wollte er auch solchen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, die über eher bescheidene finanzielle Mittel verfügten, die Möglichkeit eröffnen, diese in einer effektiven gemeinnützigen Initiative zusammenzuführen.
Zum anderen suchte er nach einem Weg, auf dem sichergestellt werden konnte, dass ein für gemeinnützige Aktivitäten gestiftetes Vermögen auch unter sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen und Bedürfnissen wirkungsvoll eingesetzt und dem Gemeinwesen so erhalten werden konnte.
Gegenwärtig gibt es in den USA etwa 600 “Community Foundations” mit einem Gesamtvermögen von über 25 Mrd. US-Dollar. Sie gehören zu den wichtigen Akteuren im öffentlichen Leben der Amerikaner. Nachahmer fand das Modell der Bürgerstiftung weltweit. In Kanada gibt es heute über 80 “Community Foundations” und in Großbritannien 60.
Obwohl das Modell einer Bürgerstiftung erst 1996 mit der Gründung der “Stadt Stiftung Gütersloh” erstmals in der Bundesrepublik umgesetzt wurde, gibt es heute bereits über 70 bestehende und eine Vielzahl entstehender Bürgerstiftungen in Deutschland.
Eine Bürgerstiftung ist frei von jeglicher Kontrolle oder Einflussnahme durch staatliche Instanzen, politische Organisationen oder einzelne Stifter. Aus diesem Grund wird sie von einem unabhängigen Führungsgremium aus Bürgerinnen und Bürgern geleitet. Sie kann in einem geographisch klar definierten Raum – wie im Falle der Mechernich-Stiftung dem Stadtgebiet Mechernich – auch verschiedene Anliegen verschiedener Stifter fördern und vertreten.
So ist in Mechernich bereits daran gedacht, die ohnehin geplante Stiftung eines anderen Mechernicher Bürgers mit in die Mechernich-Stiftung einzubringen. Sollte der andere Stifter andere Stiftungszwecke verfolgen als die Erststifter, würde sich die Palette der Stiftungszwecke einfach erweitern lassen. (Agentur ProfiPress)

Manfred Lang

13.10.2005